Integrative Medizin

Vielfalt in Medizin und Therapie 

Hier finden Sie wissenswerte Beiträge und Interviews rund um Anthroposophische Medizin und Integrative Medizin. Alle Beiträge, die Sie hier finden, sind ursprünglich in den bisherigen Ausgaben von GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN erschienen.


DAS KRANKENHAUS DER ZUKUNFT
Integrative Medizin in der ambulanten Versorgung

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ANDERS AUF DEN PATIENTEN SCHAUEN
Kompetenznetz Integrative Medizin in Baden-Württemberg

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„ICH HABE EINEN ANDEREN BLICK AUF DAS LEBEN GEWONNEN“
Interview mit Kurt Langbein

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DAS WICHTIGSTE IST DIE BEHANDLUNGSFREIHEIT!
Interview über das Netzwerk Ganzheitsmedizin in Berlin

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EINE MEDIZIN FÜR DEN MENSCHEN
Naturheilkunde in der Forschung

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DEN KÖRPER MIT WÄRME ERFÜLLEN   
Wie das Öldispersionsbad den Wärmeorganismus im Menschen stärkt

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ES WIRKT: DAS MEDIKAMENT
Placebo Effekt: Paradigmenwechsel in der Forschung

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ES WIRKT: DIE ÄUSSERE ANWENDUNG
Wickel und Auflagen in der Medizin

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Das Krankenhaus der Zukunft

Integrative Medizin in der ambulanten Versorgung

Ein Gespräch mit Martin-Günther Sterner - Facharzt für Innere Medizin und Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Klinikum Niederlausitz am Standort Lauchhammer, einer Klinik für allgemeine Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie und gastroenterologische Onkologie in kommunaler Trägerschaft. Seit 2007 hat sich die Klinik zu einem Zentrum für integrative innere Medizin entwickelt. Methodisch steht dabei die Anthroposophische Medizin im Mittelpunkt. Wir sprachen mit Martin-Günther Sterner über seine Erfahrungen beim Aufbau dieser Abteilung in einem Krankenhaus der Regelversorgung.

GESUNDHEIT AKTIV: Wie kam es zu diesem integrativen Ansatz in einer kommunalen Klinik?

Martin-Günther Sterner: Vor 13 Jahren hatte ich erstmalig Kontakt zum Klinikum Niederlausitz. Die Geschäftsführung hatte sich damals das Ziel gesetzt, Strukturen und Prozesse für ein Krankenhaus der Zukunft mit einem methodisch integrierenden Konzept zu entwickeln. Mein Ansatz als Anthroposophischer Arzt, der eine integrativ erweiterte und menschliche Medizin vertritt, überzeugte sie. So kam ich zunächst als Oberarzt dorthin, zwei Jahre später wurde ich Chefarzt und baute nach und nach das integrative Zentrum auf. Heute kommen neben Patienten aus der Region Südbrandenburg, aber ebenso aus Dresden, Berlin, Thüringen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und vereinzelt aus dem gesamten Bundesgebiet oder aus Tschechien, wo es bisher keine integrativ-medizinisch arbeitende Klinik gibt, gezielt in die Niederlausitz, um sich bei uns behandeln zu lassen.

GESUNDHEIT AKTIV: Was bedeutet integrative Medizin für Sie konkret?

MGS: Wir betrachten den Patienten immer ganzheitlich und schauen nicht isoliert auf ein erkranktes Organ. Denn Körper, Seele und Geist bilden ja immer ein lebendiges Ganzes. Aus der Art, wie etwas körperlich, seelisch oder geistig in Erscheinung tritt, können wir Rückschlüsse auf die jeweiligen anderen Ebenen ziehen und das dann diagnostisch wie therapeutisch nutzen. Dementsprechend gestalten wir die Art und Weise, wie wir unsere Patienten ansprechen und mit ihnen kommunizieren. Dieser Ansatz ist schon seit geraumer Zeit als „Persönliche Medizin“ qualitativ und grundlegend im Leitbild des gesamten Klinikums verankert.

GESUNDHEIT AKTIV: Was verstehen Sie unter „Persönlicher Medizin“?

MGS: Wir stellen die Persönlichkeit des Menschen in den Mittelpunkt – sowohl die des Patienten als auch die des Behandelnden, seien es Ärzte, Therapeuten oder Pflegende. Für mich als Arzt z. B. bedeutet dies: Wie kann und möchte ich mich persönlich, das heißt, meiner eigenen Persönlichkeit entsprechend, in den Therapieprozess einbringen? Und im Hinblick auf den Patienten frage ich mich: Was kann ich, über die äußere Erscheinung bzw. die Erkrankung hinaus, als das Wesentliche der konkreten Person körperlich, seelisch und geistig herausspüren? Alles, was man als Arzt, Therapeut oder Pflegender tut, sollte an dieses „Wesen“ anknüpfen bzw. sich aus ihm herleiten. Selbstverständlich beziehen wir dabei auch die Leitlinien der evidenzbasierten Medizin in unsere Behandlungen mit ein. Aber eben als Grundlage und Ausgangspunkt, nicht als allgemein-pauschale Vorgabe, die den individuellen Menschen in seiner jeweiligen Situation kaum berücksichtigt. Wir fragen uns: Was ist jetzt für diesen Menschen am wichtigsten? Was benötigt er zusätzlich, und was kann ich persönlich ihm geben? Wie findet er wieder Zugang zu seinen gesundenden Kräften? An welchen Stellen ist es klug, von standardisierten Empfehlungen abzuweichen?

GESUNDHEIT AKTIV: Wie setzen Sie den integrativen Ansatz in Ihren Therapien konkret um?

MGS: Wir arbeiten beispielsweise viel mit äußeren Anwendungen wie Wickeln, Einreibungen, Auflagen, Öldispersionsbädern sowie mit Rhythmischer Massage, Osteopathie und manchmal auch mit Akupunktur – teils unterstützend zu konventionellen Behandlungen, teils als Hauptbehandlung. Dafür haben wir viel in die Fortbildung unserer Pflegekräfte und Therapeuten investiert: ca. zwei Drittel unserer Pflegekräfte haben mittlerweile eine Fortbildung für integrativ-anthroposophische Pflege absolviert und verfügen über entsprechende Qualifikationen. Derzeit arbeiten wir an der Einführung der anthroposophischen Kunsttherapien und der Heileurythmie. Vor allem aber ist durch unsere therapeutische Haltung eine besondere Abteilungs- oder Teamidentität gewachsen, die nicht nur die Patienten spüren und schätzen.

GESUNDHEIT AKTIV: Wie steht es um den Einsatz anthroposophischer Arzneimittel? Ist es überhaupt möglich, sie bei hochakuten, teils lebensbedrohlichen Erkrankungen einzusetzen?

MGS: Ja natürlich, aber eben integrativ und nicht alternativ. Es geht nicht um ein Entweder –­­ Oder, sondern um ein Sowohl – Als auch. Wir bieten z. B. eine ausgefeilte interventionelle Gastroenterologie, die sich – abgesehen von wenigen hochspezialisierter Verfahren – mit dem Niveau der umliegenden Unikliniken durchaus messen kann. Darüber hinaus aber nutzen wir, wo immer es angezeigt ist, Verfahren und Medikamente, die die schulmedizinischen Ansätze unterstützen, verbessern und manchmal auch ersetzen können.

