Doping am Arbeitsplatz?

Bei Stress greifen immer mehr Menschen zu Doping-ähnlichen Mitteln

Doping kennt man aus dem Leistungssport. Aber inzwischen nutzen viele Menschen Substanzen zur Leistungssteigerung, um sich auch den ganz alltäglichen Anforderungen im Beruf besser gewachsen zu fühlen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Gesundheitsreport der DAK. Demzufolge nehmen rund drei Millionen Beschäftigte leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente am Arbeitsplatz – Tendenz steigend. Zu den besonderen Risikogruppen zählen nicht etwa Top-Manager, sondern Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten oder unsicheren Jobs.

Für die Studie wurden Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten analysiert und zusätzlich mehr als 5.000 Berufstätige befragt. Auslöser für den Griff zum Dopingmittel sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Am häufigsten werden Psychopharmaka eingenommen: Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe machen 60,6 Prozent aus, Medikamente gegen Depressionen 34 Prozent. „Suchtgefahren und Nebenwirkungen des Hirndopings sind nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen wir auch beim Thema Gesundheit vorausschauen und über unsere Wertvorstellungen und Lebensstilfragen diskutieren“, so das Fazit der DAK.

Auch eine zweite repräsentative Studie zeichnet von der heutigen Arbeitswelt ein eher düsteres Bild. So kommt der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung und der BARMER GEK zu dem Ergebnis, dass sehr viele Beschäftigte in Deutschland mehr arbeiten, als ihnen gut tut. Zum Beispiel verzichten 23 Prozent der Befragten komplett auf Pausen, und jeder Achte geht auch krank zur Arbeit. Jeder Dritte weiß nicht mehr, wie er die wachsenden Ansprüche im Betrieb bewältigen soll.

Die Autoren der Studie sehen hier vor allem die Unternehmen in der Pflicht: „Wir brauchen in Unternehmen eine Kultur, die Gesundheit als Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg anerkennt und fördert.“ Aber auch die Beschäftigten selbst könnten zur Entlastung beitragen, wurde betont. Es sei daher besonders wichtig, dass Arbeitnehmer ein Gefühl für die eigenen Grenzen entwickelten, damit sie ihr Leistungspotenzial auch langfristig optimal ausschöpfen könnten.

Quellen:
Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung
Informationen zum DAK-Gesundheitsreport