DEN PATIENTEN EINE STIMME GEBEN

Gesundheitspolitik will Patienten stärker einbinden

Im internationalen Vergleich schneidet die medizinische Versorgung in Deutschland sehr gut ab. Trotzdem werden die Wünsche und Präferenzen der Patienten (noch) längst nicht selbstverständlich berücksichtigt, wenn es darum geht, zu definieren, was eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung konkret bedeutet. Bislang werden diese Entscheidungen ausschließlich von den Leistungserbringern bzw. den beteiligten Berufsgruppen gefällt. Ein Unding, wenn man bedenkt, dass es ja die Patienten sind, die im Mittelpunkt des Geschehens stehen (sollten). Bisher fehlen jedoch schlüssige Konzepte, so dass die subjektive Perspektive der Patienten kaum in der umfassenden Bewertung von Qualität und Wirksamkeit berücksichtigt wird.

Seit einiger Zeit wird nun aber auch von der Gesundheitspolitik konstruktiv darüber diskutiert, wie stärker berücksichtigt werden kann, was Patienten präferieren. So hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Entscheidungsgremium in der Selbstverwaltung, Anfang Januar 2015 das neue „Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“ (IQTiG) gegründet. Das Ziel ist, Instrumente zur externen Qualitätssicherung und zur leicht verständlichen Darstellung der Ergebnisse zu entwickeln. Geplant ist auch, dass das Institut eine Website aufbaut, die es den Patienten ermöglicht, Krankenhäuser hinsichtlich ihrer Qualität miteinander zu vergleichen.

Auch die Patienten selbst will das IQTiG stärker anhören. Das Institut hatte im April 2016 vom G-BA den Auftrag erhalten, erstmals eine Patientenbefragung für das sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ (PCI) zu entwickeln. Das betrifft Untersuchungen und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen, wenn ein Herzinfarkt droht oder akut abgewendet werden soll. Im Zuge dessen sollen erstmals detaillierte Fakten abgefragt werden, zum Beispiel ob bestimmte Behandlungsergebnisse eingetreten sind. Bis Mitte 2018 soll das IQTiG einen standardisierten Fragebogen vorlegen. Außerdem ist eine zentrale Anlaufstelle geplant, um den Belangen von Patientinnen und Patienten mehr Gehör zu verschaffen.

Dr. Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV begrüßt die Pläne, warnt aber vor zu viel Euphorie: „Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die subjektiv erlebte Wirklichkeit des Patienten wirklich abzubilden. Hier haben sich vor allem qualitative Erhebungen bewährt, die dialogisch ansetzen und so die eigentlichen Präferenzen und Bedürfnisse darstellen. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis genau diese Dimension noch sehr viel stärker berücksichtigt wird.“