Krankenkassen

Welche zahlen auch Anthroposophische Medizin?

Bereits zum 1. Januar 2015 hatte der Gesetzgeber den Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent abgeschafft, der allgemeine Beitragssatz liegt damit bei 14,6 Prozent. Um die Beitragssenkung aufzufangen, können die Krankenkassen seitdem einen "kassenindividuellen Zusatzbeitrag" erheben, den die Versicherten alleine tragen. Zu Beginn 2016 haben nun rund zwei Drittel der Kassen ihre Zusatzbeiträge erhöht. Eine Übersicht der Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen ab 1.1.2016 finden Sie hier. Oder vergleichen Sie die Veränderung der Beiträge einzelner Kassen.

Führt eine Kasse einen solchen Zusatzbeitrag neu ein oder erhöht sie einen bereits bestehenden Zusatzbeitrag, haben die Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Bei der Auswahl einer Krankenkasse bzw. einem Kassenwechsel ist es jedoch sinnvoll, nicht nur auf den Beitragssatz zu achten, sondern auch auf die Leistungen sowie den Service der jeweiligen Krankenkasse. So unterscheiden sich die Krankenkassen unter anderem darin, ob sie naturheilkundliche und Anthroposophische Medizin in ihrem Leistungsangebot berücksichtigen oder nicht. Einige gesetzliche Krankenkassen erstatten die Kosten für anthroposophische Therapien (auch amtlich "Heilmittel" genannt) wie Heileurythmie, Anthroposophische Kunsttherapie und Rhythmische Massagen. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Merkblatt Kostenerstattungen Anthroposophische Medizin.

Von besonderem Interesse sind Krankenkassen, die einen Vertrag zur Integrierten Versorgung (IV) mit Einrichtungen aus der Anthroposophischen Medizin abgeschlossen haben. Versicherte dieser Kassen haben folgende Vorteile: 

  • Sie erhalten die anthroposophischen Therapien (Heilmittel) ganz normal über ihre Versichertenkarte, wenn sie bei ihrem Arzt diesem IV-Vertrag beitreten. 
  • Ärzte, die zu diesem IV-Vertrag gehören, haben mehr Zeit für ihre Patienten. Die ausführliche Befragung zur Krankheitsvorgeschichte, zur Biographie, zu psychosomatischen Krankheitsaspekten sowie die Beratung werden ihm gesondert honoriert. Dieser Aufwand ist normalerweise nicht durch die sonst übliche Pauschale abgedeckt. 

Mit der Wahl einer an einer Integrierten Versorgung teilnehmenden Krankenkasse können Sie also dazu beitragen, dass Anthroposophische Ärzte auch als Kassenärzte angemessen für ihre Leistungen am Patienten honoriert werden und nicht den Weg über eine privatärztliche Abrechnung gehen müssen, um ihre Patienten besser betreuen zu können. 

Falls Ihre Kasse keinen IV-Vertrag abgeschlossen hat, denken Sie doch mal über einen Wechsel der Krankenkasse nach. Mit einem Wechsel können Sie diejenigen Kassen unterstützen, die den gesetzlichen Spielraum bei der Übernahme der Kosten für Anthroposophische Medizin nutzen. Ein Krankenkassenwechsel ist nicht kompliziert. Auch dazu finden Sie Informationen in unserem Merkblatt.

Aktuell: Erhöhung der Zusatzbeiträge

Informieren Sie sich über Möglichkeiten, eine Krankenkasse zu wechseln, sowie über Kostenerstattungen 
Anthroposophischer Medizin. 

Eine Liste der Krankenkassen, die nicht verschreibungspflichtige Medikamente aus der Anthroposophischen Medizin erstatten, jedoch keine anthroposophischen Therapien

Private Krankenkassen

In der privaten Kranken-Voll-Versicherung bestimmen Sie durch die Wahl des Tarifs, ob Sie Rechnungen nicht nur von Ärzten und anerkannten Therapeuten, sondern auch von Heilpraktikern einreichen können. Grundlage sind das Hufeland-Leistungsverzeichnis bzw. die Gebührenverordnung der Heilpraktiker. Arznei-, Heil- und Hilfsmittel werden bis zu 80 Prozent übernommen.

Während in der Gesetzlichen Krankenversicherung das Solidaritätsprinzip (Umlagefinanzierung) gilt, zählt in der Privaten Krankenversicherung allein das "persönliche" Risiko. Daher variieren die Tarife für Männer und Frauen und sind auch vom Alter des Versicherten abhängig. Es gibt also eine Fülle ganz unterschiedlicher Angebote in der Privaten Krankenversicherung, so dass pauschale Aussagen kaum möglich sind. Sie sollten im Einzelfall prüfen, welcher Tarif am besten zu Ihren persönlichen Bedürfnissen passt.

