Neues aus der Forschung

Erkenntnisse zu Anthroposophischer Medizin, Krebstherapien, Homöopathie und mehr

Hier stellen wir Ihnen interessante Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien oder Umfragen vor. Wir beziehen uns in der Regel auf Originalveröffentlichungen und geben gleichzeitig auch diese Quelle an bzw. verlinken dorthin, sofern die Studien online einzusehen sind. 

Außerdem behalten wir uns vor, Studien zu bewerten und in den wissenschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Kontext einzuordnen. Der besseren Übersichtlichkeit halber führen wir die Studien nacheinander in einzelnen Beiträgen auf, so können Sie die Quellen besser zuordnen und leichter wieder auffinden: 

 

Neue Meta-Analyse

Individualisierte Homöopathie besser als Placebo!

Eine aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen belegt, dass die bisherigen Studien zur individualisierenden Homöopathie einen Therapieeffekt aufweisen, der den sogenannten Placeboeffekt übersteigt. Die Autoren schließen daraus, dass Arzneien, die auf der Basis einer individualisierten homöopathischen Arzneifindung verschrieben werden, einen zwar kleinen, aber spezifischen Therapieeffekt haben.

Es handelt sich um die mittlerweile fünfte Metaanalyse zur Wirkung homöopathischer Arzneimittel. Metaanalysen fassen die Ergebnisse vieler Studien statistisch zusammen und treffen damit eine Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie, so wie sie sich in den eingeschlossenen Studien darstellt. Was unterscheidet nun die neue Metaanalyse von den bisherigen?

  • Es handelt sich um die aktuellste und bisher umfangreichste Literaturrecherche, die auch Datenbanken einschließt, die bisher nicht berücksichtigt wurden bzw. nicht verfügbar waren.
  • Es wurden ausschließlich Studien zur individualisierten Homöopathie eingeschlossen (sog. "Einzelmittel-Homöopathie” oder “klassische” Homöopathie). Die bisherigen Metaanalysen schlossen auch andere Studien mit ein.
  • Die Heterogenität der ausgewählten Studien wurde in der statistischen Analyse in besonderer Weise berücksichtigt.
  • Die Studien wurden anhand eines vorab veröffentlichten Protokolls ausgewertet und auch bezüglich des Risikos beurteilt, einen Bias zu enthalten, also einen systematischen Fehler, der zu verzerrten Ergebnissen führen kann.

Quelle: Informationen zur Homöopathie
Studie: Robert T Mathie, Suzanne M Lloyd, Lynn A Legg, Jürgen Clausen, Sian Moss, Jonathan R Davidson and Ian Ford. Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Systematic Reviews 2014, 3:142

 

Weiterhin zu wenig Transparenz

bei klinischen Studien 

Trotz vieler Appelle und ethischer Verpflichtungen werden nach wie vor viele klinische Studien nicht registriert, Registereinträge nicht aktualisiert und Ergebnisse nicht veröffentlicht. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Anlass für die Kritik des Instituts ist die Aktualisierung einer Resolution der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Transparenz von Pharmadaten. „Dass bisher ein großer Teil der Ergebnisse klinischer Studien nicht offengelegt wurde, bedeutet, dass Patienten möglicherweise nicht die bestmögliche Behandlung bekommen – weil wir diese gar nicht ermitteln können“, sagte Beate Wieseler, Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG.

Siw Waffenschmidt, Leiterin des Stabsbereichs Informationsmanagement im Institut, sieht sich bei ihren Recherchen täglich konfrontiert mit der Unvollständigkeit von Studienregistern und veröffentlichten Studiendaten: „Um den Nutzen zweier medizinischer Interventionen zu vergleichen, benötigen wir alle Informationen über die Studien. Die Darstellung in den Registereinträgen oder in den Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften ist aber oft lückenhaft.“

Das IQWiG begrüßt, dass die WHO sich weiter für die Transparenz bei Pharmadaten einsetzt. Allerdings geht sie dabei nach Auffassung des Instituts nicht weit genug. Anders als die WHO hält das IQWiG die Offenlegung nicht nur künftiger Studien für notwendig, sondern auch älterer Studien, um ein neuen Wirkstoff oder ein neues Medizinprodukt mit bereits länger eingesetzten Therapien zu vergleichen zu können. Außerdem plädiert das IQWiG dafür, dass zusätzlich zu den primären und sekundären Studienergebnissen auch zwingend weitere Angaben, zum Beispiel über die gesundheitsbedingte Lebensqualität der Studienteilnehmer, registriert werden.

Quelle: Pressemitteilung des IQWiG vom 19. November 2014

 

Es geht auch ohne Antibiotika

bei Husten, Schnupfen und Mittelohr-Entzündung

Eine Studie über den Antibiotika-Einsatz bei Infektionen der Atemwege oder Mittelohrentzündung zeigt, dass die Behandlung durch anthroposophische Ärzte ohne Antibiotika eher noch bessere Ergebnisse erzielt als eine konventionelle Therapie mit Antibiotika. 

Die Studie verglich die Behandlung von 529 US-amerikanischen und europäischen Kinder mit akuten Atemwegs- oder Mittelohrentzündungen. Sie wurden entweder durch anthroposophische oder durch konventionelle Ärzte behandelt. Das Ergebnis: Während von den anthroposophisch behandelten Kindern nur jedes zwanzigste (= 5,5 Prozent) ein Antibiotikum erhielt, stellten konventionell orientierte Ärzten für jedes vierte Kind (= 25,6 Prozent) ein Rezept für ein Antibiotikum aus. Und: Die anthroposophisch behandelten Kinder benötigten seltener Schmerzmittel; auch waren die Eltern dieser Gruppe mit dem Behandlungsergebnis zufriedener.

Der sorglose Einsatz von Antibiotika führt zunehmend zu großen Problemen in westlichen Industrieländern, weil die Zahl der resistenten Keime stetig zunimmt. Immer häufiger treten multiresistente Erreger auf, vor allem in Krankenhäusern. Die DAK Krankenkasse hatte schon 2014 in ihrem Antibiotika-Report festgestellt, dass entgegen der Behandlungsrichtlinien bei Erkrankungen der oberen Atemwege immer noch regelmäßig Antibiotika verschrieben werden. Diese neue Studie zeigt einmal mehr, dass das weder nötig noch vorteilhaft ist. 

Auch ZEIT Online hatte sich in einer 15-teiligen Serie des Themas "Antibiotika-Einsatz in Medizin und Landwirtschaft angenommen: „Tödliche Keime“.

 

Quelle: Harald J. Hamre, Anja Glockmann, Reinhard Schwarz, David S. Riley, Erik W. Baars, Helmut Keine, Gunver S. Kienle: Antibiotic use in Children with Acute Respiratory or Ear Infections: Prospective Observational Comparison of Anthroposophic and Conventional Treatment under Routine Primary Care Conditions. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine. Vol. 2014, Article ID 243801

Waldorf-Schüler sind gesünder

... auch im Alter!

Eine neue Studie zeigt, dass es sich auf lange Sicht auszahlt, schon bei Kindern und Jugendlichen auf ein gesundes Umfeld zu achten. „Wir haben herausgefunden, dass ehemalige Waldorfschüler/innen gerade bei den Erkrankungen des Bewegungsapparats bis ins hohe Alter deutlich gesünder sind als Absolventen anderer Schulen“ – so lautet das Fazit von Prof. Dr. Christoph Hueck von der Freien Hochschule Stuttgart in einer aktuellen Studie zur langfristigen Gesundheit von Waldorfschüler/ innen.

In der Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Sozialmedizinischen Institut der Berliner Charité erarbeitet wurde, waren 1.100 Absolventen von Waldorfschulen im Alter von 20 bis 80 Jahren nach ihrem Gesundheitszustand befragt und mit einer Kontrollgruppe von 1.700 Absolventen anderer Schulen verglichen worden. Das Ergebnis: Ehemalige Waldorfschüler/innen litten seltener an Arthrose (-30%), Gelenkschmerzen (-40%), Gleichgewichtsstörungen (-45%), Magen-Darm-Beschwerden (-20%) und Schlafstörungen (-30%). 

Besonders auffällig: Es konnte gezeigt werden, dass die bessere Gesundheit nicht von außerschulischen Faktoren wie dem eigenen Gesundheitsverhalten oder dem sozio-ökonomischen Hintergrund des Elternhauses abhing. Vielmehr ergaben sich die Unterschiede unabhängig von Sport, Ernährung, Rauchen, Alkoholkonsum und Bildungsstand des Elternhauses. Offenbar war die schulische Gesundheitserziehung ausschlaggebender. 

Die Waldorfpädagogik setzt auf einen ganzheitlich geprägten Unterricht, der eine gesunde Balance zwischen Intellekt, Gefühl und Bewegung sucht. Dabei ist das rhythmische Wechselspiel zwischen körperlichem Auf- und Abbau, Wachen und Schlafen, Erkennen und Tun entscheidend.

Welche Faktoren im Detail zu den guten Ergebnissen führten, muss noch genauer geklärt werden. Die Autoren regen an, den Zusammenhang zwischen Unterrichtsmethodik und Gesundheit in Querschnittsstudien oder – noch besser – in prospektiven, groß angelegten Längsschnittstudien genauer zu erforschen. 

 

Quelle: Fischer, F. et al. (2013): The effect of attending Steiner schools during childhood on health in adulthood: A multicentre crosssectional study. PLOS one, 8(9)

Der Bund der Freien Waldorfschulen hat zu dieser Studie ein Video veröffentlicht. 

Nicht von Interesse?

Nebenwirkungen von Krebstherapien werden kaum thematisiert

Die Frage der Lebensqualität bei Krebskranken, die insbesondere am Lebensende relevant ist, wird in Studien kaum thematisiert. Diese Bilanz ziehen Wissenschaftler, die für das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) insgesamt 100 Publikationen ausgewertet haben. Nur in etwa einem Viertel der Veröffentlichungen wurden die Effekte der Nebenwirkungen der Therapien auf die Lebensqualität der Patienten adäquat dargestellt

„Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die spezifische Therapiesituation der Patientinnen und Patienten, bei denen das Lebensende absehbar ist, in den Publikationen nicht angemessen abgebildet wird“, resümiert Stefan Lange, stellvertretender Leiter des IQWiG und einer der Autoren des Arbeitspapiers. Dies sei ein folgenschwerer Mangel, da die Ärzte sich in Gesprächen mit ihren Patienten auch auf Ergebnisse klinischer Studien bezögen. „Sie können nur dann gemeinsam gute Entscheidungen über Therapieoptionen treffen, wenn sie vollständige und ungeschönte Informationen über den zu erwartenden Nutzen und Schaden haben“, so Lange.

Unser Kommentar:

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern muss man sich fragen, warum übergeordnete patientenorientierte Therapieziele in Krebsstudien so wenig Berücksichtigung finden. Gerade bei Krankheitsverläufen, die absehbar zum Tode führen, spielt die Lebensqualität für viele Menschen eine oft viel entscheidendere Rolle als die Frage danach, ob sie durch eine aggressive Therapie eventuell einige Wochen länger leben. 

Quelle: IQWiG Pressemitteilung vom 22. April 2014