Corona-Spezial

Unser Kompass zu COVID-19 und Gedanken über die Krisenzeit

Hier finden Sie aktuelle Berichte, Informationen und Stellungnahmen zur Corona-Pandemie sowie Gedanken über die Krisenzeit. Wir aktualisieren diesen Bereich in unregelmäßigen Abständen – je nach Lage der Dinge.

Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick, was wir derzeit über diese Pandemie und COVID-19 bzw. SARS-CoV-2 wissen oder noch nicht wissen, und welche Chancen und Perspektiven sich daraus ergeben. Diese Meldungen sind mit dem GESUNDHEIT AKTIV-Newsletter in der Septemberausgabe erschienen:

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Was jetzt?

Zur Lage nach der Demonstration vom 29. August

 

Die Zivilgesellschaft ist erwacht, aber zugleich gespalten: Zehntausende gehen auf die Straße und machen ihrem Unmut u.a. darüber Luft, dass sie innerhalb der minütlich umgehenden Corona-Informationen und -Warnungen etwas vermissen: einen abgewogenen und offenen Diskurs darüber, was erforderlich ist, um GEMEINSAM leben zu lernen mit SARS-Covid-19. Die meisten von ihnen haben allerdings nicht bedacht, dass sie ungebetene Gäste von rechts an ihrer Seite hatten. Sie haben wohl auch die Organisatoren der Demonstration nicht kritisch genug hinterfragt und in Kauf genommen, mit Neonazis identifiziert zu werden. Das Ganze ist nun so eskaliert, dass sich mittlerweile zwei Lager scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen.

GESUNDHEIT AKTIV steht für einen demokratischen Diskurs über Gesundheit. Das werden wir auch weiter tun, ohne uns vereinnahmen zu lassen von Corona-Panik auf der einen oder Verschwörungs-Ideologien auf der anderen Seite. GESUNDHEIT AKTIV hat sich deshalb immer bemüht, gerade auch mit den Meldungen in diesem „Corona-Kompass“, möglichst rational auf die Fakten zu schauen und die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Nicht zuletzt deshalb haben wir das Corona-Manifest verfasst, das mittlerweile über 2.000 Menschen unterzeichnet haben. In diese Richtung weist auch ein Kommentar der Schriftstellerin Jagoda Marinic in der SZ vom 4. September: „Es mangelt in Deutschland an sachlicher Kritik an der Corona-Politik. Dabei gäbe es viel zu beanstanden. Dafür muss man nicht Verschwörungstheoretiker werden."

Wir müssen eine Brücke bauen, die wegführt von der Angst und hinleitet zu Vernunft und Zuversicht. Leben heißt, sich immer wieder neu auszurichten, zu lernen, bereit zu sein für Veränderungen. Wie heißt es so schön in dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse: „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen ...“ Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir aber auch Initiativen, die das Gemeinsame betonen – virtuell und real. Denn wenn eines erkennbar ist in der Krise, dann dies: Es geht ein immer tieferer Riss durch unsere Gesellschaft, wir driften immer mehr auseinander, wir reagieren mehr und mehr allergisch aufeinander und halten Widersprüche kaum noch aus. Das gilt es aufzuhalten. Indem wir andere Meinungen anerkennen. Indem wir Toleranz entwickeln – im Sozialen, Politischen und Geistigen. Indem wir miteinander sprechen, einander zuhören, uns in unserer Unterschiedlichkeit respektieren und gemeinsam nach vorne schauen.

Und wir müssen darüber nachdenken, warum wir so empfänglich sind für allerlei Botschaften und Narrative, die auf Morast gebaut sind und uns Sand in die Augen streuen, mit dem Ziel, die Angst immer weiter am Kochen zu halten. Wir müssen herausfinden, was dazu führt, dass wir immer mehr bereit sind, einer trügerischen Sicherheit sogar unsere demokratischen Rechte zu opfern und womöglich Hungerkatastrophen in bisher nicht geahntem Ausmaß in Kauf zu nehmen. Denn die Sicht, die wir hierzulande auf die Pandemie haben, ist eine recht eingeschränkte. In Asien, Afrika und Südamerika werden große Teile der Bevölkerung hungern und womöglich auch Hungers sterben, weil all die vielen Tagelöhner-Jobs weggefallen sind, weil es kein funktionierendes Sozialsystem gibt und einfach nur überlebt, wer stark genug ist oder genug Geld hat. Das ist das eigentliche Drama dieser Pandemie. Wir werden im nächsten Magazin von GESUNDHEIT AKTIV (erscheint Anfang November) noch darauf zurückkommen und aus erster Hand über die Situation z. B. in Nepal berichten.

Klaren Kopf bewahren

Stehen wir wirklich vor oder in einer „zweiten Welle“?

