Pflege immer noch tabu

Pflege immer noch tabu

Jede zweite Familie redet nicht über Pflegebedürftigkeit

Auch wenn sich fast alle Deutschen wünschen, in den eigenen vier Wänden alt zu werden, sieht die Realität anders aus: Zunehmend mehr Menschen verbringen ihren Lebensabend in einer Pflegeeinrichtung. Trotzdem wird in 44 Prozent der deutschen Familien nicht offen über das Thema Pflege gesprochen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern, die kürzlich von der „Residenz-Gruppe Bremen“ vorgenommen wurde. Für die Studie wurden 1.000 Deutsche ab 18 Jahren sowie zusätzlich 200 Deutsche ab 45 Jahren befragt.

Die Gründe, warum Menschen im Alter nicht zuhause wohnen bleiben können, sind vielfältig: Viele Häuser und Wohnungen sind nicht altersgerecht gebaut; es ist niemand da, der die Pflege übernehmen kann; demenzielle Erkrankungen nehmen zu. Obwohl diese Gründe allseits bekannt sind, wird in vielen Familien nicht über eine mögliche Pflegebedürftigkeit gesprochen: „Pflege ist nach wie vor ein gesellschaftlich unbeliebtes Thema“, so die Autoren der Umfrage.

GESUNDHEIT AKTIV kommentiert: Auch wenn das Thema negativ besetzt sein mag – es gehört trotzdem in die Mitte der Gesellschaft! Wir alle werden älter. Viel wäre schon gewonnen, wenn man frühzeitig begänne, sich mit Fragen nach den jeweiligen Vorstellungen an das Thema heranzutasten – und nicht gleich drohend vom Pflegeheim zu sprechen. Dann zeigt sich auch, dass sich viele ältere Menschen durchaus Gedanken machen, wie sie in den kommenden Jahren leben möchten. Außerdem gibt es inzwischen auch Hilfsangebote, die informieren und beraten. Es lohnt sich, innerhalb der Familie über das Thema zu sprechen, solange es möglich ist und die Betroffenen selbstbestimmt entscheiden können. Mehr dazu erfahren Sie in unserer Broschüre „Zuhause pflegen – woran Sie vorher denken sollten“.

Quelle: 
Deutsche Gesundheitsnachrichten, 19. Februar 2016