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Medizinstudierende sollen Kommunikation trainieren

Von einem gelungenen Gespräch mit dem Arzt hängt es ab, wie gut ein Patient sich behandelt fühlt und ob er den ärztlichen Empfehlungen folgt. Solche Gespräche in der täglichen Praxis sind für den Therapieerfolg also extrem wichtig. Trotzdem wird richtiges Kommunizieren an den Medizinischen Fakultäten bisher – wenn überhaupt – viel zu theoretisch gelehrt. Gerade bei schwierigen Diagnosen wie z. B. Krebs oder einer anderen chronischen Erkrankung benötigen Ärzte aber nicht nur Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen, sondern auch kommunikative Kompetenz.

Nun soll ein erster Kommunikations-Lehrplan im Medizinstudium deutschlandweit die angehenden Ärzte umfassend auf diese Aufgaben vorbereiten. Das wurde Ende Februar 2016 bei einem Heidelberger Kommunikationssymposium von Medizinischen Fakultäten und Medizinischen Fachgesellschaften diskutiert wurde. „Der Stand der Ausbildung in ärztlicher Gesprächsführung ist an den medizinischen Fakultäten bisher sehr heterogen - was sich auch in den kommunikativen Kompetenzen der Ärzte in Deutschland widerspiegelt“, so Prof. Dr. Jana Jünger vom Universitätsklinikum Heidelberg. Im Rahmen des Symposiums wurde eine gemeinsame „Heidelberger Erklärung“ verabschiedet, um die kommunikativen Kompetenzen in der ärztlichen Ausbildung zu stärken. Der Kommunikations-Lehrplan sieht vom ersten Semester an ein ausführliches Gesprächstraining vor, das möglichst  Themen aller medizinischen Disziplinen betrifft. In Zukunft soll das Kommunikationstraining die angehenden Mediziner mit speziell geschulten Schauspielern und am Patientenbett während ihres gesamten Studiums begleiten.

GESUNDHEIT AKTIV begrüßt diese Entwicklung grundsätzlich, gibt aber zu bedenken: Wir fragen uns, ob es ausreicht, einige Pflichtveranstaltungen als Kommunikationstraining in das Medizinstudium zu integrieren. Denn nach wie vor ist unser gesamtes Gesundheitswesen nicht auf eine sprechende Medizin ausgerichtet. Finanziell belohnt wird vor allem der Arzt, der viele Interventionen ausführt – und nicht derjenige, der eine Stunde lang zugewandt und ausführlich mit dem Patienten über dessen Erkrankung spricht. Wenn wir wirklich einen qualitativen Dialog zwischen Arzt und Patient wollen, müssen wir auch systemisch an diesen Rahmenbedingungen ansetzen.

Quelle: Pressemitteilung Medizinische Fakultät Heidelberg Nr. 29 / 29.02.2016