GESUNDHEIT AKTIV: Eine integrative, ganzheitliche Behandlung umfasst also schulmedizinische ebenso wie andere, ergänzende Verfahren?

MGS: Meiner Meinung nach gibt es gar keine „Schulmedizin“, die der ganzheitlichen, integrativen Medizin gegenübersteht. Es gibt eigentlich nur eine in sich differenzierte Medizin. Ich erweitere meine ärztliche Methodik, meinen Erkenntnishorizont und meine Handlungsmöglichkeiten entsprechend meines ganzheitlichen Menschenbildes– denn der Mensch ist als Ganzheit mehr als jeweils sein Körper, seine Seele oder sein Geist.

GESUNDHEIT AKTIV: Geht es aber in der Integrativen Medizin nicht auch darum, den Einsatz chemischer Medikamente zu reduzieren oder sie zum Teil sogar zu ersetzen?

MGS: Nein, nicht primär, aber es ist oft ein sehr erfreulicher Nebeneffekt. Die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente, deren Wechselwirkungen nicht mehr kalkulierbar sind, ist ja weltweit ein großes Problem geworden. Ein integrativ-therapeutischer Ansatz hilft tatsächlich, Medikamente zu reduzieren und damit teils gefährliche Neben- und Wechselwirkungen zu vermeiden. Es ist gar nicht selten, dass jemand zu uns kommt, der täglich 10 bis 20 verschiedene Medikamente einnehmen soll. Bei der Entlassung sind dann noch vielleicht drei übriggeblieben, die wirklich sinnvoll und notwendig sind. Wir bemühen uns vor allem, die vielfach unsachgemäß eingesetzten Antibiotika zu reduzieren und können sie in vielen Fällen durch andere Therapiemaßnahmen ersetzen.

GESUNDHEIT AKTIV: Wie reagieren denn Menschen, die bisher noch keinen Kontakt mit der integrativen Medizin hatten, auf Ihren Ansatz?

MGS: Durchweg positiv! Ich kenne kaum Patienten, die die Medikamente oder Anwendungen, die wir ihnen hier anbieten, abgelehnt haben. Sie erwarten einfach eine gute Behandlung und denken nicht ständig darüber nach, ob das, was wir tun, nun integrativ, komplementär oder schulmedizinisch ist. Die Bereitschaft für solche integrativen Formen der Medizin ist hier im Laufe der Jahre deutlich gewachsen und in gewissem Sinne sogar selbstverständlich geworden.

GESUNDHEIT AKTIV: Sehen das Ihre Kollegen in anderen Abteilungen der Klinik auch so?

MGS: Nun ja, über eine ganz schön lange Zeit war ich schon ein kritisch beäugter Außenseiter, ein komischer Vogel, der „mit Quarkwickeln und solchem Zeug“ behandelt. Da gab es einige Widerstände. Wir mussten mit unserer Behandlungsqualität davon überzeugen, dass wir hier keinen esoterischen Humbug treiben. Im Laufe der Zeit konnten wir uns eine hohe Akzeptanz erarbeiten, einfach, weil wir eine solide und präzise Schulmedizin praktizieren und gleichzeitig gezeigt haben, dass der integrative Ansatz der konventionellen Medizin nicht schadet – ganz im Gegenteil. Mittlerweile sind wir für viele so etwas wie eine Leuchtturmabteilung, die auch andere anregt.


Das vollständige Interview ist in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #12 veröffentlicht. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Anders auf den Patienten schauen

Kompetenznetz Integrative Medizin in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat sich am 30. November 2017 das Kompetenznetz Integrative Medizin gegründet. Zehn Kliniken und ein ambulantes Versorgungsnetzwerk wollen qualitativ hochwertige integrative Behandlungskonzepte etablieren.

Es ist eine Pioniertat, und wenn sie gelingt, wird sie für das ganze Land eine Strahlkraft entwickeln: Zehn renommierte Kliniken in Baden-Württemberg haben sich unter der Schirmherrschaft der Staatssekretärin Bärbl Mielich im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg im November 2017 zum „Kompetenznetz Integrative Medizin“ zusammengeschlossen. Mit dabei sind längst nicht nur die anthroposophischen Kliniken wie die Filderklinik, das Paracelsus-Krankenhaus Unterlengenhardt oder die Klinik Öschelbronn, sondern auch das Universitätsklinikum Mannheim, das Uni-Klinikum Ulm, das Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, das Klinikum Heidenheim, das Städtische Klinikum Karlsruhe, das Klinikum Esslingen, das Rems-Murr-Klinikum in Winnenden und das „Gesunde Kinzigtal“ als ambulantes Versorgungsnetzwerk. 

„Es ist eine zentrale Frage für die Medizin der Zukunft, wie wir konventionelle und komplementäre Behandlungsmethoden in der Medizin zum Wohle der Patienten zusammenbringen – zwei Bereiche, die es bislang eher in Parallelwelten gab, was aber nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Dr. Thomas Breitkreuz, Ärztlicher Direktor der Filderklinik und einer der Initiatoren des Netzwerks. „Patienten wollen eine Behandlung aus einer Hand erfahren, damit sie nicht immer wieder zu unterschiedlichen Adressen laufen müssen, die nicht miteinander zusammenarbeiten.“

Doch diejenigen, die eine solche patientenzentrierte Medizin bereits praktizieren, sind dabei meist auf sich gestellt. „Deshalb ist eine der wichtigsten Aufgaben, die sich das Kompetenznetz Integrative Medizin gesetzt hat, ein integrativmedizinisches Konzept für die Versorgung von schwerkranken Krankenhauspatienten zu erarbeiten,“ sagt Dr. Breitkreuz. „Eingebettet in klinische Zentren, in interdisziplinäre Teams unter fachärztlicher Leitung von Ärzten, die möglichst selbst eine entsprechende komplementärmedizinische Ausbildung durchlaufen haben und somit eine doppelte Kompetenz einbringen können, auf wissenschaftlicher Basis. Wir wollen ein Qualitätsversprechen abgeben können und am Schluss eine Zertifizierung für eine gute integrative Medizin haben, die nicht nur die ärztliche Sicht berücksichtigt, sondern auch die pflegerische. Dafür wollen wir Modelle schaffen, die, sofern sie sich bewähren, später auch bundesweit und flächendeckend eingeführt werden können."

Im Mittelpunkt der Arbeit des Kompetenznetzwerks steht jetzt erst einmal die Integrative Onkologie. Dort ist der Bedarf für qualitativ hochwertige Konzepte mit am drängendsten– und zwar beileibe nicht nur aus Patientensicht.  „Viele Ärzte, die Krebs-Patienten behandeln, leiden unter den Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen“, so Prof. Dr. Ralf-Dieter Hofheinz, Leiter des Tages-TherapieZentrums am Interdisziplinären Tumorzentrumder Universitätsklinik Mannheim. „Viele merken am eigenen Leib, dass die Form von Medizin, die von uns Ärzten heute verlangt wird, krank macht. Das lässt sich auch nicht durch irgendwelche Verschiebungen bei der Work-Life-Balance oder durch Wellness am Wochenende ausgleichen. Die Ärzte spüren intuitiv, dass es eine andere Medizin braucht. Eine Integrative Medizin, die den Patienten viel stärker in seinen Bedürfnissen und als ganzen Menschen berücksichtigt, kann zu einer höheren Zufriedenheit und Sinnhaftigkeit führen.“

Die Nachfrage der Patienten nach einer derart ganzheitlichausgerichteten Medizin ist zweifellos vorhanden. „Aber wir wollen nicht einfach nur eine Nachfrage bedienen, sondern wir wollen systematisch vorgehen und Empfehlungen erarbeiten“, sagt Prof. Hofheinz. Darin fließen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung mit ein, allerdings nicht nur auf der Basis von Studien mit ihren großen Statistiken (externe Evidenz), die den Einzelfall nicht berücksichtigen, sondern in erster Linie im Sinne der gesicherten Behandlungserfahrung der Ärzte in den beteiligten Kliniken (interne Evidenz) und unter Einbeziehung der Präferenzen der Patienten. „Leitlinien", so Prof. Dr. Ralf-Dieter Hofheinz, „sind gut und wichtig, aber sie sind Orientierungshilfen, keine Richtlinien. Wenn wir unsere therapeutischen Entscheidungen allein darauf aufbauen, wiegen wir uns in trügerischer Sicherheit. Selbst die schulmedizinischen Verfahren kommen oft nicht über einen nennenswerten Evidenzgrad hinaus. Für uns Ärzte ist es wichtig, auch mal anders auf Patienten zu schauen.“


Die vollständige Version dieses Artikels finden Sie in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #12 (zur Printausgabe). 

„Ich habe einen anderen Blick auf das Leben gewonnen“

Interview mit Kurt Langbein

Kurt Langbein (geb. 1953) wurde bekannt als Mit-Autor der „Bitteren Pillen“, einem 1984 erstmals erschienenen kritischen Ratgeber über Nutzen und Risiken von Arzneimitteln, Verfasser von pharmakritischen Büchern wie „Gesunde Geschäfte“, „Gift-Grün. Chemie in der Landwirtschaft und die Folgen“ oder „Das Medizinkartell. Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie“  sowie als engagierter Journalist und Filmemacher. Viele Jahre lang war er ein großer Verfechter der evidenz-basierten Schulmedizin. Seine jüngsten Publikationen „Weißbuch Heilung: Wenn die moderne Medizin nichts mehr tun kann“ und „Radieschen von oben: Über Leben mit Krebs“ zeugen jedoch von einer radikalen Kehrtwende hin zu einer integrativen, individuellen Heilkunst. Wir sprachen mit ihm über diese sehr persönliche Gesundheitswende.

Sie haben in den vergangenen Jahren mehrere Krebserkrankungen erlitten, zuerst war es 2005 Darmkrebs, dann 2007 Hautkrebs, schließlich 2010 Prostatakrebs. Die Auseinandersetzung mit diesen Erkrankungen hat bei Ihnen ein radikales Umdenken bewirkt. Wie kam es dazu?

Kurt Langbein: Dieser Wandel hat sich auf mehreren Ebenen vollzogen. Zum einen ging er zurück auf die Auseinandersetzung mit dem, was real unter dem Etikett "evidenz-basierte Medizin" stattfindet. Die Industrie mit ihren enormen Mitteln schafft es, diese Instrumente der Evidenz, die ich vom Grundsatz her nach wie vor für gut gedacht halte, für sich in Besitz zu nehmen. Ich habe mir Studien mit dem Etikett „hohe Evidenz" genau angeschaut. Wenn man sich da die Ein- und Ausschlusskriterien vornimmt, bleiben oft nur noch fünf bis zehn Prozent der Patienten übrig, die in die Studie aufgenommen werden. Diese fünf Prozent sind aber genau diejenigen, die für das Krankheitsbild am wenigsten typisch sind: Sie dürfen keine andere Erkrankung haben, kein anderes Risiko, es muss alles ausschließlich auf die zu testende Organfunktion bezogen sein. Das ist im realen Leben fast nie der Fall. Die Evidenz bezieht sich also nur auf eine kleine, eigentlich irrelevante Minderheit. Repräsentativ für die vielen Kranken, um die es wirklich geht, ist das in keiner Weise. Es handelt sich hier um ein sehr schmal gedachtes Verständnis von Ursache und Wirkung, das die Komplexität der Medizin und des Menschen ignoriert.

Das ist ja aber eher die abstrakte Ebene, hier spricht jetzt der Wissenschaftspublizist. Wie war das für den Patienten Kurt Langbein?

KL: Mein Wissen und mein Rüstzeug als Journalist hat mir bei meinen Erkrankungen natürlich sehr geholfen. Aber es kam dann doch wie ein Donnerwetter über mich, als ich mir eingestehen musste, dass vieles von dem, was ich selbst gepredigt habe und wovon ich zutiefst überzeugt war, nicht nur nicht sinnvoll ist, sondern einfach nicht stimmt.

Woran konnten Sie das festmachen?

KL: Es fängt schon bei der Wahl der Therapie an. Da ist die Statistik sicher eine wichtige Hilfe, ich sollte schon davon überzeugt sein, dass das, was ich vorhabe zu tun, einigermaßen sinnvoll ist. Dazu gehört auch die Kenntnis der Wahrscheinlichkeit. Ich als Betroffener sehe  das aber in einem völlig anderen Licht als ein Arzt, der mir dieses oder jenes empfiehlt. Ich kann nicht zu 20 Prozent leben oder zu 80 Prozent sterben – oder umgekehrt. Für mich gibt es nur 100 Prozent oder Null. Das ist eine völlig andere Ausgangsposition, die ich selbst auch sinnlich für mich erlebt habe. Die 40 Prozent Wahrscheinlichkeit, nicht mehr gesund zu werden, sind mir in den ungünstigsten Zeitpunkten vorgekommen wie 100 Prozent. Und in den besten Phasen wie null Prozent.

Für welche Therapie haben Sie sich schließlich entschieden?

KL: Für eine Kombination aus äußerer und innerer Bestrahlung. Das war damals noch experimentell, weil es noch keine über zehnjährige Beobachtungszeit gab. Heute ist das eher ein gängiges Verfahren. 

Wie sind Sie dabei beraten worden? Welche Erfahrungen haben Sie auf dem Weg zu dieser Entscheidung gemacht?

