Aktuelle Neuigkeiten

Neueste Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten, die wir einmal im Monat als Newsletter verschicken. Wir greifen aktuelle Neuigkeiten aus verschiedenen Medien auf – zu Gesundheitsthemen, aber auch zu Forschungsergebnissen, zur Gesundheitspolitik und ganzheitlicher Medizin.

Wenn Sie regelmäßig informiert werden möchten, abonnieren Sie doch einfach unseren monatlichen Newsletter und erhalten Sie alles Wissenswerte zuverlässig per E-Mail! 

Auf der falschen Fährte

Fehlerhaftes Review zur Misteltherapie

Im Frühjahr letzten Jahres verlautbarten mehrere Zeitungen und Zeitschriften: Die Misteltherapie bei Krebs taugt nichts. Nach gründlicher Durchsicht der wissenschaftlichen Literatur sah das Team um M. Freuding und Jutta Hübner von der Klinik für Innere Medizin II des Uniklinikums Jena keinen Nutzen für die Mistelpräparate bei Tumorerkrankungen, sie zu verschreiben sei nicht sinnvoll.

Daraufhin nahm sich ein internationales Team von Krebs- und Mistelexperten dieses Review noch einmal vor und kommt jetzt zu dem Schluss: Sowohl die Arbeit selbst wie auch die daraus abgeleiteten negativen Aussagen zur Misteltherapie halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand und können so nicht aufrechterhalten werden. Die wichtigsten Argumente: Das Freuding-Review

  • ist unvollständig, es sind nicht alle vorliegenden Studien eingeschlossen worden
  • die angewandte Methodik ist intransparent, die Auswahl der einbezogenen wissenschaftlichen Literatur nicht eindeutig
  • hat keine Meta-Analyse vorgenommen, obwohl ausreichend Studien dafür vorliegen
  • bewertet das Risiko von Verzerrungen unzureichend und falsch
  • kommt zu Schlussfolgerungen, die durch die Studienlage in keiner Weise gedeckt sind.

So wird z. B. behauptet, dass die Misteltherapie keinen positiven Einfluss auf die Lebensqualität habe, obwohl 14 Studien eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität eindeutig nachweisen.

„Die Debatte um die Wirksamkeit der Misteltherapie wird immer wieder kontrovers geführt. Wir müssen uns dabei auf Daten stützen können, die wissenschaftlichen Standards entsprechen“, kommentiert Prof. Dr. med. Harald Matthes, Ärztlicher Leiter des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe und Inhaber der Stiftungsprofessur für Integrative und Anthroposophische Medizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Das ist beim vorliegenden Review jedoch nicht der Fall, so dass aus der Arbeit keine aussagekräftigen Schlussfolgerungen gezogen werden können“.

Untermauert wird die Kritik am Freuding-Review im Übrigen auch durch zwei neue Publikationen: ein wissenschaftliches Review (Ostermann et al.) sowie eine Metaanalyse (Loef M, Walach H) aus diesem Jahr kommen zu gänzlich anderen und positiven Ergebnissen für die Misteltherapie. Trotz dieser neuen Ergebnisse und der inzwischen publizierten Kritik von Harald Matthes und seinen Kolleg*innen ist noch keine inhaltliche Überarbeitung durch die Autor*innen des Reviews erfolgt.

Weitere Informationen:
Zur Misteltherapie und zum Stand der wissenschaftlichen Forschung: www.mistel-therapie.de
Bericht der Carstens-Stiftung zur Arbeit von Freuding et al. und zum Statement von Matthes et al. 

Quellen:
Matthes et al: Statement to an Insufficient Systematic Review von Viscum album L. Therapy, Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine
Pressemitteilung des DAMiD vom 10. August 2020

Ab in die Natur

Aufenthalt im Garten und im Freien lindert Depressionen

 

Spaziergänge und Gartenarbeit innerhalb einer Gemeinschaft sind Teil eines „grünen Rezepts“, das auf den Shetland-Inseln Menschen mit Depressionen und Angstzuständen verordnet wird. Nicht von ungefähr, denn immer mehr bestätigen wissenschaftliche Studien, dass der Aufenthalt im Freien das Gemüt aufhellt und zu mehr Gelassenheit verhilft.

Die Gemeinschaftsprojekte – meist in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt – stärken die zwischenmenschlichen Beziehungen und tragen außerdem dazu bei, dass die Menschen sich generell mehr bewegen. Sie können den Garten mit dem Fahrrad erreichen, und das gemeinsame Verzehren der angebauten Produkte fördert das Bewusstsein für eine gesunde saisonale und regionale Ernährung. Das geht auch in der Großstadt, wo sich seit einigen Jahren mehr und mehr der Gedanke des „urban gardening“ verbreitet – kleine Gartenoasen im Hinterhof, auf Dachterrassen (mit Hochbeeten) oder auf brachliegenden städtischen Flächen, die von mehreren Menschen gemeinsam gepflegt werden. Und nicht erst seit der Corona-Krise hat der Run auf Schrebergärten enorm zugenommen.

