Neue Perspektive für die Pflege?

Das kürzlich von der Bundesregierung verabschiedete Pflegestärkungsgesetz II (Infografik „Zweites Gesetz zur Stärkung der pflegerischen Versorgung und zur Änderung weiterer Vorschriften“) verspricht Verbesserungen für die Pflegebedürftigen. Ende September soll der entsprechende Gesetzentwurf im Bundestag beraten werden.

Zentraler Punkt der Pflegereform ist ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, der neben der körperlichen Verfassung erstmalig kognitive Einschränkungen, zum Beispiel durch Demenz, berücksichtigt. Denn bislang basierte die Zuordnung in drei Pflegestufen ausschließlich auf der Betrachtung körperlicher Einschränkungen. Demnächst soll bei der Begutachtung auch der geistige und seelische Zustand einbezogen werden. Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und das damit verbundene neue Begutachtungsverfahren sollen ab 2017 gelten. Das Ziel ist, den Pflegebedürftigen in ihrer individuellen Situation besser gerecht zu werden. Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zeigt, dass die Gesundheitspolitik verstanden hat, dass sich die Pflege auch und vor allem um diejenigen kümmern muss, die sich nicht (mehr) äußern können.

Anfang des Jahres war bereits das „Erste Pflegestärkungsgesetz“ in Kraft getreten, das Leistungsverbesserungen brachte. Mit beiden Reformen ist eine Erhöhung des Beitrags zur Pflegeversicherung verbunden, die rund 5 Milliarden Euro für zusätzliche Leistungen  erbringen soll. Trotz dieser an sich positiven Nachrichten haben Verbände wie der Deutsche Pflegerat (DPR) aufgrund des Fachkräftemangels in der Pflege vor dem Scheitern der Reformpläne gewarnt: „Nur mit einer besseren Personalbemessung wird die Reform auch nachhaltig erfolgreich sein. Zudem brauchen pflegende Angehörige Beratung und Entlastung“, so der DPR in einer Pressemitteilung.

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit