Organspende: Individuell entscheiden können

Kommt die Widerspruchslösung für die Organspende?

Die Bereitschaft der Deutschen, Organe zu spenden, nimmt nach wie vor ab. Das hat nicht nur, aber auch etwas mit den Skandalen rund um die Organvergabepraxis in den vergangenen Jahren zu tun, die das Vertrauen der Bevölkerung nachhaltig erschüttert haben. Dazu kommt, dass Experten zunehmend kritisch über den Hirntod als Todeskriterium diskutieren.

Einziges Ziel: Spenderzahlen erhöhen

Aber anstatt mit dieser Problematik offen und konstruktiv umzugehen, wird allein darüber debattiert, wie die Zahl der Spenderorgane erhöht werden kann. So auch wieder auf der Gesundheitsministerkonferenz im Juni 2018: „Wir müssen alle Kräfte mobilisieren, um den Negativtrend in Deutschland umzukehren“, fasste Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) die Debatte zusammen. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich deshalb darauf verständigt, eine neue Debatte anzustoßen, die dazu führen soll, dass – wie in einigen anderen europäischen Ländern – auch in Deutschland die so genannte Widerspruchslösung eingeführt wird. Bislang gilt hierzulande die Entscheidungslösung. Außerdem sollen die Krankenhäuser besser ausgestattet werden, um die Entnahmepraxis in den Kliniken zu optimieren. 

Druck ist keine Lösung

„Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin fehlt nach wie vor“, sagt Stefan Schmidt-Troschke, geschäftsführender Vorstand von GESUNDHEIT AKTIV. "Viele Menschen merken, dass sie nicht umfassend aufgeklärt werden und halten sich deshalb mit ihrer Entscheidung zurück, obwohl sie Organspenden grundsätzlich befürworten. Deshalb positionieren wir uns klar gegen die Widerspruchslösung, weil sie eine Automatisierung einer zutiefst persönlichen Entscheidung bedeutet. Es gibt nun mal keinen Anspruch auf Spenderorgane. Das müssen wir respektieren. Unsere Gesellschaft muss sich zutrauen, solche wichtigen ethischen Fragen wirklich ergebnisoffen zu diskutieren.“

Der Bürger- und Patientenverband macht sich deshalb schon seit vielen Jahren auf Kongressen und mit Kampagnen für eine offene und konstruktive Debatte stark. „In dieser Tradition haben wir auch unsere damalige Kampagne „WIR WOLLEN ALLES WISSEN“ entwickelt, die Menschen befähigen soll, eine selbstbestimmte und individuelle Entscheidung zu fällen“, so Schmidt-Troschke. Dafür hat GESUNDHEIT AKTIV auch einen eigenen Organspendeausweis herausgegeben. Die darin enthaltenen Aussagen berücksichtigen, dass es keine einheitliche Auffassung dazu gibt, wann ein Mensch wirklich tot ist.

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