Gläserne Patienten?

Gläserne Patienten?

Versicherung will über App an die Gesundheitsdaten ihrer Kunden

„Lerne Dich selbst besser kennen. Lebe gesünder.“ Mit diesen und ähnlichen Slogans werben Firmen für ihre Gesundheits-Apps und sogenannte Lifestyle Trackers. Die Idee: Fitness-Aktivitäten selbst überwachen und sich damit motivieren – und das alles per Smartphone, spezieller Armbänder oder Smartwatches. Ob Schritte, Kalorien oder Herzschlag – praktisch alle Vitalfunktionen lassen sich erfassen und auswerten.

Kein Wunder, dass nun die erste Versicherung Interesse an diesen Daten angemeldet hat. Die Generali Versicherungsgruppe kündigte kürzlich an, für Deutschland ein verhaltensbasiertes privates Kranken- und Lebensversicherungsmodell zu planen: Die Versicherten geben ihre Daten zu Fitness, Ernährung und Lebensstil preis und werden für eine gesunde Lebensführung mit Gutscheinen oder Rabatten belohnt. Im Laufe des kommenden Jahres will Generali spezielle Apps zur Datenerfassung und -übermittlung anbieten.

Der Versicherung dürfte es dabei weniger darauf ankommen, ihre Versicherten wirklich zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren, als (junge) Menschen, die ohnehin schon gesundheitsbewusst leben und Self-Tracking betreiben, als Kunden zu gewinnen oder zu binden.

Höhere Beiträge für Alte, Sportmuffel und Datenverweigerer?

Versicherte sollten sich sehr genau überlegen, ob sie freiwillig ihre Daten preisgeben. Wollen sie später, wenn sie älter und möglicherweise krank sind, auch an diesen Parametern gemessen werden? Dann vielleicht zu ihrem Nachteil? Denn wenn die einen dadurch günstigere Tarife bekommen, heißt das automatisch, dass es für andere teurer wird. Darauf machte nun auch die Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Andrea Voßhoff, aufmerksam. Sie warnte außerdem davor, dass Versicherer in Kombination mit anderen Daten ein umfassendes Gesundheitsprofil ihrer Kunden erstellen könnten.

Welche personenbezogenen Daten erhoben werden dürfen, ist nach Aussage der Datenschutzbeauftragten für gesetzliche Krankenkassen im Sinne der Versicherten genauestens geregelt. Alle darüber hinausgehenden Daten dürften die Versicherer im Regelfall nicht erheben, selbst wenn die Versicherten einwilligen. Voßhoff beobachtet jedoch auch bei gesetzlichen Krankenkassen ein steigendes Interesse an den Gesundheitsdaten ihrer Versicherten und kündigte an, deren künftige Aktivitäten gut zu prüfen.

Gesundheitsdaten gehören nicht in die Öffentlichkeit

Das wird dringend nötig sein, denn auch die gesetzlichen Krankenkassen sind aus wirtschaftlichen Gründen an Versicherten mit möglichst niedrigem Gesundheitsrisiko interessiert. Und der Umfang an elektronisch kursierenden Gesundheitsdaten wird in den kommenden Jahren massiv anwachsen – Stichwort eCard oder Telemedizin. Entscheidend wird aber auch sein, wie sensibel die Bürger selbst mit ihren Daten umgehen. Denn wer seine Fitness-Challenges mit Freunden öffentlich auf Facebook oder Twitter austrägt, muss sich nicht wundern, wenn Versicherungen und Arbeitgeber bestens informiert sind.

Quellen: aerzteblatt.de, 3.12.2014; Ärzte Zeitung, 4.12.2014