Bildung. Gesund. Machen!

Erste Konferenz für gesunde Bildungswelten

Am 25. Oktober 2018 findet - direkt im Vorfeld des großen EduAction Bildungsgipfel in Mannheim - der EduHealth Summit statt. Die Konferenz steht unter dem Motto „Bildung. Gesund. Machen!“ und wird von GESUNDHEIT AKTIV und dem Berufsverband der Präventologen veranstaltet. Eingeladen sind alle Menschen aus Bildungseinrichtungen und bildungsrelevanten Bereichen: Lehrende und Lernende, EntscheiderInnen, VordenkerInnen und Eltern. Der EduHealth Summit hat zum Ziel, dass alle Teilnehmenden mit praktischen und umsetzbaren Impulsen, inspirierenden Erfahrungen, bestens vernetzt und hochmotiviert in ihre Bildungswelten zurückkehren!

Wir haben die Initiatoren Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand GESUNDHEIT AKTIV e. V. und Dorothée Remmler-Bellen, Vorstand des Berufsverbandes der Präventologen e. V., interviewt.

Wie kam es zur Idee einer Konferenz für „gesunde Bildungswelten“?
Stefan Schmidt-Troschke: Gesundheit hat etwas damit zu tun, wie wir zu leben verstehen, mit uns selbst, mit anderen, mit unserer Umwelt. Das ist ein Lernprozess. So ist Gesundheit eng mit Bildung verknüpft. Aber nicht nur in dem Sinne, dass Kinder lernen, was gesunde Ernährung bedeutet. Es ist genauso wichtig, dass sie erfahren, wie sie sich sozial gesund entwickeln und entfalten können. Deshalb möchten wir mit dem EduHealth Summit das Bewusstsein dafür stärken, dass Gesundheit nicht ohne Bildung gelingen kann.

Dorothée Remmler-Bellen: Es gibt schon eine Reihe zarter Pflänzchen und guter Ansätze. Das wollen wir sichtbar machen und gleichzeitig für mehr Vernetzung eintreten. Deshalb versteht sich die Konferenz auch als Ideenbörse, um Interessierte mit ihren Konzepten, Ideen und guten Beispielen zusammenzubringen.

Was sind die gesundheitlichen Herausforderungen in den meisten Kitas und Schulen?
Stefan Schmidt-Troschke: Heute werden Kinder und Jugendliche jahrelang in hohem Tempo durch ein Schulsystem geschleust, in dem es in der Regel um reine Wissensvermittlung geht. Das prägt. Und erzeugt viel Stress, nicht nur bei den SchülerInnen, sondern auch bei den Eltern und LehrerInnen. Und dass Stress krank macht, wissen wir. Wir fordern daher, Schule eher als Raum für die Entfaltung von den individuellen und sozialen Potenzialen zu sehen. Schule als Potenzial-Raum sozusagen! Denn die gesunde Entwicklung von Kindern hängt sehr stark davon ab, wie sie sich in ihren sozialen Beziehungen entwickeln können. Das wird heute noch viel zu wenig thematisiert. Dabei entsteht der größte Stress, wenn soziale Prozesse in Schule und Kita aus dem Ruder laufen.

Dorothée Remmler-Bellen: Gesundheit wird von den Bildungseinrichtungen oft als Add-On" betrachtet, also als etwas, was zusätzlich hinzu kommt. ErzieherInnen, Lehrkräfte und Schulleitungen leiden aber auch jetzt schon unter der hohen Arbeitsdichte. Da ist es verständlich, dass sich viele erstmal überfordert fühlen – oder auch nicht genug ausgebildet. Andere sehen nicht die Notwendigkeit, das Thema zu integrieren und verstehen Bildung eher als Wissenstransfer. Wenn wir aber ganzheitlich denken, ist Gesundheit in den Bildungsprozess integriert. Und da haben wir noch viel Luft nach oben! Wir wollen mit unserer Konferenz auf Schatzsuche gehen, um herauszufinden, welche guten Ansätze es schon gibt – und was ausgebaut werden kann.

Was erwartet die TeilnehmerInnen auf dem EduHealth Summit?
Dorothée Remmler-Bellen: Wir wollen die Möglichkeit bieten, sich zu informieren, sich auszutauschen, mitzugestalten und Ideen zu entwickeln, die motivieren, sich selbst auf den Weg zu machen. Damit gesunde Bildung gelingt! Unser Ziel ist, dass wir gemeinsam einen Prozess anstoßen. Der EduHealth Summit soll keine einmalige Veranstaltung sein, dessen Wirkung bald verpufft. Alle Inhalte können hinterher auf einer gemeinsamen Plattform weiterentwickelt, genutzt und geteilt werden.

Stefan Schmidt-Troschke: Wir bringen führende Expertinnen und Experten ins Gespräch (siehe Programm). Wichtig ist es uns, dass wir aus verschiedenen Perspektiven auf das Thema schauen. Neben Peter Paulus, einem der großen Mentoren für das Thema Gesundheit und Bildung in Europa, werden ExpertInnen zu Wort kommen, deren Herzensanliegen ist, gesundende Bildungswelten zu fördern: Zum Beispiel der Neurowissenschaftler Gerald Hüther; Tina Hascher, eine im Feld renommierte Psycholinguistin und Erziehungswissenschaftlerin; David Martin, Kinderarzt und Forscher sowie Ellis Huber, Arzt und Gesundheitsnetzwerker.

Der EduHealth Summit findet kurz vor dem EduAction Bildungsgipfel statt. Wie sind die beiden Tagungen vernetzt?
Dorothée Remmler-Bellen: Sehr eng! Dem Thema Gesundheit und Bildung werden wir auf dem EduAction Bildungsgipfel eine starke Stimme geben. Wir werden mit insgesamt sechs Beiträgen auf dem EduAction Bildungsgipfel vertreten sein und haben so die Möglichkeit, den Rahmen unseres Kongresses noch einmal zu erweitern.

Was wollt Ihr mit EduHealth und mit dem EduAction Bildungsgipfel in Bewegung bringen oder verändern?
Dorothée Remmler-Bellen: Wir hoffen, viele Menschen aus dem Bildungsbereich inspirieren und ermutigen zu können, uns gemeinsam auf den Weg zu machen! Damit Bildung in Gesundheit gelingt und wieder begeistert – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wünschen uns, dass die Energie des EduHealth Summit die Teilnehmenden beflügelt, weiterträgt und motiviert „dran“ zu bleiben. Wir wünschen uns, dass sich immer mehr gesunde Bildungswelten entwickeln, Schritt für Schritt und mit der Gewissheit für die Beteiligten, nicht allein unterwegs zu sein.

JETZT ANMELDEN!
Der EduHealth Summit – Konferenz für gesunde Bildungswelten – findet am 25. Oktober 2018 in Mannheim statt. Die Konferenz wird veranstaltet von GESUNDHEIT AKTIV e. V. und dem Berufsverband der Präventologen e. V. 
Mehr Infos zu Programm, Referenten und Anmeldung finden Sie hier.

Faires Krankenhaus

Endlich! Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Versorgung

Schlechte Arbeitsbedingungen im Krankenhaus sind ein Problem, das längst auch Patienten betrifft. Denn für die eigentliche Betreuung fehlt den meisten Ärzten und auch der Pflege schlicht die Zeit. Die Folge sind Demotivation, Burnout und ein erhöhter Krankenstand. Manche Ärzte und viele Pflegende geben auf. Sie haben keine Hoffnung, woanders bessere Bedingungen zu finden. Kein Wunder, dass immer mehr Patienten frustriert sind und das Vertrauen in die medizinische Versorgung sinkt.

Anders arbeiten

Das wollte eine Gruppe von jungen Ärztinnen und Ärzten nicht mehr hinnehmen. Sie entwickelten ein neues Qualitätssiegel für faire Arbeitsbedingungen im Krankenhaus (das Treatfair-Zertifikat) entwickelt, das Kliniken in Deutschland seit Mai 2018 beantragen können. „Mit dem Treatfair-Zertifikat möchten wir eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen mit allen positiven Konsequenzen wie besserer Patientenbetreuung, gesteigerter Produktivität und höherer Arbeitszufriedenheit bewirken. Auf diese Weise möchten wir unseren kleinen Teil zur Verbesserung des Gesundheitswesens beitragen“, sagt Dr. Benedict Carstensen, Arzt und Geschäftsführer der unabhängigen Treatfair GmbH.

Selbstbestimmt und fair

Für die Zertifizierung wurden zehn Arbeitsfacetten definiert, die ausschlaggebend für die Zufriedenheit von Ärzten sind, zum Beispiel Arbeitsatmosphäre, Arbeitszeitgestaltung und Weiterbildung, aber auch Selbstbestimmung und Fairness. Die unabhängige Organisation aus Stuttgart nutzt dabei eine neu entwickelte wissenschaftliche Methodik.

Mehr Zeit für die Patienten!

Ganz klar: Die Patienten profitieren davon, wenn sich die Arbeitsbedingungen auf den Stationen verbessern. „Wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, kommt das natürlich bei den Patienten an“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV e. V. „Es ist höchste Zeit, dass wir über diese Werte offen diskutieren und dafür auch klare Qualitätsindikatoren entwickeln. Viel zu lange hat sich unser Gesundheitswesen fast ausschließlich über finanzielle (Fehl-)Anreize definiert. Wir freuen uns besonders darüber, dass die Initiatoren des neuen Zertifikats mit GESUNDHEIT AKTIV zusammenarbeiten wollten, um die Perspektive der Patienten erstmalig in einen solchen Zertifizierungsprozess einfließen zu lassen. Das ist neu. Bitte mehr davon!“

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„Neue Zertifizierung fördert faire Arbeitsbedingungen von Ärzten“, 29. Mai 2018

Milliardenschweres Trauerspiel

Debatte um die elektronische Gesundheitskarte

Und weiter geht’s mit der Debatte um die umstrittene elektronische Gesundheitskarte, die so genannte „eCard“ (eGK). Nachdem sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Frühling 2018 kritisch geäußert hatte, ruderte er Mitte Mai 2018 zurück: „Die Milliarde ist nicht umsonst investiert“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hält daran fest, dass Ende des Jahres 2018 alle Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein sollen – zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings nur ein Fünftel der 100.000 Praxen mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet. Die ARD berichtete kurz darauf, dass es aus logistischen Gründen kaum noch möglich sei, alle Arztpraxen mit der entsprechenden Technik auszustatten.

Und die Patienten?

Von den technischen Problemen einmal abgesehen: Warum gab es bisher eigentlich keine konkreten Pläne, den Patienten den Zugang zu ihren eigenen (!!) Daten zu ermöglichen? Immerhin dieser Punkt scheint nun in der Politik angekommen zu sein. Das Bundesgesundheitsministerium überlegt nun, ob es zeitgemäße und „mobile“ Zugänge für Patienten geben könne. Auch die Krankenkassen wollen, dass die Patienten zugreifen können: „Jeder Versicherte muss Herr über seine eigenen Daten sein und diese unkompliziert über seinen eigenen Computer oder sein Smartphone lesen können“, so eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes. Bis zur Sommerpause will Spahn nun ein Konzept vorlegen, wie es mit der Telematikinfrastruktur (TI) und der eGK weitergehen soll. Im Gespräch sind eine zügige Anbindung der Pflege, Anwendungen wie eine elektronische Patientenakte oder das E-Rezept.

Ein teures Trauerspiel

„Es ist eigentlich ein Skandal, dass die Patienten in dem jahrelangen Gezerre um die eCard praktisch nicht vorgekommen sind“, kritisiert Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV. „Dabei geht es um UNSERE Daten und um UNSER Geld! Die unvorstellbare Summe von 1,8 Milliarden Euro, die bisher versenkt wurde, wurde ja von den Versicherten aufgebracht. Nun zeigt sich, dass die bisherigen Pläne veraltet sind, bevor es überhaupt richtig los geht. Politik und Selbstverwaltung müssen sich fragen lassen, wie dieses Desaster gelöst werden soll. Wir Patienten haben ein Recht darauf, beteiligt zu werden. Dafür brauchen wir smarte Lösungen der höchsten Sicherheitsstufe!“