Vor Vertragsabschluss findet eine Gesundheitsprüfung statt, die entscheidet, ob Sie in die Versicherung aufgenommen werden. Bei bereits bekannten Vorerkrankungen können "Risikozuschläge" erhoben oder die entsprechende Behandlung vom Leistungsumfang ausgeschlossen werden.

Die Beiträge zur Privaten Krankenversicherung können im Alter deutlich ansteigen. Man kann natürlich auch einen Vertrag mit Selbstbeteiligung wählen, so dass die Krankenversicherung erst ab einem höheren Betrag greift. Ein Wechsel in die Gesetzliche Krankenkasse ist meist nicht mehr oder nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Deshalb sollten Sie gut überlegen, ob es für Sie vorteilhaft ist, sich privat zu versichern, oder ob es schon genügen würde, eine private Zusatzversicherung z. B. für einen Krankenhausaufenthalt abzuschließen. 

Eine Liste der Privaten Krankenkassen finden Sie zum Beispiel beim 1aVerbraucher-Portal

Solidargemeinschaften

Die Alternative zur Krankenkasse

Solidargemeinschaften sind eine Alternative zu Krankenkassen, um sich für den Fall der Erkrankung abzusichern. In Solidargemeinschaften finden sich Menschen zusammen, die sich bei Krankheit und Gesunderhaltung gegenseitig unterstützen. Die Kosten dafür werden gemeinsam getragen, die Mitglieder stehen sich in vielfältiger Weise helfend zur Seite. 

In Deutschland gibt es verschiedene Solidargemeinschaften: 

Bundesarbeitsgemeinschaft von Selbsthilfeeinrichtungen – Solidargemeinschaften im Gesundheitswesen e.V. (BASSG)

ARTABANA Deutschland Solidargemeinschaft e.V.

Samarita Solidargemeinschaft e.V. 

SOLIDAGO-Bundesverband Solidargemeinschaft für Gesundheit e.V.

Zusatzversicherungen

Seit 2004 sind die nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimittel und damit der größte Teil der Arzneimittel der "besonderen Therapierichtungen" (anthroposophische, homöopathische und pflanzliche Arzneimittel) aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gestrichen. Nur in Ausnahmefällen dürfen Ärzte die nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimittel noch zu Lasten der Krankenkassen verordnen (z. B. für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr). Die meisten Kassenpatienten jedoch müssen leider diese gut verträglichen und nebenwirkungsarmen Naturarzneimittel selbst bezahlen.

Sie können diese Leistungen jedoch über eine Zusatzversicherung abdecken. Solche Zusatzversicherungen bieten sowohl die gesetzlichen wie auch die privaten Krankenversicherungen an. Welche Versicherung die günstigste ist und ob sie sich überhaupt lohnt, müssen Sie für Ihren Fall individuell prüfen. Auf folgende Punkte sollten Sie beim Versicherungsvergleich achten:

  • Viele Zusatzversicherungen bieten verschiedene Leistungen nur im Paket an: Zuschüsse zu Naturheilmitteln und -therapien gibt es häufig in Kombination mit Zahnersatz, Brillen/Kontaktlinsen und/oder Psychotherapie. Nicht jeder braucht alle diese Leistungen! 
  • Häufig wird auch unterschieden, ob Kosten nur für Ärzte für Naturheilverfahren oder auch für Heilpraktiker erstattet werden. 
  • Die Versicherungen unterscheiden sich bei der Höhe der Zuschüsse wie auch bei der jährlichen Kostenobergrenze. Nicht selten gibt es in den Anfangsjahren Wartezeiten oder Leistungsobergrenzen. 
  • Die Höhe der zu zahlenden Beiträge ist in der Regel nach Alter gestaffelt; einige Versicherungen fragen auch nach Vorerkrankungen. 

Hier ist viel Bewegung auf dem Markt. Deshalb können wir hier keine konkreten Empfehlungen geben. Wägen Sie gut ab, ob so eine Zusatzversicherung für Sie wirklich Vorteile bietet. 

 

In einem Merkblatt stellen wir Ihnen eine Übersicht über die Satzungsleistungen der Krankenkassen zur Verfügung, die Kosten für nicht verschreibungspflichtige Medikamente der komplementären Therapierichtungen übernehmen.