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Neueste Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

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Stimmen Sie ab!

Berlin, 03. April 2019. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD Bundestagsfraktion, Karl Lauterbach, hat zusammen mit Bundesgesundheitsminister Spahn die Diskussion um eine Impfpflicht gegen Masern erneut ins Gespräch gebracht. Dagegen regt sich massiver Widerstand. Zur Petition gegen die geplante Masern-Impfpflicht ...

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Noch schlimmer als vermutet

Berlin, 05. April 2019. Dass Resistenzen gegen Antibiotika weltweit rasant ansteigen, ist bekannt. Ein Film, der noch bis zum 17. April in der Mediathek von arte abrufbar ist, zeigt, dass das Ausmaß noch viel schlimmer ist als vermutet.

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Mutiger Appell

Berlin, 01. April 2019. Das hat es noch nie gegeben: In einem eindringlichen Appell wehren sich Medizinstudierende dagegen, dass ihr Fach immer stärker von wirtschaftlichen Aspekten dominiert wird. ...

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Mit der heIßen  Nadel gestrickt

Berlin, 14. März 2019. Es ist ein Gesetz mit 12 bis 15 verschiedenen Themen, die sich alle unter dem Dach des Terminservice- und Versorgungsgesetzes verstecken. Heimlich, still und leise ist dem auch der Wahltarif Komplementärmedizin in der Krankenversicherung zum Opfer gefallen ...

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Wege durch den Dschungel

Berlin, 03. April 2019. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, die Herzchirurgin Prof. Dr. Claudia Schmidtke (CDU), regte jüngst den Einsatz von Patienten-Lotsen an. Ist das wirklich eine sinnvolle Maßnahme?

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Prädikat: mangelhaft

Berlin, 29. März 2019. Immer wieder werden Bürger*innen dazu ermutigt, an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen teilzunehmen. Leider lässt der Informationsgehalt über Nutzen und Risiken sehr zu wünschen übrig ...

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Zustimmung verweigert

Berlin, 01. April 2019. Knapp drei Viertel der Bürger*innen in Deutschland sind zwar bereit zur Organspende, zwei Drittel lehnen die aktuell diskutierte Widerspruchsregelung jedoch deutlich ab und fühlen sich grundsätzlich zum Thema Organspende nicht gut informiert ...

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Petition gegen die geplante Masern-Impfpflicht

 

Die Masern-Impfpflicht soll eingeführt werden in Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen. Die Ärzte für Individuelle Impfentscheidung e.V., mit denen GESUNDHEIT AKTIV schon 2018 einen gemeinsamen Kongress zu diesem Thema veranstaltete, haben nun eine Petition auf den Weg gebracht, die sich deutlich gegen eine solche Impfpflicht wendet.

In einer Pressemitteilung weisen die Ärzte darauf hin, dass 97 Prozent der Eltern in Deutschland – so die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts – ihre Kinder freiwillig mindestens einmal gegen Masern impfen lassen. Diese Zahlen seien seit Jahren konstant und widerlegen jede Behauptung von Impfmüdigkeit oder sinkender Impfbereitschaft, heißt es darin: „Mehr noch: Damit liegt die Durchimpfungsrate für Masern in Deutschland deutlich und seit Jahren über der in anderen Ländern Europas, die eine Masernimpfpflicht schon seit vielen Jahren eingeführt haben (z. B. Bulgarien, Kroatien, Polen, Tschechien, Ungarn). Die Effektivität einer Impfpflicht ist damit mehr als fraglich“.

In ihrer Erklärung machen die Ärzte deutlich, dass die Verhältnismäßigkeit einer solchen Maßnahme nicht gegeben ist. Immerhin stellen Impfungen einen Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Menschen dar, ein Recht, das durch das Grundgesetz geschützt ist. Es gibt in Deutschland und Mitteleuropa seit Jahren keine Infektionskrankheit, die so bedrohlich wäre, dass sie einen derartigen Eingriff in fundamentale Grundrechte rechtfertigen würde, betonen die Ärzte weiter.

