Hebammen weiterhin in Not

Viele Schwangere bekommen es bereits zu spüren: Deutschlands Hebammen ziehen sich aus der Geburtshilfe zurück. Betroffen sind nicht nur Frauen, die sich eine Hausgeburt wünschen, sondern auch Frauen, die in einer Klinik entbinden möchten. Denn viele Krankenhäuser in ländlichen Bereichen arbeiten nur mit freiberuflichen Beleghebammen.

Der Grund für das Aufgeben der Hebammen ist unter anderem die Höhe der Berufshaftpflichtversicherung, die jede freiberufliche Hebamme verpflichtend abschließen muss. Die Prämie stieg innerhalb der vergangenen zwölf Jahre von rund 1.200 Euro (2003) auf über 6.000 Euro (2015) jährlich an, nur noch wenige Versicherer bieten diesen Schutz überhaupt an.

Um den extremen Prämienanstieg aufzufangen, zahlen die Krankenkassen seit 2010 den Hebammen Vergütungszuschläge, die jedoch erst ab einer bestimmten Anzahl von Geburten greifen. Die Große Koalition hat deshalb einen sogenannten Sicherstellungsauftrag vorgesehen, der Hebammen helfen soll, die weniger Geburten begleiten. Dessen Ausgestaltung ist zwischen Hebammenverband und GKV-Spitzenverband jedoch strittig, so dass eine Schlichtungsstelle angerufen wurde, deren Entscheidung seit Ende September vorliegt.

Dieser Schiedsspruch sei so nicht hinnehmbar, teilte der Hebammenverband mit. Für viele Hebammen bedeuten die neuen Konditionen eine Verschlechterung, auch wurden Ausschlusskriterien für Hausgeburten festgelegt, die umstritten sind. Der Kampf um eine bessere Vergütung der Arbeit der Hebammen geht also weiter.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht noch mehr freiberufliche Hebammen aufgeben müssen. Wir brauchen die Hebammen – auch vor dem Hintergrund, dass gerade wieder neue Zahlen zur Kaiserschnittrate in Deutschland veröffentlicht wurden: Heute kommen über ein Drittel aller Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Wer sich – wie GESUNDHEIT AKTIV – für eine natürliche Geburt einsetzt, kann auf die Arbeit der Hebammen nicht verzichten.

Weitere Informationen: www.hebammenverband.de