Glücklicher sterben

Welche Medizin wollen wir am Lebensende?

In einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands aus dem Jahr 2012 sagten 66 Prozent der befragten Bundesbürger, sie würden gerne zu Hause sterben, 18 Prozent bevorzugten eine spezialisierte Sterbebetreuung, nur drei Prozent ein Krankenhaus und ein Prozent ein Pflegeheim.

Und in der Realität? Erstaunlicherweise gibt es keine bundesweite und kontinuierliche Auswertung, wo Menschen in Deutschland tatsächlich sterben. Warum nicht? Nur Krankenhaustodesfälle sind systematisch dokumentiert. Experten fordern schon länger, dass eine gute Palliativmedizin und -pflege für Schwerstkranke und Sterbende normaler Bestandteil der gesamten Versorgung – also über die Sektorengrenzen hinweg – sein müsse.

Gute Medizin am Lebensende

Beim Deutschen Krebskongress wurde im Februar 2018 diskutiert, was eine gute Palliativmedizin ausmacht. Zum Beispiel sollten in der letzten Lebenswoche alle Maßnahmen unterbleiben, die nicht der Symptomkontrolle und der Lebensqualität dienen. Gefordert wurde auch, dass die Indikation für bestimmte Maßnahmen gerade in der letzten Lebensphase besonders kritisch überprüft werden müsse, schrieb die Ärzte Zeitung am 22. Februar 2018.

Aber nicht nur Überversorgung am Lebensende ist ein Problem, sondern auch der Umgang mit Bedürfnissen und Wünschen der Patienten, die oft zu wenig einbezogen werden. „Dafür braucht es neben einem symptomorientierten auch in dieser Situation einen salutogenetischen Ansatz, der nach den individuellen Ressourcen des Patienten fragt“, fordert Dr. med. Matthias Girke, Facharzt für Innere Medizin, Palliativmedizin sowie Vorstandsmitglied im Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland (DAMiD) in seinem Artikel „Beim Sterben helfen?“

Auseinandersetzung mit Sinnfragen

Deshalb setzt die Anthroposophische Medizin ganzheitlich an. „Durch die medikamentöse Therapie lassen sich in der modernen Palliativmedizin die meisten Symptome kontrollieren, auch Arzneimittel der Anthroposophischen Medizin helfen uns in der palliativen Erkrankungsphase“, so Girke weiter. „Besondere Bedeutung haben die äußeren Anwendungen der anthroposophischen Krankenpflege und Physiotherapie. Die Kunsttherapien öffnen das seelische Erleben und wecken die innere Aktivität des Patienten.  In der Gesprächstherapie werden Fragen nach den individuellen Werten und biographischen Zielsetzungen des Patienten aufgegriffen, einschließlich der spirituellen und religiösen Überzeugungen des Patienten sowie Fragen zu Schicksal oder Nachtodlichkeit.“

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