WO BLEIBT DAS PATIENTENWOHL?

WO BLEIBT DAS PATIENTENWOHL?

Ethikrat fordert stärkere Berücksichtigung der Patienten

Viele Patientinnen und Patienten haben den Eindruck, dass die Medizin stark technikdominiert ist und ihre persönlichen Präferenzen in der medizinischen Versorgung keine Rolle spielen. Außerdem fällt es vielen schwer, sich zwischen der ambulanten und stationären Versorgung zurechtzufinden. Gerade hat wieder eine neue Umfrage (der Beratungsfirma "Prophet") gezeigt: 73 Prozent der Befragten meinen, dass Krankenhäuser sie als Patienten mit ihrer funktionalen Ausrichtung eher einschüchtern. Die Ärzte Zeitung kommentierte: „Als Mensch habe man das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben“.

Diese Entwicklung sieht auch der Deutsche Ethikrat mit Sorge. In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme legte er Empfehlungen für eine am Patientenwohl orientierte Ausgestaltung der Krankenhausversorgung vor. Im Mittelpunkt als maßgebliches ethisches Leitprinzip steht das Patientenwohl, das durch drei Kriterien bestimmt wird:

1. die selbstbestimmungsermöglichende Sorge für den Patienten
2. die gute Behandlungsqualität  
3. Zugangs- und Verteilungsgerechtigkeit.

Mit Blick auf diese drei Kriterien ergeben sich unterschiedliche Konfliktfelder. Diese betreffen vor allem die schwindenden Möglichkeiten einer angemessenen Kommunikation in der Beziehung zwischen Arzt und Patient, Pflegenden sowie Patient und Therapeut und Patient. Hinzu kommt die zunehmende Schwierigkeit für die im Krankenhaus Tätigen, ihre berufsethischen Pflichten umzusetzen. Auch haben es Menschen mit besonderen Bedürfnissen besonders schwer. Für sie kann – so der Ethikrat – nicht ein gleicher Zugang zu Krankenhausleistungen und damit eine gerechte Verteilung der Ressourcen gewährleistet werden.

GESUNDHEIT AKTIV begrüßt es grundsätzlich, dass sich der Ethikrat zu diesem Thema einbringt: „Es ist gut, dass nun auch Deutschlands oberstes Ethik-Gremium fordert, das Patientenwohl stärker zu berücksichtigen", kommentiert Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Das bleibt allerdings so lange ein reines Lippenbekenntnis, solange es keine Möglichkeit gibt, die von Patienten ganz real erlebte Qualität im Krankenhaus in transparente Qualitäts-Indikatoren einfließen zu lassen. An diesen Rahmenbedingungen müssen wir ansetzen – wie es zum Beispiel der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) und der Verband Anthroposophischer Kliniken im Sommer 2015 getan haben, indem sie diese Perspektive in die gesundheitspolitische Debatte eingebracht haben.

Quellen: Ärzte Zeitung, 25. April 2016; Pressemitteilung DAMiD vom 15. Oktober 2015