 

Es geht derzeit immer wieder durch die Medien: Stehen wir jetzt schon vor einer zweiten Corona-Welle? Ist sie womöglich schon angekommen? Niemand weiß das so genau. Festgemacht werden die Aussagen dazu an den wieder zunehmenden „Infektionszahlen“. Ob sich tatsächlich um Infizierte handelt ist aber durchaus unklar. Erstmal sind es lediglich positive Testergebnisse auf SARS-CoV-2, das Virus. Der hochsensible PCR-Test unterscheidet nicht zwischen hoher und niedriger Viruslast, er besagt nicht, dass jemand ansteckend ist oder erkranken wird, sondern er zeigt lediglich an, dass im Abstrich Bruchstücke des Genoms von SARS-CoV-2 enthalten waren, vielleicht auch welche von einem anderen Corona-Virus, so genau weiß man das nicht, weil inzwischen eine Vielzahl von verschiedenen Tests verwendet werden, deren Aussagekraft im Einzelnen nicht wirklich beurteilt werden kann. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erklärte schon am 13. August bei Markus Lanz, man könne davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil der positiv Getesteten auch wirklich infiziert sei. Es gebe inzwischen Schnell-Tests, die erst bei hoher Viruslast positiv werden und deshalb sehr viel zuverlässiger sind, was das Infektionsrisiko betrifft (siehe dazu auch n-tv vom 31. August 2020).

Ob die nachgewiesenen positiven Testergebnisse nicht doch falsch positiv sind, weiß man auch nicht. Fest steht nur, dass es umso mehr falsch positive Ergebnisse gibt, je weniger aktiv eine Epidemie ist. Und im Moment ist die Aktivität von Corona außerordentlich niedrig, wie der R-Wert unter 1 beweist und ebenso eine verschwindend geringe Zahl von Krankenhauseinweisungen und eine noch geringere Mortalitätsrate. Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck plädiert für mehr Gelassenheit: „Wir sehen steigende Infektionszahlen, aber das sollte uns gar nicht so viele Sorgen machen“, sagte er in einem Interview mit n-tv vom 25. August 2020. Diese Zahlen seien gar nicht aussagekräftig: „Das Virus ist Teil von unserem Alltag, und es wird immer mal wieder auf und ab gehen. Wichtig für mich sind die stationären Aufnahmen.“ Und die sind sehr gering. Eine zweite Welle ist also nicht wirklich in Sicht, noch nicht einmal ein leichtes Kräuseln der Wasseroberfläche ... Schon am 19. August forderte Streeck in einer viel beachteten Rede im Dom zu Münster (ab Minute 20:43 bis 48:26) zu mehr Gelassenheit auf: „Das Virus macht Angst. Aber Angst ist der denkbar schlechteste und gefährlichste Ratgeber, vor allem dann, wenn Angst politisiert wird.“ Der beste Weg, der Angst Herr zu werden, sei es, die Gefahr realistisch einschätzen zu können. Zu „verstehen, was Angst macht und zu akzeptieren, dass Angst in diesem Fall irrational ist“. Angst könne man nur mit Fakten begegnen, und man bekämpfe sie, indem man analysiere, wo Gefahr lauere und welche Risiken es gebe. Man müsse sich immer wieder vor Augen führen, „dass dieses Virus tödlich ist für wenige, genauso wie viele andere Viren auch. Und die Erkenntnis, dass das, was gerade passiert, nicht unser Untergang sein wird. Im Gegenteil: Hoffnung jenseits von Zahlen macht, dass wir das Virus von Tag zu Tag besser in den Griff bekommen, dass unser Organismus sich in wachsendem Maße darauf einzustellen lernt, denn unser Immunsystem ist auch ziemlich schlau.“ Das Leben sei nun mal mit Risiken behaftet, wir gehen es jeden Tag ein, wenn wir in ein Auto steigen oder in den Urlaub fliegen. Das Risiko für einen schweren SARS-CoV-2-Verlauf steige mit dem Alter. Man müsse sich fragen, ob wir tatsächlich als Gesellschaft eine solche Risikoabwägung übernehmen müssen oder ob die Menschen das nicht selber machen können: „Eine 93jährige Frau hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und musste in ihrem Leben weiß Gott viele Risiken abwägen. So mag sie vielleicht selber entscheiden, ob sie in ihren letzten Lebenstagen das Risiko eingehen will, ihre Enkelkinder zu sehen. Jede Entscheidung bringt auch immer ein Wagnis mit sich, aber dieses Wagnis und diese Entscheidung führt bei jedem Menschen zu einem unterschiedlichen Ergebnis in der Risikoabwägung. Die einen wollen es nicht eingehen, die anderen schon.“ Aus der Gefahr der Pandemie sei inzwischen ein Risiko geworden, das sich einordnen lasse.

