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Auf dem Abstellgleis

Immer noch erschwerte Bedingungen für die Pflege

 

Newsletter Juni 2021 - Zwar hat der Deutsche Bundestag inzwischen das "Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz" (GVWG) in zweiter und dritter Lesung beschlossen, aber viel wird sich dadurch nicht verbessern, selbst wenn Pflegekräfte damit etwas besser bezahlt werden und Pflegebedürftige und deren Angehörige damit entlastet werden sollen. Von einer umfassenden Pflegereform kann jedenfalls keine Rede sein. 

Eine „erschütternde Zwischenbilanz“ zog der Verbund Pflegehilfe: Nach wie vor gibt es kaum Lockerungen in den Pflegeheimen, pflegende Angehörige werden bei den Impfterminen oft nicht bevorzugt, Corona-Sonderleistungen durch die Pflegekassen meist abgelehnt. Und das, wo es jetzt überall wieder leichter wird – nur nicht für die Pflegebedürftigen. Die größten Probleme liegen in den Finanzen. Pflegehilfsmittel wie Mundschutz und Desinfektionsmittel werden von den Pflegekassen nicht erstattet, die Angehörigen können die Kosten dafür aber kaum selbst bestreiten, weil sie oft selbst durch Corona hohe finanzielle Einbußen erlitten. Die Kassen reden sich meist damit heraus, dass diese Hilfsmittel nur professionellen Pflegedienste zustünden. „Das stimmt nicht“, betont Johannes Haas, Geschäftsführer des Verbunds Pflegehilfe. „Alle Personen mit Pflegegrad haben das Recht auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, völlig unabhängig davon, ob man einen Pflegedienst beschäftigt oder nicht. Leistungen unter diesem Vorwand abzulehnen, ist nicht legitim.“

Dramatisch ist die Situation offenbar auch in vielen Pflegeheimen, wo es bislang keine flächendeckenden Lockerungen gibt und die nunmehr schon über anderthalb Jahre anhaltende Isolation weiter andauert. Für die Pflegebedürftigen ist das ein unhaltbarer Zustand. Bei vielen sei die „Psyche am Ende, sie halten es nicht mehr aus“, sagt Haas. Nicht wenige haben sich aus dieser verzweifelten Situation heraus das Leben genommen.

Demgegenüber bescheinigt sich die Bundesregierung „Fortschritte in der Pflege“: „Von den jüngsten Pflegereformen haben sowohl Pflegebedürftige wie auch Pflegekräfte stark profitiert“, so der 7. Pflegebericht, den das Bundeskabinett am 19. Mai verabschiedete. Viele Menschen erhielten jetzt höhere Leistungen. Die Anzahl der Menschen, die Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung haben, sei um 50 Prozent auf ca. vier Millionen gestiegen. Auch die Mindestlöhne in der Langzeitpflege seien erhöht und erstmals Mindestlöhne für Pflegefachkräfte eingeführt worden.

Der Pflegerat indes bewertet dies eher skeptisch und hält diese Aussagen für wenig relevant. Der reine Zuwachs an „Köpfen“ könne durch einen höheren Anteil an Teilzeit sogar ein Stellenminus bedeuten.

Der „Rat der Arbeitswelt“ hat deshalb unverzüglich Verbesserungen für die Pflege gefordert und auch die Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie) dringen auf eine zügige Pflegereform, und zwar noch vor der Bundestagswahl. Das System kranke weiterhin an maßgeblichen Stellen: schlechte Bezahlung, mangelnde Fachkräfte, fragliche Qualifikationen. „Wir wollen, dass künftig nur noch Anbieter, die Tarifregelungen vorweisen können, durch die Kassen zur Pflege zugelassen werden“, sagt Caritas-Präsident Peter Neher. Das müsse noch vor der Wahl geregelt werden. Auch die Eigenanteile der Pflegebedürftigen müssten überschaubar bleiben, fordert Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Zurzeit lägen sie mit bald mehr als 3.000 Euro „jenseits jeder vernünftigen Grenze“. Pflege dürfe kein Luxusgut sein.

