KASSEN WERDEN TEURER

Sonder-Kündigungsrecht bei erhöhten Zusatzbeiträgen

Zum Jahresbeginn müssen viele Versicherte für ihre Krankenversicherung tiefer in die Tasche greifen. Rund zwei Drittel der Krankenkassen haben die einkommensabhängigen Zusatzbeiträge, die zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz gezahlt werden, erhöht. Das Problem dabei: Diese Zusatzbeiträge werden nicht paritätisch, also zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt, sondern alleine von den Versicherten. Arbeitnehmer zahlen also mehr – der Anteil der Arbeitgeber bleibt konstant.

Dass diese Regelung nicht besonders fair ist, liegt auf der Hand und wurde bereits von vielen Experten kritisch kommentiert. Trotzdem hatten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt. Nun kommt die Debatte erneut auf. SPD und Opposition wollen laut Medienberichten, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig wieder den gleichen Beitrag zahlen. Da CDU und CSU aber am bisherigen Konzept festhalten wollen, ist es unrealistisch, dass es noch in dieser Legislaturperiode Änderungen geben wird.

Was können Versicherte, die von erhöhten Zusatzbeiträgen betroffen sind, tun? Die Krankenkassen sind verpflichtet, ihre Versicherten darauf hinzuweisen, wenn der Beitrag steigt, und günstigere Alternativen zu nennen. Alle Versicherten, deren Krankenkassen den bestehenden Zusatzbeitrag erhöhen, haben seit Anfang des Jahres das Recht einer Sonderkündigung. Die Frist für den Kassenwechsel beträgt zwei Monate zum Monatsende. Das bedeutet: Wurde der Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2016 angekündigt, dann kann die Kasse zu Ende März gekündigt werden. Ab April bestünde dann die Mitgliedschaft bei einer neu gewählten Kasse. Allerdings sollten Versicherte, die ihre Kasse wechseln möchten, genau prüfen, welche Leistungen von anderen Kassen angeboten werden – denn gerade bei der Erstattung der Kosten für komplementärmedizinische Behandlungsverfahren unterscheiden sich die Kassen teils ganz erheblich. Um die Suche nach einem passenden Anbieter zu erleichtern, hat GESUNDHEIT AKTIV ein Merkblatt und eine Liste mit Kassen zusammengestellt, die bestimmte Leistungen der Komplementärmedizin erstatten.

Wollen Sie wissen, ob Ihre Kasse den Zusatzbeitrag erhöht? Und ob es günstigere Alternativen gibt? Die Ärzte-Zeitung hat eine Tabelle mit einem Vergleich der Beitragssätze veröffentlicht.