Das bestätigt auch das am 30. August veröffentlichte nunmehr 4. Thesenpapier der Wissenschaftler*innen um den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Sachverständigenrats Gesundheit, Prof. Dr. med. Matthias Schrappe, das dieses Mal unter dem Motto steht: „Verbesserung der Outcomes in Sicht – Stabile Kontrolle: Würde und Humanität wahren – Diskursverengung vermeiden: Corona nicht politisieren“. Darin heißt es, neben sporadisch vorkommenden „Herden“ habe sich die homogene Ausbreitung in den Vordergrund geschoben. Diese Dynamik sei „allein durch Testung und Nachverfolgung nicht zu beherrschen“, sondern bedürfe „einer stabilen Kontrolle durch klug geplante, Zielgruppen-orientierte Präventionsmaßnahmen“. Die jetzige Phase der Epidemie verlaufe „zumindest in Deutschland hinsichtlich Krankheitslast, Auslastung des Gesundheitssystems und Sterblichkeit sehr milde“. Wörtlich heißt es weiter: „Wenn sich Hospitalisierungsrate und Sterblichkeit auf null zubewegen, dann können wir eine gewisse Infektionsrate tolerieren, vorausgesetzt unsere Präventionsanstrengungen für diejenigen, die zu Beginn für die hohen Sterblichkeitsraten verantwortlich waren, sind wirksam. Wirksam heißt nicht: Kinder werden aus der Familie ‚herausgenommen‘, heißt nicht: Demenzkranke oder Sterbende können nicht von ihren Angehörigen besucht werden. Prävention heißt: schützen und alles tun, um Würde und Humanität zu wahren. Hier gibt es dringenden Nachholbedarf.“

Kritisch stehen die Autor*innen auch zur Maskenpflicht im öffentlichen Raum. In einem „Niedrigrisikobereich“ wie einem Supermarkt, wo bei einer Stunde Aufenthalt ein Infektionsrisiko von 0,01 Prozent bestehe, müssten 12.500 Personen eine Maske tragen, um eine einzige Infektion zu verhindern. In diesem Zusammenhang erscheint auch ein Offener Brief „Wider die Maskenpflicht an bayerischen Schulen“ mehr als berechtigt, den die Münchner Kinderärzte Dr. Steffen Rabe und Dr. Martin Hirte am 4. September an den bayerischen Ministerpräsidenten und den bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus gerichtet haben. Auch ein Meinungsbeitrag von Prof. Dr. Markus Veit im renommierten Fachblatt „Deutsche Apotheker Zeitung“ meldet erhebliche Zweifel am Sinn der Maskenpflicht und der Evidenz der bisherigen Studien dazu an.

Von „astronomischen Fehlrechnungen“ im Hinblick auf die Grundlagen für die ergriffenen einschränkenden Maßnahmen spricht auch die taz. Selten habe sich die Politik und ebenso die öffentliche Meinung „so sehr auf den Rat von nur wenigen Fachleuten gestützt“ wie in der Corona-Krise. Gehört worden seien in den Medien ebenso wie in der Politik im wesentlichen nur Virologen und mathematische Modellierer. Ihre Prognose von 1,1 Millionen Intensivpatienten sei jedoch nie eingetreten. Der Anteil der Todesfälle an allen Corona-Infektionen liege in einem Bereich von 0,1 bis 0,3 Prozent und entspreche somit dem einer normalen Grippewelle. Wörtlich heißt es in dem Beitrag: „Die von der Politik als Entscheidungsgrundlage übernommenen Hochrechnungen gingen von der Grundannahme einiger Virologen aus, dass „das Virus vollkommen neu sei und sich jeder, ungeachtet anderer Faktoren, infizieren könne, dass es also weltweit keine Immunität gegen das neue Virus gebe. Dem ist aber nicht so. Das Immunsystem vieler Menschen ist offenbar durch frühere Kontakte mit Viren aus der Coronagruppe mit deren und ähnlichen Antigenen vertraut – so bei der saisonalen Grippe, die ja durch einen Virencocktail, dem häufig auch Coronaviren angehören, hervorgerufen wird –, weshalb viele Menschen offenbar eine Immunität oder Teilimmunität gegen Sars-CoV-2 aufweisen. (...) Ein interdisziplinärer Austausch zwischen Modellierern, Virologen, Immunologen und bevölkerungsbezogen arbeitenden Epidemiologen hätte aus unserer Sicht Politik und Gesellschaft astronomische Fehlrechnungen – mit ihren noch nicht absehbaren Folgen – ersparen können.“ Auch stehe die schon lange geforderte repräsentative Bevölkerungsstichprobe, die das RKI bereits Anfang Mai angekündigt habe, immer noch aus.