Quellen:
Presseerklärung des Verbunds Pflegehilfe, 19. Mai 2021
aerzteblatt.de, 19., 20. und 21. Mai 2021

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Neu aufgestellt 

Die Unabhängige Patientenberatung wird reformiert

 

Newsletter Juni 2021 - Die Unabhängige Patientenberatung in Deutschland – kurz UPD – ist für Bürger*innen und Patient*innen eine wichtige Anlaufstelle, um sich in gesundheitlichen sowie gesundheitsrechtlichen Fragen kostenfrei informieren und beraten zu lassen. Die UPD arbeitet und berät gemeinnützig im gesetzlichen Auftrag und wird bisher alle sieben Jahre neu ausgeschrieben.

Nun entschied die Regierungskoalition Ende Mai, dass die UPD ab 2024 nicht mehr von privaten Unternehmen, sondern von einer Stiftung getragen werden soll. Konkret darf sich damit aber erst die im Herbst dann neu gewählte Regierung befassen. „Eine umfassende Regelung zur Neuausrichtung der UPD in der noch laufenden Legislaturperiode kann aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Arbeitsbelastung auf allen Seiten nicht mehr umgesetzt werden“, heißt es in dem Änderungsantrag.

Der aktuelle UPD-Vertrag läuft Ende 2022 aus, soll jetzt aber ohne Ausschreibung um ein Jahr verlängert werden, um parallel die Rahmenbedingungen der Stiftungslösung auf den Weg bringen zu können. Brisant dabei ist, dass die Patientenberatung noch von der UPD gGmbH geführt wird, einer Tochter der Sanvartis GmbH, einem gewinnorientierten Kommunikationsdienstleister im Gesundheitsbereich. Von den gesetzlichen Krankenkassen erhält die UPD eine jährliche Fördersumme von stattlichen 9,6 Millionen Euro. Erst Mitte letzten Jahres zweifelte der Bundesrechnungshof in seiner Stellungnahme die Verwendung dieser öffentlichen Mittel an. Denn rund ein Drittel der jährlichen Fördersumme wurde für verschiedene Leistungen an die Muttergesellschaft überwiesen.

Kritik und Zweifel an ihrer Unabhängigkeit und ihren Beratungsleistungen rissen jedoch bereits seit ihrem Neustart in 2016 nicht ab.

Die Stiftungslösung soll nicht nur das Ende der Ausschreibungen bedeuten, sondern die Dauerkritik beenden und eine höhere öffentliche Akzeptanz und Glaubwürdigkeit nach sich ziehen. Befürworter*innen in der Politik liebäugeln auch deshalb mit diesem Modell, weil es eine breite Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen möglich macht.

GESUNDHEIT AKTIV meint:
Man kann nur wünschen, dass die angestrebte Lösung nun auch zu Ergebnissen führt, die Menschen an der Basis spüren können. Das allerdings bleibt hier noch fraglich. Stiftungen sind primär auf Stabilität hin orientiert. Gerade in der Beratung jedoch geht es um eine gewissen Offenheit. Ob diese dadurch zu gewährleisten ist, dass große Organisationen über ihre Funktionäre einwirken, muss bezweifelt werden. Aspekte und Ergebnisse aus der Integrativen Medizin mit einfließen zu lassen, war bisher in keiner Version der UPD wirklich möglich, auch wenn sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dafür interessiert. Es bleibt eine vage Hoffnung, dass es gelingt, die „Zivilgesellschaft“ in angemessener Form auch innerhalb dieser Stiftung für die UPD zu berücksichtigen.

Quellen:
aerzteblatt.de, 20. Mai 2021
aerztezeitung.de, 11. Mai 2021

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Kassen-Alternative

Bundestag erkennt Solidargemeinschaften an

 

Newsletter Juni 2021 - Der Bundestag hat entschieden: Solidargemeinschaften sind eine zulässige Absicherung im Krankheitsfall und damit eine vollwertige Alternative zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung. Damit haben die Solidargemeinschaften nun endlich Rechtssicherheit.

