"Big Data" in der Medizin?

 

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen scheint nicht mehr aufzuhalten. Daten zu sammeln, zu speichern und auch zu nutzen soll zum Beispiel die Früherkennung von Krankheiten verbessern. Daraus ergeben sich jedoch große ethische und rechtliche Herausforderungen.

Damit hat sich kürzlich der Nationale Ethikrat in seiner Jahrestagung unter dem Titel „Die Vermessung des Menschen – Big Data in der Medizin“ auseinandergesetzt. Deutlich gewarnt wurde vor „datengetriebenem Effizienzhype und Optimierungswahn“ sowie vor der Verletzung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte. Unter den Referenten herrschte weitgehend Einigkeit, dass es dringend einer breiten gesellschaftlichen Debatte bedarf, vor allem in Bezug auf sensible Gesundheitsdaten, da hier das Missbrauchsrisiko besonders groß ist.

Die engagierte Diskussion der rund 500 Teilnehmer zeigte, dass der Ethikrat offenbar einen Nerv getroffen hat. Es wurde deutlich, dass die Digitalisierung in der Medizin nicht nur die Elektronische Gesundheitskarte (eGK) betrifft, sondern viel grundsätzlichere ethische Fragestellungen berührt. Ein Sprecher des Chaos Computer Clubs brachte es auf den Punkt: „Die Digitalisierung kann viel bewirken. Aber was wollen wir als Gesellschaft? Geht es um ein besseres Leben? Und wenn ja, was heißt das? Muss sich jeder ständig optimieren? Oder geht es vor allem um Profitmaximierung einiger großer Unternehmen? Diesen Fragen müssen wir uns stellen. Unsere Ziele müssen wir selbst definieren. Das dürfen wir nicht dem technischen Fortschritt überlassen.“

GESUNDHEIT AKTIV setzt sich bereits seit Jahren für den Schutz von Patientendaten ein und klärt Patienten über ihre Rechte in Bezug auf den Datenschutz auf: „Es ist eine gute Entwicklung, dass die ethische Dimension des Themas inzwischen breiter diskutiert und nicht mehr ausschließlich von Experten bearbeitet wird“, sagt Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV.