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Impfen: Neue Vertrauens- und Dialogkultur

Kongress „Impfen: Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht?“

TeilnehmerInnen Kongress Impfen Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht Feb2018 Berlin small web Podiumsdiskussion Kongress Selbtsbestimmung oder Bürgerpflicht Feb2018 Berlin small web

 

Berlin, 26. Februar 2018 – Unter der Überschrift: Impfen – Selbstbestimmung oder Bürgerpflicht? trafen sich am 23. und 24. Februar 2018 rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Berlin, um das Spannungsfeld der aktuellen Impfdiskussion auszuloten. Auf Initiative des Bürger- und Patientenverbands GESUNDHEIT AKTIV e. V. und des Vereins Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. diskutierten Bürger- und Elternvertreter, kritische Ärzte, Wissenschaftler, Politiker und Vertreter der Ständigen Impfkommission (STIKO). Sie verständigten sich auf eine neue Dialogkultur, in der unterschiedliche Positionen gehört und sachlich und differenziert erörtert werden können.

Argumente statt Impfzwang

Eine mögliche Impfpflicht in Deutschland? Diese Frage wird in Politik und Medien derzeit diskutiert und zog sich inhaltlich wie ein roter Faden auch durch den Kongress. Sowohl impfkritische Ärzte als auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Prof. Thomas Mertens, lehnten eine gesetzliche Verpflichtung ab und widersprachen damit Dr. Patrick Guidato, Leiter des Bundesarbeitskreises Gesundheit und Innovation der Jungen Liberalen, der zuvor den Beschluss des FDP-Bundesparteitags für eine Impfpflicht erläutert hatte. Akzeptanz, Überzeugung und Vertrauen in die Impfentscheidung seien entscheidende Faktoren, die durch eine Impfpflicht nicht zu erreichen sind. In der sich anschließenden lebhaften Podiumsdiskussion verdeutlichten die Vertreter jedoch ihre unterschiedlichen Ziele, Schwerpunkte und Haltungen im Umgang mit Impfungen.

Für eine individuelle Impfberatung

Vertreter des Vereins Ärzte für Individuelle Impfentscheidung forderten eine individuelle und ergebnisoffene Beratung, die sie in der derzeitigen Impfpraxis gefährdet sehen. Von Kinder- und Jugendärzten werde vielfach erwartet, die Empfehlungen der STIKO auf jedes Kind in gleicher Weise anzuwenden. Die Verantwortung des handelnden Arztes wie der Eltern könne jedoch nicht an eine allgemeine Empfehlung oder die Rechtslage abgegeben werden. Zudem sei jedes Kind anders und die Lebenssituationen, Erfahrungen und Werthaltungen verschieden. „Wir müssen immer abwägen, in welchem Verhältnis der mit der Impfung verbundene Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Kindes und die Risiken der jeweiligen Erkrankung stehen“, betonte Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Geschäftsführender Vorstand des Bürger- und Patientenverbands GESUNDHEIT AKTIV. „Vor diesem Hintergrund gilt es verantwortlich abzuwägen.“ So gingen Referenten auf dem Kongress Fragen zur Sicherheit von Impfstoffen ebenso nach wie denkbaren Impfzeitpunkten, der Entstehung von Herdenimmunität sowie einer möglichen Gefährdung anderer.

Auch aus Elternsicht ist eine differenzierte Beratung unerlässlich: „Eltern wollen von Ärzten auf Augenhöhe behandelt werden. Leider ist heute oft das Gegenteil der Fall: Sie werden nicht für voll genommen“, berichtete Angelika Müller von ihren Erfahrungen aus der Interessengemeinschaft Eltern für Impfaufklärung (EFI).  