Dass SARS-CoV-2 so neu nicht ist und es offenbar in nicht unerheblichem Maße eine Kreuzimmunität gibt, bestätigt auch eine neue Studie aus den USA. Demnach können Immunzellen SARS-CoV-2 erkennen, weil sie schon in „Vor-Corona-Zeiten“ mit Corona-Viren zu tun hatten. Das würde auch erklären, warum die Infektion bei vielen Menschen stumm oder mit milden Symptomen verläuft. Und es führt die alleinige Orientierung auf eine Impfung ad absurdum.

Viel Unklarheit also allerorten. Aber gerade deshalb auch weiterhin viel Angst, Unsicherheit, Besorgnis. Viele Menschen fürchten sich vor einer Ansteckung, und diese Angst lässt sich auch nicht durch noch so viele gute Argumente klein reden – sie ist da. Das zeigt schon die Tatsache, dass in der Zeit zwischen März und April die Suche im Internet nach den Stichworten „Angstzustände“ und „Panikattacken“ um 17 Prozent zugenommen hat, wie eine Studie der University of California San Diego ergab (die Original-Studie ist hier veröffentlicht). Und das war sicher nicht nur in den USA der Fall.

Wenig ausgewogen

Kritik zur Berichterstattung in Corona-Zeiten

 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie stehen die Medien in der Kritik für ihre Berichterstattung. Zu wenig ausgewogen, zu einseitig, zu undifferenziert, zu regierungstreu – wir haben das in den vorigen Ausgaben des „Corona-Kompass“ bereits angesprochen. Jetzt zeigt eine Studie zweier Kulturwissenschaftler von der Universität Passau, dass diese Kritik so unberechtigt nicht war. Privat-Dozent Dr. Dennis Gräf und sein Kollege Dr. Martin Hennig haben sich die Berichterstattung von ARD und ZDF vorgenommen, den beiden größten öffentlich-rechtlichen Sendern also. Zwei Monate lang, von Mitte März bis Mitte Mai, haben sich die beiden Wissenschaftler 90 Ausgaben der Sondersendungen „ARD Extra – Die Corona-Lage“ und „ZDF Spezial“ vorgenommen und analysiert. Ihre Begründung: Es sei anzunehmen gewesen, „dass sich aus diesen beiden zur Hauptsendezeit ausgestrahlten öffentlich-rechtlichen Formaten mit einer Länge von teils über 30 Minuten zentrale Merkmale der Berichterstattung im Untersuchungszeitraum ableiten lassen und den Sendungen gleichzeitig eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Diskurs zu COVID-19 zugekommen ist.“ Untersucht wurden Aufbau und Konzeption, Informationsgehalt, Auswahl der Themen und Personen, verwendete Rhetorik und audiovisuelle Inszenierung. Das Fazit ist eine Ohrfeige für beide Sender, zusammengefasst unter der Überschrift „Verengung der Welt“:

  • Die Problemstellung sei „zu einer vollständig negativen Weltsicht übersteigert“, die Krise „durch eine sich wiederholende Bildsprache verstärkt“ worden.
  • In der Darstellung der familiären Situation sei ein Leistungsideal betont worden, das um Produktivität, Effizienz und Pflichterfüllung kreise (Pflegende und Zusteller werden als „Helden des Alltags“ bezeichnet, Virologen wie Christian Drosten glorifiziert). Das Familienleben sei zur „Nicht-Zeit verkommen“ und abgewertet worden.
  • Die Ästhetik der Darstellung verweise auf „apokalyptische Endzeiterzählungen“ (leere Geschäfte und Straßen, Spekulationen über eine langanhaltende Krise), die Inszenierung passe weniger zu einer sachlichen Dokumentation als zu einem Hollywood-Blockbuster.

Die Sondersendungen wiesen „eine Tendenz zur Affirmation der staatlichen Maßnahmen“ auf, eine tiefergehende Kritik an den von der Politik getroffenen Maßnahmen sei ausgeblieben. „Wir sagen nicht, dass diese Sendungen staatshörig sind, es werden da durchaus kritische Fragen gestellt“, so Martin Hennig. Die grundsätzliche Annahme, dass die Maßnahmen verhältnismäßig, angemessen und zielführend seien, werde jedoch nur selten hinterfragt. Damit hätten die Sender einen „massenmedialen Tunnelblick“ erzeugt und ein permanentes Krisen- und Bedrohungsszenario vermittelt.

Die Studie war für den Kolumnisten der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, Anlass für einen politischen Kommentar über die „Vertrauenswürdigkeit der Presse in schwierigen Zeiten“. Die journalistische Suche nach der Wahrheit müsse „mit Neugier, Urteilskraft und Integrität betrieben“ werden, sie müsse „in Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit und Vertrauen eingebettet“ sein.

