e-Health: Geschäft mit Daten

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Das sollten Sie wissen

Für die einen ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen eine riesige Chance – für die anderen unsinnig oder gefürchtet. Vor allem Datenschützer warnen. Nun hat sich im vergangenen Monat die größte deutsche Krankenkasse, die Techniker Krankenkasse, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung klar als Anhänger der digitalen Speicherung positioniert und vorgeschlagen, Daten von Fitness-Armbändern oder -Apps in der elektronischen Patientenakte zu speichern. Damit könnte es in Zukunft leichter werden, Risikoprofile der Versicherten zu erstellen.

Obwohl diese Pläne noch Zukunftsmusik sind – Patienten sollten im Hinterkopf haben, dass ihre gesundheitsbezogenen Daten durchaus Begehrlichkeiten wecken. Schon jetzt spricht die TK davon, die Versicherten mit „coolen“ Produkten zu überzeugen. Es ist durchaus denkbar, dass Kassen ihren Versicherten zum Beispiel Boni für die digitale Speicherung von persönlichen Gesundheitsdaten anbieten. Unser Tipp: Machen Sie sich frühzeitig Gedanken und legen Sie für sich fest, wie Sie mit Ihren Gesundheitsdaten umgehen wollen.

Dass die Haltung der Menschen zur Sammlung und Analyse großer Datenmengen, die durch die Nutzung digitaler Dienste entstehen ("Big Data"), sehr unterschiedlich ist, zeigte kürzlich eine neue repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest. Rund 8.000 Menschen in acht europäischen Ländern wurden befragt, ob und unter welchen Voraussetzungen sie sich vorstellen können, Daten zu teilen und weiterzugeben. Im europäischen Vergleich wurden deutliche Unterschiede sichtbar – die Deutschen zeigten sich besonders kritisch.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es zwar eine Bereitschaft zur Datenweitergabe gibt, aber nur, solange es einen individuellen und/oder sozialen Mehrwert gibt, vor allem bei Gesundheitsanwendungen. Immerhin 51 Prozent sehen in Big Data eher Nachteile als Vorteile und nur 32 Prozent mehr Vorteile. Bei den kritischen Stimmen wurde vor allem mangelnde Transparenz, geringe Kontrolle über die Daten und eine unverständliche Sprache zum Beispiel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen genannt. Was die Weitergabe von Daten an Dritte – insbesondere zu kommerziellen Zwecken – angeht, ist das Votum noch eindeutiger: Die große Mehrheit lehnt eine solche Weitergabe ab.

Quellen:
Süddeutsche Zeitung, 8. Februar 2016
Pressemitteilung von TNS Infratest