UPD: Hinter dem Rücken der Patienten

Patientenberatung an Pharma-Dienstleister verkauft

Berlin, 3. September 2018. Eine Patientenberatung, die gemeinnützig und unabhängig arbeitet? Das war einmal. Bis 2016 wurde die „Unabhängige Patientenberatung“ (UPD) von den Trägern Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) geführt. Dann war Schluss damit. In einem umstrittenen Verfahren hatten sich der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung für ein privates Unternehmen, die Sanvartis GmbH, als neuen Anbieter entschieden. Diese Entscheidung wurde von Patientenvertretern und vielen Experten im Gesundheitswesen scharf kritisiert.

Doppelte Fehlentscheidung

Nun dürfen Patienten erneut alarmiert sein: Im August 2018 wurde bekannt, dass die UPD kürzlich an die ebenfalls private Careforce GmbH weiterverkauft wurde. Besonders pikant: Die Careforce GmbH ist bislang ausschließlich als Personal- und Betriebsdienstleister für die pharmazeutische Industrie tätig geworden. Auffällig ist auch, dass die Entscheidung für den neuen Eigentümer in aller Stille gefallen ist und erst aufgrund aktiver Recherchen von der Tageszeitung „junge Welt“ ans Licht kam.

Prof. Dr. Ralf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, erklärte zu den jüngsten Entwicklungen: „Dieses Rundgeschiebe und Tricksen bei dubiosen Zugangsströmen und bei gleichzeitigen Mängeln in der Beratung zeigt: Eine wirklich unabhängige Patientenberatung gehört nicht in die Hand der Gewinnwirtschaft, sondern unter die Regie der Zivilgesellschaft.“ Die Unabhängigkeit der Beratung müsse inzwischen stark bezweifelt werden, meint auch der Verbund unabhängige Patientenberatung.

Skandalöse Vorgänge

Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV, kritisiert die Vorgänge ebenfalls: „Patienten haben ein Anrecht auf eine transparente, neutrale und unabhängige Beratung. Davon kann allerdings keine Rede sein, wenn ein Pharma-Dienstleister die Beratung übernimmt und damit eine handfeste Gewinnerzielungsabsicht verknüpft. Das ist ein Skandal – so verkommt die Patientenberatung zum Spielball von Interessensgruppen im Gesundheitswesen. Umso schlimmer, wenn der Verkauf in aller Verschwiegenheit über die Bühne gebracht wird. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Vorgänge zu überprüfen.  Schließlich geht es hier nicht nur um das Vertrauen von Patienten, sondern um viel Geld von den Versicherten. Denn die UPD erhält jährlich Fördergelder in Höhe von neun Millionen Euro vom GKV-Spitzenverband.“

Weitere Informationen
Informationen rund um die Vorgänge gibt es beim Verbund unabhängige Patientenberatung: www.v-up.de

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