Aktuelle Neuigkeiten

Neueste Nachrichten aus dem Gesundheitswesen

Hier finden Sie unsere aktuellen Nachrichten, die wir einmal im Monat als Newsletter verschicken. Wir greifen aktuelle Neuigkeiten aus verschiedenen Medien auf – zu Gesundheitsthemen, aber auch zu Forschungsergebnissen, zur Gesundheitspolitik und ganzheitlicher Medizin. Unser Archiv finden Sie hier.

Wenn Sie regelmäßig informiert werden möchten, abonnieren Sie doch einfach unseren monatlichen Newsletter und erhalten Sie alles Wissenswerte zuverlässig per E-Mail! 

WEG MIT DEN FALLPAUSCHALEN!

Andere Basisfinanzierung für Kliniken

Medizin solle wieder eine stärkere Rolle spielen, die Ökonomie zurückgedrängt werden, so die grobe Zusammenfassung von Karl Lauterbach zum Thema Klinikreform. Wie genau das alles passieren soll, ist noch offen, aber zumindest die schon lange kritisierten DRGs (Fallpauschalen) sollen nun endlich einem anderen Finanzierungssystem weichen, beziehungsweise nicht mehr länger die Basisfinanzierung bilden.

Damit beendet Lauterbach, was er selbst noch vor mehr als 20 Jahren zentral mit auf den Weg gebracht hat. Mit dem Fallpauschalensystem sei man zu weit gegangen, es seien zu viele Anreize geschaffen worden, möglichst viele Fälle erbringen zu müssen, um finanziellen Erfolg zu haben, so der Minister weiter in seinen Erklärungen, warum nun eine neue Krankenhausfinanzierung her muss. Wie die Reform im Einzelnen aussehen soll, will Lauterbach in den nächsten Wochen verkünden, bis dahin reichen Schlagworte wie „Ambulantisierung“, „Entbürokratisierung“ und „Zentralisierung“.

Laut dem Minister soll es weniger darum gehen, Geld einzusparen, als die Versorgung zu verbessern. Dazu soll auch das Vorhaben dienen, zukünftig einen Teil der Krankenhausfinanzierung über sogenannte Vorhaltepauschalen abzudecken, das heißt Zahlungen, die sich nicht an den tatsächlich erbrachten Leistungen orientieren, sondern am notwendigen Vorhalten von Personal und Technik. Auch dies soll dazu dienen, die medizinische Versorgung stärker von ökonomischen Aspekten abzukoppeln. Es bleibt also zu hoffen, dass mit diesem längst überfälligen Reformvorhaben die Interessen der Patient:innen mehr in den Fokus rücken als bisher! Und wie das aussehen könnte lesen Sie hier weiter.

 

 

zurück zur Übersicht

DOCH LIEBER ÜBERWEISEN?
Dann nutzen Sie unser
GESUNDHEIT AKTIV
Spendenkonto:
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN DE34 4306 0967 0017 2179 00
BIC GENODEM1GLS

TÄGLICH LEBEN RETTEN, ABER KEIN EIGENES HABEN

Berliner Charité-Ärzt:innen streiken für mehr Lohn und weniger Belastung

Bereits im Oktober hatten Berliner Ärztinnen und Ärzte ihre Arbeit niedergelegt, nun droht wieder Streik, denn eine Lösung im Tarifstreit ist nach wie vor nicht gefunden, auch wenn der Vorstand der Charité meint, eine baldige Einigung sei in Sicht. Dennoch droht die Ärztegewerkschaft Marburger Bund weiterhin mit Arbeitsniederlegungen, denn die grundsätzlichen Probleme bleiben bestehen. Es geht den Ärztinnen und Ärzten nicht nur um eine Lohnerhöhung, Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen generell: 60 bis 80 Arbeitsstunden in der Woche und bis zu 15 Bereitschaftsdienste im Monat sind eher die Regel als die Ausnahme.