In der Tat ist der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags bereits vor drei Jahren zu dem Schluss gekommen, dass eine Impfpflicht nicht leicht zu begründen sein dürfte: „Die Abwägung dieser widerstreitenden grundrechtlichen Interessen muss für jede Impfung bzw. jede Krankheit getrennt erfolgen. Das Interesse an der Impfpflicht wird sich dabei wohl nur bei Krankheiten durchsetzen können, bei denen eine hohe Gefahr eines fatalen Verlaufs für das Leben oder die Gesundheit der Kinder sowie eine nicht untergeordnete Ansteckungswahrscheinlichkeit besteht. Aber auch bei einer verfassungsrechtlich zulässigen Impfpflicht wird der Gesetzgeber Ausnahmeregelungen vorsehen müssen, damit auch der Angemessenheit des Grundrechtseingriffs in besonderen Einzelfällen Rechnung getragen werden kann.“

Eine Impfpflicht würde womöglich sogar das Gegenteil bewirken, wie auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Prof. Dr. Thomas Mertens, betont: „Eine Impfpflicht wäre in Deutschland eher kontraproduktiv. Dadurch würden hartnäckige Impfgegner nur zu Märtyrern aufgewertet. Auch eine indirekte Impfpflicht wie in den USA – ohne Impfschutz werden Kinder nicht in eine Schule oder einen öffentlichen Kindergarten aufgenommen – wäre in Deutschland kaum durchsetzbar. Die problematischsten Impflücken etwa bei Masern gibt es bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, da würde eine Impfpflicht für Kinder gar nicht helfen.“

GESUNDHEIT AKTIV meint
Die Politik ist offenbar aus Opportunitätsgründen bereit, die Einschränkung von Grundrechten zu beschließen, obwohl keine wirkliche Gefahr droht. Das Thema eignet sich gut, weil mit ansteckenden Krankheiten viele Ängste einhergehen, die bewusst geschürt werden. Politiker können sich dann als Problemlöser präsentieren.

Wie aber wäre es, wenn sie Maßnahmen ergreifen würden, die Gesundheit der Bevölkerung wirklich relevant zu schützen? Jüngst erst hatte der SPIEGEL über eine Studie berichtet, die zeigt, dass ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ca. 100 Todesfälle durch überhöhte Geschwindigkeit vermeiden helfen könnte. Wie man sich wohl erinnert, hatte Bundesverkehrsminister Scheuer ja diese Maßnahme jedoch als „gegen jeden Menschenverstand“ gerichtet beschrieben … Und nun gelten bei einer Impfpflicht ganz andere Maßstäbe?

Ähnlich verhält es sich mit der lange bestehenden und wissenschaftlich gut begründeten Forderung, eine Zuckerreduktion in Nahrungsmitteln gesetzlich zu regeln. Hier hatte die derzeitige Ernährungsministerin Klöckner zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Industrie im Rahmen einer nationalen Strategie aufgerufen. Diese ist allerdings international gescheitert, wie die sog. LANCET-Kommission feststellt. So musste z. B. die oberste Gesundheitsbehörde in den Niederlanden zugeben, dass der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen im Zeitraum zwischen 2011 bis 2016 trotz Selbstverpflichtung gleich geblieben ist.

GESUNDHEIT AKTIV unterstützt die von den Ärzten für Individuelle Impfentscheidung initiierte Petition gegen eine Masern-Impfpflicht. Wir haben zwar nicht den Einfluss der Industrie, aber wir repräsentieren die Menschen, für die Politik eigentlich tätig sein sollte.

Quellen:
Wissenschaftliche Dienste des Bundestags zur Verfassungsmäßigkeit einer gesetzlichen Impfpflicht für Kinder
aerztezeitung.de
SPIEGEL-Online
THE LANCET

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Deutschland braucht keine Impfpflicht!

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Zum Rückblick der Veranstaltung. Alle Vorträge sind auch als Video on demand und auf DVD erhältlich.