Prantl zitiert eine weitere Studie vom Schweizer Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög), die sich mit der „Qualität der Berichterstattung zur Corona-Pandemie“ befasste. Darin heißt es, in der Phase vor dem Lockdown „haben die Medien geholfen, den Lockdown kommunikativ vorzubereiten, aber wenig dazu beigetragen, mögliche Entscheidungen und Folgen des Lockdown im Vorfeld kritisch abzuwägen“. Eine „systematische Auseinandersetzung“ mit dieser drastischsten aller Maßnahmen finde „in den untersuchten Medienbeiträgen nur am Rande statt“. Allein zahlenmäßig hätte Corona dominiert und von Mitte März bis Ende April pro Tag zwischen 50 und 75 Prozent aller Beiträge ausgemacht. „Wann je in den vergangenen Jahrzehnten hat ein Thema so dominiert und andere wichtige Themen verdrängt?“, fragt Prantl und zitiert den Eichstätter Professor für Journalistik, Klaus Meier: „Zumindest Teile des Journalismus sind im anhaltenden Rausch hoher Nutzungszahlen auf dem Weg vom Früh- zum Dauerwarnsystem.“ Dies, so Prantl, „könnte sich für die demokratische Gesellschaft noch als sehr problematisch erweisen. Die Presse ist nicht Lautsprecher der Virologie, sondern der Demokratie.“ Vielleicht sollte die SZ gleich mal bei sich selbst anfangen, ihre bisherige Berichterstattung in diesem Sinne zu hinterfragen?

Dass in diesem Sinne alle Medien ihre Hausaufgaben machen, erscheint umso dringlicher, als auch das „Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. (EbM-Netzwerk) die Medien zu mehr Differenzierung auffordert: „Selbst in renommierten Medien wie beispielsweise der Süddeutschen Zeitung, im öffentlichen Fernsehen, aber auch international, etwa beim Fernsehsender der BBC oder CNN werden die Informationen über COVID-19 oft in einer irreführenden Art und Weise berichtet“, beklagt das Netzwerk in einer Stellungnahme. Es werde nicht zwischen Testergebnissen, Diagnosen, Infektionen und Erkrankungen unterschieden. Die Präsentation der Daten erscheine einseitig, offene Fragen würden nicht angemessen angesprochen. Aufgabe der Medien sei es, die Daten und Fakten verständlich und korrekt zu kommunizieren und auf die Unsicherheit der Daten zu verweisen.

Mit Statistiken lasse sich „trefflich lügen“, so resümiert auch Milosz Matuschek in einer Kolumne für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) unter der Überschrift „Kollabierte Kommunikation: Was, wenn am Ende ‚die Covidioten‘ recht haben?“ Es sei „unredlich, aus der Zunahme der Neuinfektionen eine derart große Gesundheitsgefahr abzuleiten“, wie das derzeit von Seiten der Politik und der Medien geschehe: „Das Virus befällt das Denkvermögen“. Es gebe derzeit keine zweite Welle: „Nicht ein Mehr an Sterbefällen, nicht ein Mehr an Hospitalisationen, nicht ein Mehr an schweren Verläufen.“ Gegenüber den Peaks im April sei die tägliche Todesrate in allen europäischen Ländern um etwa 99 Prozent gefallen. Das Virus werde „mathematisch präsenter und gefährlicher gemacht, als es ist“. Wer „aufbauend auf diesen Zahlen eine Impfpflicht oder mögliche weitere Lockdowns“ diskutiere, sei „selbst nicht ganz bei Trost“. Und: Mit einer abstrakten Gefahrenprognose, die sich auf einen großen Konjunktiv stütze, dürfe man jedoch keine Freiheitsrechte beschneiden.

Ist der Rechtsstaat in Gefahr?

Zunehmende Einschränkung von Grundrechten

 

Schon im Vorfeld der zweiten großen Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung gab es viel Aufregung bis hin zum vom Berliner Innensenator ausgesprochenen Verbot, das das Verwaltungsgericht ziemlich fix wieder kassiert hat. Zu Recht, denn wenn der Senator mit dieser Begründung durchgekommen wäre, hätte man doch stark an unserem Rechtsstaat zweifeln müssen. Erstaunlich nur, dass das einzige Medium, das hier einen entsprechend klaren Kommentar geschrieben hat, eine große Tageszeitung aus der Schweiz war. „Der Berliner Senat hat Demokratie offenbar nicht begriffen“ überschrieb der Berlin-Korrespondent der NZZ seinen Kommentar (Bezahlschranke) und fragt nicht ohne eine gewisse Süffisanz: „Kennt Berlins Innensenator das Grundgesetz?“ Geisels Worte, mit denen er das Verbot begründete, seien skandalös: „Sie wecken Zweifel an der Verfassungstreue des rot-rot-grünen Berliner Senats. Und sie nähren den Verdacht, der Kampf gegen die Pandemie werde missbraucht, um missliebige Meinungen zum Schweigen zu bringen.“