Der Gesetzgeber verpflichtet die Gemeinschaften mit seinem Beschluss hauptsächlich zu zwei Kriterien – sie müssen ihren Mitgliedern Leistungen in „Art, Umfang und Höhe” der gesetzlichen Kassen garantieren und zudem ihre Leistungsfähigkeit von Gutachtern regelmäßig überprüfen lassen – beides erfüllen die Solidargemeinschaften schon seit langem. Die mangelnde Festlegung auf diese Kriterien hatte in der Vergangenheit immer wieder dazu geführt, dass Krankenkassen ihren Mitgliedern den Wechsel verweigerten, zudem erkannten die Finanzämter die Absetzbarkeit der Mitgliedsbeiträge nicht an. Das hat jetzt ein Ende.

Grundsätzlich ist die Idee einer Solidargemeinschaft in der Krankenversicherung nicht neu und geht auf die ersten berufsständischen Unterstützungskassen der 1920er und 30er Jahre zurück. Sie sicherten bestimmte Berufsgruppen für den Krankheitsfall ab. Seit den 1970er Jahren nahm die Zahl der Solidargemeinschaften zu, weil sie ein Gegenmodell zu den bestehenden Krankenversicherungen bildeten, die meist nur Behandlungsmethoden aus der konventionellen Medizin erstatteten, nicht aber zusätzliche Verfahren wie Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Naturheilkunde, Chinesische Medizin, Ayurveda. In den Solidargemeinschaften entscheiden die Mitglieder selbst über die für sie geeigneten Behandlungsformen. Ein klar definierter Leistungskatalog, der einzelne Methoden von vornherein ausschließt, besteht nicht.

Der Verband der privaten Krankenversicherer kritisiert den Beschluss des Bundestages als „unverantwortlich”, da im Falle einer Zahlungsunfähigkeit oder Auflösung einer Solidargemeinschaft deren Mitglieder von der GKV oder PKV übernommen werden müssen, ohne dass sie in dieses System jemals eingezahlt hätten. Ob solche Fälle allerdings eintreten (die Solidargemeinschaften rückversichern sich auch selbst) und in welchem Maße, bleibt zunächst reine Spekulation. Bislang sind etwa 20.000 bis 25.000 Menschen in Deutschland solchen Gemeinschaften organisiert.

Quellen:
Pressemitteilung der Samarita, 18. Mai 2021
aerztezeitung.de, 20. Mai 2021
boerse-online.de, 3. Juni 2021
procontra-online.de, 4. Juni 2021

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Behandlung online?

Telemedizin auch in der Integrativen Onkologie

 

Newsletter Juni 2021 - Um die Ansteckungsgefahr für besonders vulnerable Patientinnen und Patienten während der COVID-19-Pandemie weitestmöglich zu reduzieren, wurden viele Behandlungsmethoden, gerade auch in der Integrativen Onkologie, ins Internet verlagert.

Eine Arbeitsgruppe der „Society for Integrative Oncology“ (SIO) hat nun Expert*innen aus 19 verschiedenen Ländern befragt und die bereits veröffentlichte Literatur zu diesem Thema ausgewertet. Aus den Ergebnissen ist ein Empfehlungskatalog entstanden, wie Ärzt*innen und Therapeut*innen die telemedizinische Versorgung sinnvoll und für die Patient*innen gewinnbringend gestalten können. Besonders wichtig erschien es der Arbeitsgruppe, auf die Skepsis und Sorgen sowohl der Patien*tinnen und ihrer Angehörigen als auch der behandelnden Kolleg*innen einzugehen, denn natürlich lässt sich der persönliche, vertrauensvolle Kontakt nicht sofort eins zu eins am Bildschirm ersetzen.

Der Katalog enthält z. B. verfahrenstechnische Empfehlungen, um die Technik sicher handhaben zu können, oder den Rat, die Kommunikation anzupassen, indem man langsam und deutlich spricht, eventuell auch die Sitzung aufzuzeichnen, damit sie später nochmals angeschaut werden kann. Auch sollten die Ziele der Onlinesitzung schon vorher klar benannt werden. Achtsamkeitsübungen zu Beginn können dazu beitragen, die Sitzung in einem ruhigen therapeutischen Umfeld zu gestalten.