Quelle
Krautreporter, 31. Juli 2020 (Abruf kostenpflichtig)

Wichtiger denn je

Der heilsame Effekt von Berührungen

 

Nie erschienen sie wichtiger als jetzt: Berührungen, der direkte Körperkontakt von Haut zu Haut. „Freundliche Berührungen mit Hautkontakt zünden im Körper ein Feuerwerk biochemischer Reaktionen“, sagt Martin Grunwald, Psychologe und Leiter des Haptik-Forschungslabors am Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig. „Berührungen sind eine Art Apotheke unseres Körpers. Es steckt ein enormes therapeutischen Potential darin.“

So lassen sich damit z. B. Depressionen und chronische Schmerzen lindern und sogar eine Krebsbehandlung sinnvoll begleiten, wie eine Studie an der Charité Berlin zeigte. Frauen mit Brustkrebs, die zweimal wöchentlich massiert wurden, waren weniger ängstlich, angespannt und müde und hatten weniger negative Gedanken als Frauen in einer Kontrollgruppe, die keine Massagen erhielten.

Die Anthroposophische Medizin hat hier mit den Rhythmischen Einreibungen und Rhythmischen Massagen nach Wegman/Hauschka besonders wirksame Methoden anzubieten.

Quelle
Apotheken-Umschau, 17. August 2020

Ein Armutszeugnis

Grüne wollen Homöopathie ausgliedern

 

Es war ein ganzes Sammelsurium von Forderungen, das die „Grüne Jugend“ auf dem Parteitag beschließen lassen wollte: Jegliche „nicht-evidenzbasierte Behandlungsmethoden“ sollten aus der Erstattung durch die Krankenkassen ausgeschlossen werden; Homöopathika (und damit auch Anthroposophische Medizin und Phytotherapie) sollten keine Sonderstellung als „Besondere Therapierichtungen“ mehr genießen, und diverses andere mehr. Das sorgte für gehörigen Wirbel, eine Kommission wurde eingesetzt, um eine mehrheitsfähige Stellungnahme zu erarbeiten. Aber nachdem Interna an die Öffentlichkeit durchgesickert waren, erklärte Robert Habeck die Angelegenheit kurzerhand zur Chefsache. Die Parteispitze selbst wollte eine Stellungnahme erarbeiten.

Jetzt liegt sie offenbar vor und soll beim Parteitag in Karlsruhe im November abgestimmt werden. Das Papier sei unter Federführung von Robert Habeck gemeinsam mit grünen Gesundheitspolitikern erarbeitet worden und werde jetzt vom Bundesvorstand erörtert, sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock vergangene Woche in Berlin. Der Kernpunkt des Kompromissvorschlags ist allerdings ein Armutszeugnis für eine Partei, die dereinst mit viel Mut und Haltung in die politische Arbeit gestartet war.

In einer Fragestunde für die Öffentlichkeit im Rahmen des Sommerinterviews der ARD sagte Habeck auf die Frage, warum die Grünen „offensichtliche Erkenntnisse der Wissenschaft zur Homöopathie ablehnen“ können: „Es gibt eine Diskussion darüber, ob homöopathische Behandlungen und Medikamente von Krankenkassen erstattet werden. Das ist eine vergleichsweise kleine und detailverliebte Frage, dass sie so eine große Aufmerksamkeit erregt hat, gehört sich nicht, wir haben andere Probleme im Gesundheitssystem: die Durchökonomisierung an verschiedenen Stellen zu beenden, den Pflegenotstand usw. Diese Debatte über Homöopathie ist eine Placebo-Debatte und sie ist weitestgehend gelöst. Wir haben das jetzt nur nicht über Corona weiter groß öffentlich gemacht und verfolgt. Im Grunde ist die Antwort, die wir geben, so: Ja, Krankenkassen können das bezahlen über einen Wahltarif, wo diejenigen, die homöopathische Medikamente bezahlt haben wollen, über einen Sondertarif sich dafür versichern. Und so gibt es ein Solidarsystem innerhalb der Homöopathie-Medikamenten-Liebhaber, aber die Allgemeinheit zahlt dann nicht dafür. Ich glaube, das ist eine ganz gute Lösung. Also, der Streit ist gelöst. (...) Jeder kann sich mit den homöopathischen Sachen eindecken oder nicht, wie er das privat will, mit einer Ausnahme: Sie dürfen nicht bei lebensgefährlichen Behandlungen empfohlen oder eingesetzt werden. Das halte ich dann wirklich für falsch. Insofern ist die Überzeichnung der Frage: ‚Sollen Krankenkassen das bezahlen?‘ und ‚Glauben die Grünen an Homöopathie oder nicht?‘ oder die Wissenschaftsfrage falsch an der Stelle.“

GESUNDHEIT AKTIV meint
Mit dieser Festlegung verabschiedet sich BÜNDNIS 90/die GRÜNEN von dem Grundsatz, dass auch die „Besonderen Therapierichtungen“ zu den erstattungsfähigen Leistungen gehören. Selbst wenn die eigentlichen Formulierungen bewusst vage bleiben und einen gewissen Interpretationsspielraum lassen: Die Homöopathie soll ausgegrenzt werden aus dem System. Wahltarife haben sich nicht bewährt, das dürften auch die Expert*innen in dieser Partei wissen. Insofern endet die hier vorgetragene Lösung im Nichts.