Wege durch den Dschungel

Patienten-Lotsen: sinnvoll oder nur Entlastung für Ärzte?

 

Berlin, 4. April 2019. Patienten-Lotsen sollen künftig bei schwierigen Krankheiten oder Krankheitsverläufen die Betroffenen durch den Dschungel des Leistungskatalogs schleusen. Das legt ein Gutachten des Berliner IGES-Instituts nahe, das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt und von der Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Prof. Claudia Schmidtke, im Rahmen eines Symposiums erstmals vorgestellt wurde. Gerade in einem so komplexen, segmentierten Versorgungssystem und bei besonders schwierigen Krankheiten und Krankheitsverläufen sollen die Lotsen Patient*innen zu ihrem Leistungsanspruch verhelfen und somit auch die Wirksamkeit von Medizin und Pflege erhöhen.

Die Leistungen der Lotsen sollen im Sozialgesetzbuch V verankert und vergütet werden. Ob jemand  eines Lotsen bedarf, soll ein Arzt feststellen und verordnen können. Die Diagnosen sind dabei ebenso zu benennen wie der Interventionsbedarf und Faktoren, die den Behandlungserfolg ohne den Lotseneinsatz gefährden würden.

Die Lotsen selbst müssen ihre Leistung dokumentieren und jedes Quartal über ihre Tätigkeit und die eingeleiteten Maßnahmen Rechenschaft ablegen. Dazu gehört die Bedarfserfassung ebenso wie das Erarbeiten eines Versorgungsplans und dessen Abstimmung mit dem Arzt und anderen Leistungserbringer sowie die Organisation und Anpassung der Versorgung. Auch bei der Auswahl der Leistungserbringer redet der Lotse mit.

Voraussetzung, als Lotse tätig werden zu können, ist ein Gesundheitsberuf wie Medizinische Fachangestellte, Pflegende/r und Soziotherapeut*in mit vertiefter Kenntnis des Sozialleistungsrechts bzw. Weiterbildung zum Case-Manager. Die Lotsen sollen direkt bei Ärzt*innen oder in Krankenhäusern angesiedelt sein.

GESUNDHEIT AKTIV meint
So eine Lotsenfunktion mag angesichts des Wirrwarrs im heutigen Gesundheitswesen durchaus sinnvoll sein – gerade für chronisch Kranke. Der Vorschlag erscheint in dieser Form jedoch wenig brauchbar, weil er in keiner Weise vom Patienten aus gedacht ist. Dieser wird nicht nach seinen Präferenzen gefragt, es wird vielmehr ein Versorgungsplan erstellt, für desen Einhaltung der Lotse verantwortlich ist.

Eigentlich sollte der Hausarzt selbst schon ausreichend Lotse sein – er kann dieser Funktion heute aber kaum noch gerecht werden, weil das System ihm jegliche Grundlage dafür genommen hat und ihm vor allem die Zeit dafür fehlt.

Wie groß der Bedarf nach patientenzentrierter Orientierung und Beistand ist, zeigt auch der Wunsch einer spirituellen Begleitung von Patient*innen in Notaufnahmen. Sie wünschen sich in dieser oft akut-bedrohlichen Situation jemanden an der Seite, der Trost spendet, beruhigt, Unsicherheit abbaut und Ängste nimmt. Nicht nur, aber vor allem in so einer Notsituation haben Menschen das Bedürfnis, ganzheitlich angesprochen und versorgt zu werden.

Quellen:
Ärzte Zeitung Online, 7. März 2019
aerzteblatt.de

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Noch schlimmer als vermutet

Die Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weltweit bedrohlich zu

 

Berlin, 5. April 2019. Es ist eine Seuche, die sich unsichtbar, aber dafür umso rasanter ausbreitet: Bakterien werden heute zunehmend resistent gegen Antibiotika. In welchem Ausmaß das bereits geschehen ist, zeigt ein Dokumentarfilm von Michael Wech, der seit März auf arte ausgestrahlt wird und noch bis zum 17. April 2019 in der Mediathek abrufbar ist. Zwei Jahre lang hat der Autor dazu in aller Welt recherchiert.