KL: Da gab es sehr große Unterschiede. Die Auseinandersetzung mit dem Urologen ist mir noch sehr gegenwärtig, weil das ein guter Bekannter von mir war, dessen Engstirnigkeit ich erst in diesem Zusammenhang kennengelernt habe. Als ich von meiner Entscheidung für die kombinierte Strahlentherapie erzählte, meint er nur: ‚Wenn Du Dich für dieses Vorgehen entscheidest, brauchst Du gar nicht mehr zu mir zu kommen.’ Als ich diesen Urologen dann nach einiger Zeit wieder traf und er den positiven Verlauf nicht ignorieren konnte, sagte er: ‚Na ja, warten wir mal das nächste Jahr ab. Das wird nicht gut gehen.’ Dass Ärzte so reagieren können, ist mir unbegreiflich.

Das nimmt ja auch jeden Mut und jede Hoffnung.

KL: Wir wissen, und das ist vielfach belegt, wie wichtig die eigene Überzeugung und die Hoffnung für die tatsächlichen Heilungschancen sind. In diesem Licht muss man die Forderung nach umfassender Aufklärung neu denken – da nehme ich auch mich selbst mit in die Kritik. Eine umfassende Aufklärung im technischen Sinne ist eigentlich nicht zu verantworten, weil sie in erster Linie auf statistischen Wahrscheinlichkeiten beruht. Und dann heißt es oft: ‚Wir können nicht mehr viel für Sie tun. Wir können nur noch palliativ vorgehen, also beschwerdelindernd, nicht mehr kurativ, heilend. Sie müssen damit rechnen, dass Sie noch drei bis sechs Monate leben werden. Sehen Sie zu, dass Sie die gut nutzen.’ Als Patient empfindet man das wie ein Todesurteil! Damit geht dann auch noch der letzte Rest an Hoffnung verloren.

Wie sollte denn Ihrer Meinung nach die Aufklärung über Möglichkeiten und Risiken aussehen?

KL: Ich glaube, sie muss einerseits die Dinge beim Namen nennen, aber sie muss auch empathisch sein, sensibel. Sie darf die Hoffnung nicht nehmen. Was dann im Einzelfall aus wissenschaftlicher Sicht ratsam ist und was nicht, sollte sich dem unterordnen. Entscheidend ist der Einzelne. Für ihn gibt es kein Pauschalrezept, sondern jeder muss für sich entscheiden, wie viel er wissen will und welche therapeutischen Konsequenzen sich in seinem Fall daraus ergeben.

Was bedeutet für Sie ‚Heilung’? Die Onkologie definiert das relativ willkürlich als Fünf-Jahres-Überleben. Das kann es ja aber nicht sein.

KL: Die Medizin – und da zähle ich jetzt alle Richtungen dazu – kann nicht heilen. Heilen kann nur der Mensch sich selbst. Die Medizin kann nur helfen, dass Heilung möglich wird. Und sie kann das mehr oder weniger effizient, mehr oder weniger passend. Heilen bedeutet für mich die Wiederherstellung der verloren gegangenen Balance im System Mensch. Man kann hier – und das zeigt die moderne Neurobiologie ganz klar – Körper und Geist nicht mehr trennen, das ist eine Einheit. Diese Einheit kann, wenn sie in Balance ist, mit extrem vielen gesundheitlichen Herausforderungen fertig werden, auch mit den täglich bei jedem Menschen auftretenden 10-100.000 Krebszellen. Wir bekommen ja ständig Krebs als normale, millionenfach passierende Teilungsfehler. Wenn dieses wunderbare System in Balance ist, dann gibt es einen Zustand der Ausgeglichenheit, den wir Gesundheit nennen. Und wenn es gelingt, diese Balance wiederherzustellen, dann können offenkundig auch ganz schwerwiegend erkrankte Menschen wieder gesund werden. Das zeigen ja die so genannten Spontanheilungen.

Wir haben vorhin von der evidenz-basierten Medizin gesprochen und Sie haben gesagt, dass Sie die Grundlagen davon weiterhin für richtig halten. Wie sollten wir heute mit der Evidenz umgehen? 

KL: Ich denke, wir müssten zunächst die Erkenntnis verbreiten, wie schmal der Wissensstand ist, der durch so eine Statistik zustande kommt. Statistik in ihrer schmalen Aussagekraft gilt ja immer noch als die eigentliche Wurzel der Erkenntnis, was sicher falsch ist. Zum anderen brauchen wir aber natürlich Orientierungen, und ich wäre sehr froh, wenn es einer unabhängigen Wissenschaft gelänge, Instrumente zu entwickeln, die intelligenter sind als die simple Statistik, und die der Komplexität von Krankheits- und Heilungsprozessen zumindest in Ansätzen Rechnung tragen. Wirklich abbilden werden wir sie nie können. Auch das ist, glaube ich, eine grundlegende Erkenntnis. Trotzdem sollte es natürlich im Hinblick auf Therapiemaßnahmen eine Form der Erkenntnis geben, die über reines Erfahrungswissen hinausgeht. Denn wir wissen ja, dass dieses trügerisch sein kann und oft auch ist.

Wie könnte diese Form der Erkenntnis aussehen?

KL: Die Kliniken, in denen heute eine integrative Medizin praktiziert wird, sind dafür ein gutes Vorbild. Da gibt es Ärzte mit einer umfassenden, klassisch-medizinischen Ausbildung, aber auch mit einem vernünftigen, evidenzorientierten Wissen zu den anderen Therapiemethoden. Zusammen mit Psychologen, Mentaltrainern und anderen Therapeuten verschiedener Richtungen stellen sie auf der Basis dieses komplexen Wissens und im Dialog mit dem Patienten eine Therapie zusammen, die seinen Stärken und Schwächen und seiner Ausgangslage Rechnung trägt. Das erscheint mir vorbildlich und zukunftsweisend!


Das vollständige Interview ist in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #01 veröffentlicht. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Das Wichtigste ist die Behandlungsfreiheit!

Interview über das Netzwerk Ganzheitsmedizin in Berlin

Berliner Wedding: Auf der einen Straßenseite Eckkneipen, Dönerbuden und 1-Euro-Shops, auf der anderen das Virchow-Klinikum der Charité. Mittendrin die Praxis von Dr. Erich Freisleben, dem Mitgründer und Geschäftsführer des Netzwerks Ganzheitsmedizin Berlin gGmbH, in dem sich ca. 40 niedergelassenen Ärzten, das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe und die Naturheilabteilung des Immanuel Krankenhauses zusammengeschlossen haben. Im Erdgeschoss der Praxis findet man ein Café mit dem schönen Namen „Platane des Hippokrates“. Hier können die Patienten auch warten, es gibt Kaffee und Kuchen und einen Mittagstisch – ganzheitliche Medizin im besten Sinne.

Dr. Erich Freisleben führt eine klassische Hausarztpraxis, hier wird sich noch gekümmert, hier kennt man den Kiez und vor allem jeden einzelnen Patienten. Ganz bewusst will der Arzt nicht nur für naturheilaffinen Besserverdiener aus wohlhabenderen Berliner Stadtteilen da sein, sondern gerade für den Wedding mit seinem hohen Migrantenanteil. Das Netzwerk Ganzheitsmedizin hat deshalb ganz bewusst einen Vertrag mit der AOK, der traditionellen Krankenkasse für die „kleinen Leute“, geschlossen. Als Teilnehmer des Programms „Mein AOK Gesundheitsnetz“ profitieren die Patienten über das Netzwerk auch finanziell von dem ganzheitlichen Konzept. Wir sprachen mit Dr. Freisleben über seine Erfahrungen.