Mehr zum Thema? Umfrage „Patienten wollen Zugang zu ihren Daten!“
Die Deutschen wollen mehrheitlich eine Online-Patientenakte. So eines der Ergebnisse des 7. EPatient-Survey. 58 Prozent der Befragten können anfänglich mit dem Begriff Online-Gesundheitsakte nichts anfangen. Auf die Frage, ob sie digital jederzeit auf ihre Krankheitsdaten zugreifen wollen, antworten jedoch 73 Prozent mit Ja. Ebenfalls wollen die Befragten ihren Arzt als Lotsen für digitale Versorgungslösungen und sie wollen ihre eigenen Daten mit ihm teilen.

Kampf um die Globuli

Deutscher Ärztetag bekennt sich zur Homöopathie

Die Auseinandersetzung um die Homöopathie setzt sich fort: Im Vorfeld des Ärztetages in Erfurt (Mai 2018) hatte der sogenannte „Münsteraner Kreis“, ein Zusammenschluss erbitterter Homöopathie-Gegner, gefordert, die ärztliche Zusatzbezeichnung „Homöopathie" abzuschaffen. Eingebracht wurde diese Forderung im Rahmen der anstehenden Abstimmung um die Muster-Weiterbildungsordnung für Ärzte, die die Weiterbildung der Mediziner in unterschiedlichen Facharzt- und Schwerpunktbereichen regelt.

Ärzte sehen die Homöopathie positiv

Es kam ganz anders: Trotz des großen Getöses im Vorfeld wurde die Forderung von den Delegierten des Ärztetages klar zurückgewiesen bzw. gar nicht erst diskutiert. Denn das Thema hatte es noch nicht einmal als gesonderter Punkt auf die Tagesordnung geschafft. Die bisherige Weiterbildungsordnung, die die Zusatzbezeichnung Homöopathie umfasst, wurde von den Delegierten abgesegnet.

„Wir freuen uns, dass die deutsche Ärzteschaft den therapeutischen Nutzen und die ärztliche Weiterbildung in Homöopathie bestätigt hat“, erklärt Cornelia Bajic, 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Die Homöopathie sei kein Allheilmittel, aber sie sei offenbar dazu geeignet, „den medizinischen Herausforderungen in einer Gesellschaft mit immer mehr chronisch erkrankten und multimorbiden Menschen wirkungsvoll zu begegnen.“

Chefsache Homöopathie

Direkt vor dem Auftakt des Ärztetages hatte sich bereits die Richtung für die Debatte abgezeichnet: Deutschlands oberster Ärztevertreter, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, hatte klar Stellung bezogen: „Es ist eine Tatsache, dass Homöopathie vielen Menschen hilft. Wichtig ist, dass es jemand macht, der weiß, wann sie nicht mehr helfen und dann auf normale schulmedizinische Verfahren umsteigen kann”, sagte Montgomery dem Bayerischen Rundfunk. „Ich sehe die Homöopathie als eine komplementäre Medizin. In Verbindung mit guter medizinischer Ausbildung ist sie sinnvoll.”

Ende der gestrigen Debatte?

„Der Münsteraner Kreis hat viel Wirbel gemacht – und dabei verkannt, dass die ärztliche Zusatzbezeichnung „Homöopathie" in der Praxis längst etabliert ist. Homöopathie ist Realität in Deutschland! Tausende Ärzte haben sich zertifiziert weiterbilden lassen, von den zahlreichen Patienten, die Homöopathie nutzen, mal ganz abgesehen“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Es wird Zeit, die aufgeladene Debatte um die Homöopathie endlich zu beenden. Heute gehen die meisten Ärzte viel sachlicher mit dem Thema um. Auch wenn manche selbst nicht davon überzeugt sein mögen, können die allermeisten anerkennen, dass die Homöopathie immer wieder erfolgreich eingesetzt wird. Die Ärzte zeigen sich deutlich aufgeschlossener, als man es angesichts des heftigen Schlagabtausches in manchen Medien vermuten würde.“

Mehr erfahren?
Bundesärztekammer-Präsident zur Homöopathie
Hier hören Sie das Statement von Frank Ulrich Montgomery im Bayerischen Rundfunk.

