EINE FRAGE DES VERTRAUENS

EINE FRAGE DES VERTRAUENS

Zahl der Organspenden niedriger denn je

857 Menschen haben im Jahr 2016 nach ihrem Tod 2.867 Organe gespendet, 2014 waren es 2.901. Diese aktuellen Zahlen bestätigen den Trend zur Zurückhaltung bei der Spendenbereitschaft. Diese hängt nicht nur, aber auch mit den Skandalen rund um die Organvergabepraxis in den vergangenen Jahren zusammen, die das Vertrauen der Bevölkerung nachhaltig erschüttert haben. Ärzte hatten die Akten ihrer Patienten manipuliert – nicht nur im Interesse des Schwerstkranken, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen, da eine Transplantation von den Krankenkassen mit hohen Summen finanziert wird.

Dazu kommt, dass Experten zunehmend kritisch über den Hirntod als Todeskriterium diskutieren. Der Hirntod wurde 1968 von der Harvard Medical School allein aufgrund neurologischer Befunde als Todeszeitpunkt definiert, um die Transplantationsmedizin nicht zu blockieren. Denn Organe durften nur Toten entnommen werden, nicht Lebenden („dead-donor-rule“). Sie müssen aber, damit sie überhaupt verpflanzt werden konnten, möglichst lange „lebendig“ bleiben, so dass der Hirntod, der irreversible Funktionsverlust des Gehirns, als Todeskriterium festgelegt wurde. Seit 2010 wird jedoch mehr und mehr in Frage gestellt, ob es sich bei hirntoten Patienten tatsächlich um Verstorbene oder eher um Sterbende handelt. So stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie tot ist ein Hirntoter?

GESUNDHEIT AKTIV beschäftigt sich schon seit vielen Jahren immer wieder auf Kongressen rund um das Thema „Ethik des Sterbens – Würde des Lebens“ mit diesen Fragen, zum Beispiel 2014 bei unserem Kongress: "Organspende – Sie entscheiden". Die Dokumentation dazu sowie eine Broschüre zum Thema finden Sie in unserem Shop

In dieser Tradition wurde auch unsere (inzwischen abgeschlossene) Kampagne „WIR WOLLEN ALLES WISSEN“ entwickelt. Dabei haben wir mehr Offenheit und Transparenz rund um die Organspende gefordert, da die Informationsmaterialien, die es heute von offizieller Seite zur Organspende gibt, nur sehr unzureichend aufklären – wenn überhaupt. Viele wichtige Fragen werden verschwiegen. Zum Beispiel: Wie wird der Hirntod festgestellt? Was passiert bei der Organentnahme? Dürfen Angehörigen den Spender bis zum letzten Atemzug begleiten?

„Die aktuellen Zahlen machen deutlich, dass das Vertrauen in die Transplantationsmedizin nach wie vor fehlt", sagt Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Viele Menschen merken deutlich, dass sie nicht wirklich umfassend aufgeklärt werden und halten sich deshalb mit ihrer Entscheidung zurück, obwohl sie Organspenden grundsätzlich befürworten. Erst wenn die ‚offizielle‘ Informationspolitik zur Organspende nicht mehr manipulativ ansetzt und wirklich offen darüber diskutiert wird, was am Lebensende mit dem Patienten, seinen Organen und auch den Angehörigen geschieht, wird sich daran etwas ändern. Unsere Gesellschaft muss sich zutrauen, solche wichtigen ethischen Fragen wirklich ergebnisoffen zu diskutieren.“

GESUNDHEIT AKTIV meint: Die Zustimmung zur Organspende darf nicht durch tendenziöse Informationen „erschlichen“ werden! Wir brauchen eine Wende hin zu einer offenen und ehrlichen Aufklärung. Deshalb haben wir unter anderem einen „alternativen“ Organspendeausweis entwickelt, der statt des Begriffes „Hirntod“ die Formulierung „vollständiges, irreversibles Hirnversagen“ nutzt.