Derzeit ist der Zugang zu Solidargemeinschaften als echte Alternative zum "etablierten" Krankenversicherungssystem nur einer ausgewählten Bevölkerungsgruppe vorbehalten: Privat Vollversicherten und freiwillig Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen.
Hierbei handelt es sich mehrheitlich um gut Verdienende, die sich insbesondere die Vorausbezahlung der anfallenden Arztrechnungen (die Kostenübernahme der Solidargemeinschaft erfolgt nachträglich per Kostenerstattung) meist problemlos leisten können. Hinzu kommt, dass - anders als in der PKV - nicht automatisch jede eingereichte Arztrechnung, deren Leistungsinhalte vom jeweiligen Tarif erfasst werden, erstattet wird: Insbesondere bei aufwendigeren bzw. teureren Behandlungen muss eine mögliche Kostenübernahme erst in der Regionalgruppe vor Ort besprochen werden!
Ganz abgesehen davon sind Schwerkranke mit geringem Einkommen für eine solche "Solidargemeinschaft" wohl wirtschaftlich nicht verkraftbar. Denn anders als bei den gesetzlichen Krankenkassen, die dem Staat quasi unterstellt sind, welcher für den sozialen Ausgleich innerhalb der GKV gesetzgeberisch verantwortlich ist - beispielsweise in Form des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleiches (Morbi-RSA) zwischen den gesetzlichen Krankenkassen -, handelt es sich bei einer "Solidargemeinschaft" letztlich um eine private Initiative, die ohne jeden Sozialausgleich innerhalb des Gesamtsystems wirtschaftlich überleben können muss, um sich am Markt eigenständig zu behaupten.
Entgegen dem Wort "Solidargemeinschaft" handelt es sich hierbei aus den von mir genannten Gründen in Wirklichkeit um einen weiteren Beitrag zur Entsolidarisierung unseres Krankenversicherungssystems. Aber natürlich lasse ich mich gerne nachweislich eines Besseren belehren!