Mehr Forschung nötig

Prof. Dr. Thomas Mertens erläuterte in seinem Vortrag die Arbeitsweise der STIKO und benannte die strategischen Ziele: Individualschutz, Herdenimmunität sowie die weltweite bzw. regionale Ausrottung von bestimmten Erkrankungen. Aus epidemiologischen Gründen sei eine möglichst hohe Impfrate in der Bevölkerung wünschenswert. Er hob die Bedeutung von Impfungen hervor und bezeichnete sie als „effektivste medizinische Maßnahme, insbesondere was das Verhältnis von Aufwand und Nutzen angeht.“ Dabei müssten die Impfempfehlungen immer auf der Basis der besten verfügbaren Evidenz erfolgen. Genau diesen Punkt griffen viele Referenten als problematisch auf. „Wir sind derzeit häufig im Blindflug unterwegs, wo wir eigentlich aussagekräftige Daten bräuchten“, brachte Dr. Wolfgang Schneider-Rathert, Arbeitskreisleiter Impfen bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) den Forschungsstand auf den Punkt. Auch Dr. Michael Friedl, Vorsitzender des Vereins Ärzte für individuelle Impfentscheidung, bemängelte: „Es fehlen Studien zu wesentlichen Fragen. Und auch wenn es wissenschaftlich valide Ergebnisse gibt, gelten diese nicht für alle. Was vielen nützt, kann einzelnen Kindern schaden. Dies muss sauber dokumentiert werden.“ Offenheit und Transparenz über das, was wir wissen und nicht wissen, sind deshalb ein weiterer wichtiger Baustein, um Vertrauen zwischen Eltern, Ärzten und Wissenschaftlern zu schaffen. 

Eine neue Vertrauens- und Dialogkultur

Nicht nur das Vertrauen zwischen Eltern und Ärzten stand immer wieder immer Mittelpunkt, auch das gesellschaftliche Klima und die Diskussionskultur der Ärzte untereinander nahmen die Redner in den Blick. Miteinander diskutieren und zu unterschiedlichen Meinungen kommen – eine demokratische Selbstverständlichkeit, die aber für das Thema Impfen bislang nicht galt. „Was wir brauchen, sind demokratisch-zivilgesellschaftliche Umgangsformen auch beim Impfen und nicht wilhelminisch anmutende Verlautbarungen von oben“, fordert Wolfgang Schneider-Rathert. Das bisherige gesellschaftliche Klima und die Diskussionskultur der Ärzte untereinander bezeichneten viele Referenten als problematisch, wenn nicht gar als vergiftet. „Wie kommen wir zu einer neuen Vertrauenskultur – auch über divergierende Interessen hinweg?“, fragte deshalb Stefan Schmidt-Troschke.

Fazit der Diskussionsrunde differenziert impfender Ärzte, STIKO-Mitglieder und Befürworter der Impfpflicht: Dialog und offene Diskussion sind die Basis und ein Verzicht auf Demagogie sowie auf die Stigmatisierung Andersdenkender. Prof. Dr. Thomas Mertens sprach sich für eine breite Diskussion zum Impfen aus. „Ich denke, dass ist ein wichtiger Diskurs. Wir müssen sehen, dass möglichst viele Fakten zum Tragen kommen und dass diese Fakten allgemein verfügbar sind.“ Und Stefan Schmidt-Troschke ergänzte: „Wir dürfen uns nicht gegenseitig unsere Redlichkeit absprechen. Ob Befürworter individueller Impfentscheidungen oder STIKO-Mitglied: Für uns alle steht das Kindeswohl im Mittelpunkt unseres Handelns. Der Kongress soll ein Anfang sein, den Dialog auszuweiten und zu vertiefen“, so Schmidt-Troschke. Ein Schritt in die richtige Richtung, auch für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Es ist toll, dass heute auch Vertreter der STIKO und Befürworter einer Impfpflicht da sind, auch wenn ich selbst eine völlig andere Meinung vertrete“, fasst eine Zuschauerin ihren Eindruck zusammen.

"Impfen: Auf dem Weg zu einer neuen Vertrauens- und Dialogkultur"
Pressemeldung als PDF

Podiumsdiskussion "Impfen zwischen Pflicht und freier Entscheidung" - in voller Länge jetzt angucken.

Statements der Referenten im GESUNDHEIT AKTIV youTube Kanal

Inklusives Leben lernen

Schulprojekt zur Aufklärung über Pränataldiagnostik gestartet

 

GA PM Inklusives Leben lernen                    Die Autorinnen Mareice Kaiser und Kathrin Fezer Schadt

Berlin, 07. September 2017. Schwangerschaftsvorsorge stellt Frauen und ihre Familien oft vor große Herausforderungen: Wenn der Verdacht auf einen möglicherweise krankhaften Befund beim Fötus geäußert wird, stehen viele Betroffene alleine da und fühlen sich zu Unrecht zu Maßnahmen gedrängt, von denen sie vorher nie gehört hatten. Experten und Betroffene fordern bereits im Vorfeld mehr Aufklärung über die Vorteile und Risiken der Pränataldiagnostik. Denn je ausführlicher und frühzeitiger darüber aufgeklärt wird, welche Entscheidungen auf Schwangere und ihre Partner zukommen, umso besser vorbereitet können diese darüber entscheiden, was und wie viel sie über ihr ungeborenes Kind wissen möchten. Nun startet das Schulprojekt „Aufklärung Pränataldiagnostik“, in dem Schülerinnen und Schülern nicht nur Wissen zu diesem Thema vermittelt wird, sondern in dem sie auch eigene Erfahrungen in der Begegnung mit ExpertInnen, Schwangeren und betroffenen Eltern sammeln werden.

Mit Beginn des neuen Schuljahres werden sich die Schülerinnen und Schüler der Oberstufenklassen der Johannes-Schule-Berlin (Freie Waldorfschule in Schöneberg), der Annemarie-Lindner-Schule in Nagold und dem Marien-Gymnasium in Kaufbeuren mit dem Thema der vorgeburtlichen Untersuchungen auseinandersetzen. Dabei steht die eigenständige Recherche im Lebensumfeld im Mittelpunkt. In Gesprächen und Interviews mit Betroffenen, ÄrztInnen und ExpertInnen, werden sie über mehrere Wochen hinweg in diesem Bereich persönliche Erfahrungen sammeln und filmisch dokumentieren. Im Frühjahr 2018 sollen die Ergebnisse sowie ein Film von den Schülern bei einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin präsentiert werden.

Wie können junge Menschen lernen, kompetente Entscheidungen zu treffen, bevor sie eine Familie gründen? Das war die Ausgangsfrage für das Projekt, das von GESUNDHEIT AKTIV e. V. zusammen mit der Autorin Kathrin Fezer Schadt und dem „Projekt Dr. Ulla Franken“ der Stiftung Bewusstseinswissenschaften ins Leben gerufen wurde.

„Während der langjährigen Betreuung von Eltern innerhalb und nach Problemschwangerschaften, hat sich mir gezeigt, dass die Vor- und Nachteile der Pränataldiagnostik nicht kritisch genug hinterfragt werden. Nach einem auffälligen Befund findet heute in den meisten Fällen ein Schwangerschaftsabbruch statt. Auch deshalb, weil oft nicht die Alternativen aufgezeigt werden, wie zum Beispiel eine palliative Geburt oder Wege, wie sich ein Leben mit einem behinderten Kind gestalten lässt“, sagte Kathrin Fezer Schadt im Rahmen der Lesung am 06. September, die als offizieller Auftakt des Schulprojekts bei GESUNDHEIT AKTIV e. V. in Berlin stattfand. „Genau das war auch meine Intention, um an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich wollte zeigen, dass das Leben mit einem behinderten Kind nicht bedeutet, dass das eigene Leben vorbei ist – und, dass nicht die Behinderungen das Leben erschweren, sondern die Art, wie unsere Gesellschaft mit Menschen mit Behinderung umgeht. Alle reden von Inklusion, aber bis wir sie wirklich leben, ist es noch ein weiter Weg“, ergänzt die Autorin Mareice Kaiser. Auch sie wurde von GESUNDHEIT AKTIV e. V. zu dem Abend eingeladen, um aus ihrem Buch „Alles Inklusive“ vorzulesen.

Im Anschluss sprachen die Autorinnen gemeinsam mit den zahlreichen Gästen und Schülerinnen und Schülern aus Berlin unter anderem auch darüber, wie ein Leben mit Behinderung bewertet wird und wie eine würdevolle und professionelle Begleitung betroffener Eltern aussehen kann. Mit dabei war auch die Berliner Filmemacherin Dörte Grimm, die die Projektphase an den Schulen filmisch begleiten wird. Der Film wird von der Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft e. V.“ gefördert. 

„Wir hoffen“, so die Initiatoren, „dass wir einen Impuls setzen können, der auch andere Schulen motiviert, den Biologie- und den Ethikunterricht praktisch zu nutzen. So könnten Frauen und Familien darin gestärkt werden, ihren eigenen Weg zu gehen – auf der Basis einer guten Aufklärung und von frühen persönlichen Erfahrungen.“ 

 


              "Inklusives Leben lernen" -
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Durchgecheckt im Mutterleib

Pränataldiagnostik braucht im Vorfeld mehr Aufklärung

Kathrin Fezer Schadt Lilium Rubellum Gesundheit Aktiv minBerlin, 09. Dezember 2016. Fast jede Schwangere in Deutschland geht zur Schwangerschaftsvorsorge. Ab der ersten Ultraschalluntersuchung wird sorgfältig alles registriert. Eine Selbstverständlichkeit heute. Nicht selten allerdings setzen diese Routineuntersuchungen eine Kaskade weiterer diagnostischer Maßnahmen in Gang – mit Konsequenzen, die kaum je vorab thematisiert werden. Wie hilflos und ausgeliefert sich werdende Eltern demgegenüber sehen, darüber sprachen gestern die Autorin Kathrin Fezer Schadt (Foto), Dr. Lars Garten (Charité), Angelika Maaser (Frauenheilkunde) und die Journalistin Kirsten Achtelik bei GESUNDHEIT AKTIV in Berlin.

