Recht auf zweite Meinung

Recht auf zweite Meinung

Wissen Sie, dass Sie ein Recht auf eine zweite ärztliche Meinung haben? Wenn ja, haben Sie vielen anderen etwas voraus: Laut einer neuen Studie „Zweitmeinungsverfahren aus Patientensicht“ des privaten Krankenhausbetreibers Asklepios Kliniken Hamburg GmbH und des IMWF Instituts für Management-  und Wirtschaftsforschung weiß jeder Vierte nichts von diesem Recht. Dabei wird das Einholen einer Zweitmeinung seit 1989 von den Krankenkassen bezahlt, unabhängig von der Erkrankung. Und: Laut der aktuellen Studie ist der Bedarf bei Entscheidungshilfen sehr groß. Die zwei Hauptmotive für den Wunsch nach einer zweiten Meinung ist zum einen die Unsicherheit, ob die gewählte Methode optimal sei und zum anderen der Wunsch, unnötige Behandlungen (wie eine Operation) zu vermeiden.

Eigentlich hatte die Bundesregierung nun vor, dieses Recht auf eine zweite Meinung mit dem geplanten Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) zu unterstützen. Dabei geht es aber nicht nur darum, die Rechte der Patienten zu stärken. Union und SPD wollen damit vor allem die „mengenanfälligen Leistungen“ eindämmen. Damit sind Eingriffe gemeint, deren Anzahl in der Vergangenheit auffällig gestiegen ist. Stellt ein Arzt nun eine dieser „mengenanfälligen“ Indikationen, muss er den Patienten über sein Recht aufklären, dass er eine zweite Meinung einholen kann. Für welche Eingriffe die neue Regelung gelten sollen, muss der Gemeinsame Bundesausschuss noch bestimmen.

Allerdings könnte sich die neue Regelung für die Patienten als Rückschritt erweisen: Experten und Patientenvertreter kritisieren, dass das Recht auf eine Zweitmeinung nur in bestimmten Fällen greifen würde und es damit zu Einschränkungen käme. Für die Patienten ist das also eine eher problematische Entwicklung. Krankenkassenvertreter befürchten, dass sie bestehende Angebote zu Zweitmeinungen auf Grund des Gesetzes zurückfahren müssen.

Die Studie kann beim IMWF (Institut für Management- und Wirtschaftsforschung) kostenfrei bestellt werden.