WENIGER IST MEHR!

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„Klug entscheiden“ gegen Überversorgung in der Medizin

„Choosing Wisely“ – „klug entscheiden“ – ist eine 2011 in den USA gestartete Ärzte-Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, unnötige medizinische Leistungen zu reduzieren und einen Kulturwandel mit der Kernbotschaft anzustoßen: In der medizinischen Versorgung ist weniger manchmal mehr!

Inzwischen ist die Initiative auch in Europa angekommen, denn auch hierzulande wird zu viel operiert, zu viel Technik aufgeboten und werden zu viele Arzneimittel, wie beispielsweise Antibiotika, verschrieben. Viele Ärzte sind mittlerweile für das Problem sensibilisiert, so dass Choosing Wisely erste Erfolge verzeichnen kann: Seit einigen Monaten erarbeiten verschiedene deutsche ärztliche Fachgesellschaften „Top-5-Listen“ von jeweils fünf Maßnahmen, die für die Patienten kaum Vorteile bringen oder ihnen eventuell sogar schaden könnten.

Im Februar 2017 hat die Bertelsmann Stiftung in der Publikation „Spotlight Gesundheit“ (2/2017) untersucht, was die Initiative Choosing Wisely im internationalen Kontext ausmacht und was sich daraus für das deutsche Gesundheitswesen ableiten lässt: "Wie in jedem anderen Land ist es auch in Deutschland wichtig, Choosing Wisely als Bottom-up-Initiative und als Kampagne zu gestalten und die Botschaft kurz zu halten." Dabei wird vor allem auch die Rolle der Patienten betont: Es gehe um den Dialog zwischen ÄrztInnen und PatientInnen. Sie sollen besser miteinander ins Gespräch kommen, damit sie Entscheidungen wirklich gemeinsam treffen können.

Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV weist darauf hin, dass die Initiative großes Potenzial hat: „Natürlich sollte keine medizinische Maßnahme unternommen werden, die dem Patienten wenig bringt oder sogar schadet. Eigentlich geht es aber um noch mehr: nämlich um eine Medizin, die jeden Menschen als Individuum mit eigenen Erfahrungen, Bedürfnissen und Präferenzen anerkennt. Die Initiative Choosing Wisely kann den Ärzten sinnvolle Tools an die Hand gegeben, um die vorhandenen medizinischen Maßnahmen individueller am Patienten auszurichten.“

Quelle:
„Choosing Wisely – Internationale Ärzteinitiativen gegen Überversorgung zeigen erste Erfolge“, Spotlight Gesundheit, Bertelsmann Stiftung
Weitere Informationen auch in einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt.