Nachrichten

zu Gesundheitspolitik/Gesundheitssystem und ganzheitlicher Medizin

Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten, die wir einmal im Monat als Newsletter verschicken. Wir greifen aktuelle Neuigkeiten aus verschiedenen Medien auf – zu Gesundheitsthemen, aber auch zu Forschungsergebnissen, zur Gesundheitspolitik und ganzheitlicher Medizin.

Wenn Sie regelmäßig informiert werden möchten, abonnieren Sie doch einfach unseren monatlichen Newsletter und erhalten Sie alles Wissenswerte zuverlässig per E-Mail!  

Offener Brief an die Redaktion CORRECTIV vom 19. März 2017

Anlässlich der Artikelserie "Warum wir über Impfungen berichten" des Recherchezentrums CORRECTIV hat Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV, einen offenen Brief geschrieben, mit dem Ziel, sich für mehr Transparenz zum Thema Impfen und eine differenzierte Betrachtung der Umstände und Fakten einzusetzen.

Liebe RedakteurInnen von CORRECTIV,
vorab: Ich bin kein Impfgegner! Ich bin kritisch denkender Kinderarzt und seit Jahren engagiert für einen differenzierten Impfentscheid durch die Betroffenen.

Mit Verwunderung nahm ich zur Kenntnis, dass sich Ihr Netzwerk, dem ich bisher durchaus Vertrauen entgegengebracht habe, dem Impfthema nun unter dem Titel "Warum wir über Impfungen berichten" auf überaus undifferenzierte Weise nähert. Warum recherchieren Sie nicht umfassend zu diesem Thema, sondern schreiben lediglich ab, was die PR-Abteilungen der Industrie an Material liefern? 

Einige Beispiele:

  • Sie suggerieren, bei Impfungen handele es sich um ein homogenes Thema, vergleichbar mit dem Motto: Kernenergie ist gut oder schlecht. Das ist falsch: Eine Impfung gegen HPV ist etwas völlig anderes als eine gegen Polio oder Masern. Die Konsequenzen, die sich aus der jeweiligen Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Impfung ergeben, sind daher auch unterschiedlich. Wenn man sich zum Beispiel bei seinem Kind – entgegen der STIKO-Empfehlungen – gegen eine Rotavirusimpfung im ersten Lebensjahr entscheidet, ist man noch lange kein Impfgegner, wie von Ihnen indirekt unterstellt wird.
  • Sie sprechen von Impfstoffsicherheit und haben es nicht einmal nötig zu berichten, dass die Datenlage zu diesem Thema gerade in Deutschland sehr mangelhaft ist. Derzeit gibt es lediglich ein für Betroffene schwer zugängliches passives Meldesystem. Ärzte, die selber impfen, haben ein ausgesprochen geringes Interesse an der sauberen Erfassung von Komplikationen der Maßnahmen, die sie selber veranlasst haben. Eine aktive, das heißt Post-Marketing-Surveillance, wie wir sie von Seiten der Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V. seit langem fordern, findet zumindest in Deutschland nicht statt.
  • Sie lassen Ihre Arbeit zu diesem Thema indirekt von einer Foundation finanzieren, die engstens mit Impfstoffherstellern verbunden ist. Die Behauptung, dass auf bestimmte Inhalte kein Einfluss genommen wurde, wirkt mehr als bemüht.
  • Sie suggerieren, die HPV-Impfung biete einen hundertprozentigen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs. Richtig ist, dass es inzwischen lediglich Belege dafür gibt, dass Vorstufen dieser Erkrankung durch die Impfung beeinflusst werden können.
  • Die Informationen über unterschiedliche Preise in verschiedenen Ländern sind überdies nicht neu und lassen sich überall offen im Netz finden.

Warum befassen Sie sich kaum mit der Frage, warum das Vertrauen gegenüber Impfungen in den Industrienationen, vor allem in Frankreich, so zusammengebrochen ist? Warum stellen Sie nirgendwo die Frage, wer eigentlich für annähernd hundert Prozent der "Evidenz" bezahlt, die heute zu Impfstoffen vorliegt? Warum machen Sie stattdessen für die Impfmüdigkeit der Bevölkerung eine weltvergessene "Zurück-zur Natur-Bewegung" verantwortlich? Worauf gründen Sie diese Behauptung? 

Was Sie hier mit Ihrer Artikelserie anstellen, ist nicht nur einfach schlechter Journalismus, sondern wirkt tendenziös in jeder Hinsicht. Schade. Eine Quelle weniger, der man noch vertrauen kann!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand GESUNDHEIT AKTIV e. V. 

Übrigens:
Konkrete Informationen zu einer differenzierten Impfentscheidung finden Sie unter www.individuelle-impfentscheidung.de und hier auf unserer Homepage unter "Kompetent entscheiden"

BEACHTEN SIE AUCH DEN OFFENEN BRIEF VON DR. STEFFEN RABE ZUM ARTIKEL VON CORRECTIV. 

BEHINDERT LEBEN – ODER VORHER AUSSORTIERT?

 Debatte um umstrittenen PraenaTest geht weiter

 

 

Die Kontroverse um den umstrittenen Bluttest (PraenaTest), der als „nicht-invasive“ Pränatal-Diagnostik in der Schwangerschaft eingesetzt wird, geht weiter. Mit dem Test ist es schon in einer sehr frühen Phase der Schwangerschaft (im dritten Monat) möglich, die Trisomien 13, 18 und 21 (letztere auch besser bekannt als Down-Syndrom) festzustellen. Bei einem solchen Befund wird die Schwangerschaft heute in der Regel abgebrochen. Befürworter des Bluttests argumentieren, dass er sinnvoller sei als die invasive Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese), da er kein Risiko für eine Fehlgeburt berge.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte weitere Schritte angekündigt, um zu prüfen, ob der Bluttest in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden soll. In diesem Zusammenhang soll das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun eine Informationsbroschüre für die werdenden Eltern entwickeln.

Seit der Test 2012 zugelassen wurde, reißt die Kritik nicht ab. Nun haben 20 Organisationen und Verbände von Menschen mit Behinderungen mit einem gemeinsamen Statement dagegen Einspruch erhoben, dass der Test etabliert und in die Regelversorgung aufgenommen wird: „Die zur Diskussion stehenden NIPT (= nicht-invasive pränatale Tests) auf die Trisomien 13, 18 und 21 bewirken keine Verbesserung der medizinischen Versorgung der Schwangeren oder des werdenden Kindes. Aus den Ergebnissen der Tests ergeben sich keine Therapiemöglichkeiten, sie stellen lediglich die – eigentlich bereits getroffene – Entscheidung für das werdende Kind in Frage.“

Das Bündnis fordert, das Methodenbewertungsverfahren des G-BA abzubrechen: „In einer breit angelegten gesellschaftlichen Diskussion kann es nicht nur um den genetischen Bluttest gehen, vielmehr gehört die bisherige Praxis der selektiven Pränataldiagnostik insgesamt auf den Prüfstand. Personengruppen, nach deren ‚Abweichung‘ systematisch gesucht wird, müssen in die Diskussion mit einbezogen werden!“

GESUNDHEIT AKTIV hält die vorläufige Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses für falsch, unterstützt den Aufruf des Gen-ethischen Netzwerks und seiner Partnerorganisationen und schließt sich der Kritik der Verbände an. „Schon bei der Zulassung des Tests vor einigen Jahren war klar, dass man sich auf eine schiefe Bahn begibt", sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Die (kostenlose) Verfügbarkeit des Tests und die damit einhergehenden Folgen für seine Vermarktung erzeugen einen Sogeffekt: Die meisten werdenden Eltern, die von einer wahrscheinlichen Behinderung ihres Kindes erfahren, brechen heute bereits die Schwangerschaft ab. Als Kassenleistung wird der Test nun quasi zum medizinischen Standard erhoben. Der gesellschaftliche Druck auf die Eltern wird so noch größer, ihr ungeborenes Kind frühzeitig auf das Vorliegen einer Behinderung ‚testen‘ zu lassen – mit all den scheinbar so selbstverständlichen Konsequenzen.“

Weitere Informationen:
Beim Gen-ethischen Netzwerk finden Sie die Stellungnahme „Keine Aufnahme weiterer selektiver Untersuchungen in die Regelversorgung“ (Februar 2017).

Video-Tipp: Eine berührende Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt das Buch „Lilium Rubellum“ von Kathrin Fezer Schadt, in dem geschildert wird, wie Eltern mit der Diagnose umgehen, dass ihr ungeborenes Kind höchstwahrscheinlich nicht überleben wird. Im Dezember 2016 hat die Autorin bei GESUNDHEIT AKTIV aus ihrem Buch gelesen, was das Video ebenso dokumentiert wie die danach folgende Diskussion.

NATÜRLICHE DRILLINGSGEBURT

Anthroposophische Geburtshilfe fördert natürliche Geburten

In der anthroposophischen Klinik kamen Mitte Februar Drillinge in der 35. Woche ohne Kaiserschnitt auf die Welt! Das ist eine kleine medizinische Sensation, denn: „Fast immer werden Drillinge einige Wochen früher und quasi ausnahmslos per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht“, sagt Dr. Hauke Schütt, Leitender Arzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Filderklinik. Dort kamen zwei Mädchen und ein Junge innerhalb von 49 Minuten auf natürliche Weise zur Welt. Alle drei Kinder sind gesund und mussten nicht beatmet werden.

Die Filderklinik ist – wie generell die anthroposophische Geburtshilfe – dafür bekannt, den Fokus vor allem auf eine natürliche Geburt zu legen: „Wir haben mit 14 Prozent eine der niedrigsten Kaiserschnitt-Raten deutscher Geburtsklinken“, sagt Dr. Schütt. Der Grund? „Wir arbeiten gemeinsam mit den Gebärenden, lassen ihnen ihre Zeit und ihren Rhythmus. Und wir programmieren Geburten nicht nach Dienstplänen!“

Damit stemmen sich die anthroposophischen Kliniken gegen einen Trend, der auch global Sorge bereitet: Weltweit nimmt die Kaiserschnitt-Rate dramatisch zu. Dabei ist nur rund jeder zehnte Kaiserschnitt medizinisch begründet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor den Folgen dieser Entwicklung und empfiehlt eine Kaiserschnitt-Rate von 15 Prozent. Auch die Hebammen kritisieren: „In den Kreißsälen ist oft zu wenig Personal, um sich intensiv um jede Gebärende kümmern zu können. Mittlerweile gibt es auch zu wenig Wissen über die unterschiedlichen Verläufe einer normalen Geburt. Heute wird häufig schon bei der kleinsten Abweichung von Gynäkologinnen und Gynäkologen eingegriffen“, so Susanne Steppat, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbands e. V. (DHV).

Dass ein Kaiserschnitt auch mit Risiken behaftet ist, zeigt die Forschung inzwischen immer deutlicher: Für die Kinder besteht als Folge beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Asthma, Diabetes und Allergien. Bei der Mutter können Organe verletzt werden, häufig ist die Wundheilung gestört, oder es tritt eine Infektion auf. Zudem kann es zu Verwachsungen und Problemen bei der Narbenbildung kommen. Inzwischen wird auch zunehmend erforscht, wie sich Kaiserschnitte auf das Stillen sowie auf die Bindung zwischen Mutter und Kind auswirken. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die natürliche Geburt ist zwar mühsam und schmerzhaft – aber im Regelfall das Beste für Mutter und Kind.

Quelle: „Ein Dreifachwunder – 35-Jährige bringt Drillinge ohne Kaiserschnitt zur Welt“, Pressemitteilung Filderklinik, 24. Februar 2017 

DIE WOLLEN DOCH NUR SPIELEN

Aktive Kinder werden seltener depressiv

Dass auch Kinder seelisch mal durchhängen, ist klar. Zunehmend werden jedoch auch bei Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren depressive Verstimmungen entdeckt. Für diese Altersgruppe gibt es bisher keine etablierten Therapieansätze.

