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Neuste Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten, die wir einmal im Monat als Newsletter verschicken. Wir greifen aktuelle Neuigkeiten aus verschiedenen Medien auf – zu Gesundheitsthemen, aber auch zu Forschungsergebnissen, zur Gesundheitspolitik und ganzheitlicher Medizin.

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Mit den Patienten gestalten, nicht für sie

Berlin, 4. Dezember 2018

Wir wollten’s wissen: Was kommt eigentlich dabei raus, wenn Ärzte und Patienten zu gleichen Themen gemeinsam befragt werden? Die Ergebnisse unserer Umfrage lassen aufhorchen…

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"ungenügend" für Pflege-Noten

Berlin, 5. Dezember 2018

Eigentlich bedeutet eine Eins im Zeugnis ja ein „sehr gut“. Nicht so jedoch in der Pflege. Dort erhalten zahlreiche Einrichtungen nach dem offiziellen TÜV eine Eins, obwohl die Qualität der Pflege erheblich zu wünschen übrig lässt. Nun soll ein neuer Pflege-TÜV kommen. Was Patienten und Angehörige darüber wissen müssen...

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Störfaktor Patient?

Berlin, 5. Dezember 2018

Keine Zeit, starre Hierarchien, wirtschaftlicher Druck – es gibt viele Gründe dafür, dass es im Krankenhaus kaum möglich ist, gemeinsam mit den Patienten Entscheidungen zu fällen. In einer neuen Umfrage haben junge Ärzte offen darüber gesprochen, was sich ändern muss. Und das ist so einiges…

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Mit gutem Beispiel voran

Berlin, 3. Dezember 2018

An der Universität Witten/Herdecke hat erstmals eine Ambulanz für Integrative Medizin eröffnet. Sie soll eine neue Form der medizinischen Versorgung erproben: aktiv mit den Patienten arbeiten, im Team behandeln, andere Gesundheitsberufe einbeziehen. Bitte mehr davon!

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gerecht geteilt 

Berlin, 3. Dezember 2018

Ab Januar 2019 reduzieren sich die Beiträge der Arbeitnehmer für die Krankenversicherung. Mit dieser frohen Botschaft hat sich kürzlich Gesundheitsminister Jens Spahn an die gesetzlich Versicherten gewandt. Allerdings zahlen alle dafür mehr für die Pflege. Kommt unterm Strich für Patienten tatsächlich mehr Netto vom Brutto raus?

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Eile mit weile

Berlin, 4. Dezember 2018

Der große Hype um die immer frühere Einschulung flaut ab. Glücklicherweise! Denn jetzt liegen Studien vor, die ganz klar negative Folgen benennen. Zum Beispiel, dass sich das Risiko für eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) bei früh eingeschulten Kindern deutlich erhöht.  

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Mit den Patienten gestalten, nicht für sie!

Patienten und Ärzte kommen erstmalig gemeinsam zu Wort

Berlin, 4. Dezember 2018. Wie steht es um die Beziehung zwischen Patienten und ihren Ärzten? Was wünschen sich Patienten für eine Versorgung? Was die Ärzte? Diese Fragen wollten wir erstmalig im Dialog beantworten. Dazu wurden Patienten und Ärzte in einem „gespiegelten“ Fragemodus befragt, um eine gesellschaftliche Debatte zur medizinischen Versorgung von morgen anzustoßen. Die Befragung erfolgte durch GESUNDHEIT AKTIV gemeinsam mit dem Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands und der studentischen Initiative Heal your Hospital (Universität Witten/Herdecke). Nun liegen die Ergebnisse vor.

Sich gegenseitig wahrnehmen

„Wir müssen reden …“ So könnte man, leicht verkürzt, eine der wichtigsten Botschaften zusammenfassen. „Die eigentlichen Bedürfnisse vieler Patienten werden in der Arztpraxis und im Krankenhaus offenbar zu wenig hinterfragt“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Das ist nicht immer nur eine Frage von Zeit, sondern auch Ausdruck von mangelnder Ausbildung und Strukturen, die Patienten nicht wirklich zu Wort kommen lassen.“

Ein weiteres Ergebnis: Patienten halten sich in Bezug auf ihre eigene Gesundheit für kompetenter als Ärzte glauben. Hier ist es nötig, sich gegenseitig besser wahrzunehmen: „Für den Dialog braucht es neue (Platt-)Formen und Orte, damit nicht nur für die Patienten, sondern mit ihnen gestaltet werden kann“, so Schmidt-Troschke.