Der Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV e. V. hatte am 8. Dezember die Autorin Kathrin Fezer Schadt eingeladen, aus ihrem Roman ‚Lilium Rubellum‘ zu lesen. Darin geht es um die Geschichte einer werdenden Mutter, die erfährt, dass ihr Kind nach der Geburt nur für kurze Zeit überleben wird. Die Handlung verläuft auf verschiedenen Wegen weiter: Einmal trennt sich die Mutter von ihrem Kind noch in der Schwangerschaft, in der anderen Version bringt sie es auf natürlichem Weg auf die Welt. Sie erzählt, wie sich scheinbar selbstverständlich aus der Diagnostik heraus medizinische Konsequenzen ergeben, d.h. Schwangerschaftsabbruch. Es fehlen Menschen, die helfen abzuwägen und die Situation zu verstehen. Die Mutter bleibt – fast immer – allein bei ihrer Entscheidungsfindung.

In der anschließenden Diskussion mit den eingeladenen Experten, moderiert von GESUNDHEIT AKTIV Geschäftsführer Dr. Stefan Schmidt-Troschke, kamen alle Beteiligten zu dem Fazit: Jede Schwangere hat nicht nur ein Recht, zu erfahren, was genau die durchgeführten Untersuchungen mit sich bringen können, sondern auch ein Recht auf Nichtwissen. Werdende Eltern sollten unvoreingenommen aufgeklärt werden über die Möglichkeiten, Risiken und Konsequenzen der Pränataldiagnostik. Nur dann können sie abwägen und vor allem entscheiden, wieviel pränatale Diagnostik im individuellen Fall überhaupt notwendig, sinnvoll und gewollt ist. Denn mit der Anzahl der Tests wächst auch der Druck. „Mit den meisten Tests wird nach Abweichungen oder Behinderungen gesucht, deren Feststellung nur in einem Bruchteil der Untersuchungen das physische Wohl von Mutter und Kind betrifft. Letztlich wird nach Behinderungen gesucht, deren Feststellung keinen medizinischen Nutzen hat, sondern ethische Fragen aufwirft“, so die Journalistin Kirsten Achtelik. „Der Aufbau einer wirklich inklusiven Gesellschaft, in der alle Menschen ohne Angst vor Missachtung unterschiedlich sein können, sollte Priorität haben vor der weiteren Ausdehnung der pränatalen Diagnostik.“

Kommt es dann tatsächlich zu einer Diagnose, so „sollte die primäre Aufgabe der vorgeburtlich Beratenden sein, die betroffenen Eltern zu befähigen, eine gut informierte, gestützt-autonome Entscheidung zu treffen – im Einklang mit ihrer Hoffnung, ihrem Glauben, ihren Wertvorstellungen und ihrer individuellen Lebenssituation“, appellierte Dr. Lars Garten, Leiter des Palliativteams der Neonatologie an der Charité. Oft fehle es auch an Informationen zu den Alternativen eines Schwangerschaftsabbruchs. „Wichtig sind daher genug Zeit und Raum für Beratung, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Paares zugeschnitten ist und neben den medizinischen Fragen auch soziale, psychologische und praktische Hilfen einschließt“, ergänzt die Frauenärztin Angelika Maaser.

Die Lesung und Gesprächsrunde wurde organisiert von dem Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV e. V., Berlin, in Kooperation mit dem Projekt Dr. Ulla Franken der Stiftung Bewusstseinswissenschaften.

