Placebo-Effekt - Heilende Beziehung?

Viel mehr als Einbildung: Placebo-Effekt

Was wirkt eigentlich in der Medizin? Es ist heute gängige Auffassung, dass ein Medikament nur dann wirkt, wenn es in einer aufwändig angelegten Studie einem Scheinmedikament (Placebo) überlegen ist. Langsam bricht diese Haltung allerdings auf. Zu oft wurden in der Vergangenheit Wirkungen und Verläufe beobachtet, die keine rein pharmakologischen Ursachen haben können, was dann oft pauschal als „Placebo-Effekt“ abgetan wurde – die Erwartungshaltung des Patienten und des Arztes hätten das Ergebnis erzeugt, nicht der Wirkstoff.

Heute allerdings merken viele Forscher, dass es hochspannend ist, diesen Aspekt näher zu erforschen und möglicherweise sogar therapeutisch gezielt zu nutzen. Wirkt eine positive Einstellung? Ist es der enge Kontakt mit dem Arzt? Sind es die eigenen Erfahrungen und Vorlieben?

Studien zeigen schon jetzt, dass Patienten stärkere Symptome haben, wenn ihre seelischen und geistigen Bedürfnisse mit in das Behandlungskonzept einbezogen werden. Das lässt sich vor allem in der Krebstherapie immer wieder beobachten: „Patienten selbst erleben Onkologen oft als ‚Handwerker‘, die sich nur um den Körper kümmern, aber nicht um die emotional-spirituelle Ebene“, sagt Dr. Gunver Kienle vom Institut für Angewandte Erkenntnistheorie und Medizinische Methodologie e. V. an der Universität Witten-Herdecke.

Erwartungen stärken, Beziehungsqualität fördern
Dass die Wissenschaft diese Perspektive nun erforscht, heißt allerdings noch lange nicht, dass die neuen Ergebnisse schon heute in die medizinische Versorgung einfließen. Hier dominieren nach wie vor stark biomedizinische Aspekte. „Damit verschenken wir viel Potenzial. Denn heute wissen wir, dass die positive Erwartungshaltung eines Patienten Effekte haben kann, von der man in Medikamenten-Studien nur träumen kann“, ergänzt Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV. „Die positive Erwartung des Patienten kann durch eine gute und empathische Kommunikation gefördert werden, also durch eine ‚Beziehungsmedizin‘. Wir wollen Patienten bestärken, sich für genau diese Beziehungsqualität, die ihnen nachweislich gut tut, einzusetzen.“

Lesen Sie das gesamte Interview mit Dr. Gunver Kienle in unserem Magazin.