Vertrauen, Empathie – und Zeit

Dass die Beziehung zwischen Arzt und Patient etwas ganz Besonderes ist, wurde ebenfalls deutlich: „Das Arzt-Patientenverhältnis ist in seiner Besonderheit wahrscheinlich einzigartig“, meint Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes. „Vielleicht mehr als in fast jeder anderen Beziehung braucht es Vertrauen, Zutrauen, Empathie und – das betone ich aus ärztlicher Sicht – die notwendige Zeit, sich mit dem ‚Menschen gegenüber‘ als Individuum zu beschäftigen und sich mit seiner Situation umfassend auseinanderzusetzen.“

Angesichts der großen Umbrüche im Gesundheitswesen – Stichwort Digitalisierung! – sei es höchste Zeit, alle Parteien stärker einzubinden, fordert die ebenfalls beteiligte Initiative Heal your Hospital: „Es macht auf der einen Seite Hoffnung zu sehen, dass Ärzte und Patienten beispielweise mit dieser Umfrage an einem Strang ziehen können, andererseits wundert es, dass solche Initiativen nicht schon vor Jahren stattgefunden haben.“

Weitere Informationen
Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie in der Herbst-Ausgabe von GESUNDHEIT AKTIV – DAS MAGAZIN. Hier können Sie das Heft bestellen.

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Bestellen Sie das Magazin als Einzelausgabe ( 5,00 €)

Mit gutem Beispiel voran

Neue Ambulanz für Integrative Medizin in NRW eröffnet

 

Berlin, 3. Dezember 2018. Mitte November 2018 eröffnete die Universität Witten/Herdecke (UW/H) eine neue Ambulanz für Integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde. Es ist ein Pilotprojekt, um eine neue multiprofessionelle, teambasierte und patientenorientierte ärztliche Versorgung zu entwickeln. Alle gesetzlich und privat Versicherten können sich mit ihrer Versichertenkarte in der Ambulanz behandeln lassen, eine Überweisung ist nicht nötig.

Im Fokus: chronisch kranke Patienten

„Wir richten unseren wissenschaftlichen und lehrebezogenen Fokus auf eine integrative Behandlung insbesondere von Patienten mit chronischen und komplexen Beratungsanlässen“, erklärt der Leiter der Ambulanz, Prof. Dr. Tobias Esch. „Als wesentliche Gesprächs- und Behandlungsmethoden stehen für uns deshalb im Vordergrund, die Patienten dazu zu motivieren, sich gut zu ernähren, sich zu bewegen, zu entspannen und damit ihren Lebensstil gesund auszurichten.“ Neben ÄrztInnen kümmern sich auch andere Gesundheitsberufe um die PatientInnen, z. B. Case  ManagerInnen sowie TherapeutInnen für Gesundheitsförderung. 

Neue Modelle entwickeln

Ein zentrales Novum der Ambulanz ist es, für alle Patientinnen und Patienten im Rahmen des Programms ‚Open Notes‘ eine individuelle elektronische Patientenakte bereitzustellen, in die sie jederzeit Einblick nehmen können“, sagt Tobias Esch. „Sie können unabhängig von Ort und Zeit webbasiert und datengeschützt auf die von den Ärztinnen und Ärzten gemeinsam mit den Patienten geführte Patientenakte zugreifen. So erhalten sie nicht nur den Zugang zu ihrer Medikation, den Befunden etc., sondern auch zu Therapieplanung und -verlauf.