Darin sagt die ehemalige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chang: „Was wir jetzt erleben, ist ein Tsunami in Zeitlupe – die Folgen werden gewaltig sein.“ Zwei Ursachen sind dafür verantwortlich:

  1. Die Pharmaindustrie entwickelt seit Jahren keine neuen Antibiotika mehr. Der Grund: Es lohnt sich nicht. Die Bakterien werden so schnell dagegen resistent, dass die hohen Entwicklungskosten durch den Verkauf der Medikamente nicht mehr hereinkommen.
  2. Seit Jahrzehnten werden Antibiotika bei völlig gesunden Tieren in der Mast eingesetzt, um das Wachstum zu steigern und zu beschleunigen und um bei Massentierhaltung Infektionen vorzubeugen. Selbst Reserveantibiotika, die dringendst in der Intensivmedizin benötigt werden, verlieren so rasch ihre Wirksamkeit.
  3. Wie gefährlich gerade der zweite Punkt ist, zeigen Probeentnahmen in der Nähe von Massentierhaltungsbetrieben: Über den Schornstein werden massenhaft multiresistente Erreger ausgeschleudert. Sie schlagen sich in der Umgebung nieder und verbreiten sich rasant. Das gilt vor allem für Hühnermastbetriebe: 2017 wurden dort rund 59 Tonnen Antibiotika eingesetzt,  in der Tiermast insgesamt waren es ca. 733 Tonnen!

„Wenn wir nichts gegen Antibiotika-Resistenzen unternehmen, könnten schon in 35 Jahren zehn Millionen Menschen jährlich sterben“, sagt Jim O’Neill, Sonderbeauftragter der britischen Regierung, im Film. Sie sterben, weil es selbst gegen an sich harmlose Infektionen keine wirksamen Mittel mehr gibt, oder weil sich multiresistente Erreger ausbreiten, gegen die im wahrsten Sinne kein Kraut mehr gewachsen ist. Und der Film schließt mit den Worten der Wissenschaftsjournalistin Maryn McKenna: „Wir haben die Lunte dieser Bombe angezündet. Sie brennt. Wir wissen nur nicht, wie lang sie ist.“ 

Quellen:
Stern, 1. April 2019
Berliner Zeitung, 20. Feburar 2019
Arte Mediathek

Übrigens ...
Eine Studie aus der Schweiz zeigt, dass Ärzt*innen, die ganzheitlich behandeln, weniger Antibiotika einsetzen, als Ärzt*innen, die rein schulmedizinisch ausgebildet sind.

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Prädikat: mangelhaft

Unzureichende Informationen zur Krebsfrüherkennung

 

Berlin, 29. März 2019. Nur etwa die Hälfte der Frauen, die an einer Früherkennungsuntersuchung gegen Gebärmutterhalskrebs teilnahmen, fühlten sich ausreichend informiert. Und nur ein Viertel der Frauen erhielt Auskunft über mögliche Nachteile, die so eine Untersuchung mit sich bringen kann. Das zeigt eine repräsentative Befragung an über 2.000 gesetzlich Versicherten durch das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO).

Ähnlich unbefriedigend ist das Ergebnis für die Darmkrebs-Vorsorge mit einer Darmspiegelung, wo nur etwas mehr als ein Drittel der Teilnehmenden über die Nachteile aufgeklärt wurde. Dass so eine Koloskopie nützen kann, erfuhren jedoch drei Viertel der Probanden. Nur bei Brustkrebs war das Verhältnis einigermaßen ausgewogen.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass sich 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer offenbar vor allem über das Internet über das Thema Früherkennung informieren. Ein fast ähnlich hoher Prozentsatz sucht Rat beim Hausarzt.

GESUNDHEIT AKTIV hat hier wichtige Informationen über Pro und Kontra von Früherkennungsuntersuchungen zusammengestellt.

