Masern: Impfpflicht ja oder nein?

Masern: Impfpflicht ja oder nein?

Viele Menschen reden sich seit Wochen die Köpfe heiß: Soll die Impfpflicht für Masern kommen? Oder können und dürfen wir das noch individuell entscheiden? Differenzierte Positionen haben es in dieser oft emotional aufgeheizten Debatte schwer.

Dabei schützt unsere Gesellschaft die Individualrechte aus gutem Grund. Die Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit ist ein hohes Gut, dem auch öffentliche Empfehlungen untergeordnet sind, auch die der Ständigen Impfkommission (STIKO). Sie sollten als das gelten, was sie sind: Empfehlungen, keine staatlichen Vorgaben. Inzwischen hat das Bundesgesundheitsministerium aber auch klargestellt, dass es vorerst keine konkreten Pläne zu einer Masern-Impfpflicht gebe. Man setze nach wie vor auf Aufklärung und Beratung.

Schließlich stellen Impfungen eine freiwillige Form der Krankheitsprophylaxe dar, über die – zu Recht – individuell entschieden werden sollte. Dafür müssen die Eltern unabhängig und ausführlich beraten werden. Auch Fragen nach den langfristigen (immunologischen) Auswirkungen einer Impfung müssen in Ruhe besprochen werden können – und zwar im jeweiligen Einzelfall. Eine generelle Impfpflicht lässt sich damit nicht vereinbaren.

So sehen es inzwischen auch viele Kinderärzte, die sich zum Beispiel im Verein Ärzte für Individuelle Impfentscheidung zusammengeschlossen haben. Auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin weist darauf hin, dass sich der Aufwand für weitere Maßnahmen am „begrenzt erreichbaren Zusatznutzen im Vergleich zum Status quo“ messen lassen müsse.

Die Anthroposophische Medizin vertritt ebenfalls eine individuell abwägende Position: „Nur eine differenzierte ärztliche Aufklärung über das jeweilige Krankheitsbild einschließlich der möglichen Nebenwirkungen kann den Eltern bei einer verantwortlichen Entscheidungsfindung helfen“, sagt der Münchner Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin Georg Soldner von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland (GAÄD). In diese Richtung zielt auch der Vorstoß der Bundesregierung, die in ihren Entwurf zum Präventionsgesetz eine verpflichtende Beratung zum Impfen aufgenommen hat. Wie ausführlich und differenziert diese Beratung in der Praxis dann aussehen wird, bleibt abzuwarten – der Vorschlag selbst geht aber in die richtige Richtung. „Die Eltern können nur dann eigenverantwortlich entscheiden", so Georg Soldner, "wenn offen und ehrlich über Vorteile und Risiken von Schutzimpfungen informiert wird."

Die individuelle Aufklärung und Beratung, vor allem auch zum Zeitpunkt einer Impfung, sollte aus gutem Grund sehr ernst genommen werden: Eine Impfung stellt immer einen Eingriff in das kindliche Immunsystem dar. Gerade bei einem Baby, bei dem das Immunsystem noch nicht ausgereift ist, kann nach dem jetzigen Wissensstand aber noch nicht abschließend definiert werden, welche Konsequenzen dieser Eingriff langfristig für das Immunsystem haben kann. Studien konnten zudem zeigen, dass ein sehr früher Impfzeitpunkt zu einem nachhaltig schwächeren Impfschutz führen kann. Mittlerweile mehren sich die Verdachtsmomente, dass gerade der häufige Einsatz von fiebersenkenden Mitteln und Antibiotika sowie die Dichte der Schutzimpfungen im frühen Kindesalter die Entwicklung und Individuation des Immunsystems auch negativ beeinflussen können.

Quelle: Pressemitteilung Dachverband Anthroposophische Medizin Deutschland

 

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