GESUNDHEIT AKTIV: Es sieht so aus, als hätten Sie sich hier einen Traum verwirklicht – wollten Sie schon immer Arzt werden?

Erich Freisleben (EF): Ich bin durch eine eigene Krankheitserfahrung zu diesem Beruf gekommen. Als 17jähriger hatte ich eine Tuberkulose und war ein Jahr im Krankenhaus – das machte man damals noch so. Dort habe ich das System erlebt, in all seinen Facetten. Und mein Impuls nach dieser Erfahrung war: Ich will es anders machen!

GESUNDHEIT AKTIV: Mit dem Netzwerk Ganzheitsmedizin gehen Sie ja nun auch einen anderen Weg, warum ist das heutzutage nötig?

EF: Kurz vor der Jahrtausendwende gab es im Gesundheitswesen einen Wechsel von der Vertrauenskultur zur Kontrollkultur. Man hat die ärztliche Behandlungsfreiheit eingeschränkt auf die sogenannte Evidence based Medicine, die als verbindliche Richtlinie ausgegeben wurde. Für mich ist das eine Art „Kochbuchmedizin“. Der Arzt braucht keinen eigenen inneren Anspruch mehr, ethisch zu arbeiten, sondern folgt den Regeln, die man ihm vorgibt. Die Stellschrauben des Systems sind in die falsche Richtung gedreht. Um dem zu entkommen, gibt es derzeit kaum eine andere Möglichkeit, als einen Parallelweg zu gehen, auf dem man es anders macht im Sinne von: Wir bringen diejenigen zusammen, die anders denken und etwas anderes wollen, Ärzte ebenso wie Patienten. Damit können wir zeigen, dass eine ganzheitliche Medizin die Leute nicht nur zufrieden stellt, sondern dass sie auch finanzierbar ist und dass sogar die Versorgungsdaten gut sind!

GESUNDHEIT AKTIV: Dass die Daten gut sind, beweisen Sie ja seit einigen Jahren in der Zusammenarbeit mit der AOK. Wie funktioniert das genau?

EF: Die AOK hat eine ziemlich ausgefeilte Berechnungs-Methodik, mit der sie bei den im Netzwerk eingeschriebenen Patienten bestimmte Kosten hinterlegt, die man normalerweise den entsprechenden Krankheitssituationen zuordnen würde. Damit lässt sich ermitteln, welche Kosten in unserem Netzwerk anfallen und wie teuer die Behandlung außerhalb des Netzwerks wären. Zum Jahresende gibt es eine Abrechnung, und bisher – mit Ausnahme eines Jahres – waren wir immer um etwa 5 Prozent günstiger als die Vergleichsgruppe. Das klingt erstmal nicht viel, spielt aber eine Rolle, wenn es um 5 Prozent von 8 Millionen Euro geht, das ist ungefähr die Summe, welche die Behandlung all unserer Patienten im Jahr kostet.

GESUNDHEIT AKTIV: Wie kommt es zu den 5 Prozent geringeren Kosten?

EF: Es ist die Art der Medizin, die wir hier anbieten. Wir entscheiden anders, gemeinsam mit dem Patienten, das kostet oft weniger. Unsere Haupteinsparungen liegen im Bereich Medikamente und Krankenhausaufenthalte. Allerdings haben wir an anderen Stellen Mehrausgaben, zum Beispiel im Bereich häuslicher Krankenpflege oder bei den Massagen, also in den zuwendungsintensiven Bereichen. Wir sehen aber über die Jahre, dass wir insgesamt immer einige Prozente günstiger sind, und es ist durchaus noch genügend Luft, um eine ganzheitliche Medizin damit zu machen.

GESUNDHEIT AKTIV: Was machen Sie mit dem gesparten Geld?

EF: Wir geben Gutscheine aus, welche die Patienten innerhalb des Netzwerks für Behandlungen und Therapien erhalten, die sonst nicht erstattet werden würden. Das ist nicht auf eine bestimmte medizinische Richtung festgelegt, sondern es kann alles gewählt werden, was im Hufeland-Verzeichnis steht. Das Wichtigste für uns ist uns die Behandlungsfreiheit für die Patienten: Wir wollen, dass der Normalversicherte wieder in den Genuss einer ganzheitlichen Behandlung kommt!


Das vollständige Interview ist in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #12 veröffentlicht. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Eine Medizin für den Menschen

Naturheilkunde in der Forschung

Ein Gespräch mit Dr. Rainer Stange. Er ist seit den 1980er Jahren Experte für Naturheilverfahren und physikalische Universitätsmedizin Berlin. Zudem ist er Präsident des Zentralverbands der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e.V. (ZAEN) und einer der Initiatoren der Initiative „Hippokrates 2.0“. Wir sprachen mit ihm über den derzeitigen Stand der Forschung im Bereich der Naturheilkunde.

GESUNDHEIT AKTIV: Wie hat sich der wissenschaftliche Kenntnisstand auf dem Gebiet der Naturheilkunde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte verändert?

RAINER STANGE: Da hat sich vieles verbessert, weil die Forschergemeinde zu diesem Thema in den vergangenen Jahren international enorm gewachsen ist. Die USA sind hier führend, weil die Forschung dort von staatlicher Seite mit vielen Millionen Dollar gefördert wird. Inzwischen gibt es auch in vielen europäischen Ländern Forschergruppen, die sich naturheilkundlichen Themen widmen.  

GESUNDHEIT AKTIV: Welche Themen sind das zum Beispiel?

RS: Zum Beispiel die Akupunktur, aber auch Qigong und vor allem Yoga. Nahezu jede Studie zu Yoga fällt positiv aus! Das ist schon sehr bemerkenswert. Dagegen gehen andere Atem- und Körpertherapien im Forschungsinteresse leider eher unter. Ich denke jedoch, dass sie im Vergleich mindestens genauso wirksam sind, vor allem bei psychosomatischen Beschwerden. Weil Yoga so populär ist, sind diese anderen Methoden auch in der öffentlichen Wahrnehmung oft nicht präsent, und viele Menschen wissen gar nicht mehr, dass es sie gibt. 

GESUNDHEIT AKTIV: Es wird ja immer wieder darauf verwiesen, dass Komplementärmedizin keine Evidenz aufweisen könne. Wie sehen Sie das?

RS: Je mehr Studien zu einer Methode oder zu einer Fragestellung gemacht werden, desto eher lassen sich die Ergebnisse in Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen zusammenfassen. Das steigert die Evidenz. Deshalb brauchen wir eine vielfältige Forschung zu den verschiedenen Methoden mit dem üblichen wissenschaftlichen Herangehen. Dabei müssen auch Ergebnisse, die einem nicht gefallen, berücksichtigt und veröffentlicht werden. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich da vieles gewandelt. Die nächste Generation von Medizinern und Pharmakologen hat ein anderes wissenschaftliches Wissen und Verständnis als wir, auch im Hinblick auf die Forschungsmethoden.

GESUNDHEIT AKTIV: Viele Methoden der Komplementärmedizin werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, obwohl sie den Patienten helfen. Können Sie das bestätigen?

RS: Das erleben wir leider jeden Tag in unserer Hochschulambulanz, in der wir viele gesetzlich versicherte Patienten behandeln. Ein Beispiel: Seit über 20 Jahren setzen wir Weihrauch bei rheumatoider Arthritis mit sehr guten Erfahrungswerten ein. Das kostet etwa 70 Cent pro Tag bzw. knapp 300 Euro im Jahr. Wir geben das Mittel erst einmal über zwei Monate, um zu sehen, ob es bei diesem Patienten wirkt und wenn ja, verordnen wir es beim nächsten Mal dauerhaft. Aber viele Patienten bekommen die Medikation nicht erstattet und hören deshalb wieder damit auf – sie können die Kosten dafür nicht selber tragen. Das ist sehr schade, weil sie dann eben oft wieder Rückfälle erleiden.

GESUNDHEIT AKTIV: Könnte die Kasse nicht eine Ausnahme machen, wenn sich deutlich gezeigt hat, dass das Mittel wirkt?

RS: Ja, das kann sie grundsätzlich. Das Sozialgesetzbuch sieht solche begründeten Einzelfallgenehmigungen für die Kostenerstattung ausdrücklich vor. Das steht den Krankenkassen grundsätzlich frei. Der Weg dorthin ist für die Patienten allerdings oft beschwerlich, und viele scheuen ihn – sie sind mit der Krankheit ohnehin schon belastet. Aber einen Versuch ist es immer wert. Die Kostenträger müssen mitbekommen, von welchen Verfahren die Patienten profitieren!

GESUNDHEIT AKTIV: Welchen Platz sollte die Naturheilkunde aus Ihrer Sicht künftig in unserem Gesundheitssystem einnehmen?

RS: Die Naturheilkunde wird hoffentlich an Bedeutung zunehmen, daran arbeiten wir aus ganzer Überzeugung! Wohin die Entwicklung tatsächlich geht, ist allerdings offen. Auch wenn sich die evidenzbasierte Medizin sehr sachlich gibt, so steckt doch eine bestimmte Denkweise und letztlich Kultur dahinter. Aber Kulturwechsel sind in alle Richtungen denkbar, etwa dahin, dass Patientenpräferenzen stärker berücksichtigt werden, wenn die Evidenz nur geringe Unterschiede zwischen den verschiedenen Optionen erkennen lässt. Hier ist die ganze Gesellschaft in ihren Autonomie- und Transparenzansprüchen gefragt: Inwiefern zeigt sie sich dafür offen, und mit welchem Verständnis betrachtet sie die Medizin? Die Diskussion darüber ist inzwischen auch in der konventionellen Medizin im Gange, und zwar unter dem Stichwort bestmöglicher individueller Behandlungsoptionen. Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Auf jeden Fall sollten wir gemeinsam mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln daran arbeiten, die Naturheilkunde für alle Menschen sinnvoll und gewinnbringend zu etablieren.


Das vollständige Interview ist in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #12 veröffentlicht. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Den Körper mit Wärme erfüllen   

Wie das Öldispersionsbad den Wärmeorganismus im Menschen stärkt

 

Für jeden, der es zum ersten Mal erlebt, ist es ein Aha-Erlebnis besonderer Art: Da taucht man ein in ein angenehm temperiertes Badewasser, das von einem feinen Ölnebel durchsetzt ist, der sich sanft über die ganze Haut legt. Nach einer kurzen Ruhephase im Wasser folgt eine Bürstenmassage für den ganzen Körper, wiederum gefolgt von einer kurzen Ruhephase. Dann darf man aussteigen, wird in ein großes vorgewärmtes Moltontuch gehüllt und zu einer Ruheliege geführt, wo man für eine mindestens 30-minütige Nachruhe von Kopf bis Fuß in zwei Wolldecken eingehüllt wird. Meist schläft man dabei ein, erfüllt von einem wohligen Wärmegefühl, das sich nach und nach im ganzen Körper ausbreitet. Wird man dann behutsam wieder aus den Decken herausgeschält, fühlt sich der ganze Mensch wie neu geboren – von den Haar- bis in die Fußspitzen. Diese Wirkung hält oft noch viele Tage lang an.

Regelmäßig verabreicht, können solche „Öldispersionsbäder nach Werner Junge“ nicht nur einen chronisch erschöpften Menschen wieder auf die Füße stellen, sondern auch Krankheiten heilen. „Das Öldispersionsbad ist einer der therapeutischen Schätze der Anthroposophischen Medizin“, sagt Dr. Albrecht Warning, Internist und langjähriger Leiter der Abteilung für Akut-Geriatrie und Frührehabilitation an den Kliniken Essen-Mitte. Schon seit 21 Jahren beschäftigt er sich mit dieser speziellen Hydro-Therapie und ihren Wirkungen.

Die Idee des Öldispersionsbads geht zurück auf Rudolf Steiner, der empfohlen hatte, das Öl im Wasser feinst zu zerstäuben, um damit die Lebenskräfte anzuregen, zu stärken und Stoffwechselstörungen zu beeinflussen.

Verwendet wird nicht irgendein Öl, sondern reinstes Olivenöl. Denn die Olive ist eine der wenigen Pflanzen, die Öl nicht nur im Samen, sondern vor allem auch in der Frucht bildet und damit die Sonnenkräfte – Licht, Lebensenergie und Lebenskraft ­– besonders gut speichert. So bekommt der Organismus mit jedem Öldispersionsbad eine gehörige Portion Sonnenlichtqualität. Und zusätzlich dann über ein ätherisches Öl, das dem Olivenöl zugesetzt wird, dessen spezifische Qualitäten – je nachdem, was gebraucht wird. Rose zentriert, Lavendel beruhigt, Brennessel kräftigt und klärt, Eisenhut lindert Schmerzen, Salbei, Eukalyptus und Thymian lindern Erkältungssymptome, Rosmarin regt an, Thuja und Zypresse richten auf, Melisse entspannt – um nur einige Beispiele zu nennen. Insgesamt können bei den Öldispersionsbädern über 70 verschiedene Öle eingesetzt werden.

Die Bäder tragen dazu bei, bei Erschöpfung neue Kraft zu gewinnen, den Wärmeorganismus und die Stoffwechseltätigkeit anzuregen. Ob Neurodermitis, Pilzinfektion, Erkältung, Rheuma, Herzbeschwerden, Schmerzen, Migräne, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen oder Bluthochdruck – es gibt so gut wie keine Situation, in der ein Öldispersionsbad in der Hand eines entsprechend ausgebildeten Therapeuten nicht heilsam und wohltuend wirken könnte.