Quelle:
Ärzte-Zeitung online, 11. März 2019

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Mutiger Appell

Medizinstudierende wenden sich gegen die Ökonomisierung ihres Fachs

 

Berlin, 01. April 2019. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) positioniert sich entschieden für eine „wissenschaftlich begründete, patientenzentrierte und ressourcenbewusste Versorgung“. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme hervor. Darin heißt es: „Es ist längst überfällig, dass sich alle Akteure des Gesundheitswesens zum Thema ‚Medizin und Ökonomie‘ positionieren und für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen einstehen. (...) Das Patientenwohl muss der ethische Maßstab für alle Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung sein.“ Die bvmd sieht wie auch die Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften die Ärzte in der Verantwortung, „bedarfsgerechte und ressourcenbewusste Entscheidungen aufgrund einer wissenschaftlich begründeten, individuell abgestimmten Indikationsstellung zu treffen“. Dazu bedürfe es „der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Patient und Arzt und einer ganzheitlichen Betreuung von Patienten und Angehörigen.“

Die Studierenden fordern „genügend Zeit für einen adäquaten Informationsaustausch“: „Zustände, in denen Ärzte gefühlt oder real zu wenig Zeit für Patienten haben, sind in der Versorgung riskant und unwürdig.“ Sie fordern, die sprechende Medizin und die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe in den Kalkulationen für die Vergütung „substanziell zu berücksichtigen“. Die begrenzten Ressourcen im Gesundheitssystem müssten „bestmöglich eingesetzt werden, um dem Patientenwohl zu dienen“. Individuelle Profitmaximierungen seien zu vermeiden und Fehlanreize gehörten abgeschafft.

Eine rundum mutige und engagierte Stellungnahme, die in ähnlicher Weise auch das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) unterstützt hat. Die Gewinnmaximierung sei tief in die Gesundheitsversorgung eingedrungen. Das Netzwerk appelliert an die Regierung, dieses Geschäftsmodell mit seinen hohen und stetig steigenden Kosten und dem vergleichsweise schlechten Outcome zu beenden.

Quellen:
aerzteblatt.de, 27. Februar und 12. März 2019

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Mit der heißen Nadel gestrickt

Mit dem TSVG fällt der Wahltarif in der Krankenversicherung weg

 

Berlin, 14. März 2019. Mit den Stimmen der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD wurde vor kurzem das Terminservice- und Versorgungsgesetz verabschiedet. Im Mai dieses Jahres soll es in Kraft treten, der Bundesrat muss nicht mehr zustimmen. Damit wird es künftig zentrale Anlaufstellen für die Terminvergabe bei Haus- und Kinder- sowie Fachärzten und Psychologischen Psychotherapeuten geben. Auch sollen Ärzt*innen künftig mindestens 25 statt nur 20 Stunden Sprechzeit pro Woche anbieten.

Insgesamt regelt das Gesetz rund 12 bis 15 Themen verschiedenster Art. Sie alle wurden im Bundestag gar nicht in allen Einzelheiten erörtert, sondern das Gesetz wurde mehr oder weniger pauschal durchgezogen. Dem ist nun auch – von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet – der Wahltarif Komplementärmedizin (wie bereits berichtet) in der Gesetzlichen Krankenversicherung endgültig zum Opfer gefallen.

GESUNDHEIT AKTIV meint
Die gesamte Gesetzgebung ist in diesem Fall ein undemokratischer Vorgang gewesen. Die Einzelthemen waren viel zu wenig in der öffentlichen Diskussion, es wurde über die Bürger*innen hinweg entschieden. Zwar kann sich jeder privat zusätzlich versichern, um z. B. naturmedizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu können, innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung ist das jedoch nicht mehr möglich. Dort verbleiben lediglich die freiwillige Satzungsleistungen, die die Kassen jederzeit ändern können. Dieses Vorgehen des Gesundheitsministers stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Politik, denn man bringt die Bürger*innen um ihr Selbstbestimmungsrecht und ihre Wahlmöglichkeit.

