Corona-Spezial

Unser Kompass zu COVID-19 und Gedanken über die Krisenzeit

Hier finden Sie aktuelle Berichte, Informationen und Stellungnahmen zur Corona-Pandemie sowie Gedanken über die Krisenzeit. Wir aktualisieren diesen Bereich in unregelmäßigen Abständen – je nach Lage der Dinge. 

Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick, was wir derzeit über diese Pandemie und COVID-19 wissen oder eben gerade nicht wissen, und welche Chancen und Perspektiven sich daraus ergeben. Diese Artikel sind mit dem GESUNDHEIT AKTIV-Newsletter in der Juniausgabe erschienen:

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Nach vorne schauen

Die Lehren aus der Krise ziehen

 

Die Welle der Corona-Pandemie schwächt sich mehr und mehr ab. Dazu passt das scheinbar nachlassende Interesse der Menschen an diesem Thema – wie auch eine Analyse der Agentur BCW ergeben hat. Demnach sind die Suchanfragen zu Themen rund um Corona im freien Fall ...

Geblieben sind jedoch bei vielen Menschen Angst und Verunsicherung. Es gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben, vor denen wir jetzt stehen, diese Angst zu überwinden und die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen. Eine dieser Lehren ist, sich wieder darauf zu besinnen, über was für ein großartiges Instrumentarium unser Organismus verfügt, um sich all der Infektionen zu erwehren, die alltäglich über diverse Keime auf ihn einstürmen. Dazu hat der klinische Psychologe, Philosoph und Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Dr. Harald Walach in seinem Blog einen sehr ausführlichen und ermutigenden Beitrag verfasst.

Bemerkenswert ist auch die 4. Ad-hoc-Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom 27. Mai 2020. Sie fordert, dass sich das Krankenhaussystem mehr am Patient*innenwohl und der Qualität der Versorgung ausrichten müsse und nicht ein „primär gewinnorientiertes System“ sein dürfe (siehe dazu auch den Bericht bei aerzteblatt.de). Die 31 Wissenschaftler*innen bemängeln, dass sich der Staat zu sehr aus der Gesundheitsvorsorge herausgezogen und das Feld der wettbewerbsorientierten Wirtschaft überlassen habe. Sie empfehlen stattdessen ein bedarfs- und nicht gewinnorientiertes System. Eine Forderung, die ganz sicher eine der wichtigsten Lehren aus der Krise darstellt und die auch GESUNDHEIT AKTIV unterstützt.

Der allgemeine Umgang mit den Lockerungen ist inzwischen Ländersache und von Bundesland zu Bundesland durchaus unterschiedlich, auch was das Öffnen von Schulen, Kindergärten und Kitas betrifft. Wie sich die Lage für die Mutter einer achtjährigen Tochter darstellt, erzählt Maja Thiesen, stellvertretende Geschäftsführerin von GESUNDHEIT AKTIV:

Ich als Mutter sehe eine große Notwendigkeit in einer raschen Rückkehr zu einem möglichst normalen Schulalltag bei den Grundschulkindern. Die Kinder brauchen soziale Kontakte und das Miteinander in der Schule, Lernen ist soviel mehr als Wissensvermittlung per App oder Arbeitsblatt.

Im Moment ist jedoch keine Perspektive in Sicht, zumindest hier in Berlin. Verschärft durch den bereits vorhandenen Lehrer*innenmangel sind die momentan gültigen Hygienepläne nur so umsetzbar, dass am Ende quasi kein Unterricht für die einzelnen Kinder übrigbleibt. Zwei Tage Unterricht zwischen Mitte März und Mitte Juni sind dann das Ergebnis. Das ist, was die kindliche Bildung angeht, völlig zu vernachlässigen und schafft bei den Eltern null Entlastung im täglichen Homeschooling.

Mit Schule ist aber kein Geld zu verdienen, oder anders gesagt: wir Eltern haben im Gegenteil zu den meisten Wirtschaftszweigen keine Lobby, daher scheint hier der Weg zurück in die Normalität besonders lange zu dauern.

Viele Lehrer*innen, Erzieher*innen und auch Eltern sind durch die wochenlange Berichterstattung über die Pandemie so verunsichert und verängstigt, dass das normalmenschliche Augenmaß ein wenig verloren gegangen zu sein scheint. So werden teilweise Maßnahmen ergriffen, die in keinem Verhältnis mehr zu den tatsächlichen Infektionszahlen stehen und vor allem von der Realität konterkariert werden. Denn nachmittags auf dem Spielplatz, im Park, in der Eisdiele etc. begegnen sich dann doch alle wieder…

Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang auch eine Stellungnahme von fünf Fachgesellschaften aus der Kinder- und Jugendmedizin, die unisono fordern, Kindergärten und Schulen zeitnah wieder zu öffnen. Das scheint umso berechtigter zu sein, als die vieldiskutierte Studie des Berliner Virologen Christian Drosten in ihrer Aussagekraft auch in der überarbeiteten Version nicht gar so viel hermacht, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Eine „Corona-Kita-Studie“ im Auftrag der Bundesregierung soll die Öffnung der Kitas überwachen. Das berichtet die Nachrichtenagentur KNA. Umfragen, ein Melderegister und umfangreiche Tests sollen herausfinden, welche Rolle den Kindern im Infektionsgeschehen zukommt. Geplant ist die Befragung des Personals in 3.000 Kitas sowie in 600 Einrichtungen auch der Eltern.

Und interessant ist auch die Forderung der GRÜNEN, einen „Pandemierat“ einzurichten, der mit Expert*innen aus verschiedenen Disziplinen besetzt ist und die Bundesregierung beim weiteren Vorgehen berät.

In Dänemark soll jetzt eine Expert*innenkommission klären, ob die Regierung, wie die taz berichtet, nicht doch zu überstürzt gehandelt habe mit ihrem Maßnahmenpaket, das „Dänemark zum Preis unübersehbarer persönlicher, wirtschaftlicher und sozialer Kosten geschlossen" habe, wie eine Reihe von skandinavischen Soziologen kritisiert. Bei unseren nordischen Nachbarn sinkt die Zahl der Infizierten weiterhin kontinuierlich ab. Die Corona-Todesrate pro 100.000 Einwohner*innen liegt noch unter der von Deutschland. Seit sechs Wochen sind Grundschulen und Kindergärten, seit drei Wochen auch Restaurants wieder uneingeschränkt zugänglich. Eine Maskenpflicht haben die Gesundheitsbehörden aller skandinavischen Länder noch nie für nötig erachtet – weder für Läden noch für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr. So geht es offenbar auch. 

Wer Englisch kann, dem sei ein Interview mit der Oxforder Epidemiologin Prof. Dr. Sunetra Gupta empfohlen, das bei LockdownTV publiziert wurde. Sunetra Gupta ist Professorin für theoretische Epidemiologie an der Universität Oxford in Großbritannien. Ihr Fazit in Kürze:

  • Die Sterblichkeitsrate bei COVID-19 liegt unter 1 von 1.000 und wahrscheinlich näher bei 1 von 10.000, das entspricht einer Zahl zwischen 0,1 und 0,01 Prozent.
  • Diese Todesfälle sind bisher der einzige zuverlässige Maßstab, weil nicht bekannt ist, wie viele Menschen inzwischen immun sind. Denn die Antikörpertests sind extrem unzuverlässig. Die R(eproduktions)-Rate hängt aber maßgeblich davon ab, wie viele Menschen immun sind, und solange keine solchen Daten verfügbar sind, hat auch diese Zahl keine hohe Aussagekraft.
  • Es ist sehr gefährlich, über einen Lockdown zu sprechen, ohne die enormen Kosten zu sehen, die dieser für andere gefährdete Bevölkerungsgruppen mit sich bringt. Es ist sehr gut möglich, dass es uns gut geht, wenn wir morgen wieder normal weiterleben würden. Eine solche Abriegelung ist ein Luxus, den die Mittelschicht und die Länder mit höherem Einkommen auf Kosten der armen, verletzlichen und weniger entwickelten Länder genießen.
  • Wichtiger noch: Immunität macht sich nicht allein an dem Vorhandensein von Antikörpern fest, sondern kann auch vorliegen, wenn keine Antikörper gemessen werden, was auch als „versteckte Immunität“ bezeichnet wird. Dafür verantwortlich ist das sogenannte zelluläre Immunsystem. Womöglich sind viel mehr Menschen bereits geschützt, als gemessen werden kann. Dies allein könnte der Grund dafür sein, dass sich die Epidemie in vielen Ländern bereits recht plötzlich zurückgezogen hat, so Gupta. In Deutschland wäre diese Annahme durchaus plausibel: Bereits vor Beginn des Lockdowns hatte sich die Ansteckungsrate mit dem Virus deutlich verringert. Gupta: „In fast jeder betroffenen Region haben wir die Epidemie zunächst wachsen sehen, dann kam die Umkehrung und das Versiegen, fast wie bei einem Uhrwerk. Verschiedene Länder haben unterschiedliche Wege eines Lockdowns verfolgt. Trotzdem haben wir ein fast identisches Muster erlebt, wie die Krankheit sich zurückzog. Für mich heißt das: Die eigentlich treibende Kraft war die sich entwickelnde Immunität in der Bevölkerung.“

Fragt auch die Naturmedizin!  

Für mehr Vielfalt bei der Beratung der Corona-Krise

 

Newsletter Juni 2020 – In der Schweiz hat sich der unabhängige Rechtsanwalt Andreas Röthlisberger in der Sonntagsausgabe der Neuen Züricher Zeitung ein Manifest als Anzeige veröffentlicht. Darin fordert er, dass auch die Komplementärmedizin mit einbezogen wird, wenn es darum geht, die richtigen Maßnahmen aus der Corona-Krise abzuleiten.

Dem Schweizer Newsportal für Komplementärmedizin „millefolia“ hat Andreas Röthlisberger ein Interview gegeben, das wir gerne zur Lektüre empfehlen.

 

Wie immun sind wir schon?  

Auf breitflächige Antikörpertests müssen wir weiter warten

 

Newsletter Juni 2020 – Am 14. Mai hat der Bundestag mit dem „2. Bevölkerungsschutzgesetz“ den Weg freigemacht, um die Virus-Tests auszuweiten, vor allem in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern. Das sind diejenigen Tests, die nachweisen, ob jemand das Virus in sich trägt oder nicht. Die Kosten sollen von den Krankenkassen getragen werden. Sie belaufen sich schätzungsweise auf bis zu 7,6 Milliarden Euro ...

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Befund aus Untersuchungen in Pflegeheimen, deren Bewohner zu den am meisten gefährdeten Personen gehören. Dort zeigte sich, dass viele COVID-19-Infektionen asymptomatisch verlaufen – die Menschen merken gar nicht, dass sie infiziert waren oder sind.

Die viel interessantere Frage dürfte jedoch sein, wie viele Menschen bereits eine Immunität gegen SARS-CoV-2 entwickelt haben. Das gestaltet sich schon erheblich schwieriger. Für Deutschland lässt es sich noch nicht angeben. Nach wie vor gibt es zwar sehr viele verschiedene Antikörpertests, sie sind aber alle nach den Kriterien der Hersteller validiert, was keine zuverlässige Aussage zur Wertigkeit der Ergebnisse aussagt. Denn bisher hatten alle diese Tests immer eine erhebliche Fehlerquote, weil sie nicht nur SARS-CoV-2-Antikörper maßen, sondern auch Antikörper auf verschiedene andere Corona-Viren. Hier müsste das Paul-Ehrlich-Institut prüfen, welcher der Tests am zuverlässigsten Auskunft gibt, damit dann breitflächig geprüft werden kann, wie es um die Immunität der Bevölkerung bestellt ist. Von den Daten her tappen wir also weitgehend im Dunkeln.

In Schweden gibt es dazu allerdings bereits erste Ergebnisse: Mehr als jeder fünfte Bewohner von Stockholm hat Antikörper gegen das Coronavirus gebildet. Allerdings dürfte sich die Zahl inzwischen schon wieder geändert haben, denn die Erhebung liegt bereits einige Wochen zurück.

