ZUKUNFT PRÄVENTION

Neue Strategien bei chronischen Krankheiten

Stefan Schmidt TroschkePrävention und Gesundheitsförderung müssen noch stärker im Alltag der Bürger ankommen. Denn Vorsorge kann entscheidend dazu beitragen, dass bei Millionen Menschen chronische Volksleiden wie Herz-Kreislauf-Probleme und Diabetes Typ 2 einen schwächeren Verlauf nehmen. Bestenfalls treten sie erst gar nicht ein. Dieses Fazit haben rund 300 Fachleute aus Politik und Gesundheitswesen auf dem Kongress „Zukunft Prävention – Neue Strategien zur Prävention chronischer Erkrankungen“ Ende November 2016 in Berlin gezogen. Einig war man sich auch, dass Prävention und Gesundheitsförderung nur dann erfolgreich sein können, wenn sie bereits in den Lebenswelten der Menschen, also in Schule, Kita und Betrieb, ansetzen. Durchgeführt wurde die Tagung als gemeinsame Veranstaltung vom Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD), dem Kneipp-Bund e. V. und der BARMER GEK.

„Wir müssen die Umsetzung in der Praxis weiter stärken. Dazu gehört vor allem Aufklärungsarbeit, Fachwissen und Infor­ma­tionsweitergabe – unser Kongress soll ein weiterer Schritt in diese Richtung sein“, so Marion Caspers-Merk, Präsidentin des Kneipp-Bundes und ehemalige Staatssekretärin im Gesundheitsministerium im Vorfeld der Tagung. Für den Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) liegt in der stärkeren Berücksichtigung der Prävention die große Chance, die Patientinnen und Patienten stärker einzubinden: „Die Prävention vieler chronischer Krankheiten ist nur möglich innerhalb der Lebens-, Bildungs- und Arbeitswelten. Einfache Lösungen greifen zu kurz und verschlingen Ressourcen, die an anderen Stellen dringend gebraucht werden. Wenn wir wirklich vorankommen wollen in der Prävention, müssen wir Menschen aktiver herausfordern, die Gesundheit durch die Art und Weise zu fördern, wie wir unseren Alltag gestalten: für unsere Kinder, mit den Beschäftigten in den Betrieben. Da muss Sinn entstehen für das Gemeinsame und Sinn für das, worum es in der konkreten Tätigkeit jeweils geht. Dann können die Betroffenen zu Beteiligten werden“, so Stefan Schmidt-Troschke, Vorstand des DAMiD und Geschäftsführer von GESUNDHEIT AKTIV e. V. (Foto oben). 

Wie das konkret gelingen kann, schilderte zum Beispiel Dr. Dörte Hilgard, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, die am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke ein Konzept für chronisch kranke Kinder und Jugendliche entwickelt hat. Dort lernen die Kinder, mit ihrer Krankheit zu leben und sie im Alltag selbstverständlich zu integrieren. Das Konzept setzt konkret an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen in Familie, Kita und Schule an und schult sie regelmäßig unter realen Alltagsbedingungen. Erste Auswertungen zeigen eine positive und nachhaltige Wirksamkeit. Deshalb soll das Angebot weiter ausgebaut werden.

Neben konkreten Ansätzen und Modellen diskutierten die Teilnehmer auch über die politischen Rahmenbedingungen. In einem Streitgespräch zwischen einer Vertreterin der Zuckerindustrie und einem Sprecher von Foodwatch wurde über die Frage debattiert, wie viel Staat es braucht, um sinnvolle Präventionsarbeit leisten zu können. Während die Vertreterin der Zuckerindustrie an die individuelle Verantwortung der Konsumenten appellierte, betonte der Foodwatch-Vertreter, dass Deutschland dringend zentrale Regeln (Zuckersteuer, Lebensmittel-Ampel) erarbeiten müsse, um das Problem des zunehmenden Übergewichts in den Griff zu bekommen.

Quelle: „Alles auf Zucker? Neue Strategien für die Prävention“, Pressemitteilung vom 23. November 2016, Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland