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Neuste Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten, die wir einmal im Monat als Newsletter verschicken. Wir greifen aktuelle Neuigkeiten aus verschiedenen Medien auf – zu Gesundheitsthemen, aber auch zu Forschungsergebnissen, zur Gesundheitspolitik und ganzheitlicher Medizin.

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GESELLSCHAFT IM STRESS

Berlin, 5. Oktober 2018

Stress macht krank. Zumindest auf Dauer. Wie wir dem Stress etwas entgegensetzen können, zeigt die „Aktionswoche der seelischen Gesundheit“ im Oktober, die bundesweit aufklären & informieren will. GESUNDHEIT AKTIV ist in Berlin dabei …

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REDEN IST SILBER, ZUHÖREN IST GOLD

Berlin, 5. Oktober 2018

Unser Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich gleich von Beginn an vor allem als Macher inszeniert. Nicht zuletzt hat er das Thema Pflege endlich nach vorne gebracht. Nun hat er allerdings zwei Themen auf dem Tisch, die ganz andere Qualitäten brauchen: zuhören, abwägen, reflektieren. Kann Spahn auch nachdenklich?

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WAHLFREIHEIT FÜR HOMOÖPATHIE & CO.

Berlin, 4. Oktober 2018

Die Debatte um die Homöopathie reißt nicht ab. Nun hat das Gesundheitsministerium nachgelegt. Zukünftig sollen die Wahltarife für Homöopathie abgeschafft werden, die von den Krankenkassen nach und nach durch Satzungsleistungen ersetzt wurden. Zeit für eine Faktencheck: Was zahlt meine Kasse?

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BILDUNG. GESUND. MACHEN

Wie sehen gesunde Bildungswelten aus, die Kinder und Erwachsene stark – und nicht krank machen? Und was macht eine Lern- und Schulkultur aus, die Zukunft hat? Um diese Fragen geht es bei der ersten „Konferenz für gesunde Bildungswelten“ am 25. Oktober 2018, die als Vorkonferenz zum „EduAction Bildungsgipfel“ stattfindet. Tickets einzeln oder als Kombiticket erhältlich. Hier geht’s zu

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GEMEINSAM GEGEN KREBS

Berlin, 5. Oktober 2018

Die integrative Krebstherapie ist und bleibt Trend. Etwa die Hälfte aller Krebspatienten nutzen heute komplementärmedizinische Therapien. Die Nachfrage ist also groß. Darauf reagieren die Zentren und bieten immer öfter integrative Therapien an. Woran sich Patienten orientieren können, zeigt eine neue Studie am Beispiel des anthroposophischen Krankenhauses Havelhöhe...

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FREUND STATT FEIND

Berlin, 2. Oktober 2018

Um die Darmflora – also die Besiedelung des Darms mit Bakterien – ist ein regelrechter Hype entstanden. Obwohl viel geforscht wird, sind noch viele Fragen offen. Klar ist, dass Gesundheit und Krankheit wohl stärker vom Mikrobiom abhängen, als man bisher angenommen hat. Geprägt wird die Darmflora gleich in den ersten Lebensmonaten, so eine neue Studie…

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Gesellschaft im Stress

Woche der Seelischen Gesundheit

Berlin, 5. Oktober 2018. Sind wir zu einer „gestressten Gesellschaft“ geworden? Klar ist, dass immer mehr Menschen Stress empfinden, den sie nicht regulieren können. Psychische Erkrankungen wie Ängste, Depressionen oder Essstörungen, die oft mit Stress zu tun haben, nehmen zu. So liegen Depressionen inzwischen bei den Krankschreibungen noch vor den Klassikern wie beispielsweise Rückenschmerzen und Erkältungen.

Aktionswoche der Seelischen Gesundheit

Mit diesem Zusammenhang befasst sich die diesjährige Woche der Seelischen Gesundheit, die jedes Jahr rund um den internationalen Tag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober stattfindet. Mittlerweile beteiligten sich rund 50 Regionen und Städte mit fast 800 Veranstaltungen. In diesem Jahr läuft die Woche vom 10. bis zum 20. Oktober 2018 unter dem Motto „Gestresste Gesellschaft – was tun?“

Stress und seine Auswirkungen

Vor allem geht es um die Frage, welche Auswirkungen Stress auf die seelische Gesundheit hat. Denn obwohl die wöchentliche Arbeitszeit sinkt, sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Beschwerden in den letzten 15 Jahren um fast 90 Prozent gestiegen. Viele fühlen sich durch die parallelen Anforderungen in Arbeit, Ausbildung, Familie überfordert. Außerdem sind übersteigerter Leistungsdruck, permanente Selbstoptimierung und Zukunftsängste in allen Altersgruppen weit verbreitet. Auch darüber möchte die Woche der Seelischen Gesundheit informieren.

Beraten, informieren, unterstützen

Eine Woche lang sind Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich beraten zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Ziel der Vorträge, Workshops oder Fachtagungen ist es, über psychische Krankheiten aufzuklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen und den Dialog anzuregen. Berührungsängste sollen abgebaut und vor allem Betroffene sowie deren Angehörige gestärkt werden. Darüber hinaus steht im Mittelpunkt, was wir selbst tun können, um unsere persönliche Widerstandsfähigkeit bei Stress zu erhöhen.

Termin-Tipp!
Wollen Sie live dabei sein? GESUNDHEIT AKTIV beteiligt sich in Berlin mit einem ganz praktischen Vortrag am Programm der Aktionswoche: „Wohltuende Ruhe durch ‚Äußere Anwendungen‘“.

Die Referentin Britta Ulzhöfer, Gesundheits- und Krankenpflegerin und Expertin für Anthroposophische Pflege, zeigt Ihnen einfache und praktische Anleitungen für Teilbäder und Auflagen, die im häuslichen Zusammenhang gut angewendet werden können. Bringen Sie gerne ein Handtuch und eine ausreichend große Schüssel für ein eigenes Fußbad mit!

Wohltuende Ruhe durch Äußere Anwendungen
Mittwoch, 17. Oktober 2018, 19:30 Uhr

GESUNDHEIT AKTIV, Gneisenaustr. 42, 10961 Berlin
Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns!

Reden ist Silber, zuhören ist Gold

Ethische Debatten zu Organspende und Pränataldiagnostik

Berlin, 5. Oktober 2018. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) drückt aufs Tempo. Erst ein paar Monate im Amt, hat er gezeigt, dass er „liefern“ will, wie er immer wieder betont. Besonders fällt auf, dass das Thema Pflege, das jahrelang eher ignoriert wurde, endlich eine echte Priorität bekommen hat. Auch die Digitalisierung will Spahn voranbringen. Die SPD zieht mit: In Sachen Gesundheitspolitik scheint die Stimmung in der großen Koalition ausgesprochen gut zu sein.

Zustimmung oder Widerspruch zur Organspende?

Im Herbst aber stehen zwei Themen an, die viel Feingefühl brauchen, auch weil die Meinungen dazu weit auseinander gehen. Zum einen geht es um die Organspende, die Spahn neu regeln möchte. Dazu hat er im Spätsommer einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, um vor allem die Strukturen in den Kliniken so zu ändern, dass dort tatsächlich mehr Organe transplantiert werden.

Gleichzeitig hat der Minister über die Pressemedien verkündet, dass er sich für die „doppelte Widerspruchslösung“ stark macht. Das würde bedeuten, dass automatisch alle Menschen Organspender wären – es sei denn, sie hätten aktiv widersprochen. „Doppelt“ bedeutet zudem: Auch die Verwandten hätten die Möglichkeit zum Widerspruch. Bisher gilt in Deutschland die „erweiterte Zustimmungslösung“: Nur wenn der Verstorbene zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, dürfen die Organe entnommen werden.

Warum die Eile?

„Umfragen zeigen immer wieder, dass die Bereitschaft zur Organspende in Deutschland hoch ist. Vielfach allerdings können Organe nicht entnommen werden, weil die Umsetzungsmöglichkeiten an den Kliniken vor Ort fehlen", merkt Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV an. „Das hat Spahn ganz richtig erkannt und deshalb mit seinem Strukturgesetz bei den Kliniken angesetzt. Aber anstatt die Wirkungen dieses Gesetzes abzuwarten, wird völlig übereilt nach der Widerspruchslösung gerufen. Wir von GESUNDHEIT AKTIV positionieren uns klar gegen die Widerspruchslösung, weil es kein automatisches Recht auf die Organe eines anderen Menschen geben kann, selbst wenn er nicht ausdrücklich widersprochen hat. Menschen sind, auch dann, wenn ihr Gehirn nicht mehr arbeitet, keine verfügbare Materie.“

Wie weit wollen wir gehen?

Auch beim zweiten Thema – der pränatalen Diagnostik – steht ein gesellschaftlicher Diskurs an. Konkret geht es um die Frage, ob ein vorgeburtlicher Bluttest auf das Down Syndrom Kassenleistung und damit de facto Bestandteil der Regelversorgung wird. Im Sommer 2018 hatten sich zehn Bundestagsabgeordnete aus fünf Bundestagsparteien in einem interfraktionellen Positionspapier mit dem Titel „Vorgeburtliche Bluttests – wie weit wollen wir gehen?“  zusammengeschlossen, um sich kritisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie fordern eine breite Debatte

„Sollte der Test Kassenleistung werden, erhöht sich weiter der gesellschaftliche Druck auf die Eltern, ihr ungeborenes Kind ‚testen‘ zu lassen“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke. „Das ist ein äußerst problematischer Trend. Das Problem ist, dass Eltern oft gar keine Vorstellung haben von den eigentlichen Entscheidungskonflikten, in die sie kommen können. Außerdem gibt es eigentlich viel zu wenig kompetente Unterstützung, wenn es um die Entscheidung für oder gegen die Austragung einer Schwangerschaft mit einem möglicherweise beeinträchtigten Kind geht. Wir von GESUNDHEIT AKTIV setzen uns schon lange für eine offene und transparente persönliche Auseinandersetzung mit der vorgeburtlichen Diagnostik ein – unter anderem mit unserem Projekt „Aufklärung Pränataldiagnostik“.

Aufklärung Pränataldiagnostik – erfahren Sie mehr!
Die heutigen Schüler*innen sind die Eltern von morgen: In einem experimentellen Lern- und Erfahrungsprojekt zur Pränataldiagnostik hat GESUNDHEIT AKTIV im Herbst 2017 Schülerinnen und Schüler eingeladen, selber zu entdecken, welche Erfahrungen Eltern und Betroffene gemacht haben. Mehr auf unserer Webseite unter: Was wir tun / GESUNDHEIT AKTIV

Organspende: GESUNDHEIT AKTIV informiert
Was heißt Zustimmungslösung? Wie soll ich mich entscheiden? Informationen rund um die Organtransplantation, Film- und Printmaterial sowie einen alternativen Organspendeausweis zum Ausdrucken finden Sie bei Kompetent entscheiden / GESUNDHEIT AKTIV

Wahlfreiheit: Homöopathie & Co.

Was zahlt meine Krankenkasse?

 

Berlin, 4. Oktober 2018. Das Bundesgesundheitsministerium will die Wahltarife der Krankenkassen für Arzneimittel der „besonderen Therapierichtungen“ abschaffen. Darunter fallen Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophische Medizin. Eine entsprechende Formulierung wurde in die Vorlage zum geplanten „Termin- und Servicestellengesetz (TSVG)“ aufgenommen. Dem Ministerium zufolge werden solche Tarife nur von rund 500 Versicherten genutzt: „Die geringe Nachfrage verdeutlicht, dass kein ausreichender Bedarf für das Angebot derartiger Wahltarife besteht.“

Wahltarife vs. Satzungsleistungen?

Für die allermeisten gesetzlich Versicherten wird sich dementsprechend nichts ändern. Denn die Krankenkassen haben seit 2012 die Möglichkeit, Arzneimittel oder Therapien der besonderen Therapierichtungen ohne besondere Tarife zu erstatten – über die so genannten Satzungsleistungen, die eine Krankenkasse individuell festlegen kann. Seitdem sich diese Regelung etabliert hat, wurden die Wahltarife immer weniger nachgefragt.

Versicherungsschutz überprüfen

„Auch wenn die neue Entscheidung des Gesundheitsministeriums erstmal negativ klingt, wird sich an dem momentanen Angebot nicht viel ändern, da die besonderen Therapierichtungen im unterschiedlichen Umfang inzwischen vor allem über die jeweiligen ‚Satzungsleistungen‘ erstattet werden“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV.