Trend zur Integrativen Medizin

„Die neue Ambulanz ist ein anregendes Beispiel dafür, wie Fragen der Lebensführung in die therapeutische Arbeit einbezogen werden können “, meint Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV. „Besonders freut uns, dass hier speziell Menschen mit chronischen Erkrankungen angesprochen werden, die oft schon eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich haben. Denn hier stoßen konventionelle Ansätze der Rezept-Medizin in der Regel an ihre Grenzen – die Integrative Medizin jedoch nicht. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich die Einrichtung dieser Ambulanz und sind gespannt darauf, wie Anspruch und Wirklichkeit zusammenfinden werden.“

Weitere Informationen
“Universitätsambulanz für Integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde eröffnet“, 14. November 2019, Universität Witten/Herdecke

Termine in der Ambulanz nach Vereinbarung:
Tel.: 02302 / 926 380 01
E-Mail: info@uniambulanz-witten.de
Adresse: Alfred-Herrhausen-Str. 44, 58455 Witten

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„Ungenügend“ für Pflege-Noten

Neuer Pflege-TÜV ab Herbst 2019

Berlin, 5. Dezember 2018. Seit Jahren wird über den umstrittenen Pflege-TÜV auf Schulnotenbasis debattiert. Obwohl sich ExpertInnen schon bei dessen Einführung schnell einig waren, dass das System nicht sinnvoll ist, änderte sich lange Jahre nichts. Auch Pflegende kritisieren das Verfahren als extrem bürokratisch: „Wir pflegen Akten statt Menschen!“

Das soll sich jetzt endlich ändern. Gesundheitsminister Jens Spahn hat im November 2018 angekündigt, dass ab Herbst 2019 ein neues Bewertungssystem kommen soll. Im Sommer dieses Jahres hatten Wissenschaftler von der Universität Bielefeld ein Gutachten mit Vorschlägen zu einer neuen Bewertung der Pflegeheime vorgestellt. „Es geht künftig etwa darum, wie gut es gelingt, Mobilitätsverlust, Sturzverletzungen, die Entstehung von Druckgeschwüren oder den Einsatz freiheitseinschränkender Maßnahmen zu vermeiden“, so der Bielefelder Pflegewissenschaftler Klaus Wingenfeld. Das neue Bewertungssystem soll den Verbrauchern aber auch konkrete Informationen über die Lebensqualität in den Einrichtungen geben sowie über den Pflegeschlüssel informieren.

Was Patienten wissen müssen

In Deutschland sind Millionen Menschen pflegebedürftig, mit steigender Tendenz. Die Wartelisten für Pflegeheime sind lang, auch die Frage, welche Einrichtung die richtige ist, ist nicht leicht zu beantworten. Patienten, die ein Pflegeheim suchen, fühlen sich oft allein gelassen. GESUNDHEIT AKTIV fordert hier ein generelles Umdenken: „Man hat oft den Eindruck, dass echte Transparenz nicht gewollt ist“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Gekniffen sind dann die Verbraucher oder Patienten, weil ihnen wichtige Informationen nicht zugänglich sind. Bis sich das endlich ändert, können wir nur allen Menschen raten, Referenzen von anderen Betroffenen bzw. deren Familien einzuholen. Denn entscheidend ist ja, welche Qualität am Ende bei den Menschen ankommt.“

Pflegebedürftig – was tun? Hier gibt es weitere Informationen
Wenn Sie zu Hause pflegen, empfehlen wir Ihnen unsere Broschüren-Reihe „Zu Hause pflegen“ mit den beiden Heften „Zu Hause pflegen – woran Sie vorher denken sollten“ und „Zu Hause pflegen – Grundlagen für jeden Tag

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Gerecht geteilt

Paritätische Krankenkassen-Beiträge?

Berlin, 3. Dezember 2018. Unter dem sprechenden Titel „Versichertenentlastungsgesetz“ verabschiedete der Bundestag Mitte Oktober 2018 ein Gesetz, das unter anderem vorsieht, nach 13 Jahren die paritätische Finanzierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wieder einzuführen. Damit zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge nun wieder zu gleichen Teilen, inklusive der kassenindividuellen Zusatzbeiträge. Außerdem sollen die Mindestbeiträge für Kleinselbstständige gesenkt werden. Das Gesetz soll zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Weniger für die Kranken-, mehr für die Pflegeversicherung

Insgesamt werden die Versicherten aber nicht mehr Geld im Portemannaie haben, weil ab 2019 die Pflegeversicherungsbeiträge um 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr 3,05 Prozent angehoben werden. Kinderlose Versicherte ab dem vollendeten 23. Lebensjahr zahlen wie bisher 0,25 Prozent mehr. „Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen begrüßt die Beitragssenkungen, hätte sich aber im Sinne eines Patientenentlastungsgesetzes weitreichendere Maßnahmen wie die Absenkung der Zuzahlungen für Heil-, Hilfs- und Arzneimittel gewünscht und Leistungserweiterungen z.B. für Seh- und Hörhilfen sowie Zahnersatz befürwortet“, kommentierte die BundesArbeitsGemeinschaft der Patientenstellen und Initiativen.

