Gedenken an Ita Wegmann

Gedenken an Ita Wegmann

Pionierin für eine zukünftige Medizin

In diesem Monat, am 22. Februar, feiert die wichtigste Pionierin der Anthroposophischen Medizin ihren 140. Geburtstag: Dr. med. Ita Wegman. Zusammen mit Rudolf Steiner entwickelte die auf Java geborene holländische Ärztin die Grundlagen der Anthroposophischen Heilkunst, niedergelegt in ihrem 1925 erschienenen gemeinsamen Buch „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen“. Ihre ärztliche Ausbildung begann Ita Wegman im Alter von 29 Jahren. Später gründete sie das „Klinisch-therapeutische Institut“ in Arlesheim, den Vorläufer der heutigen "Klinik Arlesheim". Eine besondere Therapieform der Anthroposophischen Medizin, die „Rhythmische Massage nach Wegman/Hauschka“ geht auf sie und ihre Kollegin Dr. Margarete Hauschka zurück, ebenso die von beiden entwickelten Rhythmischen Einreibungen.  

Unter ihrer Führung entwickelte sich das "klinisch-therapeutische Institut" zu einer innovativen Klinik ganz neuen Formats. Sie holte zahlreiche Wissenschaftler nach Arlesheim, schuf ein internationales Netzwerk und gab eine erste medizinisch-therapeutische Zeitschrift heraus ("Natura"). Sie brachte den internationalen Vertrieb anthroposophischer Heilmittel in Gang, organisierte Ausbildungen und Fortbildungen und förderte alle anthroposophischen Therapien, von der Ernährung bis zur Heileurythmie. Besonders am Herzen lag ihr die Heilpädagogik. Sie etablierte Heime für seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche, die zur damaligen Zeit einem ganz neuen Betreuungs- und Förderungskonzept folgten. Vor allem kümmerte sie sich auch um Flüchtlinge und Flüchtlingskinder – im Vorfeld des zweiten Weltkriegs und währenddessen eine brennende Problematik, die Ita Wegman von der Schweiz aus steuerte. 

Von Anfang an ging es Ita Wegman und Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht um eine Gegnerschaft zu der in dieser Zeit aufstrebenden naturwissenschaftlichen Medizin. Der Anspruch beider war es vielmehr, den Menschen als seelisch-geistiges, sich ständig weiter entwickelndes Wesen anzusehen und die Medizin aus dieser Anschauung heraus zu erweitern. So gab Wegman nicht nur therapeutische Anregungen, sondern entwickelte auch Methoden, um neue Heilmittel zu finden.

Ihr lebenslanges Ringen galt besonders auch dem Bemühen, eine ärztliche Haltung zu entwickeln, die dem Menschen in seinen leiblichen, seelischen und geistigen Dimensionen gerecht wird. „Ich bin für Fortschreiten“, so hat Prof. Dr. Peter Selg, Gründer und Leiter des Ita Wegman Instituts für anthroposophische Grundlagenforschung, ein Buch über Ita Wegman mit einem Zitat von ihr selbst betitelt. Damit appelliert sie auch heute noch an die Auseinandersetzung mit der Frage, was „Fortschritt“ für eine zeitgemäße Medizin eigentlich sein könnte: eine ärztliche Sichtweise anzuregen und zu fördern, die den Menschen in seinem Entwicklungsbedürfnis unterstützt.

Mehr über Ita Wegman
Jetzt vormerken: In der kommenden Ausgabe von GESUNDHEIT AKTIV – DAS MAGAZIN mit dem Schwerpunktthema „Fortschritt“ wird es im Gedenken an Ita Wegman ein Interview mit Peter Selg vom Ita-Wegman-Institut in Arlesheim geben. Erscheinungstermin: 31. März 2016.