Es macht nachdenklich, dass die wesentlichen demokratischen Rechte der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Demonstrationsrecht erst über Gerichte erzwungen werden mussten. Politik kann sich nicht einfach nur auf die Gerichte berufen. Sie hat die Pflicht und die Aufgabe, verfassungskonform zu handeln. Wenn Bürger hier zunehmend verdrossen werden, so dürfte es darüber hinaus wenig helfen, sie als „Covidioten“ zu bezeichnen und einer Spaltung der Gesellschaft weiter Vorschub zu leisten.

Auch das noch

Alle Kinder gegen Grippe impfen?

 

Es war sogar der Tagesschau zur besten Sendezeit einen Bericht wert: Am Sonntag, den 30. August um 20:14 Uhr berichtete Sprecherin Judith Rakers über eine Empfehlung des Vorsitzenden der Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, Johannes Hübner, alle Kinder gegen Grippe impfen zu lassen. Denn Kinder, so Hübner in einem Interview mit der Welt am Sonntag, würden „das Grippe-Virus maßgeblich übertragen“. In Zeiten der Corona-Pandemie gebe es „eine Verpflichtung zum Schutz anderer“. Nicht erwähnt wurde allerdings, dass Hübner als Berater auf der Payroll des Pharma-Multis Pfizer steht.

Die STIKO dagegen sieht die Dinge etwas anders, wie aus einem Bericht des Kinderarztes Dr. Steffen Rabe hervorgeht. Die Ständige Impfkommission hatte sich gerade erst mit dem Thema Grippe-Impfung bei Kindern befasst und sieht keine Veranlassung für eine allgemeine Empfehlung. Allerdings ist im Vorfeld offenbar politisch reichlich Druck gemacht worden: „Von verschiedenen Seiten wird derzeit die Meinung geäußert und an die STIKO herangetragen, dass die Indikation für eine Influenzaimpfung auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet werden sollte.“ Das hat offenbar aber nicht gefruchtet. Wenn man Nicht-Risikogruppen impfe, seien die Schutzeffekte für die Gemeinschaft „von begrenzter Wirkung“. Die in der Literatur beschriebenen gleichzeitigen Infektionen von SARS-CoV-2 und Influenzaviren deuten, so die STIKO, nicht auf schwerere Verlaufsformen hin. Bislang werde das nur vermutet, so deren Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Mertens in einem Interview mit RTL und n-tv: Auf der Basis von Vermutungen kann die STIKO und will die STIKO keine Impfempfehlung aussprechen." Eine generelle Impfempfehlung könne „nicht evidenzbasiert begründet“ werden. Das gelte auch für Erwachsene, bei denen die STIKO die Grippe-Impfung nur für Risikopatienten empfiehlt. Die gesamte Bevölkerung zu impfen, hält die STIKO für „kontraproduktiv“, wie die „Deutsche Apotheker-Zeitung“ berichtet. Diese Position erscheint umso berechtigter, als der Nutzen der Impfung, so der erfahrene Kinderarzt Martin Hirte, ohnehin fraglich ist.

Dessen ungeachtet schloss sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Hübner sofort an und riet ebenfalls zur Impfung. Das Gesundheitssystem könne neben der Corona-Pandemie nicht auch noch eine Grippe-Welle verkraften. Weshalb man schon vor geraumer Zeit vorsorglich eine große Charge des Impfstoffs gesichert habe, mit Steuergeldern natürlich.

Die Empfehlung erscheint umso fragwürdiger, als es Hinweise gibt, dass die Grippe-Impfung den Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion womöglich eher noch komplizieren kann, wie eine Analyse aus den USA zeigt. 

Lesenswert

Neue Bücher zur Corona-Krise

 

Eine Vielzahl neuer Bücher zur Corona-Krise und den damit zusammenhängenden Phänomenen drängt inzwischen auf den Markt. Hier ist eine Auswahl.

Die Angst überwinden
Eines der wichtigsten Themen, das uns die Corona-Krise beschert hat, greift der renommierte Hirnforscher Gerald Hüther auf: die Angst. Bezeichnend der Untertitel: „Über die Kunst, die Unvorhersehbarkeit des Lebens anzunehmen.“ Genau darauf kommt es ja an, sich immer wieder auf unterschiedliche Bedingungen einzustellen, bewusst, flexibel, aber auch wach und geistesgegenwärtig. Noch nie in der Menschheitsgeschichte, so schreibt Hüther in seiner Einleitung, sei es bisher vorgekommen, „dass sich alle Menschen überall auf der Welt durch etwas bedroht fühlen, das plötzlich und völlig unerwartet über sie alle hereingebrochen ist: ein Virus aus der Gruppe der Corona-Viren ...“ Die Ursache für die weltweit grassierende Angst sei aber weniger das Virus selbst gewesen, sondern „die sich noch rascher als jeder Krankheitserreger über die Medien global ausbreitende Vorstellung von seiner Gefährlichkeit“. Und Hüther fragt, warum weder die Luftverschmutzung noch verunreinigtes Trinkwasser, Kriege, resistente Keime, abgeholzte Regenwälder, Hungersnöte, Klimaveränderungen, Flüchtlingsströme und andere Katastrophen eine solche Angst auslösen konnten. In diesem Buch versucht er, darauf Antworten zu finden. Er analysiert, wie Angst unser Denken, Fühlen und Handeln verändert, was dazu beitragen kann, gar nicht erst in den Würgegriff der Angst zu geraten und, falls man ihm doch erliegt, sich möglichst rasch wieder daraus zu befreien.

Hüther betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig die menschliche Gemeinschaft dafür ist: „Es ist nie zu spät, verlorengegangenes Vertrauen zu sich selbst und gegenüber anderen Menschen wiederzufinden.“ Und wie wichtig es ist, dass wir uns immer wieder klarmachen: „Es ist nicht das Virus, das diese Angst ausgelöst hat. Es war die Vorstellung einer durch dieses Virus ausgelösten lebensbedrohlichen Erkrankung. Die angesichts einer realen Gefahr erlebte Angst ist nicht das gleiche wie die durch die Vorstellung einer existenziellen Bedrohung ausgelöste Angst. (...) Was ich hier gemeinsam mit Ihnen herausfinden möchte, sind mögliche Wege, die uns herausführen aus der Gefangenschaft unserer eigenen Vorstellungen und Überzeugungen davon, wie sich die Angst besiegen lässt. Vielleicht ist es ganz anders, als wir es uns bisher vorgestellt haben. Vielleicht ist diese Angst gar nichts Bedrohliches. Vielleicht ist sie unser wichtigster Wegweiser auf dem schmalen und leicht zu verlierenden Pfad in die Freiheit.“

Ganz sicher ist dieses Buch eines der wichtigsten in diesem angstbesetzten Herbst und Winter.

Gerald Hüther: Wege aus der Angst. Über die Kunst, die Unvorhersehbarkeit des Lebens anzunehmen, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 127 Seiten, 20 Euro


Wider die Halbwahrheiten
Spannend wie ein Krimi liest sich ein anderes Buch, das die Entstehungsgeschichte und den Werdegang der Corona-Pandemie nachzeichnet – minutiös mit über 718 Quellenangaben belegt – und vor allem auch die Berichterstattung darüber auseinanderpflückt.

Vorangestellt hat die Autorin – die freie Journalistin und auf medizinische und naturwissenschaftliche Themen spezialisierte Miryam Muhm – einen Satz von René Descartes (1596 – 1650): „Ich zweifle, also denke ich“ (in Weiterentwicklung des berühmten „Ich denke, also bin ich“ – „cogito ergo sum“). Denn auf beides kommt es gerade in diesen Zeiten ganz besonders an: auf das Zweifeln und das Denken.

Das letzte Kapitel in diesem Buch widmet sich Bill Gates – und dankenswerterweise so nüchtern, so knochentrocken und unemotional, vor allem aber so penibel belegt, dass es über jedes Bashing von „Verschwörungstheorie“ erhaben ist. Schon lange wartet man in Deutschland auf so eine Analyse eines der reichsten Männer der Welt. Schon allein dieses Kapitel ist die Lektüre wert. 

Miryam Muhm: Die Wahrheit über COVID-19. Licht ins Dunkel der Halbwahrheiten und wie Sie sich vor dem Virus schützen können. Europa-Verlag, 304 Seiten, 19 Euro


Wichtige Gedanken zur Corona-Zeit
„Das Mysterium der Erde“ – mit diesem Titel eines Aufsatzes von Ita Wegman aus dem Jahr 1929 hat Peter Selg eine Textsammlung zur Corona-Zeit aus seiner Feder überschrieben, die vereinzelt bereits veröffentlicht worden sind. Geschrieben wurden die Artikel zwischen Ostern und Pfingsten 2020. Es sind kluge, nachdenkliche Texte, die aus der Sicht der Anthroposophie dazu anregen, die Corona-Krise aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mit am wichtigsten sind hier der ausführliche Essay „Eine medikalisierte Gesellschaft?“ und die „Gesichtspunkte zu epidemischen Infektionskrankheiten im Werk Rudolf Steiners“, aber natürlich auch der historische Originaltext von Ita Wegman.