„Wir empfehlen jedem jedoch, einen Blick ins Kleingedruckte zu werfen. Es variiert teils erheblich, ob und wie viel eine Kasse an Anthroposophischer Medizin, Homöopathie & Co. erstattet. Außerdem gibt es Kassen, die an speziellen Verträgen zur Integrierten Versorgung teilnehmen, bei denen die Versicherten sogar einen Rechtsanspruch auf bestimmte Leistungen der Komplementärmedizin haben. Und da in Deutschland ja die freie Kassenwahl gilt, können sich Versicherte genau die Kasse aussuchen, die zu ihren Bedürfnissen passt.“

Mehr zum Thema
Welche Krankenkasse passt zu mir? Welche zahlt auch Leistungen der Anthroposophischen Medizin? Wie kann ich die Kasse wechseln? Informationen zur Entscheidungsfindung haben wir für Sie zusammengefasst – hier geht’s zur Übersicht.

Ein Merkblatt zur Erstattung der Leistungen aus der Komplementärmedizin finden Sie hier.

Gemeinsam gegen Krebs

Studie zur Integrativen Medizin

Berlin, 5. Oktober 2018. Zukunftsmodell Integrative Medizin: Immer mehr Menschen wünschen sich eine Medizin, die ganzheitlich ansetzt. Konkret bedeutet das, dass die Integrative Medizin Körper, Geist und Seele gleichermaßen berücksichtigt und mit einem erweiterten Therapiekonzept arbeitet. Dafür werden evidenzbasierte Verfahren der Komplementärmedizin (also zum Beispiel die Misteltherapie) in die konventionelle Krebstherapie integriert.

Dementsprechend bieten immer mehr Zentren und onkologische Praxen integrativmedizinische Elemente an – einige mehr, andere weniger. Bisher liegen jedoch kaum belastbare Zahlen vor. Nun wurde erstmalig in einer wissenschaftlichen Auswertung aufgezeigt, wie integrative Ansätze in einem zertifizierten Brustkrebszentrum umgesetzt werden können.

Aufeinander abgestimmtes Therapieangebot

Das ist längst noch nicht selbstverständlich. Denn viele KrebspatientInnen nehmen zusätzlich komplementäre Verfahren in Anspruch, die oft nicht in die „normale“ Behandlung eingebunden sind. Anders setzt die Anthroposophische Medizin an, die darauf basiert, komplementäre und schulmedizinische Ansätze miteinander zu verknüpfen.

„Heute reden viele von Integrativer Medizin, meinen damit aber nicht unbedingt ein abgestimmtes Therapiekonzept“, erläutert Dr. med. Friedemann Schad, Erstautor der Studie und Leiter des Onkologischen Zentrums am Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe. „Oder anders formuliert: Ein einzelner Bewegungs-Kurs, der in einem Krebszentrum angeboten wird, macht eben noch keine echte Integrative Medizin aus. In den anthroposophischen Kliniken geht es aber gerade darum: Wir beziehen komplementäre Ansätze von Anfang an strukturiert in die Therapie mit ein, so dass die Patienten eine umfassende Behandlung als Gesamtkonzept bekommen.“ Das Onkologische Zentrum ist von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) für die drei Tumorarten Brust-, Darm- und Lungenkrebs zertifiziert.

Best practice AM Krankenhaus Havelhöhe

Die Autoren fassen zusammen: Im nationalen Vergleich zu 275 zertifizierten deutschen Brustzentren erfüllte das Havelhöher Brustzentrum zentrale Anforderungen, die von der DKG festgelegt wurden – wie zum Beispiel psychoonkologische Betreuung, brusterhaltende Operationen oder auch Teilnahme der PatientInnen an Studien. „Für das Brustzentrum am anthroposophischen Krankenhaus Havelhöhe haben wir gezeigt, dass das Zentrum auf höchstem medizinischen Niveau arbeitet und gleichzeitig den Bedürfnissen der Patientinnen nach einer ganzheitlich ausgerichteten Therapie gerecht werden kann“, so Schad weiter.

Die jetzt veröffentlichte Studie wurde am Brustkrebszentrum in Havelhöhe, das von Dr. Cornelia Herbstreit geleitet wird, durchgeführt. Dafür wurden Daten von 739 Personen ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass 96 Prozent der PatientInnen das integrative Angebot in Anspruch nahmen: Rhythmische Massage (97 %), psychoonkologische Interventionen (95 %), Heileurythmie (89 %), pflegerische Anwendungen wie Einreibungen oder Wickel sowie Kunsttherapie (78 %). Etwa ein Drittel erhielt darüber hinaus Mistelpräparate. „Das Krankenhaus Havelhöhe ist wohl die einzige Klinik mit einem zertifizierten Onkologischen Zentrum, das in diesem Ausmaß zusätzlich komplementäre Verfahren in die Behandlung integriert“, kommentiert Schad abschließend.

