Milliardenschweres Trauerspiel

Debatte um die elektronische Gesundheitskarte

Und weiter geht’s mit der Debatte um die umstrittene elektronische Gesundheitskarte, die so genannte „eCard“ (eGK). Nachdem sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Frühling 2018 kritisch geäußert hatte, ruderte er Mitte Mai 2018 zurück: „Die Milliarde ist nicht umsonst investiert“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hält daran fest, dass Ende des Jahres 2018 alle Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein sollen – zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings nur ein Fünftel der 100.000 Praxen mit der nötigen Infrastruktur ausgestattet. Die ARD berichtete kurz darauf, dass es aus logistischen Gründen kaum noch möglich sei, alle Arztpraxen mit der entsprechenden Technik auszustatten.

Und die Patienten?

Von den technischen Problemen einmal abgesehen: Warum gab es bisher eigentlich keine konkreten Pläne, den Patienten den Zugang zu ihren eigenen (!!) Daten zu ermöglichen? Immerhin dieser Punkt scheint nun in der Politik angekommen zu sein. Das Bundesgesundheitsministerium überlegt nun, ob es zeitgemäße und „mobile“ Zugänge für Patienten geben könne. Auch die Krankenkassen wollen, dass die Patienten zugreifen können: „Jeder Versicherte muss Herr über seine eigenen Daten sein und diese unkompliziert über seinen eigenen Computer oder sein Smartphone lesen können“, so eine Sprecherin des GKV-Spitzenverbandes. Bis zur Sommerpause will Spahn nun ein Konzept vorlegen, wie es mit der Telematikinfrastruktur (TI) und der eGK weitergehen soll. Im Gespräch sind eine zügige Anbindung der Pflege, Anwendungen wie eine elektronische Patientenakte oder das E-Rezept.

Ein teures Trauerspiel

„Es ist eigentlich ein Skandal, dass die Patienten in dem jahrelangen Gezerre um die eCard praktisch nicht vorgekommen sind“, kritisiert Stefan Schmidt-Troschke von GESUNDHEIT AKTIV. „Dabei geht es um UNSERE Daten und um UNSER Geld! Die unvorstellbare Summe von 1,8 Milliarden Euro, die bisher versenkt wurde, wurde ja von den Versicherten aufgebracht. Nun zeigt sich, dass die bisherigen Pläne veraltet sind, bevor es überhaupt richtig los geht. Politik und Selbstverwaltung müssen sich fragen lassen, wie dieses Desaster gelöst werden soll. Wir Patienten haben ein Recht darauf, beteiligt zu werden. Dafür brauchen wir smarte Lösungen der höchsten Sicherheitsstufe!“

Mehr zum Thema? Umfrage „Patienten wollen Zugang zu ihren Daten!“
Die Deutschen wollen mehrheitlich eine Online-Patientenakte. So eines der Ergebnisse des 7. EPatient-Survey. 58 Prozent der Befragten können anfänglich mit dem Begriff Online-Gesundheitsakte nichts anfangen. Auf die Frage, ob sie digital jederzeit auf ihre Krankheitsdaten zugreifen wollen, antworten jedoch 73 Prozent mit Ja. Ebenfalls wollen die Befragten ihren Arzt als Lotsen für digitale Versorgungslösungen und sie wollen ihre eigenen Daten mit ihm teilen.

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