Die Erfahrungen während der Corona-Krise zeigen jedenfalls, dass die unterstützenden Therapien der Integrativen Onkologie zum Teil sehr gut telemedizinisch erfolgen können, wenn man die Besonderheit der Situation erfasst und gut vorbereitet in die Sitzungen geht. Gleichzeitig erweist sich dies womöglich als große Chance für Patient*innen, die in Regionen leben, wo es nicht viele Angebote aus der Integrativen Medizin gibt. So kann die Telemedizin in Zukunft wertvolle ergänzende Impulse und Heilungschancen bieten, ohne dass sich Patient*innen ermüdenden und womöglich gefährdenden Reisen aussetzen müssen.

Quellen:
aerzteblatt.de, 29. April 2021

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Zwischenmenschliches

Unsere Gesundheit braucht soziale Kontakte

 

Newsletter Juni 2021 - Dass die Gesellschaft anderer Menschen im Alltag für die psychische und körperliche Gesundheit wichtig und förderlich ist, mag eine Binsenweisheit sein – in Zeiten der Corona-Krise wurde es uns allerdings erst so richtig bewusst.
Ein Forscherteam des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatte noch vor Einsetzen der Krise eine Studie abgeschlossen, in der sie genauer erforschten, wie die psychische Gesundheit mit zwischenmenschlichem Austausch und sozialem Kontakt im alltäglichen Leben zusammenhängt und welche Hirnareale dabei eine Rolle spielen. Sie konnten nachweisen, dass sich Menschen in ihrem Alltag wohler fühlen, wenn sie mit anderen zusammen sind, als wenn sie allein bleiben. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei denjenigen, die eine hohe soziale Kompetenz aufweisen, das heißt, sie können sich in Stress-Situationen Hilfe holen und sind im zwischenmenschlichen Umgang besonders verträglich. 

Diese Gruppe zeigte auch eine veränderte und ausgedehntere Struktur in einem Teil des Vorderhirns (konkret im anterioren cingulären Cortex). Diese Hirnregion ist damit befasst, Emotionen in sozialen Situationen zu verarbeiten; außerdem ist sie verantwortlich für Resilienz. Auch das Risiko für psychische Erkrankungen ist mit diesem Hirnabschnitt assoziiert. „Wir wissen aus vorherigen Studien, dass auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, die häufig weniger soziale Kontakte haben, stark von sozialen Kontakten profitieren“, sagt Dr. Gabriela Gan, eine der Erstautorinnen der Studie. „Daher ist es wichtig, den Austausch mit Menschen besonders in dieser Gruppe zu fördern.“

Soziale Kontakte bei Demenz
Wie gewichtig soziale Kontakte für unsere Gesundheit im täglichen Leben und vor allem auch in jeder Lebensphase sind, zeigt eine weitere Studie: So scheinen hauptsächlich nicht-pharmakologische Behandlungsoptionen depressive Symptome bei Patient*innen mit Demenz genauso gut oder sogar besser zu lindern als Antidepressiva, hieß es kürzlich im British Medical Journal. Ein Autor*innenteam unter der Leitung von Jennifer Watt, einer Spezialistin für Altersmedizin an der University of Toronto in Kanada, erstellte eine Metaanalyse von 256 Studien mit 28.483 Teilnehmer*innen mit Demenz, die an Depressionen litten oder auch nicht. Das Ergebnis: Antidepressiva sind nicht wirksamer als die nichtmedikamentöse Behandlung, von denen zehn Interventionen die Schwere der Depression signifikant reduziert haben.

Zu dem Therapiespektrum gehörten u. a. kognitive Stimulation, Bewegung, Gedächtnistherapie (um sich an Ereignisse, Menschen und Orte im Leben besser zu erinnern), Massage- und Berührungstherapie, multidisziplinäre Betreuung, Psychotherapie kombiniert mit Erinnerungstherapie und Veränderungen des Umfelds, Beschäftigungstherapie, Bewegung kombiniert mit sozialer Interaktion und kognitiver Stimulation sowie eine tiergestützte Therapie.

Das Fazit aus der Studie: Ärzt*innen sollten erwägen, in der Behandlung von depressiven Menschen mit Demenz mehr soziale Methoden anzuwenden. Die Studie sollte aber auch Pflegende und Therapeut*innen sowie politische Entscheidungsträger*innen und Heimleitungen ermutigen, solche Verfahren künftig vermehrt zu fördern.

Quellen:
idw-online.de, 28. Mai 2021
pharmazeutische-zeitung.de, 20. Mai 2021

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Ein großes Thema

Klimaschutzgesetz betrifft auch die Gesundheit

Newsletter Mai 2021 - Es war ein ziemlicher Paukenschlag in der letzten Aprilwoche: Das Bundesverfassungsgericht befand, das Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sei stellenweise nicht verfassungskonform und müsse nachgebessert werden. Bis Ende 2022 sollen die Ziele zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes für die Zeit nach 2030 genauer geregelt werden. Durch die jetzige Regelung seien die „noch sehr jungen Beschwerdeführenden“ [von Fridays for Future, d. Red.] „in ihren Freiheitsrechten verletzt“.

Wie auch immer man das Urteil einschätzen mag, eines steht fest: Es betrifft auch unsere Gesundheit, denn der Klimawandel dürfte eine der größten Herausforderungen für unsere Gesundheit sein. Und er wird sie noch stärker beeinflussen als jetzt die Corona-Krise. Denn solange der Planet nicht gesund ist, können auch wir Menschen nicht wirklich gesund sein:

  • Hitze und Dürre belasten Atemwege, Herz und Kreislauf, erhöhen die Rate an Frühgeburten, fördern Nierenerkrankungen, erhöhen Aggressivität und Gewaltbereitschaft
  • Infektionskrankheiten nehmen zu, weil sich u.a. Insekten ausbreiten, die krankmachende Viren übertragen
  • Wasser und Landbau werden negativ beeinflusst, Missernten drohen ebenso wie Trinkwasserknappheit
  • Erkrankungen der Atemwege nehmen zu – u. a. über vermehrt auftretende Allergien, zunehmende Luftverschmutzung
  • Die Seele leidet durch Extremwetterereignisse und ihre Folgen – besonders bei alten Menschen, Kindern, wirtschaftlich Schwachen und chronisch Kranken
  • Kinder sind vor allem gefährdet, wenn es um die langfristigen Auswirkungen geht.

Gründe genug also, um klimaschützende Maßnahmen rasch und umfassend auf den Weg zu bringen – dazu ermutigt das Urteil des Bundesverfassungericht.

Tipp:
„Ohne die Gesundheit der Erde gibt es keine Gesundheit der Menschen!“ Podcast mit dem Lungenspezialisten Dr. Christian Grah vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, der eine Initiative gestartet hat, die Klinik bis 2030 zum Zero-Emission-Krankenhaus zu machen.

Quellen:
welt.de, 29. April 2021
nzz.ch, 29. April 2021

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Neuregelung geplant

Gesetzentwürfe zum assistierten Suizid

Newsletter Mai 2021 - Vor etwa einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid verworfen, das 2015 in Kraft getreten war. Das heißt: Es muss dazu ein neues Gesetz geben. Dazu gibt es inzwischen zwei fraktionsübergreifende Entwürfe: einen von Katrin Helling-Plahr (FDP), Petra Sitte (Linke) und Karl Lauterbach (SPD), und einen von Renate Künast und Katja Keul (beide Bündnis 90/Grüne). Beide Entwürfe sehen vor, dass die Hilfe zur Selbsttötung künftig straffrei möglich sein soll. Dabei sollen Beratungs- und Wartefristen beachtet werden, und der Zugang zu den nötigen Medikamenten soll nur auf ärztliches Rezept möglich sein. Der Entwurf der Grünen sieht zusätzlich vor, dass es zwei voneinander unabhängige ärztliche Gutachten geben soll und dass die Beratung durch private, unabhängige Einrichtungen erfolgt.

Außerdem gibt es noch ein Eckpunktepapier einer überfraktionellen Gruppe aus CDU-, SPD-, Grünen- und FDP-Politiker*innen. Sie fordern eine umfangreichere Beratung und Begutachtung sowie Angebote, um Selbsttötungen vorzubeugen.