Weitere Informationen zum Thema auch unter www.gesundheit-aktiv.de/kompetent-entscheiden

Impfen: Besser erst nach dem ersten Lebensjahr

Individuelle Impfentscheidung empfohlen

 

Impfen Pro unc Contra 3 Impfen Pro und Contra HH 2

 

Hamburg, 14. November 2016. Mehr als 450 Eltern und Interessierte kamen am 11. November 2016 in Hamburg im Gebäude der Patriotischen Gesellschaft zusammen, um sich von drei erfahrenen Kinderärzten über Pro und Contra des Impfens informieren zu lassen. Dr. Martin Hirte, Dr. Steffen Rabe und Georg Soldner (alle aus München) plädieren seit vielen Jahren für eine individuelle, auf die Situation der Familie abgestimmte Impfentscheidung. Die Veranstaltung wurde organisiert von dem Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV e. V., Berlin, in Kooperation mit der Victor Thylmann Gesellschaft, Hamburg.

Wogegen soll ich mein Kind impfen? Und wann? Das sind Fragen, mit denen alle frischgebackenen Eltern konfrontiert sind. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (StIKo), schon nach acht Lebenswochen mit einer Sechs- oder Siebenfachimpfung zu beginnen, die dann dreimal wiederholt werden muss. Darin enthalten sind Wirkstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio), Haemophilus influenza B (HiB) und Hepatitis B. „Mit allem kann man bis nach dem ersten Lebensjahr warten, um dem empfindlichen Immunsystem des Kindes die Gelegenheit zu geben, sich zu stabilisieren“, sagt Georg Soldner. Frühes Impfen, das haben Studien gezeigt, fördert Allergien, das als Wirkungsverstärker zugesetzte Aluminium ist toxisch für das Immun- und Nervensystem. Nach dem ersten Lebensjahr ist das Immunsystem des Kindes nicht mehr so störbar. Impfungen werden dann besser vertragen, ohne dass die Immunantwort leidet.

Es gebe nirgendwo eine vergleichende Studie, die zeigen würde, dass Kinder gesünder groß werden, wenn sie sehr früh gegen sieben Krankheiten immunisiert werden, betonte Soldner. Wohl aber gebe es Hinweise, die nachdenklich machen: So erkrankten beispielsweise in einer norddeutschen Kinderarztpraxis von dreijährigen Kindern, die nach StIKo geimpft wurden, 8,5 Prozent an Asthma. Wurden die Kinder vorwiegend nach dem 1. Lebensjahr geimpft, waren es nur noch 2 Prozent, von den bis dahin Ungeimpften waren es nur 0,5 Prozent. Auch in Entwicklungsländern verbesserten die typischen Impfstoffe für das 1. Lebensjahr das Gesamtüberleben nicht. Demgegenüber hat die Masernimpfung in Ländern mit Armut und Unterernährung sehr deutlich zur Senkung der Kindersterblichkeit beigetragen. Aber auch diese Impfung wirkt zuverlässiger, wenn sie erst mit 18 Monaten verabreicht wird.   

Alle drei Kinderärzte empfehlen, dass die Eltern selbst entscheiden sollten, wann und wogegen sie impfen. Viele Impfstoffe gibt es auch als Einzel-Impfung, so dass ein gezieltes Vorgehen möglich ist. „Dogmen haben beim Impfen keinen Platz“, sagte Dr. Martin Hirte. „Es gibt nicht nur ja oder nein, jedes Elternpaar muss selbst überlegen und entscheiden.“ Dies umso mehr, als sich die Empfehlungen ausschließlich auf Studien der Impfstoff-Hersteller stützen. „Es gibt keine unabhängige Impfstoff-Forschung – Impfungen sind hinsichtlich ihrer Sicherheit  am schlechtesten untersuchten Arzneimittel, die Risiken werden noch nicht einmal halbherzig erforscht. Es wird auch nicht gegen Placebo getestet, sondern immer nur ein neuer Impfstoff gegen einen alten, das würde man bei keinem Medikament durchgehen lassen.“ Welche Seren angeboten und welche Studien aufgelegt werden, entscheiden allein die Pharma-Konzerne.

Dies erscheint umso bedenklicher, als kaum ein anderes europäisches Land so früh so viele Impfungen empfiehlt wie die StIKo. „In den 19 Ländern Westeuropas gleicht keine Impfstrategie der anderen“, sagte Dr. Steffen Rabe. „90 Prozent der europäischen Kinder sind nicht nach den StIKo-Empfehlungen geimpft, es gibt beim Impfen – anders als bei vielen anderen medizinischen Verfahren – keinen internationalen Standard.“ 

In Kürze ist der Vortrag zum Thema auf DVD erhältlich. Vorbestellung an verlag@gesundheit-aktiv.de.
Weitere Informationen auch unter www.individuelle-impfentscheidung.de