GESUNDHEIT ERMÖGLICHEN

GESUNDHEIT ERMÖGLICHEN

Perspektivwechsel in der Medizin gefordert

ICIHM Nachrichten DSC 9560Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit bedeutet, dass Menschen aktiv für ihr eigenes Wohlbefinden eintreten können. Damit das gelingen kann, braucht es eine Medizin, die nicht nur auf Symptomkontrolle setzt, sondern sich vielmehr der Frage widmet, was nötig ist, um Gesundheit langfristig zu ermöglichen. Dabei müssen die sozialen, kulturellen und umweltbedingten Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben, unbedingt mit einbezogen werden. Es geht also um einen anderen Blick auf Medizin und Gesundheit!

In den USA wird dieser Trend in der Medizin inzwischen breit diskutiert – vor allem im Rahmen der Integrativen Medizin, die dort meist „Integrative Health and Medicine“ genannt wird. Das ist nicht nur eine formale Frage, sondern deutet einen echten Perspektivwechsel an.

In der globalen Gesundheitsdebatte wird heute intensiv darüber geredet, in welchem Kontext Gesundheit überhaupt entstehen kann. Denn inzwischen ist klar, dass die dramatische Zunahme von chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck und Allergien in vielen Ländern vor allem mit dem Lebensstil zu tun hat – und damit natürlich mit den Rahmenbedingungen, in denen die Menschen leben. Deshalb können die gesundheitlichen Probleme nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen im Zusammenspiel von Ernährung, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gesehen werden. Das setzt einen Perspektivwechsel voraus: „Wir müssen anders denken!“, formulierte es Jamie Harvie, Geschäftsführer des Institute for a Sustainable Future (ISF) in Duluth, USA (Foto links) beim Kongress für Integrative Medizin im Juni 2016 in Stuttgart.

Am Beispiel der Antibiotika-Resistenzen machte Harvie deutlich, dass wir stärker verknüpft denken und handeln müssen: „Antibiotika-Resistenzen sind ja nicht nur durch den inflationären Einsatz in der Humanmedizin entstanden, sondern auch durch den Einsatz in der industriellen Tierhaltung, die wiederum viel mit unserem Konzept von Landwirtschaft zu tun hat“. Gesundheit sei von den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung bzw. den Formen des Zusammenlebens nicht zu trennen. Inzwischen werde in der Medizin immer deutlicher, dass auch soziale und gesellschaftliche Entwicklungen für die Gesundheit eine immens große Rolle spielen: „Mittlerweile haben wir gute und valide Daten, die aufzeigen, dass Menschen zum Beispiel durch Ängste, Einsamkeit, soziale Isolation oder Belastungen im Job krank werden“, sagte Harvie. 

GESUNDHEIT AKTIV sieht diese erweiterte Perspektive sehr positiv: „Es ist gut, dass wir endlich anfangen, das Konzept der Salutogenese – also die Frage ‚Was macht mich im Verbund mit anderen und mit der Welt gesund?‘ – international und regional breiter ins Gespräch bringen“, sagt Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Dabei geht es natürlich auch darum, die Patienten in ihren jeweiligen Bezügen so zu stärken, dass sie Gesundheit (und den Umgang mit Krankheiten) aktiv mit gestalten können. Diese Aufgabe ist eines der wichtigsten Anliegen von GESUNDHEIT AKTIV."