Quellen:
aerzteblatt.de, 14. März 2019

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Zustimmung verweigert

Jeder Zweite fühlt sich in Sachen Organspende schlecht informiert

 

Berlin, 01. April 2019. Massiver Gegenwind für Gesundheitsminister Spahn und sein Gesetzesvorhaben, bei der Organspende künftig eine Widerspruchsregelung zu etablieren: Gut zwei Drittel der Deutschen ist dagegen und möchte selbst zustimmen oder ablehnen. Auch fühlt sich über die Hälfte schlecht informiert über den Vorgang der Organspende und den Hirntod als Voraussetzung dafür. Jede*r Dritte weiß nicht, wie man überhaupt Organspender*in werden kann. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Schwenninger Krankenkasse bei 1.068 Bürger*innen über 18 Jahre.

Dieses Ergebnis bestätigt, was GESUNDHEIT AKTIV seit langem bemängelt: Die Bürger*innen sind zu diesem Thema bei weitem nicht umfassend und ehrlich genug aufgeklärt.

Trotzdem hat Spahn zusammen mit dem SPD-Fraktionsvize und Gesundheitspolitischen Sprecher der SPD, Karl Lauterbach, einen gemeinsamen Gesetzentwurf zur Widerspruchsregelung ausgearbeitet und am 1. April 2019 vorgelegt, um ihn im Parlament in Kürze zur fraktionsoffenen Abstimmung zu stellen. Demnach soll jede*r Bürger*in nach ihrem/seinem Hirntod als potenzielle*r Organspender*in gelten, sofern sie/er nicht widersprochen hat. Wer nicht spenden will, soll dies in einem eigenen Register dokumentieren. Dieses Veto kann jederzeit selbst eingetragen oder wieder gelöscht werden.

Auch die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, die Herzchirurgin Claudia Schmidtke (CDU), befürwortet die Widerspruchsregelung. Sie meint, es müsse „normal sein, dass man Organspender ist“. In einem Streitgespräch mit der Patientenbeauftragten hielt der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, dagegen, dass die Transplantationsmedizin in Deutschland „ein Vertrauensdefizit“ habe, das durch „indirekte Zwangsmaßnahmen wie die Einführung der Widerspruchslösung“ eher noch verstärkt werde. Als Signal sei das „denkbar falsch“ und man erweise der Organspende damit „einen Bärendienst“. Dabrock plädierte dafür, dass jeder Erwachsene zu diesem Thema befragt und seine Entscheidung in einem Zentralregister erfasst werden solle.

Auch der Medizinethiker Prof. Dr. Giovanni Maio spricht sich dafür aus, die Entscheidung gut zu überdenken: „Es ist ein persönlicher Wunsch, seine Organe nach dem Hirntod zu spenden. Es ist ein persönlicher Wunsch, seine Organe nach dem Hirntod nicht zu spenden. Beide Wünsche sollten respektiert werden. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Niemand darf zu diesem Geschenk gezwungen werden.“

Für die Diskussion und Abstimmung im Bundestag wird die Grünen-Chefin Annalena Baerbock zusammen mit neun anderen Abgeordneten (auch aus SPD, LINKE, CDU/CSU und FDP) einen eigenen Entwurf einbringen. Er sieht vor, dass jede*r Bürger*in weiterhin aktiv zustimmen muss, aber bei bestimmten Anlässen gezielt dazu befragt wird, z. B. beim Antrag für einen Pass oder Personalausweis in den offiziellen Ämtern.

Quellen:
Spiegel online, 28. März 2019
Stern online
aerzteblatt.de
Pressemitteilung Schwenninger Krankenkasse

Weitere Informationen zur Hirntod-Diagnostik und zur Organspende finden Sie unserer Broschüre „Organspende – Sie entscheiden“ sowie auf der gleichnamigen Kongress-Dokumentation auf DVD oder als Video on demand (Sie können auch beides zusammen im Paket erwerben).

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Zum Thema aus unserem Verlag
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