Der GRÜNEN-Chef ist einer sehr erfolgreichen Kampagne von Skeptiker-Ideologen auf den Leim gegangen, deren Behauptung, Homöopathie sei wissenschaftlich nicht belegt, nicht wahrer wird, indem sie immer wieder drohend vorgetragen wird. Wir werden das so nicht hinnehmen. Die Haltung zur Homöopathie ist ein Indikator dafür, dass offenbar auch diese Partei einer zunehmend technokratischen Sicht auf Gesundheit und Krankheit das Wort redet und immer weniger versteht: Gesundheit hat immer etwas mit Vielfalt und mit Wahlfreiheit zu tun.

Menschen, die zwischen 3.000 und 5.000 Euro pro Jahr Zwangsabgaben in das Solidarsystem entrichten und an nachhaltiger Gesundheit interessiert sind, haben es nicht verdient, auf diese Weise bevormundet zu werden. Warum werden gerade diejenigen bestraft, die es mit weniger Antibiotika und natürlichen Methoden schaffen, ihre Gesundheit im Griff zu behalten?

Quelle
Pharmazeutische Zeitung, 18. August 2020
ARD Sommerinterview, 16. August 2020 („Frag selbst“ mit Robert Habeck, ab Minute 03:42 bis 06:11).

Gut für Herz und Hirn 

Musiktherapie fördert Entwicklung von Frühgeborenen

 

In der Anthroposophischen Medizin wird Musiktherapie schon seit vielen Jahren bei Frühgeborenen und kranken Kindern eingesetzt. Jetzt gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass sie bei Frühgeborenen die Hirnentwicklung fördern und bei Babys mit einem Herzfehler nach der Operation die Rekonvaleszenz beschleunigen kann.

Im Universitäts-Kinderspital in Zürich teilten die Wissenschaftler 82 frühgeborene Säuglinge in zwei Gruppen: die eine erhielt „kreative Musiktherapie“, die andere nicht. Diese Form der Musiktherapie soll die Kinder entspannen und die soziale Interaktion zwischen Eltern und Kind fördern. Die Studien der Musiktherapeutin Friederike Haslbeck zeigten, dass die Klänge eines Monochords (schlichtes Saiteninstrument) und sanftes Singen das Zusammenspiel der verschiedenen Hirnregionen, unter anderem denen für Motorik und Sprache, verbessert und die Gehirnentwicklung generell fördert. Jetzt soll untersucht werden, ob die Kinder auch längerfristig in ihrer Entwicklung von der Musiktherapie profitieren. Friedrike Haslbeck hat gemeinsam mit den Eltern den Verein „amia musica“ gegründet, um möglichst vielen Frühchen-Familien die Therapie von Anfang an zur Verfügung stellen zu können.

Auch bei den rund 8.000 Babys jährlich, die mit einem Herzfehler zur Welt kommen, scheint sich die Musiktherapie als besonders hilfreich zu erweisen. Sie reduziert den Stress, dem die Kinder durch oft langwierige Klinikaufenthalte und operative Eingriffe ausgesetzt sind. Studien belegen, dass die Musik den Saug- und Schluckreflex des Babys anregt, so dass es schneller an Gewicht zulegt. Auch stärkt das Singen und Musizieren die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Allerdings gibt es bislang nur wenige Kliniken in Deutschland, die Musiktherapie auf den Neugeborenen- und Kinderintensivstationen einsetzen. Die Therapie wird vorwiegend über Stiftungen und Spenden finanziert, weil die Krankenkassen solche Zusatzleistungen nicht übernehmen. An den großen anthroposophischen Kliniken in Stuttgart-Filderstadt (Filderklinik) und Herdecke (Gemeinschaftskrankenhaus) ist der Einsatz der Musiktherapie in Neonatologie und Pädiatrie allerdings schon seit Jahrzehnten selbstverständlich.

Wenn Sie sich ein Bild machen wollen, wie Musiktherapie bei Frühgeborenen erfolgt, schauen Sie doch in unsere Multimedia-Reportage, wo wir eine Musiktherapeutin in der Filderklinik bei der Arbeit mit frühgeborenen Zwillingen begleiten durften.

Quellen
wdr5, 30. Juli 2020
Mitteilung des Universitätsspitals Zürich, 18. Juli 2020
musiktherapie.de/Blog, 13. Februar 2020