TEURE BITTERE PILLE

Neue Krebsmedikamente oft nutzlos

Im Oktober 2017 wurde eine Studie veröffentlicht, die zu dem Schluss kommt, dass rund die Hälfte der neu zugelassenen Krebsmedikamente für die Patienten keinen relevanten zusätzlichen Nutzen zeigt. Erstmals wurden systematisch alle Zulassungen ausgewertet, die die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zwischen 2009 und 2013 für Krebstherapien erteilt hat. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass nur gut die Hälfte der zugelassenen Mittel lebensverlängernd wirkte oder zumindest die Lebensqualität verbesserte.

"Das ist eine erschreckende Zahl", kommentierte Prof. Wolf-Dieter Ludwig, Krebsmediziner und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in der „Tagesschau“ vom 30. November 2017. Jetzt seien die Zulassungsbehörde und auch die Bundesregierung gefragt, damit Patienten nicht "wie im Blindflug" behandelt werden müssten.

Milliardenschwerer Markt
Dass es in der Krebsmedizin um viel Geld geht, zeigen die stetig steigenden Arzneimittelkosten. Heute bezahlen die Kassen für neue Krebstherapien bis zu 100.000 Euro pro Jahr und Patient. Die EMA geht seit einigen Jahren verstärkt dazu über, Medikamente gegen Krebs schneller auf den Markt zu bringen. Viele Experten halten eine solche beschleunigte Zulassung nur selten für gerechtfertigt, da eine vorübergehende Besserung noch nichts über die Lebensqualität oder ein längeres Überleben aussagt. Sie raten, dass neue Arzneimittel in länger angelegten Studien zeigen sollten, dass sie dem bisherigen Standard überlegen sind. Das Bundesgesundheitsministerium dagegen hält die gesetzlichen Bestimmungen für ausreichend.

Patienten besser informieren
„Die Ergebnisse der Studie sind erschreckend. Pharmakonzerne verdienen massiv an neuen Krebsmedikamenten“ kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführer von GESUNDHEIT AKTIV, die aktuellen Zahlen. „Die Patienten werden über die Fakten im Unklaren gelassen. Wenn man bedenkt, was man mit dem Geld machen könnte, das die Krankenkassen – und damit wir alle! – für die Arzneimitteltherapie aufbringen, zum Beispiel in der Pflege auf onkologischen Stationen oder in der Palliativmedizin! Wir von GESUNDHEIT AKTIV setzen uns dafür ein, Patienten so aufzuklären, dass sie selbstbestimmt entscheiden können, welche Art der Therapie sie haben möchten.“

Quelle:
“Neue Krebsmedikamente – teuer und oft nutzlos“, Tagesschau online, 30. November 2017

Original-Studie: „Availability of evidence of benefits on overall survival and quality of life of cancer drugs approved by European Medicines Agency: retrospective cohort study of drug approvals 2009-13“, BMJ2017; 359doi (Published 04 October 2017)