Die Grünen kritisierten das Gesetz, da es dazu beitrage, den „Wettbewerb um die niedrigsten Beitragssätze“ weiter anzuheizen. Es fehlten Vorschläge, wie der Wettbewerb um die beste Versorgung gestärkt werden könne, hieß es im Bundestag. 

Weitere Informationen
Weitere Infos zum Versichertenentlastungsgesetz gibt es beim Bundesministerium für Gesundheit

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Störfaktor Patient?

Keine Zeit für gemeinsame Entscheidungen im Krankenhaus

 

Berlin, 5. Dezember 2018. Jüngst hat die Bertelsmann Stiftung eine Untersuchung über die Frage vorgelegt, wie Ärzte und Patienten im stationären Alltag gemeinsam entscheiden können. Nicht zuletzt ist dieser „informed consent“ (= gemeinsame Entscheidungsfindung) seit 2013 ein gesetzlich verbrieftes Patientenrecht.

Im Ergebnis zeigte die Umfrage allerdings, dass die Rahmenbedingungen dafür auf den Stationen alles andere als gut sind, obwohl sich gerade junge Ärztinnen und Ärzte das wünschen: „In der jungen Generation haben fast alle Ärzte den Anspruch, das Modell der gemeinsamen Entscheidungsfindung auch umzusetzen“, heißt es in der Studie.

Hemmnisse im stationären Alltag

In beiden befragten Studiengruppen wurden deutlich mehr hemmende als fördernde Faktoren für eine Beteiligung der Patienten beschrieben. Im Alltag habe das Gespräch z. B. kaum eine Bedeutung, da die Zeit dafür im Vergütungssystem nicht abgebildet werde. Auch der wirtschaftliche Druck steht dem entgegen: „Da gibt es dann morgens die Ansage: Oh, der OP-Plan ist leer, jetzt müsst ihr aber wirklich mal alle in Richtung OP arbeiten“, so ein junger Arzt in der Umfrage. Auch starre Hierarchien im Krankenhaus seien hinderlich: „Manchmal trifft man gemeinsam mit dem Patienten eine Entscheidung und dann grätscht der Chef dazwischen und macht es einfach anders.“

Patientinnen und Patienten stärken

Insgesamt wünschen sich 80 Prozent der Bevölkerung, gemeinsam mit Ärzten darüber zu befinden, welche Untersuchungen und Therapien sinnvoll sind. Und obwohl dieser Wunsch heute theoretisch breit akzeptiert wird, ist in der Praxis noch viel Luft nach oben. „Es kann nicht sein, dass Patientinnen und Patienten nach wie vor oft den Eindruck haben, im Klinikalltag eher zu stören – sie sollten aktiv aufgeklärt und einbezogen werden und sich nicht um jede Information selbst bemühen müssen", fordert Maja Thiesen, Stellvertretende Geschäftsführerin von GESUNDHEIT AKTIV.

Auch die Autoren der Umfrage empfehlen, Patienten und ihre Rechte zu stärken sowie besser zu informieren. Außerdem soll sich auch an den Rahmenbedingungen etwas ändern: die medizinische Ausbildung verbessern, verbindliche Qualitätsstandards für den „informed consent“ entwickeln und dafür Anreize im Vergütungssystem schaffen.

Weitere Informationen
Projekt Patient mit Wirkung, Bertelsmann Stiftung
Umfrage Gemeinsam entscheiden der Bertelsmann Stiftung

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Eile mit Weile

Früh eingeschulte Kinder haben häufiger ADHS

Berlin, 4. Dezember 2018. Das sind alarmierende Zahlen: Kinder, die nicht vollständig schulreif sind, haben ein deutlich erhöhtes, statistisch hochrelevantes Gesundheitsrisiko, weil bei ihnen häufiger als bei älteren Klassenkameraden eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert wird. 

