Gefahr im OP-Saal?

OP-Barometer 2015: Mehr Risiken für Patienten

Viele Fachkräfte krank, organisatorische Hindernisse im Klinikalltag und hygienische Mängel: Das sind Umstände, die dazu führen, dass Patienten in deutschen OP-Sälen zunehmend gefährdet sind. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle „OP-Barometer“, das alle zwei Jahre von der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) als Befragung zur Arbeitssituation von Pflegekräften im Operations- und Anästhesie-Bereich erstellt wird.

Mehr als 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der OP- und Anästhesie-Pflege aus ganz Deutschland haben sich an der Umfrage beteiligt. Dabei gaben 47 Prozent der Befragten an, dass aus ihrer Sicht die Gefährdung von Patientinnen und Patienten in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat.  Nur rund 30 Prozent der Befragten attestieren, dass es ausreichend Personal gebe. Rund 61 Prozent bemängeln die vielen Krankmeldungen unter den Kollegen. Als besonders dramatisch fallen Ergebnisse zur Hygiene auf. Denn lediglich 60 Prozent der Befragten konnten bestätigen, dass die Hygienerichtlinien in ihren OP-Bereichen streng eingehalten werden: „Alle Krankenhäuser müssten inzwischen wissen, dass die Hygiene ein besonders sensibles Thema ist. Es scheint gerade in diesem Bereich in vielen OP-Sälen ein deutlicher Nachholbedarf zu bestehen“, so der Leiter der Studie.

Im Ergebnis zeigte sich, dass es große Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Häusern gibt. Den Patienten wird daher geraten, genau zu prüfen, in welchem Krankenhaus sie sich operieren lassen. Dazu Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV: „Die Empfehlung der Studienautoren, dass Patienten sich genau überlegen sollten, in welchem Krankenhaus sie operiert werden möchten, ist sicherlich gut gemeint. Nur: Wie sollen Patienten den Umgang mit Hygiene, Organisationsprobleme oder einen hohen Krankenstand ermitteln? Leider fehlen offene Daten dazu, ob und wie sich Krankenhäuser im Einzelnen verhalten. In diesem Bereich brauchen wir viel mehr Transparenz! In Großbritannien beispielsweise können Patienten für jede Station eines Krankenhauses genau erkennen, wie viele Krankenhausinfektionen es gegeben hat."

Quelle: Pressemitteilung der Frankfurt University of Applied Sciences zum OP-Barometer 2015