Noch schlimmer als vermutet

Die Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weltweit bedrohlich zu

 

Berlin, 5. April 2019. Es ist eine Seuche, die sich unsichtbar, aber dafür umso rasanter ausbreitet: Bakterien werden heute zunehmend resistent gegen Antibiotika. In welchem Ausmaß das bereits geschehen ist, zeigt ein Dokumentarfilm von Michael Wech, der seit März auf arte ausgestrahlt wird und noch bis zum 17. April 2019 in der Mediathek abrufbar ist. Zwei Jahre lang hat der Autor dazu in aller Welt recherchiert.

Darin sagt die ehemalige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chang: „Was wir jetzt erleben, ist ein Tsunami in Zeitlupe – die Folgen werden gewaltig sein.“ Zwei Ursachen sind dafür verantwortlich:

  1. Die Pharmaindustrie entwickelt seit Jahren keine neuen Antibiotika mehr. Der Grund: Es lohnt sich nicht. Die Bakterien werden so schnell dagegen resistent, dass die hohen Entwicklungskosten durch den Verkauf der Medikamente nicht mehr hereinkommen.
  2. Seit Jahrzehnten werden Antibiotika bei völlig gesunden Tieren in der Mast eingesetzt, um das Wachstum zu steigern und zu beschleunigen und um bei Massentierhaltung Infektionen vorzubeugen. Selbst Reserveantibiotika, die dringendst in der Intensivmedizin benötigt werden, verlieren so rasch ihre Wirksamkeit.
  3. Wie gefährlich gerade der zweite Punkt ist, zeigen Probeentnahmen in der Nähe von Massentierhaltungsbetrieben: Über den Schornstein werden massenhaft multiresistente Erreger ausgeschleudert. Sie schlagen sich in der Umgebung nieder und verbreiten sich rasant. Das gilt vor allem für Hühnermastbetriebe: 2017 wurden dort rund 59 Tonnen Antibiotika eingesetzt,  in der Tiermast insgesamt waren es ca. 733 Tonnen!

„Wenn wir nichts gegen Antibiotika-Resistenzen unternehmen, könnten schon in 35 Jahren zehn Millionen Menschen jährlich sterben“, sagt Jim O’Neill, Sonderbeauftragter der britischen Regierung, im Film. Sie sterben, weil es selbst gegen an sich harmlose Infektionen keine wirksamen Mittel mehr gibt, oder weil sich multiresistente Erreger ausbreiten, gegen die im wahrsten Sinne kein Kraut mehr gewachsen ist. Und der Film schließt mit den Worten der Wissenschaftsjournalistin Maryn McKenna: „Wir haben die Lunte dieser Bombe angezündet. Sie brennt. Wir wissen nur nicht, wie lang sie ist.“ 

Quellen:
Stern, 1. April 2019
Berliner Zeitung, 20. Feburar 2019
Arte Mediathek

Übrigens ...
Eine Studie aus der Schweiz zeigt, dass Ärzt*innen, die ganzheitlich behandeln, weniger Antibiotika einsetzen, als Ärzt*innen, die rein schulmedizinisch ausgebildet sind.

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