Petition überreicht

Knapp 5000 Bürger fordern mehr Aufklärung zur Organspende

Anlässlich des Tages der Organspende 2015 fordert GESUNDHEIT AKTIV eine umfassendere und ehrlichere Aufklärung über Organspende und übergab am 8. Juni 2015 dem Patientenvertreter der Bundesregierung, Herrn Staatssekretär Karl-Josef Laumann eine Petition, die in den vergangenen Monaten von knapp 5000 Bürgerinnen und Bürgern gezeichnet wurde. 

In der Petition werden gravierende Defizite in den Informationsmaterialien zur Organspende benannt. GESUNDHEIT AKTIV und die Unterzeichner fordern Staatsekretär Laumann auf, sich dafür einzusetzen, die Formulierung zum Hirntod auf dem Organspendeausweis der Realität anzupassen ("irreversibles Hirnversagen" statt "Tod") und auch von offizieller Seite (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Krankenkassen, Deutsche Stiftung Organtransplantation) umfangreicher und differenzierter zu informieren. 

„Die stagnierenden Spenderzahlen der letzten Jahre zeigen: Einseitige Werbekampagnen pro Organspende schaffen kein Vertrauen und schaden damit letztendlich auch den Patienten, die auf Spenderorgane warten", sagte Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Nur wenn die Transplantationsmedizin auf Transparenz setzt, wird sie in der Bevölkerung dauerhaft Akzeptanz finden. Das heißt konkret: Wir brauchen eine Wende hin zu einer offenen und ehrlichen Aufklärung über alle Vorgänge rund um die Organspende, auch über die unschönen Seiten, über Missstände und Fehler. Erst dann können sich die Menschen frei für oder gegen eine Organspende entscheiden.“

Mängel in der Aufklärung sieht GESUNDHEIT AKTIV vor allem beim Thema Hirntod. Vielen Menschen ist nach wie vor nicht klar, dass Organe im Zustand des Hirntodes entnommen werden, und sie wissen meist nicht richtig, was sich hinter diesem Zustand verbirgt. Für besonders problematisch hält der Verband die Gleichsetzung des Hirntodes mit dem Tod des Menschen. Ob es sich bei Hirntoten tatsächlich um Tote handelt oder um Menschen im Sterbeprozess, ist eine offene Frage, die auch in der Wissenschaft umstritten ist. So lehnt z. B. eine Minderheit des Deutschen Ethikrats das Hirntod-Konzept ab.

GESUNDHEIT AKTIV fordert daher, die verschiedenen Auffassungen über den Todeszeitpunkt des Menschen, auch den Hirntod, offen zu thematisieren und im Ausweis die Bezeichnung „Tod“ durch die korrektere Formulierung „vollständiges irreversibles Hirnversagen“ zu ersetzen. 

Patientenbeauftragter Karl-Josef Laumann (links) mit Dr. Stefan Schmidt-Troschke bei der Übergabe der Unterschriften.