Auch soll es einen detaillierten „Diskussionsentwurf“ aus dem Bundesgesundheitsministerium geben. Er sieht vor, die Hilfe zur Selbsttötung grundsätzlich unter Strafe zu stellen, Ausnahmen jedoch zu erlauben und über ein Schutzkonzept zu regeln. Dieses sieht vor, dass ein*e Ärzt*in oder Psychotherapeut*in den freien Willen bezeugen und kein äußerer Druck ausgeübt wird. Ein „Selbsttötungshilfegesetz“ soll weitere Details regeln. Eine Werbung für den assistierten Suizid soll verboten werden, den Zugang zu den todbringenden Arzneimitteln soll eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes erleichtern. 

Am 21. April hat der Bundestag bereits kurz über diese Entwürfe diskutiert, und es erscheint unwahrscheinlich, dass das Gesetz tatsächlich noch vor Ende der Legislaturperiode auf den Weg gebracht wird, wie Jens Spahn das ursprünglich vorhatte. Zu viele Fragen sind dazu noch unbeantwortet, auch wäre ein breiterer gesellschaftlicher Diskurs dazu wünschenswert.

Der dieses Jahr digital abgehaltene Deutsche Ärztetag hat sich ebenfalls mit diesem Thema befasst und dabei insbesondere die Rolle der Ärzteschaft diskutiert. „Aus meiner persönlichen Sicht ist die Suizidbeihilfe keine ärztliche Aufgabe“, sagte Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, vorab. Aufgrund einer Mehrheitsentscheidung wurde jetzt jedoch ein entscheidender Satz aus der Ärztlichen Berufsordnung gestrichen. Dieser Satz lautete: „Ärzte dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten." 

GESUNDHEIT AKTIV wird sich dieses Themas zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher annehmen.

Tipp:
Die Arbeitsgemeinschaft Palliativmedizin der Medizinischen Sektion am Goetheanum hat ihre Stellungnahme zum assistierten Suizid und zur aktiven Sterbehilfe aktualisiert. 

Quellen:
aerzteblatt.de, 20. April 2021
doccheck.com, 6. Mai 2021

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Ombudsstelle gefordert

Mehr Sicherheit für Patient*innen

Newsletter Mai 2021 - Die Sicherheit von Patient*innen soll künftig in allen Bereichen des Gesundheitswesens strukturell besser verankert werden, und zwar von der Ausbildung bis hin zu den obersten Entscheidungsgremien, meint das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS). Eingebunden werden müssten dabei alle Beteiligten, die Krankenhäuser ebenso wie Körperschaften und politische Institutionen, Pharmafirmen und Medizintechnik, ärztliche und therapeutische Praxen und sämtliche Gesundheitsberufe. „In all diesen Bereichen gehört das Thema Patientensicherheit in die Unternehmensstrategie“ sagte APS-Vorsitzende Ruth Hecker im Rahmen einer Online-Pressekonferenz. Es müssten eindeutig formulierte und mithilfe von Kennzahlen nachprüfbare Ziele verankert werden: „Das Prinzip der Freiwilligkeit, das wir in den vergangenen 15 Jahren verfolgt haben, hat hier nicht den gewünschten Erfolg gebracht.“

Hecker fordert darüber hinaus, die Position der Patientenbeauftragten der Bundesregierung in eine Ombudsstelle umzuwandeln und ihr mehr Rechte und Kompetenzen einzuräumen. Alle Gesundheitsberufe sollten ebenso wie Patient*innen Fehlentwicklungen melden können.

Kritik übte das APS auch an der derzeitigen Impfkampagne. Menschen mit Behinderung, die in einem Heim leben, mussten lange auf eine Impfung warten, weil sie nicht in die Prioritätsgruppe 1 eingeordnet wurden. Viele wären aber von Covid-19 besonders bedroht, z. B. aufgrund einer Muskeldystrophie, die auch die Atemmuskulatur beeinträchtigt. Auch gebe es oft Schwierigkeiten in der ambulanten und stationären Versorgung, die vielerorts nicht barrierefrei zugänglich sei. Das erschwere das Geimpftwerden zusätzlich.