Umso wichtiger ist es, bei Kindern frühzeitig präventive Maßnahmen zu entwickeln. Eine ist ganz einfach: mehr Bewegung! Verschiedene Studien konnten in den vergangenen Jahren zeigen, dass körperlich aktive Kinder nur ein minimales Risiko haben, eine Depression zu bekommen. Jedoch lassen sich Ursache und Wirkung in vielen Studien nicht klar unterscheiden. Nun haben Psychologen von der Universität in Trondheim versucht herauszufinden, ob der Aktivitätsmangel der Depression vorausgeht oder umgekehrt die Depression die körperliche Aktivität bremst.

In der Untersuchung wurden rund 800 Kinder im Alter von sechs Jahren alle zwei Jahre bis zum zehnten Lebensjahr auf Depressionssymptome hin geprüft, zudem wurde wöchentlich erfasst, wie oft sie sich bewegen. Die Forscher schlüsselten den Zusammenhang zwischen Bewegung und Stimmung zeitlich auf und kamen zu dem Schluss, dass ein Mangel an anstrengender Bewegung den depressiven Symptomen vorauszugehen scheint – und nicht umgekehrt. Ein weiteres Ergebnis: Kinder, die mit sechs Jahren körperlich besonders aktiv waren, behielten ihren Bewegungsdrang bis zum zehnten Lebensjahr in der Regel bei; umgekehrt blieben auch die trägen Kinder ihrem Verhalten treu. Letztlich gehen die Studienautoren davon aus, dass mehr Bewegung im mittleren Kindesalter durchaus die Stimmung aufhellen und Depressionen vermeiden könnte.

GESUNDHEIT AKTIV fordert, Ergebnisse wie diese im Sinne einer wirklich kindgerechten Pädagogik ernst zu nehmen. „Kaum ein Kind im Schulalter, das nicht irgendeine Art von Ergo- oder sonstiger Therapie verschrieben bekommt – dafür geben wir Millionen aus“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Wenn es darum geht, Kindern mehr Raum für Bewegung und freies Spiel zu ermöglichen, gibt es Lippenbekenntnisse, aber kaum Ressourcen. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Wo dürfen sie heute noch Kinder sein? Wo können sie ihr Bewegungsbedürfnis wirklich ausleben? Immerhin werden mehr und mehr Schulen und Kindergärten heute offener für diese Fragen. Vielleicht geht es weniger um Lernzielkataloge, als um die Gestaltung von Bildungsräumen, in denen auch Bewegung mehr Platz bekommt.“

Quelle: Ärzte Zeitung, 20. Januar 2017

 

SCHNUPFEN + IBUPROFEN

Höheres Risiko für Herzinfarkt

Die Symptome von Atemwegs- oder grippalen Infekten sind zwar grundsätzlich nicht dramatisch, können einem aber trotzdem ganz schön zusetzen. Um Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit zu lindern, greifen viele zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Paracetamol – oder bekommen sie von ihrem Hausarzt verschrieben. Doch diese Medikamente können bei Erkältungskrankheiten fatale Folgen haben, wie kürzlich Forscher in einer aktuellen Studie gezeigt haben (veröffentlicht im Journal of Infectious Diseases). Die Wissenschaftler analysierten über sieben Jahre hinweg (2005 bis 2011) Daten eines taiwanesischen Gesundheitsprogramms. Die Datensätze beinhalteten Informationen zu mehr als 9.000 Patienten, die aufgrund eines Herzinfarktes im Krankenhaus behandelt wurden.

Die Forscher ermittelten das „normale“ Risiko eines jeden Patienten, einen Herzinfarkt zu erleiden, und verglichen dieses Risiko mit dem bei akuten Atemwegsinfektionen sowie bei Einnahme von Ibuprofen und Paracetamol. Wenn beide Risikofaktoren zutrafen, war die Gefahr für einen Herzinfarkt deutlich erhöht. Noch höher war die Gefahr, wenn das Schmerzmittel über eine Infusion gegeben wurde.

