Antibiotikum: Andere Wege gehen

Integrative Medizin reduziert Antibiotika

Trotz aller Warnungen und Mahnungen: Der weltweite Einsatz von Antibiotika ist in den letzten Jahren stark angestiegen – laut einer aktuellen Hochrechnung in den vergangenen 15 Jahren um rund 65 Prozent. Der Gesamtkonsum stieg demnach von 21,1 Milliarden definierten Tagesdosen (DDD) im Jahr 2000 auf 34,8 Milliarden 15 Jahre später. Besonders in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern sei die Zunahme "dramatisch", berichteten US-Wissenschaftler vom Forschungszentrum CDDEP (Center for Disease Dynamics, Economics & Policy) kürzlich.

Auch in Deutschland zeigt sich keine echte Umkehr. Zwar gehen die Verschreibungsraten für einige Krankheitsbilder leicht nach unten. Aber die Gesamttendenz bleibt düster. Im März 2018 wurden neue Ergebnisse einer Forsa-Umfrage bekanntgegeben, der zufolge viele Patienten meinen, nur ein Antibiotikum helfe „richtig“. Besonders problematisch: Diese Einschätzung ist sogar eher bei den jüngeren als bei den älteren Erwachsenen verbreitet.

Vorreiter Integrative Medizin

Dass es auch anders geht, zeigt die Integrative Medizin. Nun liegt eine neue Studie vor, die ermittelt hat, dass in Arztpraxen, die einen integrativ-medizinischen Ansatz verfolgen, weniger Antibiotika verschrieben werden, als es in vergleichbaren konventionellen Praxen der Fall ist. Die Studie konnte zeigen, dass vor allem die Behandlung von oberen Atemwegsinfekten durch integrative Praxen mit naturheilkundlichem oder anthroposophisch-medizinischen Schwerpunkt mit deutlich weniger Antibiotika auskommt.

Für die Studie wurden die Daten von neun Allgemeinärzten in Großbritannien mit einer Gruppe von 7.282 Allgemeinpraxen des National Health Service in England verglichen. Um mögliche Verzerrungen weitgehend auszuschließen, wurde auch untersucht, ob die versorgte Bevölkerung jeweils eine ähnliche Struktur aufweist. Die Autoren empfehlen, die Forschung auszubauen, um zum Beispiel auch den jeweiligen sozialen Hintergrund der Patienten miteinzubeziehen.

Weiter forschen

„Die Ergebnisse der Studie sind sehr vielversprechend und machen Mut, weiter zu forschen. In der Praxis zeigt die Integrative Medizin seit Langem, dass man durchaus mit deutlich weniger Antibiotika auskommt“, kommentiert Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. „Nun geht es darum, auch schwarz auf weiß in gut gemachten Studien zu belegen, dass die Integrative Medizin viel dazu beitragen kann, eines der großen Probleme der heutigen Medizin – die Zunahme der Antibiotika-Resistenzen – in den Griff zu bekommen“.

Termintipp „Reducing Antibiotics“!

Die Integrative Medizin setzt sich auch auf europäischer Ebene dafür ein, den Einsatz an Antibiotika zu senken: Unter der Überschrift „Reducing the need for antibiotics – the contribution of CAM treatments strategies“ veranstaltet EUROCAM in Brüssel am 6. Juni 2018 eine Konferenz, um verschiedene Strategien zur Verringerung des Einsatzes von Antibiotika zu diskutieren. Vorgestellt werden aktuelle Projekt- und Studienergebnisse, außerdem werden nächste Schritte sowie eine Vision für die kommenden fünf Jahre besprochen. Weitere Infos zur Konferenz am 6. Juni 2018.

Quelle 

  • Original-Studie: „Do NHS GP surgeries employing GPs additionally trained in integrative or complementary medicine have lower antibiotic prescribing rates? Retrospective cross-sectional analysis of national primary care prescribing data in England in 2016, BMJ Open 2018; 8:e020488
  • „Die Welt lechzt nach Antibiotika“, Ärzte Zeitung, 26. März 2018

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