Daher fordert die Gewerkschaft hier verbindlichere Dienstpläne und maximal vier zusätzliche Bereitschaften. Dass es den Protestierenden an der Charité hauptsächlich um eine grundsätzliche Veränderung im System geht. ließ sich auch deutlich an den Transparenten bei der Kundgebung im Oktober sehen: „Come in and burn out“ war da zu lesen, oder „Täglich Leben retten, aber selber keines mehr haben“. Der Protest geht weitestgehend von den jüngeren Kolleg:innen unter 40 aus, die sich in einem Beruf, den sie aus Leidenschaft ausüben, trotzdem nicht verheizen lassen wollen. Gleichzeitig weisen sie damit auf die damit verbundenen teilweise katastrophalen Bedingungen für die Patient:innen hin, denn wer möchte sich am Ende einer langen 24 Stunden Schicht ohne nennenswerte Pausen von einem erschöpften Mediziner behandeln lassen?

Die dünne Personaldecke führt auch dazu, dass Patient:innen oft stundelang auf Untersuchungen oder Laborergebnisse warten müssen, dass kein Bett frei ist, wenn es auf Station gehen soll oder aber Patient:innen dann noch mühevoll in andere Krankenhäuser verlegt werden müssen. Letzteres Problem  zeigt sich in Berlin besonders im Bereich der Kinderheilkunde, Hunderte Kinder wurden allein im letzten Jahr ins Berliner Umland verlegt, da zu wenig Personal in den Berliner Kliniken vorhanden ist.

zurück zur Übersicht

DOCH LIEBER ÜBERWEISEN?
Dann nutzen Sie unser
GESUNDHEIT AKTIV
Spendenkonto:
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN DE34 4306 0967 0017 2179 00
BIC GENODEM1GLS

ZIELORIENTIERT, STATT PROBLEMORIENTIERT

Ein Zwischenruf von Stefan Schmidt-Troschke

Auf einer spannenden Tagung des Bundesverbandes Managed Care wurde die interessante Frage bewegt, wie wir zu einem System kommen, das Patienten gerecht werden kann. Value Based Care (zu deutsch am besten: Wertorientierte Versorgung) soll der Anspruch für ein modernes und zeitgemäßes Gesundheitswesen sein und das wurde an verschiedenen Beispielen diskutiert. Aber was ist das eigentlich, eine Wertorientierte Gesundheitsversorgung? In den 90er Jahren begründet durch den US-amerikanischen Gesundheitsökonomen Michael Porter, scheint das Konzept zunehmend Gehör zu finden, auch wenn wir noch wenig davon spüren. In Teilen Belgiens, aber auch in Baden-Württemberg ist man regional dabei, sich daran zu orientieren:

  • angemessene Versorgung, um die persönlichen Ziele JEDES Patienten zu erreichen (persönlicher Wert), 
  • Erzielung bestmöglicher Ergebnisse mit verfügbaren Ressourcen (technischer Wert), 
  • gerechte Verteilung der Ressourcen auf alle Patientengruppen (allokativer Wert) 
  • Beitrag der Gesundheitsversorgung zu gesellschaftlicher Teilhabe und Verbundenheit (gesellschaftlicher Wert)

Interessant ist dieser Ansatz, als dass es weniger darum geht, Probleme zu lösen, als Ziele zu erreichen, die sich konkret auf die Lebenswirklichkeit von Patientinnen und Patienten auswirken. Ärztinnen und Ärzte glauben nicht selten, dass sie ja genau dies tun. Sie glauben daran, dass sie diejenigen sind, die Patient:innen an den wissenschaftlich für optimal gehaltenen Leitlinien auszurichten haben, in ihren Maßnahmen, in ihren Verordnungen und in ihren Verhaltensempfehlungen. Sie halten sich dabei für die Richter darüber, was für den Patienten jeweils richtig ist und treten entsprechend auf. Ihr Erfolg wird in der Regel sichtbar daran, ob sie die Probleme korrekt identifiziert haben und ob sie ihre Standards eingehalten haben. 

Aus Patientensicht aber sieht das ganz anders aus. Für sie geht es oft weniger darum, optimale Werte eines Laborparameters zu erreichen, als darum, ob sie mobil bleiben können, ob sie sich um ihre eigenen Belange kümmern können und autonom bleiben, ob und wie sie aus der Einsamkeit erlöst werden können, die ihrerseits zu Rückzug und Depression geführt hat. Die moderne Medizin, allerdings ist an Maßnahmen orientiert. Ganze Gesundheitssysteme sind auf Maßnahmen ausgerichtet und weniger darauf, was im Ergebnis einen wirklichen Mehrwert für Patient:innen erzeugt. Wie wäre es also, die persönlichen Ziele von Bürgerinnen und Patient:innen wirklich ernst zu nehmen? Das würde bedeuten, dass wir uns zunächst einmal dafür interessieren. Diese Frage aber wird in der Regel erst gar nicht gestellt. Stattdessen wird angenommen, dass es jede(m)r Patient:in darum gehen müsste, einen jeweils optimalen Gesundheitszustand zu erreichen. Wenn verstanden würde, dass viele Menschen ganz andere konkrete Ziele haben, wäre schon viel gewonnen. Vielen Patient:innen würde es besser gehen, wenn sie beispielsweise nicht mit Scheinversprechen am Ende des Lebens für eine Chemotherapie geködert würden, deren Erfolg sich lediglich an der Verbesserung von Parametern festmacht, die am Ende keine Bedeutung für die Patient:innen haben. Manches würde wegfallen und könnte eingesetzt werden für mehr aktive Selbsthilfe und für eine sinnorientierte Medizin…

zurück zur Übersicht

DOCH LIEBER ÜBERWEISEN?
Dann nutzen Sie unser
GESUNDHEIT AKTIV
Spendenkonto:
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN DE34 4306 0967 0017 2179 00
BIC GENODEM1GLS

GLOBULI NUR VON TIERARZT?

Bundesverfassungsgericht kippt Vorschrift im Tierarzneimittelgesetz

Ab sofort dürfen Hunde, Katzen und andere Haustiere wieder mit homöopathischen Mitteln behandelt werden, die eigentlich für Menschen gedacht sind. Das hat das Bundesverfassungsgericht heute entschieden.

Seit dem 28.Januar gilt in Deutschland das neue Tierarzneimittelgesetz – und eine der neuen Regelungen sorgte sehr schnell für Aufruhr unter Tierheilpraktiker:innen: der Tierarztvorbehalt für die Arzneimittelanwendung bei Tieren. Und zwar nicht nur für verschreibungspflichtige Tierarzneimittel und veterinärmedizintechnische Produkte, sondern auch für Humanarzneimittel, das heißt eben auch nicht verschreibungspflichtige homöopathische Humanarzneimittel. Diese dürfen demnach weder von Tierhalter:innen noch anderen Personen, wie etwa Heilpraktiker:innen, bei Tieren angewendet werden. Andernfalls droht eine Ordnungsstrafe. 

Dagegen haben nun vier Frauen geklagt, alle vier arbeiten als Tierheilpraktiker:innen, beziehungsweise -homöopathinnen und sehen sich durch die Regelung in ihrer Berufsfreiheit deutlich eingeschränkt, mehr noch, sie bedeutet ein faktisches Berufsverbot. Darüber hinaus sah sich eine der Klägerinnen auch in ihrer allgemeinen Handlungsfreiheit verletzt, da sie auch Tierhalterin ist.

In seinem am 16.11. veröffentlichten Beschluss stellt das Bundesverfassungsgericht nun fest, dass der entsprechende Paragraf im Gesetz tatsächlich gegen die Berufsfreiheit und die allgemeine Handlungsfreiheit verstößt und damit keine Gültigkeit hat. Zwar sei der Tierarztvorbehalt durchaus aus guten Gründen an dieser Stelle formuliert worden, nämlich um die Qualität der Diagnostik und Therapie in der medizinischen Behandlung von Tieren zu sichern und somit den Tierschutz zu stärken, allerdings sei die Regelung nicht verhältnismäßig. Tierheilpraktiker:innen, die klassisch homöopathisch arbeiten und daher meist hochpotenzierte, nicht verschreibungspflichtige Humanhomöopathika anwenden, seien existenziell betroffen, eine Berufsausübung weitgehend nicht mehr möglich, da es für diesen Therapieansatz keine Mittel speziell für Tiere gibt. Zudem stellte das Gericht fest, dass die Anwendung von registrierten Humanhomöopathika keinerlei Gefahren für die Gesundheit von Tier, Mensch oder Umwelt berge. Daher dürfen zukünftig auch Tierhalter:innen Hund oder Katze wieder mit Globuli versorgen.

 

zurück zur Übersicht

DOCH LIEBER ÜBERWEISEN?
Dann nutzen Sie unser
GESUNDHEIT AKTIV
Spendenkonto:
GLS Gemeinschaftsbank eG
IBAN DE34 4306 0967 0017 2179 00
BIC GENODEM1GLS