Informationen zur Organspende

Hirntod, Organvergabe, Organspendeausweis

Es sind Fakten, die eine deutliche Sprache sprechen: In den vergangenen Jahren ist die Bereitschaft zur Organspende tendenziell zurückgegangen bzw. verhalten. Zudem erschütterten mehrere Skandale rund um die Organ-Vergabepraxis das Vertrauen der Bevölkerung. Ärzte hatten die Akten ihrer Patienten manipuliert, um diese auf der Warteliste nach oben zu schieben – nicht nur im Interesse des Schwerstkranken, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn so manche Klinikleitung hatte ein Bonussystem für Transplanteure ausgeschrieben: Je mehr Organe sie verpflanzen, desto höher das Gehalt. Und desto größer der Gewinn für die Klinik. Denn die Krankenkassen honorieren so eine Transplantation mit sechsstelligen Summen.

Hinzu kommt aber noch ein weiteres: Schon seit 2010 diskutiert die wissenschaftliche Fachwelt über den Hirntod als Todeskriterium. Er wurde 1968 von der Harvard Medical School allein aufgrund neurologischer Befunde als Todeszeitpunkt definiert, um die gerade aus der Taufe gehobene Transplantationsmedizin nicht zu blockieren. Denn Organe durften nur Toten entnommen werden, nicht Lebenden („dead-donor-rule“). Organe mussten aber, damit sie überhaupt verpflanzt werden konnten, möglichst lange „lebendig“ bleiben, während der Mensch, dem sie entnommen werden, möglichst „tot“ sein musste. Da war der Hirntod, der irreversible Funktionsverlust des Gehirns, eine nahezu ideal erscheinende Lösung.

Inzwischen wird jedoch mehr und mehr in Frage gestellt, ob es sich bei hirntoten Patienten tatsächlich um Verstorbene oder womöglich schon um Leichen handelt – zeigen sie doch noch alle Zeichen von Leben: sie können ihre Körpertemperatur regulieren, ausscheiden, Wunden verschließen, Infekte bekämpfen, wachsen, sogar in die Pubertät kommen oder ein gesundes Kind austragen. So stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie tot ist ein Hirntoter?

Dies umso mehr, als namhafte Ärzte in einem Offenen Brief an die Bundesärztekammer im März 2014 strengere Richtlinien für die Hirntodbestimmung und eine höhere Qualifikation der Ärzte, die den Hirntod feststellen dürfen, einforderten. Zu diesem relativ spektakulären Mittel des Offenen Briefes griffen die Ärzte nicht ohne Grund: Im Februar 2014 publizierte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel unter der Schlagzeile: „Ärzte erklären Patienten oft fälschlich für hirntot“. Darin heißt es, dass SZ-Recherchen zufolge schon ausgestellte Totenscheine korrigiert werden mussten, weil die für die Hirntod-Diagnostik vorgeschriebenen Richtlinien nicht eingehalten worden waren. In acht Fällen aus den zurückliegenden drei Jahren hatten Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) die Fehler gerade noch rechtzeitig vor der Organentnahme entdeckt. Namhafte Ärzte hatten schon seit vielen Jahren eine spezielle, zertifizierte Qualifizierung für diejenigen unter ihren Kollegen eingefordert, die den Hirntod diagnostizieren sollen.

Wie tot ist ein Hirntoter? 

GESUNDHEIT AKTIV hat sich schon seit vielen Jahren immer wieder auf Kongressen rund um das Thema „Ethik des Sterbens – Würde des Lebens“ mit diesen Fragen auseinandergesetzt. In dieser Tradition stand auch eine Tagung im Mai 2014 in Berlin unter dem Motto: „Organspende – Sie entscheiden!“ Dabei ging es vor allem auch um die spirituelle Dimension, die gerade beim Thema Organspende für viele Menschen eine große Rolle spielt: Was passiert am Übergang zwischen Leben und Tod mit dem Bewusstsein, mit Seele und Geist? Diese Fragen bewegen viele Menschen, und sie können aus der Diskussion um den Hirntod als Todeskriterium nicht herausgehalten werden.  

Dies umso mehr, als seit 2012 jeder Deutsche über 16 Jahren aufgefordert ist zu erklären, ob er einer Organspende zustimmt oder nicht. Viele fühlen sich damit zu einer Entscheidung gedrängt, ohne eine richtige Grundlage dafür zu haben. Wichtige Fragen werden in den offiziellen Materialien gar nicht erst angesprochen oder inhaltlich unzureichend beantwortet:

  • Wie ist der Hirntod definiert?
  • Welche Untersuchungen sind dafür nötig? Und wie stark belasten sie den Patienten? 
  • Ist ein Hirntoter wirklich tot?
  • Was passiert bei der Organentnahme?
  • Wann müssen sich Angehörige von einem Organspender verabschieden? Dürfen sie ihn bis zum letzten Atemzug begleiten?

GESUNDHEIT AKTIV möchte einen Beitrag leisten zu einer offenen, sachlichen Auseinandersetzung und eine freie Entscheidungsfindung ermöglichen. Deshalb haben wir eine Broschüre auflegt, die zum einen die wichtigsten Vorträge des Kongresses "Organspende: Sie entscheiden!" dokumentiert und ebenso einen Workshop zu einem Schulprojekt zum Thema Organtransplantation, das in einer 12. Klasse der Waldorfschule in Witten stattgefunden hat. Ergänzt wird dieses Material durch ein aktuelles Interview mit dem namhaften  Neurologen und Neuro-Intensivmediziner Prof. Dr. Rudolf W. C. Janzen über die Problematik der Hirntod-Diagnostik.

Anlässlich des Kongresses drehte die renommierte Fernsehjournalistin Silvia Matthies einen Film zum Thema Organspende, der als DVD zur Verfügung steht und für Projekte sowie als Unterrichtsmaterial an Schulen eingesetzt werden kann. Der Film entstand in Kooperation mit dem Bund der Freien Waldorfschulen und mit Unterstützung der Christophorus-Stiftung in der GSL Treuhand e.V., wofür wir uns herzlich bedanken. 

Auf den folgenden Seiten finden Sie weitere Informationen zu den Themen Organtransplantation, Hirntod-Diagnostik und Organvergabe in Deutschland. 

Die DVD "Organspende: Sie entscheiden" sowie die Broschüre können Sie hier bestellen.

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