Video-Umfrage zur Homöopathie
Hier kommen Ärzte in der Video-Umfrage „Das halten Ärzte von der Homöopathie“ in der Ärzte Zeitung zu Wort.

Stellungnahme Dialogforum Pluralismus in der Medizin
Eine Stellungnahme zur Forderung des Münsteraner Kreises, die ärztliche Zusatzbezeichnung Homöopathie abzuschaffen, hat das Dialogforum Pluralismus in der Medizin verfasst.

Rheuma neu behandeln

Neue Studie zeigt Erfolge für die Anthroposophische Medizin

Bei Patienten, die von rheumatoider Arthritis betroffen sind, gilt in der Regel: Je früher die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnt, desto besser. Ziele der Therapie sind die bestmögliche Hemmung entzündlicher Prozesse, die Schmerzlinderung und der Erhalt von Funktion und Kraft der Gelenke.

Seit Frühjahr 2018 liegt dazu eine neue Studie vor: Sie zeigt, dass die anthroposophisch-integrative Therapie auch ohne den Einsatz von so genannten „Basistherapeutika“ (Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs, kurz DMARD) gute Ergebnisse erzielt.

Weniger Nebenwirkungen

Rheumatoide Arthritis gilt als nicht heilbar. Um die Krankheitsentwicklung zu bremsen oder zu stoppen, werden in der Regel DMARD eingesetzt. Allerdings gehen diese Arzneimittel oft mit erheblichen, teilweise schweren Nebenwirkungen einher. Die Bilanz fällt daher gemischt aus: Ein Drittel der Patienten profitiert von der DMARD-Therapie, ein weiteres Drittel hätte auch ohne sie keine nachweisbare Gelenkzerstörung gehabt und das letzte Drittel bricht die Therapie wegen Unwirksamkeit oder starker Nebenwirkungen ab, so die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie in ihrer Patientenleitlinie.

„Angesichts dieser Situation wollten wir herausfinden, ob es vergleichbar wirksame Therapieverfahren gibt, die weniger Nebenwirkungen haben“, erläutert der Erstautor der Studienpublikation, Dr. med. Harald Hamre vom Institut für Angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) in Freiburg. Die wichtigsten klinischen Zielparameter für die Studie waren Krankheitssymptome, Labordaten und Röntgenbefunde. Die Röntgenbilder wurden von zwei unabhängigen Experten verblindet ausgewertet, sie wussten also nicht, um welche Gruppe es sich handelt, als sie die Aufnahmen begutachteten.

Integratives Therapiekonzept

Im Ergebnis zeigte sich, dass es bei den Patienten in der anthroposophisch-integrativen Therapiegruppe, die ohne DMARD behandelt wurden, weniger Nebenwirkungen gab. Statt DMARD wurden spezifische anthroposophische Arzneimittel, Kunsttherapie, Eurythmietherapie, physiotherapeutische und pflegerische Maßnahmen, Ernährungsberatung sowie biographisch-therapeutische Gespräche eingesetzt. Kortison und andere Schmerz- und entzündungshemmende Arzneimittel (nicht-steroidale Antirheumatika) waren seltener erforderlich als in der Vergleichsgruppe.

Patienten profitieren vom integrativen Konzept

Besonders auffällig war, dass die anthroposophisch-integrativ behandelten Patienten ebenso gute Langzeitverläufe hatten wie die Patienten, die mit DMARD behandelt wurden. Bislang hieß es in der Rheumatologie, DMARD müssten vor allem eingesetzt werden, um die Langzeitverläufe zu verbessern. Unter den anthroposophisch therapierten Studienpatienten mussten aber nur 6 Prozent mit DMARD behandelt werden. „Für die Patienten sind diese Ergebnisse sehr vielversprechend, denn es wurde deutlich, dass es durchaus Alternativen zu DMARD gibt“, so Hamre.

