Mafia-Zustände in der Pharma-Industrie

Nach Krebs und Herzerkrankungen sind Medikamente in Europa und den USA die drittgrößte Todesursache. Was für sich selbst schon ein Skandal ist, wird noch von den Machenschaften der Pharmaindustrie übertroffen: Pharmakonzerne zahlen Milliarden wegen der illegalen Vermarktung von Arzneimitteln oder sie bieten Milliarden, um Prozesse wegen Arzneimittelbetruges zu beenden – so der dänische Mediziner Peter C. Gøtzsche, der die Szene gut kennt. Gøtzsche führt aus, dass es in den entsprechenden Prozessen immer wieder um Betrug, Irreführung und Bestechung gehe – alles Straftaten, die Kriterien des organisierten Verbrechens erfüllen und damit an die Mafia erinnern. Der Däne hat für Arzneimittelhersteller gearbeitet und ist heute am Nordic Cochrane Center (einem unabhängigen Forschungs- und Informationscenter in Kopenhagen) tätig. Für ihn ist das „ganze System mit seiner Art, wie Medikamente produziert, vermarktet und überwacht werden, gescheitert“ wie er in einem Interview auf sueddeutsche.de deutlich macht.

Noch ausführlicher schildert Gøtzsche die kriminellen Machenschaften in seinem neuen Buch „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert“. Es liest sich erschreckend, wie aggressiv heute Medikamente vermarktet werden und welche Möglichkeiten von den Unternehmen genutzt werden, um Studienergebnisse zu manipulieren. Damit wird von der Industrie bewusst in Kauf genommen, dass Arzneimittel auch Schaden anrichten können. Eine empfehlenswerte Lektüre. 

Das Interview mit Peter C. Gøtzsche finden Sie auf sueddeutsche.de

Peter C. Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert. riva Verlag München, 2014, 512 Seiten, ISBN 978-3-86883-438-3, 24,99 Euro