Gesundheit ermöglichen

Kongress zeigt Perspektiven der Integrativen Medizin 

  Bild: DAMiD/Heike Schiller  Bild: DAMiD/Heike Schiller

Unter dem Motto „Gesundheit ermöglichen – gemeinsam“ endete am 11. Juni 2016 in Stuttgart der erste „International Congress for Integrative Health & Medicine“ mit mehr als 600 begeisterten Teilnehmern aus über 40 Ländern. Präsentiert wurden Konzepte, wie die Integrative Medizin im ambulanten und stationären Bereich erfolgreich in die Patientenversorgung integriert werden kann, ebenso Forschungsergebnisse aus verschiedenen Bereichen, etwa Onkologie oder Kardiologie.

“Die moderne Medizin steht international vor großen Herausforderungen“, erklärte Dr. Mimi Guarneri, San Diego (USA), vom Leitungskomitee der Tagung. Zahlreiche Präsentationen auf dem Stuttgarter Kongress konnten belegen, dass die Integrative Medizin dazu beitragen kann, globale medizinische Herausforderungen zu lösen, zum Beispiel die Zunahme von chronischen Krankheiten oder das Problem der Antibiotika-Resistenzen. Erfolgreiche Modelle aus den Bereichen Kardiologie, Onkologie, Pädiatrie, Schmerztherapie und seelische Gesundheit sollten nach Auffassung der Experten stärker genutzt werden. Die Integrative Medizin, so die einhellige Meinung, sei die Medizin der Zukunft.

Sichtbar wurde an den drei Kongresstagen vor allem, dass die Integrative Medizin inzwischen im medizinischen Alltag angekommen ist: „Die Integrative Medizin ist längst Realität. Wir sind nicht mehr 'die anderen' – integrative Ansätze sind inzwischen Alltag in der modernen Medizin“, sagte Dr. Thomas Breitkreuz vom Organisations-Komitee. „Heute haben rund 60 Prozent der Allgemeinmediziner in Deutschland eine Zusatzbezeichnung wie Akupunktur, Homöopathie oder Anthroposophische Medizin.“ Die Nachfrage der Patienten sei unverändert hoch und oft größer als das tatsächliche Angebot: „Alle Umfragen zeigen, dass die Patienten längst mit den Füßen abstimmen und immer selbstbewusster eine Medizin einfordern, die integrativ ansetzt und auch soziale und seelisch-geistige Elemente mit einbezieht.“

Der Kongress verstand sich auch als Einladung zum (internationalen) Dialog zwischen konventioneller und komplementärer Medizin. Denn noch immer gebe es seitens der Schulmedizin viele Vorbehalte. „Ein Kongress wie dieser hilft, mögliche Vorbehalte abzubauen – wir wollen gemeinsam lernen und uns gemeinsam weiterentwickeln“, sagte Prof. Dr. David Martin (Universität Tübingen). Als konkretes Beispiel nannte der Pädiater den Umgang mit Fieber. Es sei heute auch in der konventionellen Medizin nicht mehr Usus, Fieber sofort zu senken. Bei einem Kongress wie diesem könne gezeigt werden, welche vielfältigen Möglichkeiten die Integrative Medizin bereithält. Und sein Kollege, der Neonatologe und Leiter des ARCIM-Institutes am Gemeinschaftskrankenhaus Die Filderklinik, Dr. Jan Vagedes, ergänzte: „Kürzlich haben wir Kollegen aus der konventionellen stationären Neu- und Frühgeborenen-Medizin gezeigt, dass wir in diesem hoch-technisierten Umfeld Musiktherapie einsetzen. Zuerst war die Verwunderung und Skepsis groß – als die Ärzte aber gesehen und gehört haben, wie heilsam diese zarten Klänge inmitten der ganzen Technik auf die Früh- und Neugeborenen wirken, waren sie begeistert."

Am Ende des Kongresses verabschiedeten Veranstalter und Teilnehmer eine gemeinsame Resolution, in der die Regierungen aller Länder dazu aufgefordert werden, die Integrative Medizin als hilfreichen Ansatz anzuerkennen, um die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu erreichen. Die komplementäre Medizin müsse entsprechend der Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die nationalen Gesundheitssysteme integriert werden.

Quelle: Pressemitteilung DAMiD, 11. Juni 2016