VOLKSSPORT „IGeLN“?

VOLKSSPORT „IGeLN“?

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) umstritten

Rund eine Milliarde Euro im Jahr setzen Ärzte mit „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL) um. Damit sind ärztliche, zahnärztliche und psychotherapeutische Leistungen gemeint, die Patienten grundsätzlich selbst bezahlen müssen, weil sie nicht zum festgeschriebenen Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Das Angebot ist breit gefächert und erweitert sich ständig. Eine vollständige Liste dieser Leistungen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Besonders häufig werden IGeL von Frauen- und Augenärzten sowie von Hautärzten, Orthopäden und Urologen angeboten, im wesentlichen handelt es sich dabei um Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen. Ob diese sinnvoll sind, wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

So auch wieder im Juli 2016, als der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den neuen „IGeL-Monitor“ als Übersicht über die Selbstzahlerleistungen vorstellte. Für die Krankenkassen ist der Fall klar – die meisten der IGeL-Angebote bringen ihrer Meinung nach keinen nachweisbaren Nutzen, manche können sogar schaden. Die Patienten, so argumentieren die Kassen, werden von den Ärzten nicht umfassend aufgeklärt und stattdessen zu einzelnen Maßnahmen gedrängt. Die Ärzte dagegen verteidigten ihre Angebote und weisen die Kritik als „Generalverdacht“ zurück. Dazwischen steht der Patient.

Einerseits ist der IGeL-Markt inzwischen ein milliardenschweres, lukratives Geschäft für Ärzte geworden – andererseits verfolgen die Krankenkassen mit ihrer Kritik an den Leistungen durchaus eigene Interessen. Wenn diese zusätzlichen Leistungen nämlich als medizinisch sinnvoll gelten, müssten sie eigentlich zum festgeschriebenen Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören.

GESUNDHEIT AKTIV rät allen Patienten, sich vorab zu informieren und das offene Gespräch mit dem Arzt zu suchen: „Heute wollen Patienten – zu Recht – über ihre Therapie zunehmend mit entscheiden", sagt Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand des Vereins. „Daher sollten Patienten sich vorher gut zu informieren, um eine aktive Rolle bei der eigenen Genesung oder Prävention übernehmen zu können. Als Vertretung von Bürger- und Patienteninteressen setzen wir uns dafür ein, Menschen dabei zu unterstützen, im Gespräch mit dem Arzt eine selbstbestimmte Entscheidung fällen zu können.“