Was ist das Geheimnis hinter dieser Wirkung? „Das Öldispersionsbad hat das Ziel, den Wärmeorganismus anzuregen und so das Wärmegleichgewicht im Menschen wiederherzustellen“, sagt Dr. Warning,

„Wenn unser Wärmeorganismus ausgeglichen ist, können wir uns selbst fühlen, wir werden uns unseres Selbst bewusst. Dabei entsteht das Gefühl, das jeden von uns innerlich beglückt: Ich weiß, wer ich bin. Ich kenne meine Kräfte. Der Wärmesinn und die Wärmeentwicklung werden im Bad und in der nachfolgenden Ruhepackung ganz neu angeregt, deshalb fühlen sich viele anschließend wie neu geboren – und der ganze Körper ist neu mit Wärme erfüllt. Eine wunderbare Voraussetzung, um gesund zu werden bzw. zu bleiben.“

Adressen von BadetherapeutInnen sind zu erfahren über den Internationalen Verein für Öldispersionsbadetherapie nach Werner Junge e. V. (Vorstand Dr. Albrecht Warning) unter www.oelundwasser.de


Die vollständige Version dieses Artikels finden Sie in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #10 (zur Printausgabe).

Es wirkt: Das Medikament

Placebo Effekt: Paradigmenwechsel in der Forschung

Es ist gängige Auffassung in der Medizin, dass ein Medikament nur dann wirksam ist, wenn es in prospektiven, randomisierten, doppelblinden Studien bei einer nennenswerten Anzahl von Patienten statistisch signifikant nachgewiesen hat, dass es besser wirkt als ein Scheinmedikament (Placebo).Dieses Dogma gerät jedoch mehr und mehr ins Wanken, und es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab in Wissenschaft und Forschung. Ein Gespräch mit Dr. Gunver Kienle, Institut für Angewandte Erkenntnistheorie und Medizinische Methodologie e.V. an der Universität Witten-Herdecke.

Inwieweit folgt die Medizin heute dem Grundsatz, dass nur wirksam ist, was einem Placebo überlegen war?

  1. GUNVER KIENLE: Sie folgt diesem Grundsatz nur sehr eingeschränkt – das ist aber wenig bekannt. Medikamente und auch medizinische Maßnahmen sind nur zu einem Bruchteil auf diese Weise untersucht worden, selbst in den Bereichen, die sehr intensiv beforscht werden. Die Empfehlungen der Leitlinien in der Kardiologie zum Beispiel, wo es um Herzinfarkt, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen geht, beziehen sich nur zu einem kleinen Teil auf Metaanalysen solcher Studien. Eine Metaanalyse fasst alle vorliegenden Studien zusammen und zieht daraus ein Resümee. Die Metaanalyse von randomisierten Studien ist also gewissermaßen die Königsklasse

für die Evidenz – der endgültige Beweis. Die meisten Therapien in der Medizin sind aber nicht nach diesen Grundsätzen untersucht – auch nicht die, von denen man sagt, dass sie wirksam sind.

Regt sich dann nicht auch in der Forschung Widerstand gegen diese Ausschließlichkeit, immer nur die randomisierten Studien zum Maßstab aller Dinge zu erheben?

  1. GUNVER KIENLE: Doch, durchaus. Seit 2000 gibt es zum Beispiel die GRADE-Gruppe. GRADE steht für „Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation“. Diese Arbeitsgruppe versteht sich als informeller Arbeitszusammenhang, um die Empfehlungen im Gesundheitswesen besser beurteilen zu können. Sie bekommt Input und Informationen aus aller Welt. Ihr Fazit ist eindeutig: Die Hierarchie der randomisierten Studien reicht nicht aus, um wirklich eine Empfehlung auszusprechen. Inzwischen sind sogar viele Hardliner aus dem Lager der evidenzbasierten Medizin nicht mehr dafür, die randomisierte Studie zum Goldstandard zu erheben.

Woran kann man das erkennen?

  1. GUNVER KIENLE: Es gab 2014 einen bemerkenswerten Artikel im British Medical Journal von Trisha Greenhalgh, Jeremy Howick und Neal Maskrey. Alle drei kommen unmittelbar aus der evidenz-basierten Medizin (EBM). Der Artikel hatte den Titel: „Evidence based medicine: a movement in crisis?“ Darin bemängeln sie, dass die EBM sich zu weit von der Wirklichkeit entfernt habe und sagen, es sei „Zeit für eine Kampagne, eine wirkliche Evidenz in die Medizin einfließen“ zu lassen. Das bedeutet, eine Methodenvielfalt zuzulassen, aus der heraus erst eine Erkenntnis möglich ist. Diese Haltung ist neu und sie hat sich hierzulande so noch nicht durchgesetzt bzw. sie wird totgeschwiegen. Vielleicht auch deshalb, weil die herkömmliche EBM in der jetzigen bürokratischen Verwaltung des Gesundheitswesens so leicht umsetzbar ist – eine Methodenvielfalt macht da eher Schwierigkeiten.

Was fordern die Wissenschaftler konkret?

  1. GUNVER KIENLE: Zum Beispiel eine stärkere Ausrichtung auf die Individualität des Patienten. In dem Artikel heißt es: „Wirkliche evidenzbasierte Medizin stellt die Sorge für den einzelnen Patienten an erste Stelle, indem sie fragt: Was ist die beste Vorgehensweise für diesen Patienten, unter diesen Umständen, an dieser Stelle der Krankheit oder unter diesen Bedingungen?“ Das heißt: Die Evidenz muss einer patientenzentrierten Medizin dienen – nicht umgekehrt! Die Patientenbedürfnisse müssen in der Forschung erfasst und berücksichtigt werden. Sie fordern außerdem, nicht stur Regeln zu befolgen, sondern stärker den Einzelfall zu berücksichtigen.

Haben sich andere Forscher dieser Meinung schon angeschlossen?

  1. GUNVER KIENLE: Der Kardiologe Eric Topol zum Beispiel, Direktor des international renommierten Scripps Translational Science Instituts in La Jolla in Kalifornien, hat 2012 ein interessantes Buch veröffentlicht – in den USA ist es ein Bestseller – unter dem Titel „Die kreative Zerstörung der Medizin“. Das sagt ein weltweit tonangebender Top-Wissenschaftler! Er meint, dass die Zukunft in Einzelfallstudien liegt, in der „science of individuality“, gestützt durch die Erfassung von Daten über Smartphones und -watches, wie z. B. die Apple Uhr. Er spricht vom „Gutenberg-Moment der Medizin“, an dem wir heute stehen, weil diese Technik die Abkehr vom paternalistischen System ermöglicht, in dem der Arzt weiß, was für den Patienten gut ist, hin zur individualisierten, demokratisierten Medizin.

Kann man daraus ableiten, dass die Placebo-kontrollierte Studie künftig keine Rolle mehr  spielt?

  1. GUNVER KIENLE: Nein, das würde ich so nicht sagen. In der Forschung macht es Sinn, ein Placebo einzusetzen, um andere Einflüsse zu neutralisieren. Der Placeboeffekt besagt ja, dass es Wirkungen und Verläufe gibt, jenseits von pharmakologischen Effekten, und dass eine Heilung viele Ursachen haben kann. Es gibt viele Faktoren außerhalb eines Arzneimittels, die das Kreuzchen bzw. die Zahl im Evaluationsbogen beeinflussen.

 
Das zeigen inzwischen ja auch viele Studien aus der Komplementärmedizin. 

  1. GUNVER KIENLE: Ja, aber diese Studien werden ignoriert. Ich habe selten einen Kritiker der Komplementärmedizin gesehen, der wirklich Ahnung davon hatte, was es dazu an Studien und Forschung gibt. Die meisten behaupten einfach, es gebe nichts. Es liegen weltweit aber rund 20.000 Studien zur Komplementärmedizin vor, es gibt unglaublich viel Forschung und Metaanalysen. Das wird schlicht totgeschwiegen!


  2. Das vollständige Interview ist in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #02 veröffentlicht. Die Printausgabe können Sie hier bestellen.

Es wirkt: Die äußere Anwendung

Wickel und Auflagen in der Medizin

 

Ein Beispiel aus der alltäglichen Arztpraxis, an dem sich dem Wirkung von Wickeln überzeugend zeigt.

Eine 78-jährige Dame leidet an einem Schulter-Arm-Syndrom: Sie kann den Arm nicht mehr heben, drehen oder anwinkeln. Ein anderer Arzt hat ihr dreimal täglich 800 Milligramm Ibuprofen gegen die Schmerzen verordnet. Zusätzlich schluckt sie auf eigene Initiative dreimal täglich Tabletten mit jeweils 500 Milligramm Paracetamol plus viermal täglich 20 Tropfen Metamizol – einen regelrechten Schmerzmittel-Cocktail also, der aber nicht den gewünschten Erfolg hat. Die alte Dame kann nicht mehr schlafen und ist am Ende ihrer Kräfte. Die Blutuntersuchung zeigt deutlich erhöhte Leberwerte – eine Folge des hohen Schmerzmittelkonsums. Die Muskulatur der Halswirbelsäule ist völlig verhärtet, der gesamte Schultergürtel zu einem einzigen Muskelpaket verbacken. Die Berliner Allgemeinärztin Astrid Sterner legt als erstes einen Ingwer-Wickel auf den Nacken- und Schulterbereich. Schon unmittelbar danach verbessert sich die Beweglichkeit der Schulter und des Armes, die Schmerzen lassen nach. Den Wickel legt die alte Dame jetzt zuhause täglich an. Nach drei Tagen ruft sie in der Praxis an und teilt mit, dass sie alle Schmerzmittel absetzen konnte. Künftig legt sie zusätzlich noch über Nacht einen Heilwolle-Wickel mit einer aufgesprühten Mischung aus Ameisensäure, Johanniskraut und Arnika auf die Schulter. Das ist jetzt sieben Monate her. Inzwischen kann sie den Arm wieder frei bewegen.

Wie kann etwas so Einfaches, Preiswertes und nach kurzer Anleitung leicht von jedem selbst Auszuführendes wie ein Wickel eine so nachhaltige Wirkung entfalten? „Der Schuhlöffel ist immer die Wärme“, sagt Astrid Sterner. „Die Wärme führt den Menschen zu sich, sie hilft ihm, sich selbst wieder wahrnehmen zu lernen. Es ist die Ruhe, das Zu-sich-Kommen, abgeschottet zu sein von allem, was einen sonst beschäftigt. Es ist auch das Eingehülltwerden in den Wickel, in das Tuch, in die Wolldecke, in die Wärme.“

Sie mache gern und oft Wickel, weil sie merke, dass man damit häufig „sehr viel schneller eine Wende im Krankheitsprozess herbeiführen kann“. Ohne Wickel brauche das meist länger: „Die Patienten spüren bei einem Wickel: Sie sind gemeint, sie sind angesprochen, dadurch ändert sich die Selbstwahrnehmung.“

Hinzu kommt dann noch die spezifische Wirkung der Substanz, mit der der Wickel gemacht wird. Dabei wird die Haut als Wahrnehmungsorgan genutzt, um über Teeauszüge, Öle, Salben, Essenzen und anderes eine bestimmte Wirkung zu erzielen: entspannen, beruhigen, zentrieren, aktivieren, Schmerzen lindern, die Wundheilung fördern und vieles mehr. So eingewickelt zu werden bedeutet auch, „gehalten" zu werden. Wenn der Wickel angelegt wird, erfahren die Patienten eine ungeteilte menschliche Aufmerksamkeit – etwas, was viele Menschen heute nur noch selten erleben. Auch deshalb entfalten äußere Anwendungen eine so intensive Wirkung. 

Je akuter die Situation, desto intensiver sollte der Wickel sein. Ein gutes Beispiel dafür ist der Senf-Brustwickel bei Bronchitis und Lungenentzündung. „Damit muss man sich aber gut auskennen“, warnt Astrid Sterner. „Wenn der Wickel zu lange liegenbleibt, kann das Senfpulver die Haut verbrennen – bei Blonden und Rothaarigen genügen fünf Minuten, bei Brünetten und Schwarzhaarigen darf es etwas länger sein, weil deren Haut unempfindlicher ist. Mit diesen Wickeln haben wir im vergangenen Winter alle Lungenentzündungen gut und ohne Antibiotika ausheilen können.“

Im Gegensatz zu stark reizenden Wickeln wirken Öl- und Teewickel wesentlich sanfter, jedoch nicht weniger intensiv: Schachtelhalm-Nierenwickel und Schafgarben-Leberwickel regulieren die jeweiligen Organfunktionen. Bei Erkältungen hilft z. B. ein Zitronen-Hals- oder -Fußwickel. Fußwickel? „Ja“, sagt Astrid Sterner, „dabei legt man Zitronenscheiben auf die Fußsohlen, dadurch wird der Schmerz nach unten über den Fuß abgeleitet. Die Halsschmerzen lassen dann rasch nach.“ 

Warum aber werden Wickel immer noch so selten eingesetzt, wenn sie doch so schnell, so gut und so nachhaltig wirken? „Viele Menschen denken heute so abstrakt, und sie haben keine Vorbilder mehr, die ihnen die Wickel nahe- und beigebracht haben“, meint Astrid Sterner. „Es ist ja alles im Grunde nicht schwierig, man muss es einfach tun. Aber gerade dieses ‚einfach tun' ist offenbar eine große Hürde. Am effektivsten ist es, wenn Menschen selbst erfahren haben, wie gut so ein Wickel wirkt – ich kenne das von unseren Mitarbeiterinnen. Seit sie aus eigener Erfahrung wissen, wie wohltuend ein Wickel ist, lieben sie es, Wickel bei Patienten anzulegen. Und wenn mehr Mütter und Väter selbst erfahren könnten, wie gut Wickel wirken, würden sie diese bei ihren Kindern vermutlich auch häufiger anwenden. Denn dann haben sie selbst erlebt, wie einfach und wie wirksam das ist.“


Die vollständige Version dieses Artikels finden Sie in GESUNDHEIT AKTIV - DAS MAGAZIN #2 (zur Printausgabe).