ZWISCHEN HIRNTOD UND LEBEN

ZWISCHEN HIRNTOD UND LEBEN

Tag der Organspende – mehr Transparenz gefordert

In Deutschland warten und hoffen rund 10.000 Menschen auf ein Organ oder Gewebe eines anderen Menschen, um weiterleben zu dürfen. Es gab jedoch immer weniger Menschen, die bereit waren, Organe oder Gewebe zu spenden. Anlässlich des Internationalen Tags der Organspende am 4. Juni fand in München eine zentrale Großveranstaltung statt, um bundesweit dafür zu werben, eine Entscheidung zu treffen und einen Organspendeausweis auszufüllen. Bei dieser und anderen Veranstaltungen wurde und wird immer wieder das Gebot der Nächstenliebe bemüht, um möglichst viele Menschen für eine Organspende zu gewinnen.

Nach einer Anfang Juni veröffentlichten BZgA-Umfrage haben 81 Prozent der Bundesbürger eine überwiegend positive Einstellung zu diesem Thema. Allerdings hat nur rund ein Drittel einen Organspendeausweis. Diese Differenz mag in der großen Verunsicherung liegen, die für viele Menschen mit dem Thema verknüpft ist. Denn die aktuellen Zahlen belegen auch, dass 20 Prozent der Bundesbürger Angst vor einer möglichen Organentnahme haben, rund 19 Prozent vertrauen dem Organspendesystem nicht. Bei den Organspenden hat sich die Situation auf niedrigem Niveau stabilisiert. Sollte das so bleiben, würde das heißen, dass alle Appelle, alle Reformen und Werbekampagnen der vergangenen Monate und Jahre die Stimmung nur wenig verändert haben.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Bundesregierung bereits Ende April 2016 damit befasst, ein bundesweites Transplantationsregister einzurichten, in dem alle Daten von der Organentnahme bis zur Nachbetreuung zentral gespeichert werden sollen. Mit diesem Gesetz, das derzeit diskutiert wird, soll auch das öffentliche Vertrauen in die Organspende wieder gestärkt werden, das nicht zuletzt wegen diverser Skandale mit manipulierten Wartelisten an einigen deutschen Kliniken erschüttert ist.  

Wer sich mit der Materie auseinandersetzt, ist schnell mit Fragen der Hirntod-Diagnostik und auch mit der eigenen Anschauung von Tod und Sterben konfrontiert. Was weniger bekannt ist: Viele Ärzte und nicht zuletzt einige Mitglieder des Deutschen Ethikrates halten es für unzulässig, den „Hirntod“ mit dem eigentlichen Tod des Menschen gleichzusetzen. Gerade weil es hier keine Eindeutigkeit gibt, muss jeder letztendlich für sich allein entscheiden – auf der Basis von ehrlichen und vollständigen Informationen. Deshalb hat sich GESUNDHEIT AKTIV – unter anderem mit der Kampagne „Wir wollen alles wissen“ – dafür stark gemacht, dass transparent und offen über die Organspende informiert wird. Nur so können sich Menschen konstruktiv mit dem Thema auseinandersetzen und in ihrer freien Entscheidungsfindung gestärkt werden.

Informationen über Organspende und Hirntod-Diagnostik finden Sie in unserer Kongress-Dokumentation "Organspende – Sie entscheiden!" (Broschüre und DVD, auch einzeln erhältlich). 

Unseren Informations-Flyer mit einem Organspendeausweis, in dem es statt „Tod“ sachlich richtig „vollständiges, irreversibles Hirnversagen“ heißt, können Sie online herunterladen oder zur Weiterverteilung kostenfrei bei GESUNDHEIT AKTIV bestellen. Schreiben Sie uns an: info@gesundheit-aktiv.de.

Buchtipp:
Buch: Die andere Seite der Organspende. Eine erweiterte Entscheidungsgrundlage. 226 Seiten, 2. Auflage 2016, Garte-Verlag

Quelle: Katholischer Nachrichtendienst, 1. Juni 2016 und 29. April 2016