Bio-Unterricht mitten im Leben

Schüler diskutieren über vorgeburtliche Diagnostik

Einfach nur guter Hoffnung sein? Das war einmal. Heute ist eine Schwangerschaft von zahlreichen Untersuchungen und Tests geprägt, um vor der Geburt mögliche Krankheiten oder Fehlbildungen des ungeborenen Kindes zu erkennen. Zusätzlich werden heute immer öfter spezielle Verfahren der Pränataldiagnostik (PND) eingesetzt. Was bedeutet das für uns als werdende Eltern? Wie viele Untersuchungen brauchen wir? Was machen wir, wenn wir einen „auffälligen Befund" bekommen? Die Schwangerschaft abbrechen? Wo ziehen wir die Grenze?

Glücklicherweise kommen 97 Prozent aller Babys in Deutschland „normal gesund“ auf die Welt. Aber was ist mit den 3 Prozent der Eltern, die noch während der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind nicht gesund sein oder nicht lange (über-)leben wird. Wie gehen sie mit der Situation, ihren Ängsten und Nöten um?

Ins Gespräch kommen

Da die heutigen Schüler die Eltern von morgen sind, wollten wir mit ihnen zu diesen Fragen ins Gespräch kommen. Dafür hat GESUNDHEIT AKTIV gemeinsam mit der Autorin Kathrin Fezer Schadt und Kerstin Hacker vom „Projekt Dr. Ulla Franken“ der Stiftung Bewusstseinswissenschaften im Herbst 2017 das Projekt „Pränataldiagnostik“ gestartet. Wir haben Schülerinnen und Schüler eingeladen, selber zu entdecken, welche Erfahrungen Eltern und Betroffene gemacht haben. In persönlichen Gesprächen und Interviews mit Eltern, Hebammen und Ärzten haben die jungen Erwachsenen erlebt, was es bedeutet, mit Hoffnungen, Ängsten und Sorgen in der Schwangerschaft konfrontiert zu sein.

Mitte März 2018 wurden die bisherigen Ergebnisse in Berlin präsentiert. Mitgemacht haben Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der Johannes-Schule-Berlin (Freie Waldorfschule in Schöneberg) und der Annemarie-Lindner-Schule in Nagold. Was dabei herausgekommen ist, wird momentan in einem Filmprojekt – begleitet von der Berliner Filmemacherin Dörte Grimm – zusammengefasst. Ziel ist, diesen Film an weiteren Schulen zu zeigen, um das Thema stärker in den Bio- oder Ethikunterricht zu integrieren.

Ängste nehmen

„Heute hat eine Schwangerschaft viel mit Angst zu tun: Was kann alles schiefgehen? Wird das Kind gesund sein? Leider schürt auch die Medizin diese Ängste mit ständig neuen Tests. Im Ergebnis gibt es heute mehr Vorsorgeuntersuchungen als je zuvor – und trotzdem nehmen die Ängste zu“, kritisiert Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV. „Unser Projekt sollte deshalb eine Antwort auf die Angst sein! Wir freuen uns sehr, dass sich die Schüler so unerschrocken an das Thema gewagt haben. Sie haben eindrucksvoll gezeigt, dass Lernen eben nicht nur im Klassenzimmer stattfindet – sondern hier und jetzt, draußen in der Welt, in der Auseinandersetzung mit konkreten Problemen und Erfahrungen von echten Menschen.“

Mehr erfahren?
Weitere Infos zum Schulprojekt „Aufklärung Pränataldiagnostik“: www.schulprojekt-aufklärung-pnd.de

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