Nicht von Interesse?

Nebenwirkungen von Krebstherapien werden kaum thematisiert

Die Frage der Lebensqualität bei Krebskranken, die insbesondere am Lebensende relevant ist, wird in Studien kaum thematisiert. Diese Bilanz ziehen Wissenschaftler, die für das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) insgesamt 100 Publikationen ausgewertet haben. Nur in etwa einem Viertel der Veröffentlichungen wurden die Effekte der Nebenwirkungen der Therapien auf die Lebensqualität der Patienten adäquat dargestellt

„Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass die spezifische Therapiesituation der Patientinnen und Patienten, bei denen das Lebensende absehbar ist, in den Publikationen nicht angemessen abgebildet wird“, resümiert Stefan Lange, stellvertretender Leiter des IQWiG und einer der Autoren des Arbeitspapiers. Dies sei ein folgenschwerer Mangel, da die Ärzte sich in Gesprächen mit ihren Patienten auch auf Ergebnisse klinischer Studien bezögen. „Sie können nur dann gemeinsam gute Entscheidungen über Therapieoptionen treffen, wenn sie vollständige und ungeschönte Informationen über den zu erwartenden Nutzen und Schaden haben“, so Lange.

Unser Kommentar:

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern muss man sich fragen, warum übergeordnete patientenorientierte Therapieziele in Krebsstudien so wenig Berücksichtigung finden. Gerade bei Krankheitsverläufen, die absehbar zum Tode führen, spielt die Lebensqualität für viele Menschen eine oft viel entscheidendere Rolle als die Frage danach, ob sie durch eine aggressive Therapie eventuell einige Wochen länger leben. 

Quelle: IQWiG Pressemitteilung vom 22. April 2014