Kaiserschnitt - kurzer Schnitt, lange Folgen?

Kaiserschnitt - kurzer Schnitt, lange Folgen?

Langfristige Auswirkungen eines Kaiserschnitts  

Eine neue Studie hat die langfristigen Folgen und Komplikationen nach einem Kaiserschnitt untersucht. Sie wirft die Frage auf, ob der die Schnittentbindung bei diesen Kindern langfristig Nachteile hat, weil wesentliche Kriterien einer natürlichen Geburt ausbleiben. Dazu gehört auch der sogenannte "Geburtsstress", der beim Kind wichtige Immunreaktionen auslöst und durch die Wehen getriggert wird.

Eine vaginale Entbindung beeinflusst auch die Erstbesiedelung des Darmes mit wichtigen Bakterien, die durch den Kontakt mit den Keimen des Geburtskanals zustandekommt. Diese Darmflora wirkt sich unmitttelbar auf die Entwicklung des Immunsystems aus. Bleibt dieser Stimulus aufgrund eines Kaiserschnitts aus, könnte dies Allergien und Autoimmunerkrankungen begünstigen. So zeigen Forschungsergebnisse der Universität Aberdeen, dass Kinder nach einem Kaiserschnitt im späteren Leben tatsächlich häufiger wegen Asthma im Krankenhaus behandelt werden als vaginal entbundene Kinder (3,73 versus 3,41 Prozent). Es zeigte sich sogar eine leichte Zunahme an Todesfällen im Kindesalter (0,40 versus 0,32 Prozent).

Schon lange bekannt ist, dass die Narbe in der Gebärmutter bei späteren Schwangerschaften zu Komplikationen führen kann. Oft muss bei weiteren Geburten dann erneut ein Kaiserschnitt gemacht werden. 

Ein internationalenr Vergleich zeigt: In den meisten Ländern, die es sich finanziell leisten können, kommen deutlich mehr Kinder per Operation zur Welt als es eigentlich notwendig wäre. In den reicheren Ländern Westeuropas, in Nordamerika und in Australien liegt der Anteil bei etwa einem Drittel oder mehr. Europaweit variierte der Anteil von 15 Prozent in Island und 52 Prozent in Zypern. Auf dem afrikanischen Kontinent sind es lediglich 9 Prozent. In Brasilien tendiert die Rate dagegen stellenweise gegen 80 Prozent, vor allem in den Metropolen. 

Ein Kaiserschnitt kann zweifellos eine lebensrettende Maßnahme für Mutter und Kind sein. Heute dürften jedoch vor allem wirtschaftliche Anreize ein starker Antrieb für die zunehmende Rate an Schnittentbindungen sein. Sie bringen den Kliniken nämlich deutlich höhere Erlöse ein als natürliche Geburten, ganz abgesehen davon, dass eine solche Operation im Klinikbetrieb besser planbar ist. Geburten werden heute vor allem als Risiko wahrgenommen, viele Frauen haben deshalb Angst, dass etwas schiefgehen könnte. Hebammen warnen seit Jahren vor dieser Tendenz und kämpfen dafür, dass schwangere Frauen selbstbewusst auf ihren Körper hören und sich für möglichst wenig Interventionen entscheiden.

Quelle: 
"Planned Cesarean Delivery at Term and Adverse Outcomes in Childhood Health", JAMA, 1. Dezember 2015