Rheuma neu behandeln

Neue Studie zeigt Erfolge für die Anthroposophische Medizin

Bei Patienten, die von rheumatoider Arthritis betroffen sind, gilt in der Regel: Je früher die Diagnose gestellt wird und die Behandlung beginnt, desto besser. Ziele der Therapie sind die bestmögliche Hemmung entzündlicher Prozesse, die Schmerzlinderung und der Erhalt von Funktion und Kraft der Gelenke.

Seit Frühjahr 2018 liegt dazu eine neue Studie vor: Sie zeigt, dass die anthroposophisch-integrative Therapie auch ohne den Einsatz von so genannten „Basistherapeutika“ (Disease-Modifying Anti-Rheumatic Drugs, kurz DMARD) gute Ergebnisse erzielt.

Weniger Nebenwirkungen

Rheumatoide Arthritis gilt als nicht heilbar. Um die Krankheitsentwicklung zu bremsen oder zu stoppen, werden in der Regel DMARD eingesetzt. Allerdings gehen diese Arzneimittel oft mit erheblichen, teilweise schweren Nebenwirkungen einher. Die Bilanz fällt daher gemischt aus: Ein Drittel der Patienten profitiert von der DMARD-Therapie, ein weiteres Drittel hätte auch ohne sie keine nachweisbare Gelenkzerstörung gehabt und das letzte Drittel bricht die Therapie wegen Unwirksamkeit oder starker Nebenwirkungen ab, so die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie in ihrer Patientenleitlinie.

„Angesichts dieser Situation wollten wir herausfinden, ob es vergleichbar wirksame Therapieverfahren gibt, die weniger Nebenwirkungen haben“, erläutert der Erstautor der Studienpublikation, Dr. med. Harald Hamre vom Institut für Angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) in Freiburg. Die wichtigsten klinischen Zielparameter für die Studie waren Krankheitssymptome, Labordaten und Röntgenbefunde. Die Röntgenbilder wurden von zwei unabhängigen Experten verblindet ausgewertet, sie wussten also nicht, um welche Gruppe es sich handelt, als sie die Aufnahmen begutachteten.

Integratives Therapiekonzept

Im Ergebnis zeigte sich, dass es bei den Patienten in der anthroposophisch-integrativen Therapiegruppe, die ohne DMARD behandelt wurden, weniger Nebenwirkungen gab. Statt DMARD wurden spezifische anthroposophische Arzneimittel, Kunsttherapie, Eurythmietherapie, physiotherapeutische und pflegerische Maßnahmen, Ernährungsberatung sowie biographisch-therapeutische Gespräche eingesetzt. Kortison und andere Schmerz- und entzündungshemmende Arzneimittel (nicht-steroidale Antirheumatika) waren seltener erforderlich als in der Vergleichsgruppe.

Patienten profitieren vom integrativen Konzept

Besonders auffällig war, dass die anthroposophisch-integrativ behandelten Patienten ebenso gute Langzeitverläufe hatten wie die Patienten, die mit DMARD behandelt wurden. Bislang hieß es in der Rheumatologie, DMARD müssten vor allem eingesetzt werden, um die Langzeitverläufe zu verbessern. Unter den anthroposophisch therapierten Studienpatienten mussten aber nur 6 Prozent mit DMARD behandelt werden. „Für die Patienten sind diese Ergebnisse sehr vielversprechend, denn es wurde deutlich, dass es durchaus Alternativen zu DMARD gibt“, so Hamre.

In die Studie wurden 251 Patienten mit rheumatoider Arthritis in der Frühphase eingeschlossen; die Behandlung erfolgte in vier deutschen Zentren. „Für Patienten, die eine anthroposophische Therapie ohne DMARD erhalten, ist eine regelmäßige Kontrolle bei einem erfahrenen Arzt erforderlich, um zu klären, ob der Verlauf zufriedenstellend ist oder man doch DMARD oder andere Therapieverfahren einsetzen muss“, ergänzt der Wissenschaftler.

Über die Studie
4-year non-randomized comparative phase-IV study of early rheumatoid arthritis: integrative anthroposophic medicine for patients with preference against DMARDs vs. conventional therapy including DMARDs for patients without preference: Hamre HJ, Pham VN, Kern C, Rau R, Klasen J, Schendel U, Gerlach L, Drabik A, Simon L. A. Patient Preference and Adherence 2018; 12: 375-97

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