Immer noch unterbelichtet

Häusliche Gewalt steigt in Quarantäne und Notzeiten

 

Newsletter Juni 2020 – Schon vielfach wurde darauf aufmerksam gemacht, aber immer noch wird wenig darüber gesprochen, dass die häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder gerade in der Zeit des Lockdowns erheblich zugenommen haben dürfte. Das zeigte jetzt eine Online-Befragung bei 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren.

Das ganze Ausmaß dieses Desasters werden wir vermutlich erst in einigen Jahren ermessen können. Vielleicht auch nie. Denn viele Frauen und Kinder leiden still und trauen sich nicht, nach Hilfe zu suchen geschweige denn sie einzufordern. 

Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf soll jetzt allerdings die Folgen der Corona-Epidemie auf die psychische Gesundheit von Kindern erforschen. Die Wissenschaftler erwarten, dass Depressionen, Angststörungen und Stress deutlich zugenommen haben. Diese Studie ist die erste ihrer Art und soll online 1.000 11- bis 17-jährige Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Eltern von 7- bis 17-Jährigen befragen. Zusätzlich sollen in Kürze in einer repräsentativen Stichprobe 1.500 Hamburger Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren sowie deren Eltern befragt werden. Weitere Folgebefragungen sind nach sechs und zwölf Monaten geplant. Die Ergebnisse werden also erst in rund zwei Jahren vorliegen.

Neues von der App

Italien startet eine Corona-Warn-App

 

Newsletter Juni 2020 – Vier von 20 Regionen Italiens gehen voran: Dort wird ab 8. Juni eine neue kostenlose Corona-Warn-App mit dem Namen „Immuni“ aktiviert. Sie soll Bürger*innen des Landes darauf hinweisen, wenn sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben.

Auch in Deutschland schreitet die Programmierung der App voran. Um das Bemühen um größtmögliche Transparenz zu untermauern, wurde der Quellcode für die hierzulande geplante App jetzt im Internet veröffentlicht – eine bisher ziemlich einmalige Maßnahme in der Welt der Software.

Buchtipp

Die Corona-Pandemie besser verstehen

Newsletter Juni 2020 – Was hat die Corona-Krise uns zu sagen? Wie konnte sie entstehen, welche Lehren sind daraus zu ziehen, in welchen naturwissenschaftlichen, medizinischen, historischen, gesellschaftspolitischen und kosmischen Zusammenhängen ist sie zu sehen? Fragen, auf die ein höchst lesenswertes Buch Antworten sucht und findet. Spannend daran sind vor allem die verschiedenen Perspektiven, aus denen die Autor*innen auf das Geschehen schauen: Die Kinderärztin und langjährige Leiterin der Medizinischen Sektion am Goetheanum Dr. Michaela Glöckler aus Sicht der Anthroposophischen Medizin; der Autor und Veranstalter der Stuttgarter Bildungskongresse Andreas Neider aus Sicht der globalen Geopolitik; der Botaniker Dr. Hartmut Ramm aus Sicht der Kosmologie unter Berücksichtigung der chinesischen Kultur und Geschichte. Vor allem dieser dritte Teil des Buches eröffnet völlig neue und überraschende Einsichten in die Zusammenhänge von Makro- und Mikrokosmos und die Bedeutung der Gestirne für das Leben auf unserem Planeten.

Wer besser verstehen will, was es mit SARS-CoV-2 auf sich hat und warum diese Pandemie gerade jetzt zu uns gekommen ist und welche Möglichkeiten und Chancen sich mit ihr eröffnen, dem sei die Lektüre dieses spannenden Buches ans Herz gelegt.

Michaela Glöckler, Andreas Neider, Hartmut Ramm: Corona – eine Krise und ihre Bewältigung. Verständnishilfen und medizinisch-therapeutische Anregungen aus der Anthroposophie, Akanthos Akademie, Edition Zeitfragen, BoD, 16,95 Euro (E-Book 10,99 Euro).