Quelle:
Katholische Nachrichten-Agentur, 27.04.2021

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Guter Vorsatz

Spahn will „Roadmap“ für die Pflege erstellen

Newsletter Mai 2021 - Noch in dieser Legislaturperiode will Gesundheitsminister Spahn eine „bessere, fachlich hergeleitete Personalbemessung“ für die Pflege im Krankenhaus gesetzlich festlegen. Damit kommt er einer Forderung entgegen, die Klinikdirektoren schon lange an ihn herangetragen haben, weil sie mit der zurzeit geltenden Pflegepersonaluntergrenze unzufrieden sind. Schon Anfang 2020 hatten die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der Deutsche Pflegerat und ver.di eine „Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR)“ vorgelegt. Bislang hatte Spahn diese nicht weiter beachtet. Offenbar kommt jetzt aber Bewegung in die Sache.

Er sei sich mit den drei Verbänden einig, dass man ein Personalbemessungsinstrument wie die PPR brauche, sagte Spahn. Um den Bedarf zu ermitteln, sei das allerdings zu wenig und eigne sich höchstens als Provisorium. Ein solches gebe es aber jetzt schon, weil bereits festgelegt sei, dass die Personalkosten für die Pflege refinanziert werden müssen.

Die Krankenhäuser müssten sich stärker miteinander vernetzen, um eine „abgestimmte, qualitätsgestützte Versorgung“ zu erreichen, meine Spahn: „Je besser die Versorgung abgestimmt ist, desto eher kann man auch über andere Vergütungssysteme nachdenken.“ Dafür wolle er noch in dieser Legislaturperiode ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen.

Dem Pflegenotstand wird das allerdings auf absehbare Zeit kaum abhelfen – dazu liegt zu viel im Argen. Deshalb spricht sich der Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VDK), Josef Düllings, dafür aus, die Kliniken nicht nur besser zu vernetzen, sondern eine grundlegende Strukturreform einzuleiten, die auch die Digitalisierung, eine Stärkung der ambulanten Bereiche der Medizin, die ambulante Notfallversorgung, die Investitionskostenfinanzierung und vor allem die erdrückende Bürokratie umfasst. Das System der Fallpauschalen sei in die Jahre gekommen und müsse abgelöst werden. 

Quellen:
aerzteblatt.de, 26. April 2021

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Nur Mut

Herausforderungen stärken die Widerstandskraft

Newsletter Mai 2021 - Manchmal kann man ja schon den Mut verlieren, wenn man sich so anschaut, in welche Dauerkrise wir mit Corona geraten sind. Aber solche trüben Gedanken helfen nicht weiter. Da ist es schon erfreulicher, wenn man sich anschaut, was Wissenschaftler*innen des Psychologischen Instituts und der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich zusammen mit Kolleg*innen aus New York herausgefunden haben. Demnach gibt es fünf spezifische Komponenten, die davor schützen können, in Anbetracht einer Krise seelisch in die Knie zu gehen:

  1. Anpassungsfähigkeit – Veränderungen akzeptieren und damit leistungsfähig bleiben
  2. Selbstkontrolle – die Fähigkeit, Urteile und Entscheidungen unabhängig von eigenen Gefühlen und Wünschen zu fällen
  3. Durchhaltevermögen – bereit sein, hart zu arbeiten und zusätzliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen
  4. Optimismus – in allem Negativen auch immer etwas Positives erkennen können und die Zuversicht nicht verlieren
  5. Selbstwirksamkeit – auf die eigene Kraft vertrauen und zu wissen, dass man auch Schwieriges bewältigen kann.

Wer mit diesen fünf Punkten an sich selbst glaubt, kommt, so die Forscher*innen, deutlich besser durch eine Krise und geht sogar gestärkt daraus hervor. Dies umso mehr, wenn man schon einmal die Erfahrung gemacht hat, eine Krise – egal welcher Art – erfolgreich gemeistert zu haben. Allein die Erinnerung an eine solche Selbstwirksamkeit hat größere Effekte als die Erinnerung an allein ein positives Ereignis. Vielleicht sollten wir uns gerade in diesen Zeiten an solche schwierigen Situationen erinnern und daraus neue Kraft beziehen.

Quellen:
univadis, 15. März 2021

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