Was folgt daraus? In Zukunft sollten Ärzte und Patienten vorsichtig sein, wenn es darum geht, die Symptome eines grippalen Infektes mit Schmerzmitteln zu lindern. GESUNDHEIT AKTIV empfiehlt, stattdessen auf die bewährten Mittel der Komplementärmedizin zu setzen: Die Hausapotheke hält jede Menge Präparate aus der Naturheilkunde bereit, mit denen sich die Symptome einer Erkältungskrankheit sehr gut behandeln lassen. Auch Wickel, Einreibungen und Dampfbäder haben sich bestens bewährt – und kommen gänzlich ohne Nebenwirkungen aus.

Weitere Informationen
Tipps, wie man Erkältungen und Infekten „natürlich“ zu Leibe rücken kann, gibt der anthroposophische Hausarzt Markus Sommer in unserer Broschüre „Grippe und Erkältung“. Am besten gleich bestellen! 

Quelle: DocCheck News, 21. Februar 2017

KOPFSCHMERZEN BEI JÜNGEREN

 Schon Teenager nehmen zu viele Tabletten

 

 

Immer mehr junge Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen. Allein im Zeitraum von 2005 bis 2015 ist der Anteil der 18- bis 27-Jährigen mit Kopfschmerzdiagnosen um 42 Prozent gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Barmer Arztreport hervor, der Ende Februar 2017 in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sind inzwischen 1,3 Millionen junge Erwachsene von einem ärztlich diagnostizierten Pochen, Klopfen und Stechen im Kopf betroffen, 400.000 mehr als noch im Jahr 2005. Die Ursachen seien unklar, vermutlich nehme der Druck auf die jungen Leute stetig zu, heißt es im Report. „Der Alltag kann für Kopfschmerz-Patienten zur Qual werden und deren berufliche oder universitäre Existenz gefährden. Gerade junge Erwachsene brauchen bessere Präventionsangebote. Sport, Entspannungstechniken oder eine gesunde Lebensführung könnten vielen Betroffenen aus der Pillenfalle helfen“, so die BARMER GEK bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Wie wichtig präventive Maßnahmen seien, zeigt sich am bedenklichen Tablettenkonsum bereits bei Kindern. So nehmen nach einer repräsentativen Umfrage der Barmer bereits 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 19 Jahren Medikamente ein, wenn sie Kopfschmerzen haben. 42 Prozent bekämpfen den Schmerz sogar jedes Mal mit Arzneimitteln. Alarmierend ist laut Barmer Arztreport auch, wie oft Migränemitteln aus der Gruppe der Triptane (z. B. Sumatriptan) verschrieben werden. Hier ist die Verordnungsrate bei den 18- bis 27-Jährigen in der Zeit von 2005 bis 2015 um 58 Prozent gestiegen. Die Mittel wirken zwar sehr gut, können als Nebenwirkungen jedoch ausgerechnet Kopfschmerzen hervorrufen. So gerät man schnell in einen Teufelskreis aus Tablettenkonsum und Dauerkopfschmerzen.

Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV fordert, Kopfschmerzen bei Kindern nicht nur als einzelnes Symptom zu behandeln: „Wenn Kopfschmerzen bei Kindern immer wieder auftreten, kann das organische Gründe wie z. B. Fehlhaltungen oder Eisenmangel haben. Häufig sind die Ursachen jedoch psychosomatisch bedingt – durch hohen intellektuellen Leistungsdruck, Anspannung und Stress. Auch der teils exzessive Medienkonsum spielt eine Rolle. Wenn wir unseren Kindern und Jugendlichen langfristig helfen wollen, müssen wir auch und gerade an der Pädagogik ansetzen, um die Lebenswelten von Kindern gesünder zu gestalten.“

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 20. Februar 2017