Mutiger Appell

Medizinstudierende wenden sich gegen die Ökonomisierung ihres Fachs

 

Berlin, 01. April 2019. Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) positioniert sich entschieden für eine „wissenschaftlich begründete, patientenzentrierte und ressourcenbewusste Versorgung“. Das geht aus einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme hervor. Darin heißt es: „Es ist längst überfällig, dass sich alle Akteure des Gesundheitswesens zum Thema ‚Medizin und Ökonomie‘ positionieren und für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen einstehen. (...) Das Patientenwohl muss der ethische Maßstab für alle Entscheidungen in der Gesundheitsversorgung sein.“ Die bvmd sieht wie auch die Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften die Ärzte in der Verantwortung, „bedarfsgerechte und ressourcenbewusste Entscheidungen aufgrund einer wissenschaftlich begründeten, individuell abgestimmten Indikationsstellung zu treffen“. Dazu bedürfe es „der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Patient und Arzt und einer ganzheitlichen Betreuung von Patienten und Angehörigen.“

Die Studierenden fordern „genügend Zeit für einen adäquaten Informationsaustausch“: „Zustände, in denen Ärzte gefühlt oder real zu wenig Zeit für Patienten haben, sind in der Versorgung riskant und unwürdig.“ Sie fordern, die sprechende Medizin und die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe in den Kalkulationen für die Vergütung „substanziell zu berücksichtigen“. Die begrenzten Ressourcen im Gesundheitssystem müssten „bestmöglich eingesetzt werden, um dem Patientenwohl zu dienen“. Individuelle Profitmaximierungen seien zu vermeiden und Fehlanreize gehörten abgeschafft.

Eine rundum mutige und engagierte Stellungnahme, die in ähnlicher Weise auch das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) unterstützt hat. Die Gewinnmaximierung sei tief in die Gesundheitsversorgung eingedrungen. Das Netzwerk appelliert an die Regierung, dieses Geschäftsmodell mit seinen hohen und stetig steigenden Kosten und dem vergleichsweise schlechten Outcome zu beenden.

Quellen:
aerzteblatt.de, 27. Februar und 12. März 2019

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