Zunehmend wissenschaftlich untersucht

Schon seit längerem wurde vermutet, dass zwischen früher Einschulung und der Diagnose ADHS ein Zusammenhang besteht. Verschiedene Länder werteten dazu rückwirkend Krankenkassendaten aus, die diesen Verdacht zunächst bestätigten. Die jetzige Studie geht jedoch noch einen Schritt weiter: „Unsere aktuelle prospektive Studie konnte klar zeigen, dass die ADHS-bezogenen Symptome erst nach der Einschulung aufgetreten sind und nicht eventuell bereits vorher bestanden“, so die Studienkoordinatorin und Kinderärztin Dr. Martina Franziska Schmidt von der Universität Mainz. „Damit ist ein kausaler Zusammenhang zwischen frühem Einschulungsalter und dem Auftreten der Symptome wesentlich wahrscheinlicher.“

Im internationalen Vergleich wird die frühe Einschulungspolitik zunehmend kritisch hinterfragt. Anders in Deutschland, wo, so Martina Schmidt, „wir allerdings noch mehr Bewusstsein für das Thema schaffen und die Forschung für die Zusammenhänge von Unreife und ADHS-bezogene Symptome weiter voranbringen müssen: Wodurch werden sie ausgelöst? Ist es der Anpassungsdruck? Oder verstärkter Stress, der die unreifen Kinder belastet?“

Was müssen Eltern wissen?

Die wichtigste Konsequenz aus den Studienergebnissen lautet deshalb: Eltern sollten sich nicht unter Druck setzen lassen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Kind noch nicht wirklich schulreif ist. „Man kann den Eltern dringend empfehlen, sich mit den Aufnahmegremien bzw. den Schulärzten in eine offene Entscheidungssituation zu begeben“, rät Martina Schmidt. „Wir haben mittlerweile die Schulreifekriterien gut erforscht, so dass es in vielen Bundesländern möglich ist, die Kinder vor der zu frühen Einschulung zu bewahren.“ Die Frage, wo das Kind am besten aufgehoben ist – im Kindergarten, in einer Vor- oder Brückenklasse oder in einer ersten Klasse – hänge von der individuell unterschiedlichen Reife des Kindes ab und könne nur individuell beantwortet werden.

„Dass es einen Zusammenhang gibt zwischen früher Einschulung und ADHS, zeigt ganz deutlich, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie und wann Schule gestaltet sein muss, um nicht krank zu machen“, ergänzt Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Heute werden Kinder und Jugendliche jahrelang in hohem Tempo durch ein Schulsystem geschleust, in dem es in der Regel um reine Wissensvermittlung geht. Das erzeugt viel Stress. Und dass Stress krank macht, wissen wir. Wir fordern daher, Schule eher als Raum für die Entfaltung von den individuellen und sozialen Potenzialen zu sehen.  Denn ob Kinder sich gesund entwickeln können, hängt sehr stark davon ab, wie ihre sozialen Beziehungen gestaltet sind.“

 Weitere Informationen

  • Bildungskonferenz EduHealth: Wie wir gesunde Bildung gestalten können, wurde am 25. Oktober 2018 bei der ersten „Konferenz für gesunde Bildungswelten“ in Mannheim diskutiert. GESUNDHEIT AKTIV war dabei. Was wir gemeinsam erarbeitet haben, lesen Sie hier.
  • Info-Material zu ADHS: „AD(H)S – Krankheit oder Zeitproblem?“, Broschüre von GESUNDHEIT AKTIV, 4 Euro, hier bestellen.
  • Originalpublikation der Studie: Janine Wendt, Martina F Schmidt, Jochem König, Rainer Patzlaff, Michael Huss, Michael S Urschitz: „Young age at school entry and attentiondeficit hyperactivity disorder-related symptoms during primary school: results of a prospective cohort study conducted at German Rudolf Steiner Schools“, British Medical Journal, Volume 8, Issue 10.

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