Peter Selg: Das Mysterium der Erde. Aufsätze zur Corona-Zeit. Verlag des Ita Wegman Instituts, 139 Seiten, 22 Euro


Einblick in ein „Leitmedium“
Birk Meinhardt ist ein hochdekorierter Autor: zweimal – 1999 und 2001 – gewann er den „Oscar“ für Journalisten, den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Aufgewachsen in der ehemaligen DDR und dort als Sportreporter tätig, wechselte er nach der Wende in die Sportredaktion der „Süddeutschen Zeitung“, schrieb dort aber schnell vor allem große Reportagen für die Seite Drei sowie Texte für „Das Streiflicht“, die berühmte Kolumne auf der Titelseite der SZ. 2012 verließ er – für die Außenwelt überraschend – die Zeitung und widmete sich ganz dem schriftstellerischen Schreiben. 2013 erschien sein erster Roman, 2017 dessen Fortsetzung.

Jetzt hat Meinhardt den Grund für seinen Weggang bei der SZ, über den viele Kolleg*innen mehr als erstaunt waren, in einem kleinen Buch dargelegt: „Wie ich meine Zeitung verlor“ ist die melancholische Abrechnung mit einer Redaktion, die immer noch zu den anerkanntesten in Deutschland gehört und der man gerade dies nicht zugetraut hätte: dass Texte nicht gedruckt werden, weil sie nicht in das Muster der Vorurteile der Verantwortlichen passen. Eben diese Texte hat Meinhardt jetzt in diesem Buch – sogar mit Erlaubnis der Chefreaktion – noch einmal zugänglich gemacht. Seine Beschreibung passt gut in die Corona-Zeit mit ihrer medialen Gleichschaltung, weil sie die dahinter liegenden Mechanismen wenigstens ein Stückweit erhellt. Sie werden nicht nur auf die SZ zutreffen. Dass das Buch innerhalb kurzer Zeit zum Bestseller wurde und jetzt bereits in der 3. Auflage vorliegt, spricht für sich.

Birk Meinhardt: Wie ich meine Zeitung verlor. Ein Jahrebuch. Verlag Das Neue Berlin, 144 Seiten, 15 Euro


Meinungsvielfalt aus Sozial- und Kulturwissenschaft
Es kommt nicht oft vor, dass Programmverantwortliche und Lektor*innen gemeinsam ein Buch initiieren und herausgeben. Corona macht aber auch das möglich – zum Glück. Denn Michael Volkmer und Karin Werner vom transkript Verlag haben in eben dieser Funktion eine spannende Sammlung von Meinungen und Analysen aus der Sozial- und Kulturwissenschaft zusammengetragen. Schon Ende März war ihnen bewusst geworden, dass die Stimme der Sozial- und Kulturwissenschaftler*innen im Chorus der Corona-Statements fehlte. Und so schrieben sie eine ganze Reihe von Vertreter*innen dieser Szene an und baten sie um Beiträge zur Einschätzung der Corona-Krise. Denn gerade diese Fachleute waren zu Beginn der Krise und auch später gar nicht erst gefragt worden, wie sie die Lage und vor allem die getroffenen Maßnahmen einschätzen.

Die Reaktion war überwältigend. Nun liegt der Sammelband dazu mit insgesamt 39 Beiträge vor. Das Spektrum reich von historischen Einordnungen über Körper-Aspekte, geschlechterspezifische Einordnungen, die Frage der Solidarität und Gesellschaftsordnung bis hin zu Protest und Widersand, ökonomischen Fragen und konkreten Utopien. Ein spannendes Sammelsurium von Ideen, Analysen und Meinungen.

Michal Volker, Karin Werner (Hrsg.): Die Corona-Gesellschaft. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft. Transcript Verlag, 432 Seiten, 24,50 Euro


Die Wegbereiter der Pandemie
Es ist schon lange klar, dass bestimmte Faktoren eine Pandemie wie die mit SARS-CoV-2 begünstigen. Vor allem die Massentierhaltung und die Zerstörung der Umwelt sind hier zu nennen. In diesem Zusammenhang wurde ein Buch wieder aufgelegt, das schon vor geraumer Zeit erschienen ist, damals aber kaum beachtet wurde. Der Epidemiologe und Evolutionsbiologe Rob Wallace hat die Fakten zusammengetragen, die der Epidemie den Weg bereitet haben. Er spricht dabei auch die Vogelgrippe und Ebola an, denn auch sie stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dieser Entwicklung. Sein Fazit: Nur eine andere Landwirtschaft und ein Verbot der Massentierhaltung wird künftig ähnliche Pandemien vermeiden können.

Rob Wallace: Was COVID-19 mit der ökologischen Krise, dem Raubbau an der Natur und dem Agrobusiness zu tun hat. PapyRossa Verlag, 207 Seiten, 20 Euro