Mehr Informationen
Onkologisches Zentrum, Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe

Quelle: Mammakarzinom: Anthroposophische Medizin lässt sich gut in die Therapie einbinden, Medical Tribune, 14. August 2018

Original-Publikation: Schad F, Thronicke A, Merkle A, Steele Megan L, Kröz M, Herbstreit C, Matthes H: “Implementation of an Integrative Oncological Concept in the Daily Care of a German Certified Breast Cancer Center”. Complementary Medicine Research 2018; 25: 85-91: https://doi.org/10.1159/000478655

Freund statt Feind

Frühe Prägung des Mikrobioms

Berlin, 2. Oktober 2018. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das gilt anscheinend auch für wesentliche biologische Prozesse. Eine neue Studie konnte Hinweise dafür geben, dass es nach der Geburt eines Babys ein besonders wichtiges Zeitfenster gibt, in dem die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm (Mikrobiom) geformt wird. Denn in einer aktuellen Untersuchung mit Mäusen waren das 21 Tage. „Man kann das nicht 1:1 auf die Situation beim Menschen übertragen, aber bei der Maus ist das ungefähr der Zeitpunkt, wo die Umstellung von Muttermilch zu fester Nahrung erfolgt. Beim Menschen wäre das entsprechend etwa ein halbes Jahr“, erklärt einer der Studienautoren an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU).

Bereits frühere Experimente hatten darauf hingewiesen, dass es ein Zeitfenster gibt, in dem das Mikrobiom geprägt wird. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse weisen erstmals einen konkreten Mechanismus im angeborenen Immunsystem nach, der nur kurz nach der Geburt aktiv ist und die Besiedlung mit Mikroorganismen reguliert. „Die Studie zeigt, dass es sehr früh im Leben eine kritische Phase gibt, in der wir bestimmte Bakterien sehen müssen, damit hinterher ein vielfältiges und funktionierendes Mikrobiom im Darm vorzufinden ist“, so die Autoren.

Mikrobiom im Fokus

Heute wird das Mikrobiom zunehmend erforscht. Denn die Zusammensetzung der Mikroorganismen und das Gleichgewicht im Darm sind wesentlich für die Gesundheit. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass zum Beispiel chronisch entzündliche Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen mit einer veränderten Darmflora zusammenhängen. Bisher ist es aber nicht gelungen, das Mikrobiom im Erwachsenenalter durch äußere Faktoren wie die Ernährung oder spezielle Behandlungen langfristig wesentlich zu beeinflussen.

Ökosystem Mikrobiom

„Die veraltete Vorstellung einer Abgrenzung unseres ‚keimfreien‘ Körpers vor den Keimen der Umgebung wurde zu einem grundlegenden Verständnis des komplexen Ökosystems zwischen Körperzellen und Mikroorganismen weiterentwickelt“, ergänzt Dr. Bart Maris, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, einer der Autoren des Merkblattes von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD). „Ein großes Umdenken findet auch im Fachgebiet der Geburtshilfe statt: Bisher galt das Kind im Mutterleib als absolut keimfrei. Man glaubte, das Kind würde steril in eine Welt der Mikroorganismen hineingeboren und sein Körper müsse sofort erkennen, welche Keime gefährlich und welche harmlos sind. Heute wissen wir, dass dieser Lernprozess bereits während der Schwangerschaft einsetzt und innerhalb der ersten Lebenswochen und -monate ausreift.“

Weitere Informationen
Anthroposophische Kinder- und Frauenärzte geben im GAÄD-Merkblatt Schutz des Mikrobioms in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit Tipps und Hilfestellung für schwangere Frauen bei der Beurteilung und Entscheidung über das Streptokokken-Screening und andere Maßnahmen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Originalpublikation der Studie: Marcus Fulde, Felix Sommer, Benoit Chassaing, Kira van Vorst, Aline Dupont, Michael Hensel, Marijana Basic, Robert Klopfleisch, Philip Rosenstiel, André Bleich, Fredrik Bäckhed, Andrew T. Gewirtz, Mathias W. Hornef: „Neonatal selection by Toll-like receptor 5 influences long-term gut microbiota composition“, Nature. Published 08 August 2018