Pflege-Noten: Sechs!

Die sogenannten „Pflege-Noten“ (auch „Pflege-TÜV“ genannt) stehen seit ihrer Einführung im Jahr 2009 massiv in der Kritik: nicht aussagekräftig, zeitraubend, bürokratisch, rein quantitativ ausgerichtet. „Wir pflegen nun Akten statt Menschen“, kritisieren die Pflegenden seither immer wieder. Auch das Nikodemus-Werk, der Dachverband der anthroposophisch orientierten Altenhilfe, hatte das Notensystem unter der Forderung „Alterskultur statt Pflegenoten!“ seinerzeit scharf kritisiert und sogar ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, um mögliche Alternativen zur Qualitätssicherung in der Pflege aufzuzeigen. Trotzdem änderte sich erst einmal nichts – lediglich die Kriterien für die Benotung wurden Anfang 2014 etwas verschärft.

2014 jedoch kam Bewegung in die verfahrene Situation, als sich der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), einschaltete und Reformen an dem umstrittenen Noten-System forderte. Anfang Februar 2015 kommentierte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jens Spahn: „Aus heutiger Sicht muss man feststellen, dass das System der Pflege-Noten gescheitert ist.“ Anlass der aktuellen Debatte ist der Fall eines Pflegeheims, das von der Stadt kürzlich wegen untragbarer Mängel geschlossen wurde – bei der letzten Prüfung hatte es jedoch noch die Traum-Note 1,1 erhalten.

Die Bundesregierung will zwar grundsätzlich am Noten-System festhalten. Karl-Josef Laumann soll jedoch bis Ostern ein Konzept ausarbeiten, das Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sichere Anhaltspunkte für die Bewertung eines Heims oder ambulanten Pflegedienstes vermitteln soll.