In die Studie wurden 251 Patienten mit rheumatoider Arthritis in der Frühphase eingeschlossen; die Behandlung erfolgte in vier deutschen Zentren. „Für Patienten, die eine anthroposophische Therapie ohne DMARD erhalten, ist eine regelmäßige Kontrolle bei einem erfahrenen Arzt erforderlich, um zu klären, ob der Verlauf zufriedenstellend ist oder man doch DMARD oder andere Therapieverfahren einsetzen muss“, ergänzt der Wissenschaftler.

Über die Studie
4-year non-randomized comparative phase-IV study of early rheumatoid arthritis: integrative anthroposophic medicine for patients with preference against DMARDs vs. conventional therapy including DMARDs for patients without preference: Hamre HJ, Pham VN, Kern C, Rau R, Klasen J, Schendel U, Gerlach L, Drabik A, Simon L. A. Patient Preference and Adherence 2018; 12: 375-97

 

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Rheumatische Erkrankungen
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Stress lass‘ nach

Meditation hilft, aber auf das "Wie" kommt es an

Wer unter Stress leidet, sollte es einmal mit Meditation versuchen: Mentales Training kann die psychische und gesundheitliche Widerstandsfähigkeit erhöhen und Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, emotionales Erleben und Sozialverhalten entscheidend verändern. Das ist wissenschaftlich inzwischen gut nachgewiesen.

Umfangreiche Forschung

Die Autoren einer neuen wissenschaftlichen Studie wollten es trotzdem noch genauer wissen: Während die bisherigen Studien nur wenige Monate dauerten, lief die groß angelegte Studie "ReSource" vom Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften über einen Zeitraum von 11 Monaten. In dieser Zeitspanne absolvierten die Studienteilnehmer ein mentales Training, um verschiedene Praktiken zur Steigerung von kognitiven sowie sozio-affektiven Fähigkeiten zu erlernen.

Die Studienteilnehmer - interessierte Laien - wurden an ein breites Spektrum von mentalen Übungen herangeführt, mit deren Hilfe sie Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Selbstfürsorge, Empathie und Mitgefühl sowie Perspektivwechsel trainiert haben. Gerade dieser soziale Aspekt war ein wichtiger Baustein des Projekts: „Wir konnten zum ersten Mal wirklich nachweisen, dass das soziale Gehirn von erwachsenen Menschen, die im Mittel über 40 Jahre alt waren, noch plastisch ist“, sagt Prof. Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und wissenschaftliche Leiterin des Projektes.

Stress lass nach…

Interessante Ergebnisse gab es auch zum Umgang mit Stress: „In unseren westlichen Gesellschaften ist vor allem der soziale Stress zu einem enormen Problem geworden, also der Stress, der ausgelöst wird, wenn wir Angst haben, von anderen negativ beurteilt zu werden und ihren Erwartungen nicht zu genügen“, so Singer zum Schwerpunkt Stress in der Studie. Dabei zeigte sich, dass zwei soziale Trainingsmodule sehr effektiv eingesetzt werden konnten.

Interessant war auch das Ergebnis, dass die klassischen Achtsamkeits-basierten Meditationen den sozialen Stress allein auf der Hormonebene (Ausschüttung des Stresshormons Cortisol) nicht beeinflussen konnten – obwohl diese Programme ja zahlreich zum Stressabbau angeboten werden. Sie fördern vor allem die Konzentrationsfähigkeit. „Wer daher wirklich weniger anfällig für sozialen Stress werden möchte, sollte lieber [zusätzlich] seine intersubjektiven Fähigkeiten trainieren“, so die Wissenschaftlerin.

Das Programm wurde von einem Team von erfahrenen Meditationslehrern, Wissenschaftlern und Psychotherapeuten entwickelt. Es wurde in Leipzig und Berlin durchgeführt und durchgängig wissenschaftlich begleitet.

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Stress durch Meditation verringern? Mehr Infos zum ReSource-Projekt
„Ein mentales Training, um toleranter Weltbürger zu werden“, Max-Planck-Gesellschaft

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