Krankenhaus: Störfaktor Patient?

Keine Zeit für gemeinsame Entscheidungen im Krankenhaus

Berlin, 5. Dezember 2018. Jüngst hat die Bertelsmann Stiftung eine Untersuchung über die Frage vorgelegt, wie Ärzte und Patienten im stationären Alltag gemeinsam entscheiden können. Nicht zuletzt ist dieser „informed consent“ (= gemeinsame Entscheidungsfindung) seit 2013 ein gesetzlich verbrieftes Patientenrecht.

Im Ergebnis zeigte die Umfrage allerdings, dass die Rahmenbedingungen dafür auf den Stationen alles andere als gut sind, obwohl sich gerade junge Ärztinnen und Ärzte das wünschen: „In der jungen Generation haben fast alle Ärzte den Anspruch, das Modell der gemeinsamen Entscheidungsfindung auch umzusetzen“, heißt es in der Studie.

Hemmnisse im stationären Alltag

In beiden befragten Studiengruppen wurden deutlich mehr hemmende als fördernde Faktoren für eine Beteiligung der Patienten beschrieben. Im Alltag habe das Gespräch z. B. kaum eine Bedeutung, da die Zeit dafür im Vergütungssystem nicht abgebildet werde. Auch der wirtschaftliche Druck steht dem entgegen: „Da gibt es dann morgens die Ansage: Oh, der OP-Plan ist leer, jetzt müsst ihr aber wirklich mal alle in Richtung OP arbeiten“, so ein junger Arzt in der Umfrage. Auch starre Hierarchien im Krankenhaus seien hinderlich: „Manchmal trifft man gemeinsam mit dem Patienten eine Entscheidung und dann grätscht der Chef dazwischen und macht es einfach anders.“

Patientinnen und Patienten stärken

Insgesamt wünschen sich 80 Prozent der Bevölkerung, gemeinsam mit Ärzten darüber zu befinden, welche Untersuchungen und Therapien sinnvoll sind. Und obwohl dieser Wunsch heute theoretisch breit akzeptiert wird, ist in der Praxis noch viel Luft nach oben. „Es kann nicht sein, dass Patientinnen und Patienten nach wie vor oft den Eindruck haben, im Klinikalltag eher zu stören – sie sollten aktiv aufgeklärt und einbezogen werden und sich nicht um jede Information selbst bemühen müssen", fordert Maja Thiesen, Stellvertretende Geschäftsführerin von GESUNDHEIT AKTIV.

Auch die Autoren der Umfrage empfehlen, Patienten und ihre Rechte zu stärken sowie besser zu informieren. Außerdem soll sich auch an den Rahmenbedingungen etwas ändern: die medizinische Ausbildung verbessern, verbindliche Qualitätsstandards für den „informed consent“ entwickeln und dafür Anreize im Vergütungssystem schaffen.

Weitere Informationen
Projekt Patient mit Wirkung, Bertelsmann Stiftung
Umfrage Gemeinsam entscheiden der Bertelsmann Stiftung

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